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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1933-10-01 · Oktober 1933 · p. Seite 27

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1933. Bestand LBI
Issue
Oktober 1933
Date
1933-10-01
Page
Seite 27 (sequence 29)
Language
German
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Es soll Chancen in den landwirtschaftlichen Industrien im allgemeinen geben und besonders in den Getreide-Ölen, in der Holzverwertung und in der Rübenkultur. Es sollen gleicherweise Chancen in der Handschuh- und der Saffian-Fabrikation bestehen (Taschen, Portefeuilles und Gürtel), ebenso im Seilerhandwerk. Es gebe, wie weiter mitgeteilt wird, noch Aussichten in der Fischerei-Industrie, der chemischen und in der Stahlfabrikation und Nebenprodukten. Für Angehörige freier Berufe bestehen keine Niederlassungsmöglichkeiten. Über die ärztliche Tätigkeit in Chile haben wir in unserem Zirkular 7 nähere Mitteilungen gemacht. Was die Modalität der Expedition der Familie betrifft, die von obenerwähnter Bewilligung der chilenischen Regierung Gebrauch machen möchte, so sind zur Erlangung des Visums erforderlich: Personalien mit genauen Details bzgl. aller Familienmitglieder: Name, Alter, Beruf; Fingerabdrücke jeder Person: Führungszeugnis; ärztliches Zeugnis; Beglaubigung des chilenischen Konsulats oder einer Bank, daß die Summe von RM. 2000 deponiert ist, und daß sie im Augenblick der Ausreise disponibel ist und nach Chile ausgeführt werden kann. 3 Photographien des Auswanderers und seiner Familie. Wir wiederholen aus unserem Korrespondenzblatt vom Februar die allgemeinen Einreise-Bestimmungen für Chile: Von den Einreisenden werden nach Angabe des Konsulats ein Kontrakt mit einer in Chile ansässigen Firma oder evtl. ein Nachweis über Geldmittel, die einen sechsmonatigen Aufenthalt in Chile gestatten, sowie Mittel zur Rückreise verlangt. Es sei erwähnt, daß uns über Chile und die Möglichkeiten, die es Einwanderern bietet, sehr verschiedenartige, optimistische wie pessimistische, Berichte zugegangen sind. In einem wird darauf hingewiesen, daß gegenwärtig die Möglichkeit gegeben sei, zu günstigen Bedingungen Grundbesitz zu erwerben, und daß gerade jetzt die Schaffung neuer Industrien und neuer bodenständiger Arbeit als Ausgleich für den Ausfall von Importgütern aus dem Ausland geboten erscheine. Es sei absurd, daß ein typisches Agrarland wie Chile, das über die doppelte Bodenfläche wie Deutschland verfüge, einen großen Teil seines Verbrauches an Landwirtschaftsprodukten aus dem Ausland beziehe. Es wird des ferneren bemerkt, daß die klimatischen Bedingungen Chiles denen Italiens gleichzustellen sind. Es gedeihen in Chile alle subtropischen Früchte, sämtliche auch in Deutschland heimischen Obstarten und ungezählte Obst- und Gemüsearten, die ausschließlich in Chile wachsen. Das ganze Land Chile, ganz speziell die mit „Valle Centrale" bezeichneten mittleren Gegenden, sind von sprichwörtlicher Fruchtbarkeit und in keiner Jahreszeit fehlen Obst, Gemüse und Blumen. — Orangen-, Granaten- und Feigenbaum entwickeln sich größer, kräftiger, fruchtreicher als in irgendeinem Lande. Spargel kann drei-, ja viermal in einem Jahre geerntet werden, ein gleiches gilt von Klee und anderen Futtermitteln. Was eine Betätigung auf industriellem Gebiete betrifft, so bietet Chile gewinnbringende Beschäftigung durch die Herstellung oder den Handel mit Nahrungsmitteln, Getränken, Konserven, Drogen, von Produkten der pharmazeutischen, chemischen Industrie, durch den Absatz von Wirkwaren und Gegenständen der Schmuckindustrie, durch eine industrielle Betätigung auf dem Gebiete der Innen- und Außendekoration, durch die Herstellung und den Verkauf von häuslichen Gebrauchsgegenständen, Toilette-, Bijouteriearlikeln, Schreibulcnsilien usw. . . . Viele der bezeichneten Gegenstände der Serienfabrikation sind heute geradezu ein Bedürfnis in Chile und könnten mit kleinem Kostenaufwand und sicherem Gewinn industriemäßig hergestellt werden. . . . Die betr. Maschinen usw. wären aus Deutschland einzuführen. — In einem anderen Schreiben wird betont, daß die Verhältnisse in Chile, einem Lande von 4 Millionen Einwohnern, von sehr kleinen Dimensionen sind und seit einigen Jahren eine starke Verarmung und eine fühlbare Arbeitslosigkeit, eingetreten sind. Unter Hinweis auf fehlgeschlagene Versuche kollektiver Siedlung wird die Möglichkeit der Niederlassung einzelner Familien bejaht. Über allgemeine Berufsaussichten wird folgendes bemerkt: Abgesehen von der jetzigen Krisis, d. h. der allgemeinen sehr schlechten Geschäftslage, bestehen Aussichten auf Erfolg für einzelne Personen sowohl industriell wie handwerklich und in Ladengeschäften, immer vorausgesetzt, daß der Einwandernde wirkliche Kenntnisse hat und fleißig und gewandt ist. Für Chemiker, Maschinenkenner, praktische Handwerker für Garagen, kleinere maschinelle Anlagen, Holzbearbeitung usw. dürfte sich Beschäftigung finden; für Ladengeschäfte wird gute Kenntnis der spanischen Sprache notwendig sein. Auf landwirtschaftlichem Gebiet wäre wohl für Einzelne Betätigung zu finden. Ein Einwanderer müßte soviel Kapital mitbringen, um einige Zeit — etwa drei bis vier Monate — ohne Einnahme leben zu können. Augenblicklich ist das Leben durch den geringen Wert des Peso, der aber seine Kaufkraft für inländische Waren noch ziemlich bewahrt hat, billig. Kurse und Lebensindex können sich aber bekanntlich schnell ändern. Möglichkeiten für Ärzte, Zahnärzte und Rechtsanwälte bestehen nicht. Diese werden nur zugelassen, wenn sie die entsprechenden Examina nach dem üblichen hiesigen Universitäts-Studium bestanden haben, was ihnen aber sehr erschwert wird und praktisch fast unmöglich ist. Für Ingenicure und Chemiker bestehen keine Hemmnisse; sie müssen nur selbst eine Betätigung suchen. Sich im voraus, vor Ausreise aus Deutschland, eine Anstellung hier zu sichern, halte ich für ausgeschlossen. Hier ist soviel Angebot von Personen, daß niemand jemanden ungesehen engagiert. — In einem weiteren Briefe werden insbesondere Akademiker gewarnt, nach Chile zu gehen. Einem Bericht, der uns vor wenigen Tagen zugegangen ist, entnehmen wir: Nicht weit von Santiago, in einem fruchtbaren und gut bewässerten Gebiet günstig gelegen, kostet der Boden bis zu ungefähr 5000 Pesos pro Hektar. Bei zunehmender Entfernung von der Hauptstadt fallen die Preise, bis auf 2500 Pesos z. B. in der Provinz O'Higgins, 1500 in der Provinz Colchagua, 1000 in der Provinz Talca und 700 in der Provinz Maule; sie fallen sogar in den mehr südlichen Provinzen — in denen die deutsche Kolonie die bedeutendste ist — bis auf 300 Pesos und darunter. Die Reflektanten werden gute Landwirte sein und sich mit vervollkommneten Maschinen ausrüsten müssen, da letzlere in diesem Lande fehlen. Unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Bodenpreise müßte man für die Installierung einer Familie mit einem Kapital von ungefähr 8—10 000 RM. rechnen. Wenn es sich um einen Betrieb handelte, der 50—100 Familien beschäftigte, würde es genügen, für jede dieser Familien die Hälfte dieser Summe zu rechnen; wahrscheinlich könnte man in diesem Falle sogar auf eine gewisse Unterstützung der chilenischen Regierung rechnen. Was Handel und Industrie anbetrifft, so gibt es u.a. noch Aussichten auf Erfolg bei chemischen Produkten, deren Herstellung kein sehr großes Kapital erfordert, wie Gelatine, Aspirin, Terpentin, Anilin. Diese Produkte finden nicht nur in Chile, sondern auch in Bolivien und Peru Absatz. Die Lebenshaltungskosten werden in der Hauptstadt gegenwärtig auf 3—400 Pesos pro Person und pro Monat veranschlagt. Für eine Familie bis zu fünf Personen muß man mit monatlichen Ausgaben von 800—1000 Pesos pro Monat rechnen. Wie wir Ihnen schon früher mitteilten, haben Personen, die freie Berufe ausüben, keinerlei Aussicht in Chile. Die Regierung widersetzt sich im allgemeinen nicht ihrer Einreise in das Land, aber diese Berufe sind derart überfüllt, daß es für neu Ankommende keinerlei Chance gibt. Ecuador Bevölkerung: 2 000 000, Quito: 80 700 Personen. Juden leben vereinzelt in Quito, Rio Bamba und der Hafenstadt Guayaquil. Währung 1 Sucre 0,50 RM., Goldparität 0,84 RM< Visagebühren. Deutsche, französische, belgische, italienische und schweizerische Staatsangehörige brauchen nach Auskunft des Konsulats kein Visum. Die Visagebühren für Angehörige der anderen Staaten betragen 3 Dollar. Kolumbien Bevölkerung: 7 993 000, Bogota: 144 000 Personen. Juden leben vereinzelt in Bogota, im Seehafen Cartagena de las Indas, in Sta. Marta, Rio Hacha und in Cali am Cauca-Flusse. Währung: 1 Goldpeso 2,55 RM., Goldparität 4,086 RM. Visagebühren. Visum für einmalige Einreise, 1 Monat gültig, 0.50 amerik. Dollar; Visum für mehrmalige Einreise, 6 Monate gültig, 2 amerik. Dollar. K 1 i m a,. Kolumbien nimmt die Nordwestecke des südamerikanischen Festlandes ein; es liegt in seiner ganzen Ausdehnung in der tropischen Zone. Im Norden ist das Land, von Randgebirgen abgesehen, tief gelegen, die Mitte und der Süden sind von hohen Bergketten durchzogen. Der Höhenlage und dem Klima nach kann man Kolumbien in drei Zonen teilen: 1. die heiße (tierra caliente) bis 1000 m über dem Meere mit rein tropischer Vegetation, Durch- 27

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