Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1934. Bestand LBI
- Issue
- August 1934
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 46 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Tal des Paranahyba bzw. Piauliy ist für Bewässerung großen Stils vorgesehen, die insbesondere der Kultur von Faserpflanzen, und zwar Baumwolle, sowie sonstiger hochwertiger Bewässerungskultur dienen soll. Man geht kaum fehl, diese Gegend, die eine Ausdehnung von rund 3 000 000 ha erstklassigen Landes besitzt, für eines der Zukunftsgebiete des nördlichen Brasiliens zu bezeichnen, wo sich die Landwirtschaft mehr oder weniger in industrieller Linie wie in allen Bewässerungsgebieten der Erde entwickeln wird. Auch hier ist das Klima, wenn auch etwas warmer als auf dem Hochplateau, so doch durchaus für Europäer geeignet, so daß in dieser Hinsicht keinerlei Bedenken bestehen." Chile Das chilenische Konsulat gab im März d. .1. folgende Auskunft : Die letzten Bestimmungen für die Einwanderung nach Chile gehen dahin, daß jede einzelne Person, die die Absicht hat, sich nach Chile zu begeben, ein Gesuch beim chilenischen Innenministerium einzureichen hat. um die Einreiseerlaubnis einzuholen. Es sind mindestens 10 000 UM. erforderlich, um sich dauernd in Chile niederzulassen. Für Arbeitnehmer ist die Einreise nicht mehr gestattet. — Nach erneuter Information ist die Einreichung des Gesuches nicht mehr erforderlich. Dem Konsulat bleibt die Beurteilung bezüglich Visaerteilung von Fall zu Fall überlassen. Personen, die in Chile eine Stellung annehmen, müssen einen beglaubigten Arbeitsvertrag oder die Genehmigung chilenischer Behörden bzw. die Bestätigung seitens maßgebender Stellen haben, daß sie in Chile unbedingt benötigt sind. — Beschäftigung von Ausländern Die Beschäftigung von Ausländern in Chile ist durch das Gesetz Nr. 178 vom 13. Mai 1931 geregelt. Die entsprechenden Artikel lauten: Artikel 115: Mindestens 85% aller Angestellten eines Arbeilgehers müssen die chilenische Staatsangehörigkeit besitzen. Hiervon sind Betriebe ausgenommen, die fünf oder weniger Angestellte haben; 1 Artikel 116: Zur Berechnung des Verhältnisses, das der vorhergehende Artikel festsetzt, ist nach folgenden Hegeln zu verfahren : 1. Als Grundlage dient die Gesamtzahl der Angestellten, die ein Arbeitgeber innerhalb der chilenischen Grenzen beschäftigt und nicht die Zahl der einzelnen Niederlassungen getrennt; 2. Nicht eingerechnet werden technische Spezialisten, die durch einheimisches Personal nicht ersetzt werden können; 3. Als Chilenen werden auch solche Ausländer angesehen, die mit einer Chilenin verheiratet sind oder Witwer, die mit einer Chilenin verheiratet waren und Kinder chilenischer Staatsangehörigkeit haben; 4. Als Chilenen werden gleichfalls solche Ausländer angesehen, die mehr als zehn Jahre im Lande leben, wobei vorübergehende Abwesenheit nicht angerechnet wird. Soweit das Gesetz. Allerdings verlautet aus Chile, daß verschiedene Berufsorganisationen angesichts der im Lande herrschenden Arbeitslosigkeit und auch aus anderen Gründen versuchen, die Anstellung von Ausländern noch weiter einzuschränken. — Nach uns vorliegenden Nachrichten hätte die Kolonisation in Form von Cooperativen in Chile die beste Aussicht. Die Absatzmöglichkeiten im Lande selbst seien gute, und somit sei die Ausfuhr infolge der billigen Valuta lohnend. In ganz Chile könne man ohne Schwierigkeiten Boden erwerben. Wir geben noch weitere interessante Angaben, die in diesem Zusammenhange gemacht wurden: Im Süden von Chile wird außer Getreide mit dem meisten Erfolg Obst angebaut, Äpfel, Birnen, Pflaumen usw. Ferner ist auch die Viehzucht dort sehr ertragreich, sowie das Fällen und Verarbeiten von Holz, da viele Waldungen vorhanden sind. Die Regenmenge des Landes beträgt durchschnittlich von Temuco nach Süden 1,50 m, von Temuco zurück nach Conception 600 mm, von Conception bis Valparaiso 350 mm. Von Conception nach dem Süden regnet es im Winter und Sommer, von Conception nach Norden regnet es nur im Sommer. Im Sommer ist die Bewässerung in dieser Zone künstlich, jedoch durch die vorhandenen Gewässer und Wasserbehälter vollkommen geregelt. Im Norden von Conception ist das Klima milder, im Süden kälter. Das Klima in ganz Chile sei ein gesundes. Es existierten weder für Menschen noch für Tiere und Pflanzen spezielle Krankheiten, die besondere Erwähnung verdienen. Wirtschaftslage Die Geschäftslage in Chile hat sich gegenüber dem Vorjahr gebessert, das Land befindet sich aber noch immer in einer starken Depression. Die außerordentlich geringe Einfuhr der beiden letzten Jahre dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach eine Erhöhung des Importes nötig machen. Chile hat früher vorzugsweise Fertigware eingeführt, ist aber jetzt dazu übergegangen, mehr und mehr Halbfabrikate zu importieren. In der Wollindustrie wird auch schon das Halbfabrikat, also Wollgarn, im Lande hergestellt. Es lieferten in Chile nach einem Bericht vom Januar: Wollstoffe 9 Fabriken. Baumwollstoffe 6 Fabriken, Seidenstoffe 8 Fabriken, M irkw aren 64 Fabriken (darunter 19 Strümpfe), Strickwolle und Wollgarne 12, Bänder 9, Weißwäsche 12, Konfektion 36, Krawatten 9 und Korsetts 10 Fabriken. Der Verkauf der im Lande hergestellten Waren geht heute bis in die bestgestellten Kreise der chilenischen Gesellschaft, nachdem die Qualität der Fabrikate sich sehr verhessert hat. Bedruckte Baumwollstoffe werden in Chile noch nicht hergestellt. Über Fortschritte der chilenischen Industrie, die sich auf der diesjährigen Industrieausstellung in V a 1 p a r a i s o gezeigt haben, wird im Nachrichtenblatt der Reichsstelle für das Auswanderungswesen berichtet. Es handelt sich dabei um Eisenbearbeitung sowie Fabrikate der keramischen, pharmazeutischen und Textil-Industrie. Es wird zum Schluß bemerkt, daß die Ausstellung dar tue, daß die nationale chilenische Industrie auf dem Wege sei, sich immer mehr von der Wareneinfuhr durch eigene Produktion unabhängig zu machen. Eine kurz zusammenfassende Darstellung über Berufsaussichten in Chile (vom Mai) lassen wir noch folgen: Die Betätigung für Ärzte und Juristen ist am schwierigsten, weil sie das betreffende Examen in der Landessprache ablegen und vorher die für Studenten übliche Studienzeit in Chile durchmachen müssen: andernfalls werden sie nicht zugelassen. Chemiker, Ingenieure usw. unterliegen diesen Bestimmungen nicht und finden voraussichtlich Anstellung. Handwerker, wenn sie tüchtig sind, haben Aussicht zu reüssieren: Kaufleute und Landwirte je nach Glück und Fähigkeil. Berichte Vom chilenischen Komitee liegen folgende Mitteilungen vom Januar vor: Was die Entwicklung der hiesigen Verhältnisse anbetrifft, so läßt sich erfreulicherweise sagen, daß die allgemeine Lage, Wirtschaftslage usw. in dem letzten Jahre sich durchaus gehoben hat gegenüber den Vorjahren. Die politische Beruhigung ist eine allgemeine geworden, und Hand in Hand damit ist die wirtschaftliche Krisis, die auch Südamerika stark in Mitleidenschaft gezogen hatte, langsam besser geworden und eine Stabilisierung der Verbältnisse, insbesondere der chilenischen Währung, eingetreten. Der Lebensunterhalt hier, der an und für sich, gemessen an den Einkommenaverhältnissen, relativ billig ist, stellt sich für jemanden, der mit einer ausländischen Währung hierherkommt, ganz besonders billig, da der Peso trotz der Konsolidierung sehr niedrig steht. Eine gute Pension erhält man beispielsweise für 250 Pesos monatlich, so daß man mit 50 RM. monatlich sehr bequem leben kann. Wohnungen gibt es reichlich und zu sehr mäßigen Preisen, eine Wohnung von 4 bis ."> Zimmern kostet etwa 250 Pesos monatlich. Es ist nicht ausgeschlossen, Stellung als Ausländer hier zu finden, aber es kommen vorzugsweise nur einige Branchen in Frage, wie Techniker u. a. Wesentlich empfehlenswerter ist es, wenn Einreisende mit etwas Kapital hierher kommen, da eine Beteiligung in technischen Betrieben usw., sowie die Eröffnung kleinerer selbständiger Handwerkbetriebe größere Vorteile bietel. Mit größerem Kapital sind gute Verdienstmöglichkeiten vorhanden, da hei den oben geschilderten Valu ta Verhältnissen es nicht schwer ist, mit einer mäßigen Summe größere Unternehmungen aufzumachen, zumal die Industrie in mancher Beziehung hier noch in den Kinderschuhen steckt. Aus diesem Grunde steht auch die Regierung solchen Einwanderern nicht unfreundlich gegenüber, da sie Interesse an industrieller Entwicklung hat und solche Bemühungen sogar unterstützt. Im allgemeinen wird es, wenn es sich nicht um Masseneinwanderungen handelt, möglich sein, das Einreisevisum ohne größere Schwierigkeiten zu erlangen. Bisher sind im vergangenen Jahre 60 dem Komilee bekannte Personen eingewandert, die durch die Arbeit und die Bemühungen des Komitees fast alle gut in den verschiedensten Berufen untergebracht 46