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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1934-08-01 · August 1934 · p. Seite 52

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1934. Bestand LBI
Issue
August 1934
Date
1934-08-01
Page
Seite 52 (sequence 54)
Language
German
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Bei Vergebung staatlicher Arbeiten wird in der Regel von den mit der Durchführung betrauten Bauunternehmungen verlangt, bzw. als Bedingung gestellt, daß nur 20 o/0 Ausländer für die Arbeilen aufgenommen werden dürfen; 80 o/o der Beschäftigten müssen Uruguayer sein. Bei der jetzt herrschenden Arbeitslosigkeit wird vielfach auch von privaten Unternehmungen bei der Aufnahme von Arbeitskräften der Nachweis der uruguayschen Staatsangehörigkeit gefordert. Bei den Arbeiten zur Legung der Telephonkabel sollen nur 10 o/o Ausländer als Arbeiter und Angestellte beschäftigt werden dürfen. Venezuela Nach der neuesten Zählung hat die Hauptstadt Caracas 140 275 Einwohner. Sie liegt 922 m über dem Meeresspiegel und hat eine Durchschnittstemperatur von 22 Grad. Mérida, Hauptstadt des Staates Mérida, 907 km von der Hauptstadt Caracas entfernt, hat 5600 Einwohner, liegt 1645 m über dem Meeresspiegel und hat eine Durchschnitlslemperatur von 19 Grad. Nach Auskunft des Konsulats der Vereinigten Staaten von A'enezuela sind für die Einreise vor allem erforderlich: 1. Führungszeugnis über die letzten 10 Jahre; 2. Impfschein, nicht älter als 5 Jahre; 3. Hinterlegung von 1000 Bolivares, die jedoch auf Wunsch nach Ablauf eines Jahres zurückgezahlt werden, evt. auch früher, falls es sich um eine Rückreise oder Weiterreise handelt. Weiteren konsularischen Mitteilungen entnehmen wir: Einer Aufenthaltserlaubnis in Venezuela ist nichts im Wege, wenn die betreffende Person in einem festen Anstellungsverhältnis zu einem angesehenen Unternehmen in Venezuela steht. So lautete die Bestimmung im Februar 1933 und von einer Ande- D rung derselben in der Zwischenzeit ist nichts bekannt. Handelt es sich dagegen um einen Anstcllungsvertrag eines Arztes z. B. mit einer Petroleumgesellschaft in Venezuela, so gellen für ihn dieselben Vorschriften wie für irgendeinen ausländischen Arzt, der dort seine Praxis ausüben will. Es ist noch zu bemerken, daß alle für die Visierung erforderlichen Dokumente —■ einschließlich der Quittung über das bei der betr. Schiffsgesellschaft eingezahlte Depot von 1000 Bol., das jedoch vor der Landung in Venezuela dem Deponenten zurückgezahlt wird, der es dann persönlich bei der venezolanischen Behörde, gegen Empfang einer Quittung, hinterlegt — spätestens eine Woche vor der Abfahrt dem zuständigen Konsul des Einschiffungshafens zwecks Prüfung eingesandt werden müssen, der sie dann dem betr. Reisenden nach Richtigbefund der eingereichten Unterlagen, mit dem Visum versehen, persönlich aushändigt. Lebenshaltungskosten: Die Minimalkosten für Wohnung und Logis in Caracas betragen: für einen Junggesellen 25—30 £ monatlich, für Mann und Frau 35—45 £ monatlich. In Maracaibo sind die Minimalkosten etwas niedriger. Ausübung der ärztlichen Praxis für Ausländer. 1. Die akademischen ausländischen Titel werden in Venezuela anerkannt, sofern die entsprechende Gleichwertigkeit auch für Venezuela existiert. Diejenigen Ausländer, die im Besitze solcher Titel sind, können die entsprechende Gleichwertigkeit mittels einer Prüfung (examen de rivalida) erlangen. Diese Prüfung findet vor einer zuständigen Kommission in einer der beiden Universitäten der Republik (Caracas oder Mérida) statt. Die vollständige Prüfung (examen integral) besteht aus zwei Teilen: aus einer Einzelprüfung (examen parcial) in jedem der fünfzehn durch das Los gezogenen medizinischen Fächer; ferner aus einer nur fünf Fächer umfassenden vollständigen Prüfung. 2. Um die ausländischen Titel in Venezuela anerkannt zu haben, muß der Inhaber zur Ausübung seines Berufes in dem Lande, in welchem ihm das Diplom ausgestellt wurde, berechtigt sein. Die Diplome müssen vorschriftsmäßig beglaubigt sein: a) von den zuständigen Unterrichtsbehörden des Landes, in welchem das Diplom ausgestellt wurde; b) von der diplomatischen venezolanischen Stelle in demselben Lande; c) von dem Unterrichtsministerium in Venezuela. Landwirtschaft Von einem Landwirt, der in Venezuela ansässig ist, sind uns im letzten Viertel des vorigen Jahres folgende Angaben gemacht worden: In der Hauptstadt Caracas selbst ist das Loben nicht billig. Die Wohnungen sind teuer; für Familien kommen 800—1000 Bolivares in Frage (1 Bolivar ist zirka 0,60 RM.). Auf dem Lande sind die Kosten viel geringer. Die Lebensverhältnisse sind primitiv. Die Zeiten sind auch in Venezuela schlecht; Handel und Wandel liegen danieder. In den Städten sind genug Bauhandvverker; Handwerker für das Land kommen nicht in Frage. Nur manche von den vor einigen Jahren aus Deutschland hinübergewanderten Handwerkern haben festen Fuß gefaßt. Was Ingenieure betrifft, so werden venezolanische Ingenieure bevorzugt. Kaufleute sind bereits genügend dort. Ärzte sind nicht, notwendig; sie müssen ein Nachexamen in Spanisch machen. Für Venezuela kommt hauptsächlich Landwirtschaft in Frage; die Arbeit ist schwer, meist wird sie durch die Einheimischen geleistet, Mischblut, Schwarze und Neger. Im allgemeinen ist nur das Land etwas wert, das bewässerbar ist; dasselbe ist schwer zu finden, doch kann man mit Zuhilfenahme von Flüssen, deren es genug gibt, Land bewässern. Land ist billig. Um sich anzusiedeln, müssen aber schon 5000 RM. vorhanden sein. Die Leute bauen sich selber Häuser aus Holz mit Lehmziegeln. Mit den landwirtschaftlichen Produkten muß man auch nebenbei handeln, eigene Produkte verkaufen und auch tauschen. Mais und Tabak wird man immer los; dieselben werden im Lande selbst konsumiert. Nahrungsmittel bilden unter anderen Früchten: Apfelsinen, Mandarinen und Bananen, die roh, gekocht und gebraten gegessen werden. Der Vorteil ist, daß sie rasch wachsen. Wenn das Land bewässert ist, gibt der Mais zwei Ernten, sonst nur eine. Es gibt viele Hühner, die Eier wird man aber nicht los. Für Weinanbau kommen nur Ländereien in Frage, die sich bewässern lassen und die nicht zu weit abseits gelegen sein dürfen, sonst wird man ihn nicht los. Der Gewinn von Bargeld ist in den ersten Jahren schwierig, erst im Laufe der Zeit ist mit Gelderlös zu rechnen Als Zeit zur Hinüberfahrt wird Oktober empfohlen. Ende April schrieb man uns aus dem Zentrum der Petroleumindustrie Nachstellendes : Die gegenwärtigen Verhältnisse unserer Industrie und unseres Handels sind ganz außerordentlich ungünstig, so sehr, daß wir sogar zahllose Arbeitskräfte ohne Beschäftigung haben trotz des großen Spielraums, den unsere bevölkerungsarmen und an Naturschätzen reichen Gebiete bieten. Dies rührt hauptsächlich von den Rückwirkungen der Weltkrisis her, die eine Panik bei unseren Kapitalisten verursacht haben, so daß die Gründung neuer Gewerbezweige unmöglich gemacht ist, und daß diejenigen, die wir bereits im Betriebe haben, unter geringster Produktion aufrecht erhalten werden. Der in Ausbeutung befindliche Hauptreichtum unserer Gegend, das Petroleum, ist eine Industrie, die Tausende von Arbeitern aus ganz Venezuela anzog und die gegenwärtig auch nur eine begrenzte Zahl von Arbeitern beschäftigt, so daß eingezogene Arbeitsplätze und erwerbslose Arbeitskräfte sich infolgedessen zeigen. Diese dringen sofort in die anderen Arbeitszweige der Industrie und des Handels ein und verursachen dadurch viele Verwirrungen. Es isi jetzt also unseres Erachtens nicht der Zeitpunkt, deutsche Techniker hierherzubringen und auch nicht einmal bescheidene kaufmännische Angestellte. . . . Auszug aus einem Brief von Mitte Juni Hier liegen die Verhältnisse folgendermaßen: das Land befindet sich — trotz aller anderslautenden Pressemeldungen — in einem sehr schweren und kritischen Stadiuni in kommerzieller Beziehung. Es wird aber denjenigen Personen, die die notwendigen Bedingungen erfüllen und die aus eigener Initiative herüber kommen, kein Stein in den Weg gelegt werden. Unerwünscht ist Einwanderung von d >njenigen Akademikern, die hier eine Praxis ausüben wollen (Mediziner, Juristen), da die hiesigen Aerzte und Advokaten bereits genug mit dar nationalen Konkurrenz zu tun haben. Die Prüfungen sind in spanischer Sprache. Dagegen ist es sahr wahrscheinlich, daß eine kleine Anzahl vorerst von wissenschaftlichen Hilfsarbeitern in medizinischen Laboratorien untergebracht werden kann, und zwar Leute, die Experten auf dem Gebiet der Chemie — parasitolog. Bakteriologie — sowie der anatomischen Pathologie in bemg auf Laboratoriumstechnik sind. Die Betreffenden brauchen auch keine Prüfung abzulegen und können evtl. nach kurzer Zeit hier gleich unterkommen. Voraussetzung 52

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