Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1934. Bestand LBI
- Issue
- August 1934
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 65 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 2× ep/1048155
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Deutschland sollten Angestellte nicht ausreisen, ganz besonders keine Neulinge. Für Pflanzungsassistenten gelten dieselben Ausführungen. Selbst Pflanzungsleiter steigen selten über 500 bis 700 sh Monatseinkommen. Es sind reichlich Stellungsuchendc im Lande, so daß keinerlei Aussicht besteht, auf einer Rüstenpflanzung als Assistent oder Volontär unterzukommen. Dagegen nehmen die Pflanzer und Farmer auf den Hochländern häufig Volontäre gegen Kostgeld (25 bis 100 sh monatlich). Die Zahl der Bewerber um solche Stellungen ist aber groß. Bevorzugt werden Personen, die soviel Geld haben, um sich in absehbarer Zeit /selbständig zu machen. — — Uns sind mehrere Pläne über Ansicdlung zugegangen. In einem werden für Erwerb von 50 Hektar Kulturland, Ausreisespesen, Wohnhaus und Möblierung 23 300 sh und für den landwirtschaftlichen Betrieb für 35 Hektar Kaffee-Plantage (Bearbeitung, Anschaffungen, Pflege des Bodens für drei Jahre und Lebensunterhalt für drei Jahre) 20 000 sh angegeben. ■— — Ein weiterer Bericht wurde uns von anderer Seite übermittelt, in dem es sich gleichfalls um den Erwerb von Pflanzungen handelt. Es sind Erkundigungen über die Projekte bei sachverständiger Seite eingezogen worden, und es wird folgendes Urteil abgegeben : Der Betrieb von Kaffee-Plantagen ist ein sehr schwieriger und erfordert jahrelange Kenntnisse. Der Kauf einer Plantage, ohne dieselbe durch Experten geprüft zu haben, ist ein hochgradiges Bisiko. Der Wert der Plantage ist von vielen Faktoren abhängig. Es ist zu großer Vorsicht zu raten. Es wird bemerkt, daß im großen und ganzen einige wenige Plantagenbesitzer Geld verdienen, sehr viele ihr Geld verlieren und eine große Anzahl nur die Kosten decken. Tunesien Publikationen der Beichsstelle für das Auswanderungswesen vom November v.J. entnehmen wir folgende Berichte: Aussichten für deutsche Ärzte In Tunesien hat sich in den letzten Jahren erst ein reichsdeutscher Arzt, zugleich Zahnarzt, und zwar im Jahre 193Î in Sfax (Südtunesien) niedergelassen. Zurzeit soll jedoch bei der Generaldirektion des Innern in Tunis eine große Anzahl von Gesuchen deutscher Ärzte um Zulassung zur Praxis in Tunesien vorliegen. Einige dieser Ärzte sind schon im Lande, um die Zulassungsbewilligung abzuwarten. Wie aus Äußerungen der zuständigen Behörde entnommen werden kann, ist, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, auf eine Zulassung deutscher Ärzte zur Ausübung der ärztlichen Praxis in der Begenlschaft nicht zu rechnen. Der Ärzteberuf ist in Tunesien sehr überfüllt. Auf die Stadl Tunis mit 202 405 Einwohnern entfallen über 250 Ärzte, also auf je 800 Einwohner ein Arzt. Im ganzen sind zurzeit etwa 350 Ärzte, größtenteils französischer und italienischer Nationalität, in Tunesien tätig. Lebens- und Lohn Verhältnisse in Tunis Die nachstellend aufgeführten Preis- und Lohnsätze — sämtlich in französischen Franken angegeben — wurden Ende September 1933 in Tunis aufgestellt. Der damalige Kurs betrug 1 Fr. etwa 0,1t! RM. Die niedrigen Zahlen gelten für bescheidenste, die höheren für mittlere Ansprüche. Wohnung und Verpflegung: Unterkunft ohne Verpflegung im Gasthaus für eine Person täglich 10—25, mit Verpflegung 30—50, ein möbliertes Zimmer ohne Verpflegung monatlich 200—300, mit Verpflegung 600—900. Eine leere Wohnung von zwei Zimmern kostet im Monat 300—400, von vier Zimmern 500—600, eine möblierte Wohnung von zwei Zimmern monatlich 400—500, von vier Zimmern 500—750. Es kostet täglich Morgenkost 2—5, Mittagessen 6—15, Abendessen 8—15. Für Verpflegung allein sind monatlich zu rechnen 350—600. Lebensmittel: Es kostet je 1 kg Mehl 1,90—2, Brot 1,90—2, Butter 16—33, 1 kg landesübliches Fett oder Öl 5, Fleisch 10—30, Reis 1,75—2, Kartoffeln 1—1,20, 1 Liter Milch 3. Bekleidung: Es kostet ein Männeranzug 250—600, ein Männerhemd 12—50, ein Paar Männerstiefel 45—100, ein Frauenkleid 100—500. Ortsüblicher Monatsbedarf (einschließlich Unterhaltung von Kleidung, Wäsche und Haushalt): Lediger Handwerker 700—800, verheirateter Handwerker ohne Kinder 1200, Handwerkerfamilic von vier Köpfen 900—1400, lediger Angestellter 800—1000, verheirateter Angestellter ohne Kinder 1200—1800, Angestelltenfamilie von vier Köpfen 1500—2000. Ortsübliche Lohn- und Gehaltssätze: Tagelohn für ungelernte Arbeiter 10—25, Wochenlohn für Handwerker 70—150, Monatsgehalt für Handelsangestelltc 500—1000, Techniker 1000—1500, Ingenieure, Architekten, Chemiker usw. 1200—1500. Barlohn für ein Dienstmädchen — also außer Kost und Wohnung — monatlich 250—400. Australien Die Einwanderung nach Australien ist nach Auskunft des englischen Konsulats nach wie vor gesperrt. Anderslautende Zeitungsnachrichten sind nicht zutreffend. Wir geben die Antwort des Konsulats nachstehend wieder: 1. Die Einwanderung nach Australien ist augenblicklich für jeden gesperrt, der nicht ein „Landing Permit'' (Landungserlaubnisschein), ausgestellt durch das „Department of the Interior, Canberra, Australien'', hat. 2. Diejenigen Einwanderer, die nahe Verwandle in Australien haben, müssen veranlassen, daß ihre Verwandten für sie die Einwanderungserlaubnis bei dem „.Department of the Interior, Canberra, Australien'1 beantragen. 3. Bona fide Touristen, Kaufleute usw., d. h. Nicht-Einwanderer, können sich bis zu sechs Monaten in Australien aufhalten. 4. Deutsche Staatsangehörige brauchen kein Visum für die Einreise nach Australien. Die Beisenden müssen, sofern sie keine britischen bzw. australischen Staatsangehörige sind oder keinen Einreiseerlaubnisschein i Permit) der australischen Einwanderungsbehörde vorweisen können, vor Antritt der Beise £ 40 bei der Schiffsgesellschaft einzahlen. Dieser Betrag wird den Passagieren nach genehmigter Einreise im Bestimmungshafen zurückvergüteI. Nach der Jahresstatistik für Überseewanderung, die durch das Commonwealth Bureau of Census and Statistik veröffentlicht wurde, kamen 1933 10 749 Einwanderer an gegen 9868 im Jahre 1932, und 12 221 reisten zu ständigem anderweitigen Aufenthalt ab gegen 14 686 im Jahre 1932. Von den 10 749 Einwanderern kamen 3473 aus Großbritannien (32,3 o/o), 2918 (27,1 o/0) aus europäischen Ländern. 1697 (15,8 o/o) aus Neuseeland, 1341 (12,5 o/o) aus asiatischen Ländern, und der Best aus Mittelamerika, Südamerika, den Inseln des Stillen Ozeans, den Südseeinseln usw. Von den Emigranten gingen 5922 (48,5 o/0) nach Großbritannien, 2102 (17,2o/o) nach europäischen Ländern, 1520 (12,4 o/o) nach asiatischen Ländern, 1245 (10,2 o/0) nach Inseln des Stillen Ozeans und der Südsee, 1183 (9,7 o/0) nach Neuseeland, und der Best nach anderen Ländern. Von den 5740 männlichen Einwanderern werden 30,3 <»/o klassifiziert unter Landwirtschaft und Minenbau, 12,5 o/0 Gewerbetreibende, 11,8 o/o freie Berufe, 11,6% Handel und Finanzwesen, der Best Transport und Verkehrswesen, Dienstpersonal usw. Die Wirtschaftslage des australischen Bundes (Commonwealth of Australia) hat sich verbessert. Der dreijährige finanzielle Reformplan hat schon seine Früchte getragen. Dieser Plan sah eine Reduktion von Regierungsausgaben in jeder Form mit Ausnahme von Zinsen und Tilgung der äußeren Schulden vor. Die ganze^ innere Schuld wurde erfolgreich konvertiert. Alle sozialen Dienste, einschl. der Alters-, Invaliden- und sogar Soldatenpensionen, wurden in Mitleidenschaft gezogen; Löhne und Gehälter wurden um 20—30 o/o herabgesetzt. Australien ist außerordentlich dünn bevölkert; es tauchen daher Siedlungsprojekte verschiedener Art auf. Die Reichsstelle für das Auswanderungswesen bringt darüber u. a. folgende Mitteilungen: > Die Bevölkerung des Nordterritoriums betrug am 30.6. 1932: 4549 Personen, von denen 2950 Europäer, 687 Asiaten, 852 Mischlinge und 60 anderer Abstammung sind. Von den 237 056 Quadratmeilen Nordaustraliens sind 156 000 Quadratmcilen unter 65