Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1934. Bestand LBI
- Issue
- August 1934
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 53 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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ist aber die Beherrschung der spanischen Sprache —■ notfalls der französischen; aber Sie können sich leicht vorstellen, daß man natürlich, wenn man schon einen Ausländer anstellt, lieber einen nimmt, der die Landessprache versteht und spricht. Kaufleulen und kaufmännischen Angestellten bietet sich, zur Zeit wenigstens, kaum eine Möglichkeit, da die hiesigen Firmen bereits seit Monaten anfangen, ihre Angestellten abzubauen. Im übrigen fragt hier kein Mensch nach Herkunft und Religion, und wenn man die Gesetze des Landes respektiert und sich vor allem nicht verleiten läßt, in die Politik des Landes irgendwie einzugreifen (auch nur mit Worten), so ist man hier ein ziemlich freier Mensch. Klimatisch bietet Venezuela alle Möglichkeiten von der Bruthitze abwärts bis zur Temperatur des Hochgebirges. Ackerbau. Prinzipiell gesprochen dürfte hier Arbeit für jeden produktiv Lr/eugenden sein, da das anbaufähige Land erst in ganz geringem Maße ausgenutzt ist. Gemüse, Reis, Früchte werden noch in viel zu großem Maße eingeführt, und wenn junge Leute auf diesem Gebiet wirkliche Könner sind und den Willen haben, unter Verzicht auf die sogenannten Segnungen der Großstadt-Zivilisation hart zu arbeiten, um weiterzukommen, so glaube ich wohl, daß hier gewisse Aussichten vorhanden sind. Natürlich müssen die Betreffenden außer dem Depot von Bs. 1000.— auch noch genug Mittel für ein paar Monate Lebensunterhalt besitzen; denn an ihr Depot kommen sie erst heran, wenn sie ein ganzes Jahr hier verbracht haben — oder andernfalls, wenn sie früher abreisen. Die Unterhaltungskosten sind je nach den Ansprüchen von etwa Bs. 250.— aufwärts. Es sind mir Fälle bekannt, in denen noch weniger verbraucht wurde. Afrika Abessinien (Aethiopien) Kaiserreich. 1 120 400 qkm. Bewohner: 10 Millionen. Hauptorte: Addis Abeba: 70 000. Dire Daua: 30 000, Harar: 50 000 Einwohner. Zahlungsmittel: besonders der Maria-Theresia-Taler (Ber, Kersch) und der Meneliktaler (,,Talari"), etwa 1 RM. Anfang 1934 sind laut Mitteilung des Kaiserlich abessinischen Generalkonsulats in Berlin die Einreisebestimmungen wie folgt ergänzt bzw. geändert worden: 1. Jedes Einreisevisum, welches das Generalkonsulat erteilt, bedarf der vorherigen Genehmigung durch das Auswärtige Amt in Addis Abeba. Für die schriftliche Anfrage des Generalkonsulats im Interesse des Einreisenden ist eine Vorgebühr von 5 RM. zu zahlen. Telegraphische Anfragen, die meist keinen Erfolg haben werden, müssen zu Selbstkosten ersetzt werden. 2. Bei dem zuständigen Generalkonsulat hat jeder Einreisende nach Erteilung des Visums außerdem einen Betrag zu deponieren, welcher dem Rückreisebetrag entspricht. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die telegraphischen Anfragen bezüglich der Einreiseerlaubnis deshalb keinen Erfolg haben werden, weil das Auswärtige Amt in Addis Abeba vermutlich selbst alle Unterlagen prüfe. Telegraphische Genehmigung auf telegraphische Anfrage dürfte also nur in ganz wenigen Ausnahmefällen erfolgen. Die Gebühr für ein Einreisevisum nach Abessinien mit einer Aufenthaltsberechtigung von 1 Monat beträgt 15 RM., von 3 Monaten 20 RM., von 6 Monaten 25 RM. Für Kinder von 4—15 Jahren ist die Hälfte der angegebenen Gebühren zu zahlen. Das Konsulat teilt uns noch auf unsere Anfrage mit, daß die Lebensverhältnisse außerordentlich billig sind. Es dürften sich die Kosten für eine zwei- bis fünfköpfige Familie inkl. Dienerschaft, Verpflegung und eigenes Haus, das gemietet wird, auf etwa 250 bis 320 RM. stellen, dieses zu gut bürgerlichen Bedingungen. Diese Angaben werden aber als unverbindlich bezeichnet. Über die Wirtschaftslage in Abessinien geben wir aus einem Bericht folgendes wieder: Der Markt, sowie die Importmöglichkeiten werden im allgemeinen von Außenstehenden überschätzt. Der größte Teil der Bevölkerung ist absolut arm an Geld, nicht aber an Land und Vieh. Das Land besitzt eine sehr dünne Bovölkerungsschicht, und diese ist außerordentlich bedürfnislos. Ein großer Teil kennt kaum die Weißen, hat knapp das Bedürfnis der Kleidung, stillt nur primitiv den Lebensunterhalt Die Wegeverhältnisse des Landes sind schlecht. Während der Regenzeit bestehen fast keine Verbindungsmöglichkeiten mit dem Binnenland. Der Warenaustausch stockt also während dieser Monate sehr. Fahrbare Straßen gibt es nur in sehr geringer Anzahl in der Umgegend der Hauptstadt. Für die Ausdehnung des Geschäftes bestehen daher vorläufig noch natürliche Grenzen, da das Land eben noch nicht erschlossen ist. Die Regierung kann das Land nicht erschließen. An eine Erweiterung der Industrie (einige kleinere Betriebe gibt es bereits: Seife, Oel, Stein) ist vorläufig nicht zu denken. Diese Fabriken wären auf den abessinischen Konsum angewiesen, der sehr klein ist, und weiter wären die meisten Rohstoffe zu importieren. Es gibt wohl im Inland Rohstoffe, die aber in der Hauptsache noch nicht gefördert werden. Meiner Ansicht nach könnte die Erschließung des Landes im Zusammenhang mit einer kommenden Industrialisierung nur von außen erfolgen —■ durch Siedlung und Plantagenbau —. Das Privatgeschäft ist begrenzt und klein. Der Konsum und die Bedürfnisse des Landes lassen sich nicht zentral verändern. Auch hier kann eine Aenderung nur von außen erfolgen. Die Regierung ist an allen Neuerungen interessiert. Aber geschäftliche Auswertung oder auch Geschäfte mit der Regierung sind sehr schwierig, zeilraubend und versprechen wenig Erfolg. Geregelte Arbeitsverhältnisse gibt es hier nicht. Von heule auf morgen entläßt man seine Arbeiter. Billige, ungelernte Arbeiter gibt es in Massen. Wenn man hier in Addis einige benötigt, so läßt man nur von seinem Boy das Wort „Guragi" auf die Straße rufen und sofort kommen diese Leute, die eine besondere Kaste bilden, herangelaufcn. Diese Leute tragen die schwersten Lasten für ganz geringes Entgelt. Es fahren daher hier keine Wagen, nur wenige große Firmen haben Lastautomobile. Die klimatischen Verhältnisse sind hier gut und für Europäer mit gesundem Herzen durchaus erträglich. Bezüglich Kaffeepflanzungen äußert sich derselbe Gewährsmann wie folgt: Kaffeeplantage: Dieses Projekt erscheint mir bis heute vielleicht als das beste, denn es verspricht eine gute Rente. Der abessinische Kaffee stellt ein ausgezeichnetes Produkt dar; es besieht hierfür eine gute Nachfrage, so daß eine weit größere Produktion als die bisherige unterzubringen ist. Zu der Eröffnung einer solchen Plantage gehört Kapital; vier Jahre sind notwendig, um eine Kaffeplanlage ertragreich zu machen, d. h. die erste Ernte kann erst nach einer solchen Zeit hereingenommen werden. Ein Kaffeebaum erbringt sodann pro Jahr 1/2 Taler. Eine kleine Plantage, die man mit zirka 5000 RM. schaffen könnte, pflanzt zirka 60 000 Bäume an, erbringt also pro Jahr zirka 30 000 Taler. In einem Privatbrief aus Abessinien wird dasselbe als das Land der Zukunft, nicht der Gegenwart, bezeichnet; da das Land vom Export lebe, stehe alles bei der jetzigen Krise still. Das folgende Werk unterrichtet über Land und Leute in Abessinien: The Abyssinian at Home von C. H. Walker, London, The Shaldon Press 1933. Ägypten Das ägyptische Konsulat bat uns Ende Februar mitgeteilt, daß es jeden Antrag auf Einreisevisum für sich prüfe und dem Antragsteller von Fall zu Fall bekanntgegeben wird, welche Bedingungen zu erfüllen seien. Es sehe sich daher nicht in der Lage, allgemein gültige Bestimmungen anzugeben. — Dem Bericht einer ägyptischen Bank zufolge ist Ägypten im Vergleich mit anderen landwirtschaftlichen Ländern in einer glücklichen Lage. Der Boden ist sehr fruchtbar und die Landwirte stehen niemandem in ihrer Ausdauer und Betriebsamkeit nach. Der Nil macht das Land unabhängig von der Menge und Verteilung der jährlichen Regenfälle. Zur Bezahlung der Güter, die es zum Import braucht und des ausländischen Schuldcndienstes, besitze es in seiner Baumwolle von feiner Qualität einen Artikel, den seine Kunden selbst in dieser schweren Zeit nicht entbehren konnten. Der Baumwollexport hat im Vorjahre einen Rekord erreicht, und obwohl der Preis sich nicht viel über die Produktionskosten erhoben hat, so war die Landwirtschaft, unterstützt durch einen Steuernachlaß, besser daran als ein Jahr vorher. Es ist dem Lande zugute gekommen, daß seine Währung mit der englischen verknüpft ist. Angola Die Einreisebedingungen für Angola führten wir in unserem Korrespondenzblalt vom Oktober 1933 an. Wir ergänzen dieselben auf Grund von Auskünften des portugiesischen Konsulats vom Februar d. J. nachstehend. Für Angola muß jeder Ausländer, der sich in der Kolonie niederlassen will, bei den Hafenbehörden 5000 Angolares als Garantie-Depot hinterlegen (120 Angolares zirka 1 £) und bei einer Angolabank ein Kapital von mindestens 53