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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1934-08-01 · August 1934 · p. Seite 62

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1934. Bestand LBI
Issue
August 1934
Date
1934-08-01
Page
Seite 62 (sequence 64)
Language
German
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nach etwa 100 Kilometern eine durchschnittliche Höhe von 1000 Meter. Windhuk, die Hauptstadl dos Landes, lieg! etwa 390 Kilometer von der Küste entfernt auf 1657 Meter Meereshöhe. Aus, eine größere Bahnstation bei Kilometer 140 der Bahn Lüderitzbucht—Keetmanshoop, auf 1447 Motor Meereshöhe und Keetmanshoop, der bedoutendste Ort im Innern des Südens, 360 Kilometer von der Küste, auf 1028 Meter Meereshöhe. Die Namib geht allmählich nach dorn Innern zu in eine hügelige Grassteppe über, die im Norden mit parkartigen Waldgebieten, in der Mitte mit mehr oder woniger dichtem Dornbusch und im Süden mit niedrigen Sträuchern und sogenannten Futterbüschen durchsetzt ist. Nach dorn Osten zu fällt das Land etwas ab und geht allmählich in die Kalahari über, die weit in das britische Gebiet hinübergreift und eine wasserarme, leicht gewellte Gras- und Baumsteppe ist. Im Norden bilden Kunene und Okavango die Grenze gegen Portugiesisch-Angola, im Süden der Oranje gegen die Südafrikanische Union. Klima und Gesundheitsverhältnisse: Infolge der außerordentlichen Trockenheit der Luft ist die zeitweise große Hitze im Sommer nicht so lästig wie in feuchten Gegenden. Die Nächte bringen meist starke Abkühlung. Im Winter (Mai—September) sinkt das Thermometer im Landesinnern bei verhältnismäßig hoher Tagestemperatur nachts sogar erheblich unter den Nullpunkt. Die Begenzeit oder heiße Zeit dauert von Ende Oktober bis Anfang April. Im Norden setzt sie gewöhnlich früher als im Süden ein; während des Winters kommen Niederschläge kaum vor, nur im Süden treten mitunter Winterregen auf. Das Klima wird von Europäern gut vertragen und ist im ganzen sehr gesund. Für Herzkranke oder zu Herzkrankheiten neigende Personen kommt jedoch ein Aufenthalt in den über 1000 Meter hoch liegenden Orten aus gesundheitlichen Gründen nur vorübergehend in Frage, für Personen mit etwas schwacher Lunge dagegen ist das Höhenklima sehr günstig. Malaria tritt örtlich begrenzt im Norden, Nordosten und Osten auf und hat gewöhnlich leichten Charakter. Längerer Aufenthalt im Hochland des Innern führt gelegentlich zu nervösen Störungen der Herztätigkeit; dies kann durch öfteren Aufenthalt an den Küstenorten (Swakopmund ist Seebad) vermieden werden. Die größeren Orte haben Wasserleitungen; Krankenhäuser sind in allen größeren Orten vorhanden, ebenso deutsche Ärzte, Apotheker, Zahnärzte und Hebammen. Einreise, L a n d u n g s g e 1 d, Einwanderung: Im großen und ganzen gelten dieselben Einwanderungsbedingungen wie für die Südafrikanische Union, jedoch berechtigt die Zulassung in die Union nicht ohne weiteres zur Einreise in Südwestafrika bzw. umgekehrt. Die Quota-Einreisevorschriften gelten in gleicher Weise für Südwestafrika wie für die Union von Südafrika. Personen, die in Südwestafrika geboren sind, dürfen ohne weiteres Landungserlaubnis erhalten. Ileisende, die in Südwestafrika ansässig sind, auch wenn sie einen südwestafrikanischen Paß besitzen, erhalten nicht ohne weiteres Landungserlaubnis, wenn sie länger als ein Jahr aus dem Lande fortgewesen sind. Beisende mit Hin- und Bückfahrschein müssen sich darauf einrichten, daß von ihnen die Hinterlegung eines Depots gefordert wird, wenn der Wert des Fahrscheinanteiles für die Bückreise nicht mindestens £ 40 ausmacht. Von Beisenden, die nicht einen südwestafrikanischen Paß in Händen haben, wird auf jeden Fall die Hinterlegung einer Barsumme von £ 40 für einen Erwachsenen und £ 25 für ein Kind unter 12 Jahren gefordert. Dieses Depot wird bereits bei Lösung der Schiffskarte in bar eingezogen. Es ist nicht möglich, daß in Südwestafrika Ansässige zugunsten ihrer Verwandten und Freunde, die sie von Europa herauskommen lassen, der Einwanderungsbehörde Bürgschaft (Form of Undertaking) leisten, sondern es wird stets die Zahlung des Bückreisedepots in bar verlangt. Die Beederei übergibt das Depot der Einwanderungsbehörde im Landungshafen, die es zu gegebener Zeit zurückvergütet. Das Depot gilt als Teil der „ausreichenden Mittel zum Unterhalt", deren Nachweis von den Behörden verlangt wird. Ein Betrag für den Begriff „ausreichende Mittel" wird nicht angegeben; jedoch ist anzunehmen, daß £ 100 für die Person als genügend erachtet werden. Uns ist von einem Herrn, der in Südwestafrika ansässig ist und sich — obwohl Nichtjude — speziell für Siedlungsmöglichkeiten für deutsche Juden in Südwestafrika interessiert, ein Exposé übermittelt worden, aus dem wir nachstehendes bringen: Es wird vorwiegend Farmwirtschaft betrieben (Rinderzucht, Kleinviehzucht, Schafe, Ziegen, Karakul-Persianer Schafe), Industrie ist in Südwest bisher noeb wenig vorbanden. Einzelne Minenbetriebe, wie die Diamantminen in Lüderitzbucht, sowie Kupferminen im Norden des Landes bei Otavi, sowie neuerdings neu erschlossene Goldfelder in der Nähe von Rehoboth, etwa 100 km von der Hauptstadt Windhuk entfernt, sind zur Zeit alles, was im Lande diesbezüglich getan wurde Über den Wert der letzterwähnten Goldfelder läßt sich zur Zeit noch nichts sagen, da auf denselben vorwiegend noch Aufschlußarbeiten gemacht werden. Es fragt sich nun, für welche Berufszweige usw. Süd- West ein günstiges Land für Einwanderung ist. Dabei sei in erster Linie die Landwirtschaft genannt. Abgesehen von den in jeder Karle ersichtlichen Sand wüst engebieten der Namib und der Kalahari ist das ganze Land für Viehzucht geeignet. Das bessere Farmgebiet liegt in der Mitte des Landes, also um die Hauptstadt Windhuk herum, während der Süden des Landes weniger gute Weidegebiete aufzuweisen hat. Der Norden ist auch als gut anzusprechen, seiner in der Regel größeren Regenfälle wegen. Es ist empfehlenswert, jedem, der sich der Landwirtschaft widmen will, zu raten, erst eine geraume Zeit, sagen wir ein Jahr, auf irgendeiner Farm des Landes als Volontär einzutreten. Farm-Eleven werden von den meisten Farmen des Landes angenommen, schlicht gegen sehlicht, d. h. sie erhallen Wohnung und Verpflegung umsonst und geben dafür ihre Arbeitskraft. Die subtropische Landwirtschaft in Süd- West ist grundverschieden von der in Europa. Farmen sind in Süd-West immer verkäuflich, jedoch gehören größere Kapitalien dazu. Mil einem Anfangskapital von 10 000 bis 15 000 RM. können kleinere Farmbetriebe käuflich erworben werden. Größcrc Betriebe erfordern natürlich höhere Mittel. Weiterhin verfügt die Regierung des Landes über eine sehr große Zahl von Farmen, die ohne Aufwendung besonderer Mittel dem jungen Farmer, ganz gleich welcher Nationalität er ist, übergeben werden. Es ist hierbei nur notwendig, nachzuweisen, daß ein gewisses Kapital zur Verfügung steht, welches dem Anfänger erlaubt, sich einzurichten, d. h. er muß genügend Mittel haben, um sich ein provisorisches Wohnhaus zu errichten und eine entsprechende Herde Klein- oder Großvieh anschaffen zu können. . . . Der Unterzeichnete kennt Farmer, welche diesen Weg gingen und mit bescheidenen Mitteln, etwa 5000 RM., anfingen. . . . Ratsam dürfte nach dem heuligen Stande der Farmwirtschaft drüben sein, daß der Betreffende mit Karakulschafzucht beginnt, deren Produkte, die sogenannten Karakul- (Persianer) Fellchen, seit langen Jahren gute Marktpreise haben. Zuchlmalerial ist im ganzen Lande jederzeit käuflich zu erwerben. Während früher in Südwest die Rinderzucht lohnend war, haben die letzten Jahre erwiesen, daß dieses neuerdings nicht mehr der Fall ist. . . . Da außer in der Buchara nur in einem Lande der Welt ■— nämlich in Südwestafrika — bisher Karakulschafe gediehen, und der Weltbedarf an Fellchen doch sehr groß ist, besteht keine Befürchtung, daß auch dieser Zuchtzweig eines Tages unrentabel würde. . . . Für die \ erwertung der Fellchen befinden sich im ganzen Lande Ankaufszentralen, welche gegen prompte Kasse die Felle ankaufen und sie den Märkten, in erster Linie Leipzig, in zweiter und dritter Linie London und New York zuführen. Farmern, die schon einige Jahre tätig sind und eine größere Herde ihr eigen nennen, werden von den Ankaufsstellen schon jeweils im Laufe des Jahres auf die kommende Fellausbeule hin auf Wunsch Vorschüsse gezahlt. Für Leute, denen die Miüel sowohl für die eine wie für die andere Art der Farmerei (Kauf- oder Pachtfarm) fehlen, besteht natürlich auch die Möglichkeit, nach entsprechender Volontärzeit als Farmangesielller zu arbeiten. Große Reichtümer sind hierbei nicht zu erzielen, da Löhne und Gehälter auf den Farmen nicht hoch sind. Um auch hierzu ungefähre Andeutungen zu machen, sei gesagt, daß ältere Farmverwalter £ 10—15 pro Monat verdienen bei freier Station, Wäsche usw. Solche Farmverwalter können verheiratet sein. Als Eleven ist es nicht ratsam, schon verheiratete Leute herauszuschicken, da solche schwerer unterzubringen sind. Einwanderer in Südwest, die sich mit Viehhandel oder mit Handel von Fellen usw. beschäftigen wollen, haben gute Aussichten, vorwärtszukommen. Auch diese benötigen natürlich Kapital, welches jedoch nicht hoch zu sein braucht. Mit 5000 RM. wären immerhin Möglichkeilen., solche Geschäfte neu drüben aufzuziehen. Handwerker usw.: In allen großen Farmen werden Handwerker: Schlosser, Schmiede, Schreiner, Stellmacher beschäftigt, deren Löhne den oben geschilderten Verwalterinnen gleichzustellen sind. Eine beschränkte Anzahl solcher Handwerker kann in Südwest unterkommen hei guter Existenzmöglichkeil. Abgesehen von der Tätigkeil als Farmhandwerker werden im Lande, vorwiegend in den Städten Windhuk, Swakopmund und Lüderitzbucht. usw. auch Handwerker eingestellt und beschäftigt. Es gibt da dieselben Betriebe, wie wir sie in Deutschland haben, in allen Branchen. Das Einkommen ist ausreichend, auch verheiratete Einwanderer zu ernähren. Ein Beruf, in dem Bedarf ist an Arbeitskräften, ist die Autoindustrie. Ule Groß-Garagen beschäftigen eine größere Anzahl Molorenschlosser und Autospezialislen. Für Leute mit solchen Kenntnissen und etwas Geld besieht die Möglichkeit, sich, nachdem sie das Land kennengelernt haben, selbständig zu machen. In der Regel bemühen sich solche Fachleute, wenn sie beabsichtigen, einen eigenen Betrieb aufzuziehen, um die Ver* 62

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