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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1934-08-01 · August 1934 · p. Seite 2

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1934. Bestand LBI
Issue
August 1934
Date
1934-08-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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Mit dor Jewish Colonization Association in Paris, der Emigrationsgesellschaft Hias-Ica-Emigdirect in Paris und deren Zweigkomitees in allen Teilen der Welt, dem German-Jewish Emigration Council (Anglo-Hiccm) in Eondon, der Hias (Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society of Amerika) und dem Council of Jewish Women in Amerika sowie vielen anderen — lange bestehenden und neu begründeten — Hilfskomitees in der alten und neuen Welt stehen wir in enger Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Auswandererfürsorge. Die generellen Informationen erfahren durch vielfache Berichte von Auswanderern, insbesondere aus überseeischen Ländern, eine wertvolle Erweiterung. Allen behördlichen Stellen und Organisationen, wie Einzelpersonen, sprechen wir verbindlichsten Dank aus. Unser humanitäres Werk ist dadurch aufs wesentlichste gefördert worden. UBER MODERNES SIEDLUN GS WESEN Wir skizzieren nachstehend ganz kurz Ausführungen prinzipieller Natur und Charakteristiken kolonisatorischer Unternehmungen in Südamerika. In einem Aufsalz: „Kolonisatorische Erfahrungen aus der Nachkriegszeit'' im „Archiv für Wanderungswesen und Auslandskunde'". 4. Heft, wird das Gebiet für Siedlung in Südamerika wie folgt abgegrenzt: ..Wenn man die Hauptstadt Brasiliens, Bio de Janeiro, durch eine Linie mit der Hauptstadt Paraguays, Asuncion, verbindet und diese Linie bis zur Hauptstadt Chiles, Santiago, weiterführt, so wird Südamerika in zwei Hälften geteilt, die vollständig verschiedenen Charakter tragen. Die nördliche Hälfte sind die Länder des Plantagenbaues; in ihnen überwiegt bei weitem die farbige Bevölkerung. In der südlichen Hälfte sehen wir nur eine weiße Bevölkerung, von unbedeutenden indianischen Besten in Südchile und Feuerland abgesehen. In dieser südlichen Hälfte überwiegt das Kleinsiedlertum in sehr zahlreichen Kolonien. Im einzelnen trennt diese Linie die von zahlreichen deutschen Siedlern besetzte Osthälfle des Staates Sao Paulo von der tief gelegenen und heißen westlichen Hälfte. Das hochgelegene und klimatisch günstigere Siedlungsgebiet des Staates Parana wird einbezogen, ebenso die für deutsche Siedler geeignete Südosthälfte Paraguays, während der paraguayische Norden und der paraguayische Chaco abgetrennt werden. Dann durchschneidet die Linie den argentinischen Chaco an der Grenze des kolonisationsfähigen Ostteils gegen die ungeeignete westliche Hälfte, der „argentinische Harz", die Cordoba-Berge werden mit einbezogen. Schließlich trifft die Linie auf den nördlichen Anfang des chilenischen Längstales, das als geeignete Siedlungszone bekannt ist. Die Kolonisation im nördlichen Teil Südamerikas kann mit wenigen Worten charakterisiert werden. Die alten deutschen Kolonien der Pommern in Espirito Santo, die Kolonie Tovar in Venezuela und die alten Siedlungen in Peru, Oxapampa und Pozuzo, stagnieren. Von neueren Siedlungsversuchen ist lediglich die Kolonisation des brasilianischen Staates Goyaz in Uvà und Itaperapoam erwähnenswert und lehrreich. Fieber und Überschwemmungen haben die Zahl der dort angesetzten deutschen Siedler dezimiert, teils sind sie gestorben, teils abgewandert. Jedenfalls ist das Gesamtergebnis der Kolonisation im Nordteil Südamerikas nicht ermutigend. Es fehlen dort, im großen gesehen, die natürlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen. Als einziges Land mit gewissen kolonisatorischen Aussichten sei Venezuela genannt, ohne daß hier auf die Gründe eingegangen werden soll; indessen sind die Dinge dort heute und in absehbarer Zeit nicht spruchreif. Von dilettantischen Kolonisaloren ist wiederholt Propaganda für das Hinterland von Peru, das Quellgebiet des Amazonas, nämlich die Flüsse Tambo, Perene, Ucayali und Maranon, gemacht worden. Dies ist ganz unverständlich, weil es sich um die entlegenste und unzugänglichste Gegend Südamerikas handelt, der auf beiden Seiten andere Produktionsgebiete vorgelagert sind, die billiger liefern können. ... Aus der südlichen Hälfte Südamerikas liegen zahlreiche Erfahrungen mit kolonisatorischen Gründungen aller Art vor. Hier tummeln sich die verschiedensten Träger kolonisatorischer Pläne und Versuche. Es kolonisieren dort die Begierungen, privatkapitalistische Unternehmer, die großen Eisenbahngesellschaften, konfessionelle Gremien, charitative Institutionen, Siedlerkooperativen. Wir beobachten eine große Zahl von Dilettanten, ja sogar eine Internationale Kolonisationsgesellschaft, daneben wird kommissionsweise gesiedeil, teils auf kaufmännischer Grundlage, teils auf charitativer; dazu entwickelt sich an manchen Stellen eine spontane Siedlung ohne eigentlichen Träger. Es fehlt bemerkenswerterweise eine offiziöse Kolonisation, gerade die Form, die uns hier am nächsten liegt. Über die Gründe verlautet immer wieder, daß man eine bürokratische Aufsicht und bürokratische Bindungen scheue. Man möchte sich nicht amtlich getarnten, in Wirklichkeit aber privaten Einflüssen aussetzen, auf die zahlreichen Privatinteressen Bücksicht nehmen müssen, die mit amtlichem Druck geltend gemacht werden würden." In dem Kapitel „Kapitalistische Kolonisation" wird unter anderem die Arbeit der Eldorado-Gesellschaft in Argentinien charakterisiert. Einer Publikation der Ständigen Internationalen Wandererschutzkonferenz, die ihre Tagungen in Genf abhält, sind nachstehende kurze Auszüge entnommen. Sie entstammen dem Artikel: „Die Möglichkeiten deutscher Auslandssiedlung", der eine kurze Zusammenfassung der gleichbetitelten Schrift von Dr. Max Grösser gibt. Während früher die Auswanderung vorwiegend auf Nordamerika, insbesondere die Vereinigten Staaten, gerichtet war und den vom flachen Lande Kommenden in die Fabrikarbeit führte, ist es heute eigentlich nur noch die Landwirtschaft einzelner südamerikanischer Bepubliken, welche sich für die mitteleuropäische Auswanderung als aufnahmefähig erweist. Darin liegt eine ungeheure Tragik für die Angehörigen der europäischen Industriestaaten, indem eben gerade denjenigen Berufskreisen die Auswanderung so gut wie verwehrt ist, die von der heimatlichen Arbeitslosigkeit am schwersten betroffen werden. . . . Bei der eigentlichen Umschulung auf Siedlung handelt es sich ferner weniger um die Vermittlung rein landwirtschaftlicher und technischer Kenntnisse, als vielmehr um die geistige Umstellung des Betreffenden in die berufsständische Ideenwelt des mit der Scholle verwachsenen Bodenbearbeiters. Denn bei den gegenwärtig gedrückten Preisen der Cerealienproduktion kommt es heute weniger auf die Massenerzeugung eines für den Weltmarkt bestimmten Bodenproduktes an, als auf die Möglichkeit des Aufbaues einer eigenen Existenz, sei es auch zunächst nur auf dem Wege der Selbstversorgung.... Grundsätzlich muß gesagt werden, daß die Erfolgsaussichlen der Siedlung mit der Beschränkung auf Angehörige landwirtschaftlicher Berufsgruppen wachsen, und daß innerhalb dieser Berufsgruppen wiederum die aus den ärmeren landwirtschaftlichen Gebieten stammenden gegenüber denjenigen im Vorteil sind, welche dank den besseren Böden ihres Heimatackers bereits einer gehobeneren Lebenshaltung sich erfreuten. . .. Unter Ausschaltung der überindustrialisierten Vereinigten Staaten Nordamerikas scheinen dank ihrer einwanderungsfreundlichen Politik vorwiegend Länder wie Ecuador, Venezuela, Kolumbien, Peru und Bolivien dem mitteleuropäischen Siedler ein aussichtsreiches Betätigungsfeld zu eröffnen. Doch fehlen hier trotz günstiger klimatischer Bedingungen insbesondere noch die notwendigsten Verkehrsmöglichkeiten, so daß sie für eine Besiedlung in größerem Stile durch Angehörige der durch Krieg und langjähriges Massenelend verarmten Länder Mitteleuropas vorläufig ausschalten. Das gleiche gilt für die hochgelegenen Flächen Mexikos und die zur tropischen Zone gehörigen mittelamerikanischen Bepubliken. Die hohen Bodenpreise lassen ferner Chile für die mitteleuropäische Siedlung ungeeignet erscheinen, 2

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