Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1933. Bestand LBI
- Issue
- Oktober 1933
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 28 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6492417-9587552-10032088--199-9587607- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Schnittstemperatur 25 30" C: 2. die gemäßigte (tierra templada) zwischen 1000 und 2000 in. Temperatur 15 -25 C: 3. die kalte (tierra fria) zwischen 2000 und 3000 m Meereshöhe, Temperatur 8 -12° G. In den heißen Niederungen isl Malaria verbreitet. Im übrigen kommen bis 1500 m tropische 'Blutarmut, Gallen- und Leberleiden und Wurmkrankheit ziemlich häufig vor. Die höher gelegenen Gebiete können im allgemeinen als gesund bezeichnel werden, doch sind dorl Typhus, Rheumatismus und Bronchialerkrankungen nicht seilen. Die allgemeine Lage in Kolumbien ist als sehr ungünstig zu bezeichnen,. Ks besteht auch eine Animosität gegen Ausländer, die \iele von ihnen im Verein mit der wirtschaftlichen Notlage zwingt, das Land zu verlassen. Die Behörden verhalten sieh auch gegen die Zuwanderung von Ausländern ablehnend. Personen, die über keinen Arbeitsplatz oder die erforderlichen Subsistenz-Mittel verfügen, werden abgeschoben. Obwohl das Lehen sehr teuer ist. sind die Löhne gesunken. Die kolumbianische Regierung hat durch ein neues Dekret Nr. 1060 vom 7. Juni 1933 die bisherigen Eremdenpolizeilichen Vorschriften verschärft. Zur \ isierung müssen dem Konsul ein Führungszeugnis über 10 Jahre. 1 rkunden zur Beglaubigung des Personenstandes des Einreisenden und der ihn begleitenden Personen, ein ärztliches Zeugnis vorgelegt werden. Jede alleinreisende Frau, die in das Land kommen möchte und keinen Mann, keine Kitern oder Brüder hat. die bereits in Kolumbien wohnen, und die sich nicht auf einer Touristenreise befindet, muß eine Einreiseerlaubnis heim Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten erbitten. Im Landungshafen sind 100 Pesos hei der Zollverwaltung zu hinterlegen. Von der Hinterlegung weiden befreit u. a. : Kaufmännische Heisende und Vertreter von Handelshäusern, sofern sie einen entsprechenden Nachweis führen; Touristen. Schauspielergesellschaften und solche Personen, die bereits ununterbrochen zwei Jahre im Lande gewesen sind und dorthin zurückkehren. Der hinterlegte Betrag wird dem Ausländer heim Verlassen des Landes von der zuständigen Behörde zurückgegeben. Er kann ein Jahr nach der Hinterlegung zurückgegeben werden, wenn befriedigend festgestellt wird, daß der Ausländer sich in dauernder und ehrenhafter Form niedergelassen bat. Paraguay Bevölkerung: 1 065000. Asuncion: 142003 Personen. Währung: 1 Papierpeso 0.05 RM., Goldparität 0.005 RM. Klima. Paraguay hat ein warmes, un Sommer heißes Klima (die mittlere Tagestemperatur beträgt in den Monaten Januar und Februar in Asuncion 31° C). Im Winter kommen gelegentlich Frostnächte vor. in der südöstlichen l rwaldzone pflegt nachts Abkühlung einzutreten. Das Klima ist. mäßige Lebensweise und Beachtung der Hegeln der Hygiene vorausgesetzt, im allgemeinen gesund. Krankheiten des Magen- und Darmkanals sind am häufigsten; strichweise kommen fiebrige Erscheinungen vor. Visagebühren. Kin Einreise- oder Durchreisevisum Eür Deutsche und Ausländer kostet HM. 8,10. Für Einwanderer wird das Visum kostenfrei erteilt. Für die Durchreise durch Vrgentinien und t ruguay nach Paraguay sind auch die von der argentinischen Ii/», uruguayischen Regierung vorgeschriebenen Papiere und \ i>a erforderlich. Die Einwanderung nach Paraguay isl im Gegensatz zu anderen amerikanischen Ländern nicht erschwert worden. Ein Berich! vom Frühjahr gibt ein anschauliches Bild der Schwierigkeiten, mit denen das Land kämpfen mußte. ..Halte die Landwirtschaft Paraguays schon durch die allgemeine wirtschaftliche Krise im Laufe des letzten Jahres empfindlich zu leiden, so sind die Verhältnisse seit dem Ausbruch des Krieges mit Bolivien noch wesentlich schlechter geworden. Fast bei sämtlichen Produkten deckt der Vfcrkaufswerl nicht mehr die Selbstkosten. Die Mehrzahl der Geschäfte wird im Tauschwege getätigt, da Bargeld fast überhaupt nicht mehr vorhanden ist. Die Preise der eingeführten Artikel sind infolge der Verschlechterung der Währung gestiegen. Obgleich ein Kolonist, namentlich zu Beginn, auf den Verkauf der verschiedenen kleinen Nebenprodukte seiner Wirtschaft angewiesen ist, wird er darauf im gegebenen \ erhältnissen gnügen müssen." \ on einer pai Anfrage über die Paraguay allgemeinen verzichten und unter den sich nur mit der Selbstversorgung beuayschen \ ertre uandesverhältnisse ein ackerhauun< ung erhalten wir auf folgende Mitteilung: viehzuchttreibendes L und für diese Berufe besonders günstig. Die Regierung giht gut. beleumundeten Landwirten und Handwerkern 10 20 ha Land ganz kostenlos ah. und zwar können die Einwanderer sich das Land selbst wählen. In den letzten Jahren haben sich verschiedene Leute auch Juden - in Paraguay niedergelassen, die Kleinfahrikal ion mit Strickmaschinen. Gerbereien, Parfümerie usw. mit Erfolg betreiben. Dil' Lebensbedingungen sind billige und die Regierung steht der Einwanderung wohlwollend gegenüber. - Die Zahl der Juden in Paraguay beträgt schätzungsweise etwas über 1500. hiervon rund 1000 in Asuncion, der Res! in Encarnacion und \ Lila Rica. Die Delegation Paraguays auf der Londoner Weltwirti schaflskonferenz bat die Schaffung einer internationalen Organisation zur Überwachung des Transportes und der Unterbringung von Auswanderern angeregt, um auf diese Weise der Übervölkerung gewisser Länder durch Erleichterung der Auswanderung abzuhelfen. Die in Vorschlag gebrachte Organisation solle dem Völkerbund unterstehen. Paraguay hat sich bereit erklärt, durch Aufnahme einer größeren Anzahl von Einwanderern zur Verwirklichung des Planes beizutragen. Peru Bevölkerung: 6 147 000 (300 Juden im Jahre 1927), Lima: 200 000 Personen. Währung: 1 Sol 0,60 RM., Goldparität 1.175 HM. Das Klima wechselt stark, je nach der Höhe. An der Küste des Stillen Ozeans entlang ist es tropisch, kühl während des ganzen Jahres auf den Hochebenen des Inlandes und sehr heiß in dem östlichen Amazonendistrikt. Es ist talsächlich kein Regen an der Küste, aber die I filze wird durch den Humboldtstrom gemäßigt. Zu Zeiten, im Winter, wenn schwere Nebel vom Stillen Ozean ins Land kommen, ist die Küste kühl. Die trockene Jahreszeit isl November April, die nasse Mai bis Oktober. Visagebühren. Das Visum für Fin- und Durchreise nach Peru kostet 5 Dollar Außer dein Reisepaß weiden benötigt ein polizeiliches Führungszeugnis und ein Impfschein (nicht älter als 2 Jahre). Die Wirtschaftskrise hat die peruanische Regierung zu Maßnahmen zum Schulze des Vrbeilsmarktes veranlaßt, von welchen besonders die Ausländer betroffen werden, so bal z. IL ein einreisender Ausländer den Besitz von 2000 Soles (etwa 1300 BM.) nachzuweisen. Fremde Ingenieure und Techniker müssen sich, um ihren Beruf ausüben zu können, in ein Register eintragen lassen, wofür der Betrag von 1000 Soles aufgewendel werden muß. Ferner hat die Regieruiii; Anfang vorigen Jahres ein Gesetz erlassen, wonach alle im Lande ansässigen kaufmännischen und industriellen Unternehmungen mindestens 80 o/o peruanisches Personal beschäftigen müssen. Im gleichen Verhältnis müssen die Ausgaben an Gehältern und Lohnen peruanischen Angestellten zufließen. Dazu kommt, daß 1 'nternehrnen. die in amerikanischen und englischen Händen sind, ihren Bedarl fast ausschließlich in den Vereinigten Staaten und England decken. An einheimischen Ingenieuren ist reichlichem Angebot. Der Bedarf an Chemikern isl nur ganz gering und wird last ausschließlich durch Peruaner gedeckt. Bei allen Industrien macht sich infolge der Krise das Bestreben hemerkhar. den Beirieh einzuschränken und Personal abzubauen. Die Gehälter der Verbleibenden sind durchweg stark gekürzt worden (20—50 o/o). Das peruanische Gesetz gegen Überfremdung Nr. 7505 vom 8. Vpril 1032 hat auf Interventionen von verschiedenen Seilen, in Peru ansässigen Handelshäusern und diplomatischen Vertretungen, eine Milderung erfahren (]\\vrh Ergänzungsgesetz Nr. 7735 vom 12. April 1933. Dasselbe setzt folgendes fest: Artikel 3 der Ausführungsbestimmungen vom 21. Januar 1933 bestimmt, daß die Verhältniszahl (80 o/o Peruaner, 20 o/„ Fremde) sowohl der Arbeitnehmer als auch des Lohnes getrennt für Angestellte und Arbeiter zu errechnen isl. 28