Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1933. Bestand LBI
- Issue
- Oktober 1933
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 32 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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land vom Konsulat der l nion von Südafrika, Mamburg '3d. Hamburger Hof, erteilt wird, welches aber keine Gewähr für die Einreise in Südafrika gibt. Die Konsulatsgebühr ë'n für ein Visum betragen 8,40 RM. Ferner müssen sie dann bei der Ankunft in Südafrika ein besonderes Gesuch für die vorübergehende Einreise an die Einwanderungsbehörde richten und müssen einen Betrag bis zu 250 Pfund pro Person hinterlegen. Der Aufenthalt kann bis zu höchstens zwölf Monaten genehmigt werden. — — Staatenlose, auch wenn ihr Geburtsort in Deutschland liegt, sind nach Auskunft des Konsulats zur Einreise nach Südafrika dem Visumzwang unterworfen. Aus dem Prospekt, einer Schiffslinie führen wir zur Ergänzung noch folgendes an: Einwanderungswillige Iküssen en 1 « ede r über ausreichende Existenzmittel verfügen oder aber einen im Bestimmungslande amtlich beglaubigten Vertrag (Form of Undertaking) vorlegen können, der von einer Bank gegengezeichnet sein muß, und aus dem hervorgeht, daß sie bei einem wohlangesehenen Arbeitgeber in angemessener Weise Arbeit erhallen, oder daß Verwandte oder Freunde die Verpflichtung übernommen haben, für ihren Unterhalt und die Kosten einer eventuell nötig werdenden Rückreise im Betrage von mindestens £ 100 aufzukommen. Ein derartiges „Form of Undertaking' muß auf einem amtlichen Formular ausgefertigt und beglaubigt sein. d. h. von dem zuständigen Magistrat eines Distriktes oder von einer entsprechenden südafrikanischen Behörde. . . . Als Depot für etwaige Rückreise sind bei der Schiffsgesellschaft £ 35 zu hinterlegen, worüber diese eine Bescheinigung ausstellt. Einem uns vor einigen Monaten zugegangenen Briefe enti 8 & o b nehmen wir: Die allgemeine wirtschaftliche Lage in Südafrika ist ungünstig. Der Landwirtschaft geht es schlecht, weil die Erdprodukte keinen A erdienst abwerfen. Die Lebenskosten sind im allgemeinen, obwohl alle Fertigfabrikate importiert werden und dadurch der Währungsverhältnisse wegen eine bedeutende Erhöhung zu erwarten gewesen wäre, nicht sehr gestiegen. Man hat die Zölle um 12 o/o ermäßigt, ferner sämtliche Löhne, Gehälter, Mieten, Frachtraten usw. unverändert gelassen. Die Nahrungsmittel, die durchweg südafrikanischen Ursprungs sind, haben keine Steigerung erfahren. Durch die oben geschilderten Verhältnisse ist für die Goldminenindustrie, die für das Wirtschaftsleben des Landes von grundlegender Bedeutung ist. eine günstige Situation entstanden. Während der Goldpreis in südafrikanischer Währung ausgedrückt um etwa 40 o/o gestiegen ist, sind die Produktionskosten der Minenindustrie unwesentlich höher, und es wird infolge des geschilderten Nutzens, den die goldreichen Minen abwerfen, eine Expansion der Goldminenausbeutung ermöglicht, wovon wiederum Mehreinstellung von Arbeitern und Befruchtung des Produktenmarktes im ganzen Lande infolge der vermehrten Nachfrage die Folge wäre. Avas die Einwanderungsverhältnisse angeht, heißt es weiter in dein Berichte, ist nicht zu verkennen, daß eine gewisse Arbeitslosigkeit herrscht, andererseits sollte es tunlich sein, für junge Menschen, die nicht verwöhnt sind, Existenzmöglichkeiten zu finden, und zwar für kaufmännisch ausgebildete Menschen in den Städten und vor allem auf dem Lande und ferner für technisch gebildete Leute: Elektriker, Monteure, Autoschlosser, vor allem in Johannesburg. — In einer anderen uns zur Verfügung gestellten Übersicht über die Landesverhältnisse wird bemerkt, daß landwirtschaftliche Volontärmöglichkeiten vorhanden wären. Die klimatischen Verhältnisse seien in Kapstadt, Johannesburg und Praetoria günstig, weniger in Durban, wo viel Malaria herrsche. Die Schulverhältnisse seien gut. Kapstadt und Johannesburg seien volle Universitätsstädte, Praetoria teilweise. Zurzeit mache die Einwanderungserlaubnis keine Schwierigkeit, doch sei schon die Bede davon, daß evtl. eine Quote für Angehörige freier Berufe festgelegt werden solle. Die Naturalisation könne nach fünf Jahren erfolgen. Es wird geraten, Mobiliar nicht mitzubringen, da alles, wenn es auch nicht so gut sei, in der Union zu haben sei und der Zoll auf Möbel ziemlich hoch ist. — Ausübung des ärztlichen Berufs. Für die Zulassung zum ärztlichen Beruf genügt der Nachweis der Ablegung des deutschen Staatsexamens nicht. Die geforderte Nachholung des ärztlichen Studiums in Südafrika ist langwierig. Es wird Interessenten empfohlen, das notwendige Examen bei einer englischen Prüfungsbehörde abzulegen, weil dies wesentlich küzere Zeit erfordere. In größeren Städten Südafrikas ist der Ärzteberuf schon jetzt überfüllt. Der Nachwuchs junger Kräfte gestaltet die Zukunftsaussichten noch ungünstiger. In der Südafrikanischen 1 mon sind etwa 2350 Ärzte zur Praxis zugelassen. Die Zahl der Studenten der Medizin in Kapstadt und Johannesburg beträgt mehr als 1000. An Kosten zwecks Einrichtung einer eigenen Praxis in Südafrika können für einen unverheirateten Arzt etwa 310 bis 500 Pfund gerechnet werden, für einen verheirateten entsprechend mehr. Kür die Lebenshaltung eines unverheirateten W-ztes sind bei bescheidenen Ansprüchen in Kapstadt 30 bis 40 Pfund monatlich, für die einer Familie von drei Personen mindestens 45 bis 55 Pfund monatlich anzusetzen. An Sprachkenntnissen außer den englischen ist die Beherrschung des Kapholländischen (Africaans) sehr nützlich. Ü b e r a lige m eine Berufs a u s s i c h l e n wird von unterrichteten Stellen mitgeteilt, daß sieh Aussichten zur Installation in Industrie, Handwerk und Handel in Südafrika bieten werden. Die Chancen für Rechtsanwälte werden als sehr ungünstig bezeichnet, weil der Anwaltsberuf überfüllt ist und einschließlich der praktischen Vorbereitungszeil ein Nachstudium von mindestens fünf Jahren erforderlich sei. Für landwirtschaftliche Siedler bestehen Möglichkeiten hei genügender Vorbereitung, großer Sparsamkeit und Kenntnis des Landes. Von einer Siedlungsgesellschaft wird der Besitz folgender Mittel als erforderlich erachtet: Unverheiratete Siedler benötigen als Mindestkapital 600 Pfund, ohne landwirtschaftliche Kenntnisse 1500 Pfund; von verheirateten Siedlern, die in größerem Ausmaß siedeln wollen, wird gefordert, daß sie über ein Kapital von 2000 Pfund verfügen. Aus dem Brief eines vor kurzem nach Südafrika ausgewanderten jungen Mannes sei noch folgendes angeführt: Die größte Schwierigkeit ist die Sprache, doch lernt man das auch sehr schnell, da hier in Kapstadt fast nur englisch gesprochen, während auf dem Lande viel africaans gesprochen wird, also lerne recht eifrig Englisch. Man kommt mit Englisch überall durch. Aufenthalts- und Arbeilsschwierigkeiten hast Du als Deutscher gar keine. Zur Einreise benötigt man mindestens £ 100 oder die, Bürgschaft eines angesehenen südafrikanischen Bürgers, daß Du dein Staate innerhalb der ersten zwei Jahre nicht zur Last fällst, oder Anstellungsvertrag einer südafrikanischen Firma. Zum Leben benötigt man hier ,£ 8 im Monat. Klima ist sehr gut zu vertragen, natürlich ist es bedeutend wärmer als in Deutschland. — Laut der Zählung von 1926 lebten in Südafrika 71 800 Juden, hiervon 93 o/0 in Städten, 7 «o auf dem Lande. In Johannesburg lebten 25 826 Juden, in Kapstadt 11 079, in Durban 2418, Pretoria 2383, Port Elizabeth 1490, Bloemfontain 1406 und Benoni 1151. In 10 weiteren Städten betrug die Zahl weniger als je 100!) Seelen. Tunesien Bevölkerung: .2 159708 (1926). 195300 Europäer (1931), 65000 Juden, hiervon 54 243 eingeborene Juden, Tunis: 200 000 Personen (rund 25 000 Juden), Sfaks: 40 000 (darunter 3000 Juden), Sousse: 25 000, Biserta: 23 000 Personen. Über die Installation von Ärzten in Tunesien werden in unserem Zirkular Nr. 13 Angaben gemacht. Nach Ansicht verschiedener gut informierter Personen gibt es in der Stadt Tunis selbst für Ärzte keinen Platz, aber dieselben Personen meinen, daß in den Örllichkeiten des Innern ein Arzt Arbeit finden kann, unter der Bedingung, daß er sich mit einer sehr bescheidenen Situation begnügt. Die Aussischten für Einwanderer sind, wie von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, wenig günstig. Personen, welche mit Arbeitserlaubnis nach Tunis fahren wollen, erhalten das Visum nur mit Zustimmung des Büros des Tunesischen Gouvernements, 17 Galeries d'Orléans, das evtl. durch das Französische Konsulat beschafft wird. Australien Bevölkerung: 6 575 259, Sydney: 1 239 400, Melbourne: 1 014 600, Adelaide: 324 400 Personen. Währung: 1 Pfund 10,60 RM., Goldparität 20,429 RM. Klima: Das Klima ist ziemlich trocken, im allgemeinen gesund und Europäern, mit Ausnahme des tropischen Nordens, zuträglich. Im Sommer (Dezember bis Februar) wird es zuweilen sehr heiß. Der Nachteil unzureichender Regenmenge wird durch höchst ungleiche Verteilung der Niederschläge ver- 32