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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1934-08-01 · August 1934 · p. Seite 4

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1934. Bestand LBI
Issue
August 1934
Date
1934-08-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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jedem Dorf werden soweit wie möglich aus demselben Ort genommen und das Dorf wird nach ihrer Heimatstadt benannt werden. — Auf der zweiten Tagung des dem Oberkommissariat für Auswanderungsfürsorge angegliederten Verwaltungsrats, der aus den Vertretern der an der Hilfsaktion interessierten Staaten zusammengesetzt ist, trat der Vertreter Uruguays, der Vizepräsident des Verwaltungsrats, Guany, übertriebenen Nachrichten über Siedlungspläne in Südamerika entgegen. Solche Nachrichten seien nur geeignet, die Ansiedlungsbestrebungen in Südamerika und die Arbeit des Oberkommissars im allgemeinen zu erschweren, insbesondere bezeichnete er die Schaffung einer autonomen jüdischen Siedlung in Ecuador als unmöglich. Die südamerikanischen Staaten seien streng auf die Wahrung ihrer Souveränität bedacht, sie seien zwar durchaus geneigt, den Ausgewanderten zu helfen, durch derartige Nachrichten aber würden nur Vorurteile gezüchtet und Schwierigkeiten geschaffen. — Auch der Oberkommissar MacDonald äußerte sich dahin, daß in anderen Ländern als Palästina bisher großzügige Siedlungspläne nicht hätten in Angriff genommen werden können; solche Pläne seien zwar reichlich vorhanden, aber nur im Vorbereitungsstadium; es handle sich um Pläne zu Siedlungsaktionen großen Maßstabes in Mexikanisch-Kalifornien, Angola, Ostafrika, Südwestafrika, Ecuador, Brasilien, Mexiko, Türkei und Biro Bidschan in Ostsibirien. Einige dieser Pläne würden von Experten-Kommissionen geprüft, doch gäbe es vorläufig keinerlei Finanzinstrumente zu ihrer Durchführung. Greifbarere Möglichkeiten seien in Argentinien, wo der Ica größere unaufgeschlossene Terrains zur Verfügung stehen, die von der Gesellschaft für die Ansiedlung von Ausgewanderten freigegeben würden, sobald durch eine wesentlichere Besserung der Weltwirtschaftslage die Aussicht auf wirtschaftliche Unabhängigkeit der Siedler im Verlauf von einigen Jahren eröffnet wäre. Es müßten erst Einwanderungsbeschränkungen gemildert oder aufgehoben und größere Mittel, als sie im allgemeinen zur Verfügung stehen, bereitgestellt werden, um über eine Epoche hinwegzukommen, in der kaum erwartet werden kann, daß neue Landwirtschaftsbetriebe wirtschaftlich unabhängig und rentabel werden. Immerhin gäbe es in einigen Gegenden Nord- und Südamerikas, in Teilen Afrikas und in einigen Mittelmeerländern Möglichkeiten für Einzelne und sogar für kleinere Gruppen. Aus einem Bericht über das Kolonisationswerk der Jewish Colonization Association Auf Grund des Berichts über das Jahr 1932, der in der Jahresversammlung vom Dezember 1933 erstattet wurde, machen wir nachstehend einige Angaben über das Werk der Jewish Colonization Association, mit der der Hilfsverein seit Jahrzehnten auf dem Gebiete der Auswandererfürsorge zusammenarbeitet. Die Gesamtfläche der in Argentinien gekauften Ländereien umfaßt 617 468 ha, wovon im Jahre 1932 23 951 ha erworben worden sind. Die Gesamtbevölkerung der Kolonien hat sich etwas vermindert (27 772 Seelen statt 29 226 im Jahre 1931), wegen der Abreise einer gewissen Zahl von Kolonistensöhnen und landwirtschaftlichen Arbeitern, die durch die Krise veranlaßt, waren, andere Arbeit zu suchen. Die Gesamtzahl der Kolonistenfamilien ist fast gleich geblieben, 3144 anstatt 3136. — Bie Bevölkerung der verschiedenen landwirtschaftlichen Gruppen in Brasilien betrug Ende des Jahres 1932 2643 Seelen statt 2732 im Dezember 1931. Die Zahl der eigentlichen Kolonisten ist stationär geblieben. Die Veränderungen im Jahre 1932 waren sehr beschränkt. Die Bedingungen für neue Installationen boten sich nicht, und sehr wenige jüdische Immigranten sind im Laufe des Jahres in Brasilien gelandet. 31 Personen haben sich aus eigenem Antrieb in die Kolonien begeben; 21 sind geblieben in der Absicht, sich dort als Ackerbauer zu etablieren. — In Kanada betrug die kultivierte Oberfläche 1932 in fünf Hauptgruppen 25 963 acres (1931 23 397, 1930 25 432). In Palästina interessierte sich die Ica für folgende Gruppen: Ness-Ziona, Rechowoth, Gedera (in Judaea), Chedera (in Samaria), Sedchera (in Nieder-Galiläa), Mischmar Hajarden (in Ober-Galiläa); diese Kolonien sind im Jahre 1932 weiter durch die Palestine Jewish Colonization Association für Rechnung der Ica verwaltet worden. Im Laufe des Jahres 1933 hat die Jewish Colonization Association in technischer und finanzieller Cooperation mit dem amerikanischen Emergency Fund for Palestine eine kolonisatorische Organisation, die „Emica", geschaffen. Über das landwirtschaftliche Hilfswerk in Europa entnehmen wir der Ansprache des Präsidenten des Conseils der Ica, Sir Leonard Cohen, f olgendes : „Unser Werk in diesen Ländern (Rußland, Polen, Rumänien) hat in hohem Maße zur wirtschaftlichen Wiederaufrichtung der Juden beigetragen, die dort leben. Vor dem Kriege bemühten wir uns, die landwirtschaftliche Arbeit in Osteuropa zu propagieren, um zu einer professionellen Einordnung der jüdischen Bevölkerung zu gelangen. Heute suchen wir, ohne diesen Gesichtspunkt zu vernachlässigen, besonders die Methoden zu vervollkommnen, unseren Schützlingen Mittel zu geben, die Existenz der Ihrigen zu sichern. Unsere Mithilfe in Rußland hat mehr als 1700 jüdischen Familien erlaubt, sich in den neuen Kolonien zu installieren. Die 4000 anderen, für die wir uns in Polen, Bessarabien, der Bukowina interessieren, setzen ihr Land in guten Stand, und sie werden nicht mehr in dem großen Städten die Zahl der Arbeitslosen vermehren. Die Cooperativen übernehmen dank unseren Krediten unter den besten technischen Bedingungen die Umwandlung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und ihren vorteilhaften Absatz." Aus dem Auswandererfürsorgewerk des Hilfsvereins der Deutschen Juden Das Zentralbüro für jüdische A uswandererangelcgenheiten des Hilfsvereins befindet sich in Berlin W 30, Martin-Luther-Str. 91. Für Einzelberatung besteht in Berlin noch eine Sonderstelle in der Oranienburger Straße 31. Zweigstellen des Zentralbüros des Hilfsvereins haben ihren Sitz in Hamburg, Beneckestraße 6, und in Bremen, Am Dom 6, Eingang Petristraße. Seit April 1933, als die Auswanderung ein größeres Ausmaß angenommen hatte, gelangten von Beratungs- und Hilfsstellen bei den Gemeinden im Reiche Anfragen an den Hilfsverein, der die vom Reichswanderungsamt anerkannte gemeinnützige Auskunftsstelle für jüdische Durch- und Auswanderung ist. Im Jahre 1933 sind durch den Hilfsverein zirka 60 000 Menschen, wenn man die Familienmitglieder der Petenten hinzurechnet, mit Informationen aller Art versehen, beraten und unterstützt worden. Im ersten Halbjahr 1934 war die Zahl der Rat- und Hilfesuchenden ca. 10 000. Seit April 1933 wurden insgesamt 9500 Personen, die nach kontinentalen und überseeischen Ländern gingen, finanziell unterstützt, durch Gewährung der Mittel für die Reise oder durch Zuschüsse für Bahn- und Schiffskarten, Visen, Verpflegung und den Transport von Gepäck, Hausgerät, Maschinen und Instrumenten. Es wurde ein sehr umfangreicher Schriftwechsel mit Behörden, Konsulaten, Gemeinden, Hilfskomitees und Persönlichkeiten überall geführt. Zurzeit steht der Hilfsverein mit nahezu 400 Stellen und Personen in Verbindung. Die Informationen, die er erhält, werden für eine vielseitige Beratung der Auswanderungswilligen verwertet. Durch den Bahnhofsdienst des Hilfsvereins am Schlesischen Bahnhof in Berlin wurden Aus-, Durch- und Rückwanderer betreut, die zumeist in Transporten vom Osten kommend, über Deutschland nach Hamburg und Bremen nach westlichen Hafenstädten sowie nach Marseille und Triest (Chaluzimtransporte für Palästina) gingen. Die Zahl der am Schlesischen Bahnhof betreuten Personen betrug vom 1. Januar bis 31. Dezember 1933 13 550 Personen, 6213 Männer, 4878 Frauen, 2459 Kinder (davon 2424 Nichtjuden). Vom 1. Januar bis 30. Juni 1934 belief sich die Zahl auf 6091 Personen, 2641 Männer, 2323 Frauen, 1127 Kinder, darunter 1654 Nichtjuden. Zur Information über die Verhältnisse in den Einwanderungsländern gab der Hilfsverein sein „Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen" im Jahre 1933 zweimal heraus. Das erste erschien im Februar, gerade, als für viele die Frage aktuell wurde, nach welchem Lande sie sich wenden könnten; es behandelte einundvierzig europäische und überseeische Länder. Im Laufe der Sommermonate 1933 erwies sich die Lieferung neuen, ergänzenden Materials als notwendig. Kontinente, die bisher wenig oder gar nicht aufgesucht wurden, Kolonien in weiten Fernen wurden mehr als vorher Ziele der Auswanderung. Informationen über Einreisebestimmungen, Land und Leute, Zabi und Zusammensetzung der Bevölkerung, klimatische Bedingun- 4

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