Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1934. Bestand LBI
- Issue
- August 1934
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 1 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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KORRESPONDENZBLATT über Auswanderungs^ und Siedlungswesen Herausgegeben vom Hilfsverein der Deutschen Juden Zentralbüro für jüdische Auswanderungsangelegenheiten Vom Reichswanderungsamt anerkannte gemeinnützige Auskunftsstelle für jüdische Durchwanderung und Auswanderung Berlin, August 1934 _ EINLEITUNG Die Auswanderung vollzieht sich unter außerordentlicl schwierigen Bedingungen wegen der Weltkrise, die die meisten Staaten, kontinentale wie überseeische Länder, zu scharfen Restriktionsmaßnahmen veranlaßt hat, sowohl was den Einlaß betrifft, wie den Aufenthalt im Lande, die Niederlassungsbedingungen und die Arbeitsmöglichkeiten; andererseits ist die Weltkrise gerade auf die Einschränkung der Auswanderung mit zurückzuführen. Der amerikanische Botschafter Professor William Dodd hat diese Zusammenhänge im Oktober 1933 in sehr interessanter Weise beleuchtet und begründet: Schuld an der heutigen Weltkrise sei in erster Linie die Beschränkung der Freizügigkeit. Die Einwanderer vergangener Zeiten, die ihr Heimatland verließen und ihre Spargelder mit in ein neues Land nahmen, hätten die Arbeitslosigkeit in ihrer Heimat vermindert, die Bilanzen der Dampfschiffahrtsgesellschaften und Eisenbahnen verbessert, in ihrer neuen Heimat eine Nachfrage für erhöhte Einfuhr geschaffen und so allen Teilen zur Ueberwindung der historischen wirtschaftlichen Depressionen geholfen. Indem den Arbeitslosen kein Land zur Verfügung stehe, und die Auswanderungsbewegung fast überall behindert sei, habe die gegenwärtige wirtschaftliche Krise einen hartnäckigeren Charakter als die Krisen, die dem napoleonischen Zeitalter, dem amerikanischen Bürgerkrieg und dem deutsch-französischen Kriege gefolgt seien. — — Dazu kommen jetzt noch Schwierigkeiten, Devisen für Auslandsreisen freizubekommen, wie auch die Folgen der Währungsänderungen, so u. a. eine Verteuerung des Aufenthaltes für Angehörige aus Staaten mit abgewerteter Währung in Ländern mit stabiler Währung. — Der Dir. des Intern. Arbeitsamtes, Harold Butler, hat in der Sitzung der Ständigen Wandererschutzkonferenz vom September 1933 gleichfalls betont, daß eine der Grundursachen der gegenwärtigen Wirtschaftskrise in der Erschwerung der zwischenstaatlichen Wanderungsbewegung liege. Man müsse sich darüber klar sein, daß einerseits eine zweckmäßigere Verteilung der Bevölkerung auf der Erdoberfläche eine der Vorbedingungen für die Wiederherstellung des Gleichgewichtes bedeute, während andererseits die Krise wiederum bewirkte, die bisherige Richtung der Wanderungsbewegung geradezu umzukehren. Einzelne zweifellos bereits stark übervölkerte Länder erhalten gegenwärtig, anstatt ihren Überschuß abgeben zu können, neuen Zuzug dank der Heimkehr ihrer eigenen Auswanderer. Hieraus erhelle ohne weiteres die gewaltige Bedeutung, die den Wanderungsfragen in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise zukommt. Die starke Rückwanderung der letzten Jahre habe ferner schweres Leid über weite Kreise von Menschen gebracht. Gegenwärtig befinden sich in Europa, wie auf der Konferenz hervorgehoben wurde, viele Tausende von Rückwanderern, denen die Begründung eines festen Wohnsitzes überall verweigert wird, und die von einer Grenze zur anderen abgeschoben werden. — Seit der Herausgabe unseres Korrespondenzblattes im Oktober 1933 haben sich die Schwierigkeiten der Auswanderung durch weitere einschränkende Maßnahmen erhöht. Wir bringen in dem jetzigen Korrespondenzblatt aber keine Wiederholung der gesamten Einreise-, Aufenthalts- und Arbeitsbedingungen, sondern müssen uns auf ergänzende Mitteilungen über Änderungen beschränken. Unser Korrespondenzblatt vom Oktober ig33 steht Interessenten noch zur Verfügung. Wir bemerken noch folgendes: Berufschancen und Placierungsmöglichkeiten, Einreisebestimmungen und Visagebühren sind in den einzelnen Ländern einem raschen Wechsel unterworfen, so daß Angaben darüber stets nur mit einem gewissen Vorbehalt zu machen sind. Das Gleiche gilt von gesetzlichen und administrativen Bestimmungen verschiedener Art. Die eingehenden Berichte weichen in der Beurteilung der Sachlage des öfteren voneinander stark ab. Wir legen aber Wert darauf, sie als Material zur Orientierung wiederzugeben. In erster Reihe sind den Veröffentlichungen der Reichsstelle für das Auswanderungswesen vielfache wertvolle Informationen entnommen worden. Die ausländischen Konsulate in Deutschland haben uns wiederum über Einwanderungs- und Aufenthaltsbestimmungen, sowie Landesverhältnisse Mitteilungen zukommen lassen; deutschen Handelskammern und dem deutschen Auslandsinstitut in Stuttgart, dem deutschen Wirtschaftsverband für Süd- und Mittelamerika verdanken wir reichhaltiges Material über Wirtschaftsverhältnisse, Lebenshaltungskosten und anderes in verschiedenen Staaten. Pressenachnchten und Bankberichte boten vielfach Ergänzungen. Wir bringen in diesem Blatt eine ausführliche Zusammenstellung der Bestimmungen über den Erwerb der Staatsangehörigkeit m vielen Ländern der Welt, insbesondere auch in solchen, die Einwanderungsziele bilden. /