Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1934. Bestand LBI
- Issue
- August 1934
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 63 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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tretung irgendeiner Automobilfabrik, so daß neben den Reparaturwerkstätten noch das VerkaufsgeschäfI betrieben wird. Das Autogeschäfl wickelt sich ab in Teilzahlungen. Da wir eben bei den Handwerkern sind, sei noch erwähnt, daß auch für Schuhmacher und Schneider Möglichkeiten sind, sowohl als Angestellte wie als selbständige Geschäftsleute drüben tätig zu sein. Für Kaufleute mil entsprechender Spezialbildung (Konfektion, Lebensmiltclbranche usw.) bietet, sich die gleiche Gelegenheit. Gute Aussichten haben fernerhin Schlächter an allen Plätzen des Landes. Schlächterei-Betriebe sind drüben recht lohnend, da die Viehpreise verhältnismäßig niedrig sind. Ein oder mehrere tüchtige Gerber können sich drüben ebenfalls eine gute Existenz gründen. Es besteht im ganzen Lande noch keine Gerberei, sämtlicher Lederbedarf wird importiert. Auch für junge Mädchen besteht, in zwar beschränklein Maße, die Möglichkeit, als Angestellte tätig zu sein (Stenotypistinnen, Friseusen, Verkäuferinnen in Konfektions- und ähnlichen Geschäften). Wenn somit eine Familie nach drüben geht, so können die Ellern?.. P>. mit Farmwirtschaft beginnen und die Kinder, soweit sie im Farmbetrieb noch nicht mitbenötigt werden, durch Arbeitsübernahme in ihrem Beruf gut zuverdienen. Ärzte: Grundsätzlich können Ärzte in Südwest nur praktizieren, wenn sie englisches Examen gemacht haben. Als das Land nach Kriegsablauf der Union als Mandat zugewiesen wurde, gestattete die Regierung den im Lande befindlichen deutschen Ärzlen und Tierärzten weiter zu praktizieren und bis zum Jahre 1935 ihre Praxis, wenn sie selbst auszuscheiden beabsichtigten, zu verkaufen. Dieser Vorteil hört, wie schon gesagt, im Jahre 1935 auf. Es wurde bisher so gehandhabt, daß im Lande wohnende Ärzte, die nach Europa zurückkehren wollten, ihre Praxis verkauften, und zwar meist zu Beträgen von 5000 bis 10000 RM. Dieser Betrag wurde jedoch ausschließlich für die Arztlizenz bezahlt. Instrumentarium mußte der neu angekommene Arzt entweder gegen Bezahlung übernehmen oder selbst mitbringen. Alle Ärzte drüben haben Röntgenopparale, Hohensonne usw. Im ganzen Lande befinden sich etwa 20 deutsche Ärzle, von denen einige bestimmt gewillt sind, ihre Praxis in der noch offenstehenden Spanne bis 1935 zu verkaufen. Um ein Beispiel zu erwähnen, gibt es in Windbuk 4 deutsche Ärzle, eine jüdische Ärztin, die aus der Union zugewandert ist, und 3 englischafrikanische Ärzte, darunter Spezialisten für Chirurgie, für innere Krankheiten und Frauenkrankheiten. Für Zahnärzte gilt das gleiche, was von den anderen Ärzten gesagt ist, und bestehen auch hier die gleichen Möglichkeiten. Rechtsanwälte: Der Beruf der Anwälte in Südafrika ist in zwei Klassen gegliedert, solche mil Universitätsbildung und andere, die im Büro eines Rechtsanwaltes gelernt haben. Erstere dürfen an allen Gerichtshöfen, auch am Obergericht, ihre Mandanten vertreten, während die letzteren nur zu niederen Prozeßsachen bei den örtlichen Gerichten zugelassen sind. Für junge deutsche Juristen besieht die Möglichkeit, in den Büros der in Südwest arbeitenden Rechtsanwälte als Gehilfen unterzukommen. Sie haben nach entsprechender Zeit auch die Möglichkeit, sich zum Examen melden zu können und dadurch spätere Selbständigkeit zu erhallen. — In vielen hiesigen Zeitungen ist über die verheerende Trockenheit in Südwest geschrieben worden. Talsache ist, daß in den letzten Jahren durch Trockenheit große Verluste entstanden sind, die erst wieder in einigen Jahren aufzuholen sind. Es existiert in Südwest seit langen Jahren eine amtliche Wellerbeobachlung. Nach den Angaben dieser Dienststelle ist es seit 50 Jahren nicht vorgekommen, daß Trockenheit, wie in den letzten drei Jahren, das Land heimsuchte. Sprachlich bestehen, da Deulsch Umgangssprache im ganzen Lande ist, auch keinerlei Schwierigkeilen. Natürlich haben diejenigen Einwanderer, die von vornherin schon etwas Englisch sprechen, gewisse Vorteile. Die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß es jungen Ansiedlern, die vorwärts kommen wollen, verhältnismäßig leicht fällt, die beiden Landessprachen Englisch und Africaans zu erlernen. Wirtschaftslage. Über Anzeichen einer Wirtschaftsbelebung ist folgendes im Nachrichtenblatt der Reichsstelle für das Auswanderungswesen publiziert: Die Urteile über die zukünftige Entwicklung der Wirtschaftslage im Mandatsgebiet lauten in letzter Zeit günstiger. Während der anhaltende Regen ungeheure Verheerungen anrichtete, Eisenbahndännne Eortspülte, Chausseen und Wege zer- Störte, Slüdle, Dörfer und Farmen vom Verkehr mit der Außenwelt zeitweise völlig abschnitt, so daß die Nahrungsmittelzufuhr vielfach nur durch Flugzeuge möglich war, verwandelte er weite Gebiete des Landes, die seit Menschengedenken Wüste waren, in grünes Weideland. Der südliche Teil der Kalahari gleicht einem blühenden Gartenland. Flüsse, wie der Kurumanfluß, die seit Jahrzehnten kein Wasser mehr führten, gleichen großen Strömen. Neue Seen entstanden. Der Nosob ist z. B. 8—10 Fuß tief und streckenweise bis 450 Fuß breit. Die Farmer längs des Nosob rechnen damit, daß ihre Bohrlöcher auf ein weiteres Menschenalter Wasser liefern werden. Das Land hat plötzlich das in überreichem Maße, was die ständige Sorge der Farmer in Südwest war, \Y a s s e r. Trotz (1er großen Verluste, welche der einzelne erlitt und bei den anhaltenden Regengüssen noch immer zu verzeichnen hat. ist die Stimmung im Lande hoffnungsvoll. Der \ iehwir tschaft wird eine günstige Entwicklung vorausgesagt, Durch die Unierbindung des Eisenbahnverkehrs ist der Viehtransport nach den Schlachthäusern und zur Küste fast völlig lahmgelegt, die Ausfuhr von lebendem und geschlachtetem \ ich auf ein Minimum gesunken. Mil der Wiederaufnahme des regelmäßigen Eisenbahnverkehrs ist bei den außergewöhnlich günstigen Weideverhältnissen mit einem starken Auftrieb von gut gemästetem Vieh und damit mit einer wesentlichen A us fuhrst e i g c r u n g zu rechnen. Günstig beurteilt werden auch die Enlw icklungsmöglichkeiten für die K a r a k u 1 z u c h t, die fast ausschließlich von deulschen Farmern betrieben wird. Eine verstärkte Nachfrage nach Mutterschafen ist bereits zu verzeichnen. In den letzten Wochen sind die Preise um nicht weniger als 50 o/o gestiegen. Viele Farmer, die die Karakulzucht slark eingeschränkt liai ten. Bullen ihre Bestände wieder auf; Farmer, die diesen Erwerbszw eig aufgegeben hatten, schaffen sich den Grundstock für neue Herden an. Im abgelaufenen Jahre wurden aus Südwest rund 0.5 Mill. Karakul feile im Werte von 0,4 Millionen Pfund ausgeführt. Die Zahl der in diesem Jahr zur Ausfuhr gelangenden Felle wird aller Voraussicht nach nicht so groß sein; es wird jedoch damit gerechnet, daß der im Durchschnitt zu erzielende Preis höher als im abgelaufenen Jahre ist. Der Handel stellt sich schon jetzt auf die kommenden Geschäftsmöglichkeiten um. Die Vergebung der Kredite wird großzügiger gehandhabt. Nengründungen von Geschäften werden gemeldet; so beschloß u. a. die United Trading Company die Eröffnung von Warenhäusern in Windhuk und in Walfischbucht. Unternehmen, die ihre Geschäftsverbindungen mit Südwest abgebrochen hatten, nehmen ihre alten Beziehungen wieder auf. Auf längere Sicht gesehen werden auch die Aussichten für die Minenindustrie günstig beurteilt. Auf den Ilchobotb- Coldfeldern mußten die Arbeilen zwar eingeschränkt, in einzelnen Fällen sogar völlig eingestellt werden. Durch die Zerstörung der Verkehrswege war und ist auch noch im Augenblick die Versorgung der Arbeitskräfte mit Lebensmitteln und Ausrüstungsmaterial nur in begrenztem Maße möglich. Mit der Wiederinbetriebsetzung des Eisenbahnverkehrs ist mit einer verstärkten Ausbeutung der Goldvorkommen zu rechnen. Die Tätigkeit auf den Diamantenfeldern von Lüderilzbucht dürfte, wie verlautet, auf Grund des neuen Abkommens zwischen der Mandatsverwaltung, der Diamant Corporation und der Unionsregierung ebenfalls wieder aufgenommen werden. In den Kreisen der Krebs-(Langusten)Konservenindustrie, deren Lage durch den ungünstigen Verlauf der Verhandlungen mit Frankreich, das die Einfuhr südafrikanischer Frischkonserven slark einschränkte, sich besonders kritisch gestaltete, hofft man auf Beseitigung der bestehenden Absatzschwierigkeiten. Einen guten Beschäftigungsgrad haben die Molkereien zu verzeichnen. Aus sämtlichen Teilen des Mandatsgebietes wird eine Steigerung der Milchanlieferungen gemeldet. - Brief eines Auswanderers. Von einem jungen Manne, der im Sommer 1033 nach Süd- West-Afrika ausgewandert war, um eine Lehrstelle als Farmer anzunehmen und sich dann späler in demselben Berufe selbständig zu machen, liegt folgende Mitteilung vom Ende April 1934 vor: „Der Beruf eines Farmers bietet wohl einige Aussichten, aber nur für Menschen, die zu schwerer Arbeit gewillt sind und außerdem über gewisse Geldmittel verfügen. Es hat keinen Zweck, hier Farmer zu werden, wenn man nicht soviel Geld besitzt, daß man späler daran denken kann, sich seinen eigenen Grund und Boden zu erwerben. Für eine einzelne Familie rechne! man ungefähr mit einer Farm von etwa 5000 ha. Da sich die Landwirtschaft hier fast nur auf etwas Milchwirtschaft, besonders aber auf Karakulzucht, die recht kostspielig ist. erstreckt, braucht man auch beträchtliche Mittel zur Anschaffung des nötigen Viehbestandes. Eine genaue Summe läßt sich leider sehr schwer angeben, da die Verhältnisse in allen Teilen Südwests verschieden liegen, aber es wird wohl ungefähr das Bichtige treffen, wenn ich sie mit £3—4000 angebe. Allerdings 63