Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1934. Bestand LBI
- Issue
- August 1934
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 47 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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werden konnten, /. T. auch Im Süden Chiles angesiedeil wurden. Die bisher Untergekommenen verdienen monatlich etwa zwischen 350 bis 700 Pesos. Anders ist die Lage hinsichtlich der Akademiker hier, insbesondere der Ärzte, die Iiis zur Ablegung des Examens für das Diplom, was etwa I1/2 Jahre in Anspruch nimmt, keinerlei ärztliche Tätigkeit ausüben dürfen, außerdem fur das Diplom die Summe von 10 000 Pesos bezahlen müssen, so daß man Ärzten zu einer Einwanderung, wenn nicht größere Geldmittel zur Verfügimg stehen, nicht zuraten kann. Eine Ergänzung bildet eine später eingegangene Nachricht bezüglich Ärzte: Das Komilee hatte gehofft, in Santiago befindlichen Ärzten Yolontärstellen als Ärzte verschaffen zu können bis zur Ablegung der chilenischen Examina (H/j—2 Jahre), leider haben die Behörden dies nicht erlaubt. Die Lage dieser Emigranten wird noch dadurch erschwert, daß die chilenischen Universitäten die Kosten Eür die Examenzeugnisse auf das Doppelte erhöht haben, so daß sie sich jetzt auf 12 000 Pesos gleich 1000 Dollar belaufen. Ärzte werden infolgedessen dringend gewarnt, nach Chile auszuwandern, zumal auch das Komitee in Santiago keineswegs in der Lage ist, wirksame Unterstötzungen zu gewähren. Ein weiterer Bericht, eines nach Chile ausgewanderten Kaufmannes, vom Januar, sei noch angeführt: Das Land hier hat unter der allgemeinen Weltwirtschaftskrise genau so stark gelitten, wie die ganze Welt, nur kommt hier noch die Salpelerkrise hinzu. Und doch kann man jungen, arbeitswilligen Menschen raten, nach hier zu geben, denn so schlimm wie in dem übervölkerten Mitteleuropa sieht es hier doch nicht aus, wobei man bedenken muß, daß das Land größer als Deutschland ist, kaum aber die Einwohnerzahl der Stadt Berlin hat. Und von dieser kleinen Einwohnerzahl ist noch ein starker Prozentsatz Ausländer. Einen Mittelstand gibt es unter der ansässigen Bevölkerung nicht; entweder ist man steinreich oder so verarmt, daß man es in Worten gar nicht beschreiben kann. Diese Bevölkerungsschicht ist aber auch die Anspruchslosigkeit selbst und ernährt sich ausschließlich von Mais und billigsten Landesprodukten. Als Kleidung dient oft nur ein alter Zuckersack, und eine Bettstelle ist Luxus. Auf der anderen Seile herrscht in den begüterten Kreisen Luxus, und eine kleine Bevölkerungsschicht sorgt für um so stärkeren Konsum. East alle Artikel werden schon im Lande hergestellt, und die nationale Industrie ist gut beschäftigt. Der Inlandswerl des Chilenischen Pesos hal trotz der Inflation hier wenig an Wert gelitten und man kann sagen, daß ein Peso, der ungefähr 12 Pf. kostet, einen Inlandswerl von zirka 35 Pf. hat. Wer hier mit zirka 25 000 RM. Kapilal herkommt, kann leicht von seinen Zinsen leben. — Keinerlei Aussichten haben hier Juristen. — Auch Ärzten möchte ich abralen, da die wenigen angekommenen Emigranten einen sehr hohen Prozentsatz Ärzte stellen und man in den Universitätskreisen schon erwägt, Neuankömmlinge zum Examen nicht mehr zuzulassen. Hingegen haben Chemiker und insbesondere Apotheker meines Erachtens gute Aussichten, denn Pillen werden hier in Riesenmengen konsumiert; obwohl es sehr viele konzessionierte Apotheker gibt, haben alle zu tun. Deutsche Apotheker sind besonders gern gesehen, und wenn ein Chemiker mit etwas Kapilal hier draußen neue Pillen dreht, wird er es sicher zu was bringen. Jungen Leuten, unverheiratet, insbesondere aus der Metallbranche, mit guten Matorialkennlnissen, kann man auch die Uebersiedlung anraten, da auf den Minen für Fachleute Geld zu verdienen ist. Stellungen im voraus zu besorgen ist natürlich nicht möglich, und müßten die Interessenten schon auf gut Glück kommen, aber noch ist jeder Ankömmling hier sofort untergebracht worden. Reichtümer sind nicht zu verdienen, aber wer arbeiten will, konnte stets in kürzester Zeit seinen Lebensunterhalt verdienen. Natürlich muß man mit chilenischen Pesos rechnen und mit einem Einkommen von 500 Pesos gleich 58 RM. monatlich kann ein Einzelner zunächst auskommen, da er volle Pension für zirka 300 Pesos bekommen kann. Nur an eine Rückreise nach Deutschland kann man bei einem Peso-Einkommen nicht denken, und das ist das einzige Nachteilige bei diesen Verdiensten hier. Klimalisch ist das Land sehr zu empfehlen; es gibt hier genau wie drüben Sommer und Winter, nur in anderen Monaten. Jetzt ist hier Hochsommer. — Auch in der Landwirtschaft können Fachleute meist sehr schnell unterkommen, und mit ausreichendem Kapilal kann man hier auch gut siedeln. Wenn ein junger Mann bei heutigem Kurs mit zirka 1000 RM. nach hier kommt, so hat er für gut ein Jahr zu leben, und in dieser Zeit kann er sich bequem nach dem ihm genehmen Betätigungsfeld umsehen. Ecuador Uns wird von einem Komitee, das sich in Paris als Studienkomi lee für Landwirtschaft und Einwanderung in die Republik Ecuador gebildet hal, folgendes übermittelt. Wir nehmen dazu hier nicht Stellung und geben auch auf die Stellungnahme von anderer Seite nicht ein. „Die Regierung der Republik (ihr département de l'Assistance Publique) besitzt gegenwärtig etwa 50 Haziendas (Landgüter), Schenkung von Privatleuten. Diese Haziendas von 5000 bis 100 000 ha sind in der Andenzone gelegen in einer Höbe von 1000 bis 3000 m. Es sind große, vollkommen organisierte Domänen, die einen Yiebsland haben. Hinder, Pferde usw. im Verhältnis zu den Domänen und nach ihrem Charakter. Sic besitzen auch totes Inventar, alle notwendigen Geräte, Gebäude und Wobnungen. Die Regierung würde sie für einen sehr niedrigen Preis verpachten für eine sehr lange Zeit. 20, 25—Q9 Jahre in Erbpacht oder sie auf Abzahlung verkaufen. Die Regierung würde auch ihre Hilfe jedem leihen, der in (lern Lande Papier- oder chemische Industrie (Medizinalprodukte) installieren würde." Nachfolgend geben wir einen Auszug aus dem Exposé des Komitees über Ecuador: „Die Republik Ecuador ist an den Ufern des Stillen Ozeansin Südamerika gelegen und durch Kolumbien im Norden, Peru im Süden und Brasilien im Osten begrenzt. Das Land enthält drei geographische Zonen. Die maritime Zone, niedrig und tropisch, durch die Südkordilleren oder Anden gebildet und die innere Zone, genannt Provincia del Oriente, waldig und wenig bekannt. Die Republik liegt an der Äquatorlinie. Das Hauplleben des Landes, ausgenommen die maritime Zone, ist auf die hoben Plateaus und die Täler der Anden konzentriert, die außerordentlich verschieden und sehr fruchtbar und reich sind. Der Boden der Täler und der Hochebene ist zusammengesetzt aus Erdreich vulkanischen Ursprungs oder Anschwemmungen, und die Humusschicht erreicht 1,50 m Tiefe. Sie erinnert an die fetten Erdschichten von Südrußland und England. Der große Unterschied von 1000 zu 3000 m (die bewohnbare Zone steigt bis etwa 4000 m an) bietet das Phänomen mehrerer Klimas entsprechend dem klimatischen Charakter Mittel- und Südeuropas und Algeriens. Man glaube behaupten zu können, gestützt auf die Beobachtungen und die Arbeiten von Gelehrten und Spezialisten, daß das Klima der Hochplateaus und die Täler von Ecuador nicht nur gesund und wohltuend seien, sondern daß es auch das einzige Land in Südamerika sei, dem sich ein Europäer leicht, ohne Anfangsstörungen, anpaßt. Auf dem Boden der Plateaus und der Täler wachsen je nach der Höbe alle Zerealien und Pflanzen, die in Europa bekannt sind, ebenso Gemüse und Früchte. Es finden 2—4 Ernten im Jahre statt. Dies erklärt sich sowohl durch die außerordentliche Fruchtbarkeit des Bodens wie regelmäßige Regenfälle. Das Land besitzt große Reserven an Holz aller Arten. Der Untergrund ist sehr reich. Schwefel, Kaolin (Porzellanerde), Kohle, Quecksilber, Blei, Kupfer, Eisen, Silber, Platin, Gold, Asphalt, Petroleum usw. Die Republik Ecuador ist eines der wenigen Länder Südamerikas, dessen Industrie nicht von den Vereinigten Staaten oder England abhängig ist. Die Unbeträchtlichkeit der Auslandsschuld, der Reichtum seines Bodens, ebenso wie die politische Ruhe seines Landes, das ohne innere Erschütterung geblieben ist, hat ihm die Notwendigkeit erspart, übermäßige Kredite in Anspruch zu nehmen und es vor fremdwirtschaftlicher Abhängigkeit bewahrt. Die Schwierigkeiten der Verkehrsverhällnisse haben aber das Land abseits der großen wirtschaftlichen Bewegung und der Einwanderung gehalten. Die Industrie ist beschränkt und würde angesichts der natürlichen Reichtümer Chancen für tatkräftige Sachverständige und Kapitalisten bieten. Es ist ein neues Land. Der Export umfaßt die rohen Naturprodukte: Kaffee erster Qualität, Kakao, Tagua, Elfenbein, Pflanzenfarbstoffe, Felle. Gold, Platin, Baumwolle, Früchte, Holz, Edelsteine usw. Man importiert die manufakturierten Produkte. Das Land besitzt starke Läger von Petroleum und die Industrie, die mit der Förderung usw. von Erzen zusammenhängt. Zu bemerken sei, daß Ecuador durcli die Krise nicht in dem Grade wie Chile, Brasilien oder Argentinien leidet. Die Exportprodukte werden im voraus verkauft. Die Preissenkung trifft den Export. 0 Das Budget der letzten drei Jahre ist aktiv. Bei der Analyse dieses Budgets sei festzustellen, daß die Posten für öffentlichen Unterricht, sowie für Arbeiten die am meisten bedachten sind, der der Armee ist am kleinsten (Armee von 5000 Menschen, freiwilliger Dienst). 47