Mannheim
Compact Memory

Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1933-10-01 · Oktober 1933 · p. Seite 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1933. Bestand LBI
Issue
Oktober 1933
Date
1933-10-01
Page
Seite 16 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6492417-9587552-10032088--187-9587595
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Diplome in Spanien praktizieren können, wenn ihr Herkunftsland den spanischen Ärzten dieselben Rechle bewilligt. Die anderen Bürger müssen Äquivalenzexamina ablegen. Diejenigen Staatsbürger brauchen sich nicht naturalisieren zu lassen, deren Länder es ihrerseits nicht von Spaniern verlangen. In allen anderen Fallen ist die Naturalisation unbedingt erforderlich. Von Deutschen wird Studium und Examen gefordert. Ausübung der Praxis erst nach Naturalisation, d. h. nach 10 Jahren. Berichten über die Situation in Spanien entnehmen wir folgendes : Spanien leidet an Arbeitslosigkeit, wenn auch vielleicht weniger als andere mehr industrialisierte Länder. Die Arbeitslosigkeit unter den Intellektuellen ist besonders sichtbar. Viele Ärzte, Rechtsanwälte usw. sind ohne Arbeit. Um ihnen einigermaßen zu helfen, hat man ihnen Vertretungen verschafft. Auf Grund des Ausländergesetzes, das seit ca. % Jahr existiert, sind Anstellungen unmöglich. In größeren englischen und deutschen Konzernen müssen bei den augenblicklichen Einschränkungen zunächst die Ausländer entlassen werden. Sehr häufige Streiks kommen besonders im Baugewerbe vor. Dies macht die Unterbringung von Ingenieuren schwer. \\ as l nfernehmungen anbelangt, so ist zu berücksichtigen, daß es ausgeschlossen erscheint, jemanden für selbst bestimmt gehaltene Pläne, Projekte, Vorschläge, geplante Arbeiten zu gewinnen. Man will lediglich Produkte und Artikel, die sich bereits vielfach bewährt haben. Für die mengenmäßige Fabrikation, z. B. in der Pharmazeulik, ist zu berücksichtigen, daß nur 25 Millionen Menschen im Lande sind, von denen nur ein Teil in den Großstädten, also vielleicht 8—10 Millionen, Medikamente zu sich nehmen. — Man ist besonders kaufmännisch tätig, weniger als Produzent. Hinzu kommt, daß namentlich in der pharmazeutischen Industrie sehr strenge Vorschriften bestehen. Jedes Produkt bedarf der Garantie eines staatlich geprüften Apothekers. Die Apothekerzulassung ist abhängig von der Ablegung sämtlicher Examina. Es sind hier sehr viele Apotheken, da es keine Konzession gibt. Verhandlungen ohne Kenntnis des Spanischen sind schwer zu führen, da man durchaus nicht überall französisch versteht. - In dem Bericht eines Besuchers, der Spanien zwei Jahrzehnte lang nicht gesehen hatte, wird die außerordentliche Entwicklung, die das Land weit vorwärts gebracht hat, hervorgehoben : Spanien hat sich eine verhältnismäßig nicht unbedeutende Industrie aufgebaut und stellt in allen Zweigen, in denen es fabriziert, sowohl minderwertige als auch Qualitätsware her. Doch gibt es noch viele Artikel, die es ausschließlich vom Auslande bezieht, weil einmal die Produktion des betr. Artikels im Lande hier versagt hat oder die im Lande hergestellten Produkte nur wenig Qualität aufweisen. Spanien schützt aber seine Industrien, in denen es Leistungen aufzuweisen hat, durch Zölle derart, daß die importierten Artikel uns jeder Konkurrenz ausscheiden, und ihr Kauf nur eigentlich Liebhabcrsache geworden ist. Außerdem schützt Spanien auch die Entwicklung jeglicher Industrie durch besondere, sehr interessante Patentgesetzc. Das Leben selbst ist sehr billig. Bescheidene können in gutem Hause, auch mit allem Komfort, schon ab Ptas. 6.— p. Tag für Essen, Trinken, Schlafen, Wäsche, Bad auskommen. Es stehen sehr viele und schöne, dabei nicht teure Wohnungen, Villen, Läden, in allen Vierteln frei. Das Essen in Restaurants ist schwierig. Gutes Essen nicht billig. Moderne Wohnung, 5 Räume, aber nicht so groß wie in Berlin, mit Bad, zwei Toiletten, Fahrstuhl, Küche usw., Monatsmiete ab Ptas. 200 etwa, auch billiger, je nach Wunsch und Gegend, bis etwa Ptas. 400 (RM. 70.— bis 140.—), größer entsprechend. Möglichkeiten zur Selbständigkeit gibt es m. E. viele, doch nur für solche, die über ausreichende Mittel verfügen, um sich die ihnen zusagende Selbständigkeit gründen zu können. Doch möchte ich jedem, ohne solche Mittel, abraten, zurzeit hierher zu kommen, um so mehr, wenn er die Sprache des Landes nicht beherrscht. Die Vorschriften über Einreise nach und Arbeitsannahme in den Kolonien sind im allgemeinen die gleichen wie für das Mutterland (s. Afrika). Tschechoslowakei Bevölkerung: 14 726 000 (darunter rund 400 030 Juden), Prag: 848 100. Währung: 100 Kr. 12,42 RM., Goldparität 12,438 RM. Visagebühren. Reichsdeutsche: kein Visumzwang. Für Staatsangehörige von: Albanien: 10 Goldfr. 2 $. Bulgarien: Durchreise RM. 1.75, einmalige Einreise RM. 4.85. Frankreich: kein Visumzwang. Polen: Transitvisum Hin (mit. Fragebogen) RAI. 1.40, Hin und zurück RM. 2.60, einmalige Einreise RM. 12.10. Rumänien: einmalige Durchreise RM. 1.70, zweimalige Durchreise RM. 2.55, einmalige Durchreise mit 48 Std. Aufenthalt RM. 5.10, einmalige Einreise auf 14 Tage oder bis auf einen Monat RM. 9.35. Rußland: einmalige Durchreise RM. 12.20, einmalige Einreise RM. 24.15. Türkei: einmalige Durcineise RM.5.20, einmalige Einreise RM. 12.70. Ungarn: einmalige Durchreise RM. 1.85, hin und zurück RM. 2.75, einmalige Einreise RM. 6.10. Staatenlose: Sic bedürfen besonderer Genehmigung vom Ministerium des Äußeren in Prag: einmalige Durchreise RM. 0.85, zweimalige Durchreise RM. 1.45, einmalige Einreise RM. 6.45. Für Nansenpässe gelten dieselben Kosten. Ausländer dürfen in der Tschechoslowakei nur dann beschäftigt werden, wenn sie sich entweder seit der Zeit vom 1. 5. 1923 auf dem Gebiet der tschechoslowakischen Republik ununterbrochen aufhalten, oder falls sie erst nach dem 1. 5.. 1923 in die tschechoslowakische Republik gekommen sind, wenn der Arbeitgeber eine besondere Bestätigung der politischen Behörde zur Beschäftigung des Ausländers sich verschafft. Es ist außerordentlich schwer, in der Tschechoslowakei Arbeit zu finden. Die Krise lastet auf allen Zweigen der Wirtschaft. Dazu kommt, daß deutsche Juden in tschechischen Gegenden wegen der Sprache Schwierigkeiten haben, sich einzuleben. Wer über Mittel verfügt, kann sich eine neue Existenz im Handel und in der Industrie, namentlich in letzterer, aufbauen. Die Gründung von chemischen Industrien ist erwünscht. Wer in der pharmazeutischen Branche etwas Neues schaffen will, wird Entgegenkommen finden. Für tüchtige Spezialkräfte, insbesondere in der chemischen und technischen Branche, besteht evtl. eine Unterbringungsmöglichkeit. Türkei Bevölkerung: 13 660 000 (davon in Europa 1 044000), Konslanlinopel (Istanbul): 836 000, Angora: 75 000 Personen. Währung: 1 Pfund 1,98, Goldparität 18,456 RM. Laut der Volkszählung von 1927, der ersten in der Türkei, lebten dort 82 000 Juden, und zwar 55 600 in den europäischen Vilajcts der Republik, 21 917 in den drei Küsten- Vilajets in Asien (Bursa, Canak Kaie und [smir [Smyrna]) und 4363 in 44 asiatischen Vila jets zerstreut. Die drei größten jüdischen Gemeinden sind in Istanbul (46 700 Seelen), Smyrna (16 200) und Edoine oder Adrianopel (5700). Klima. Das Klima in Istanbul ist gesund mit ziemlich heißem, jedoch infolge anhaltender Winde erträglichem Sommer. Der Winter ist kurz und regnerisch, aber nicht streng. Im Innern des Landes ist; der Sommer heißer als in Istanbul und in der Regel sehr trocken. Der Winter steht dort unter dem Einfluß der jeweiligen Windrichtung und wird oft außerordentlich kalt und trocken. Schneestürme und Temperaturen von 20—30° C sind nicht selten. Fieber (Malaria) kommt im Innern noch vor und bedeutet im Hochsommer an vielen Orlen eine Gefahr für die Gesundheil. Visagebühren. Deutsche Staatsangehörige benötigen ein Visum und die Gebühr dafür, sowie auch für alle anderen Staatsangehörigen beträgt RM. 5.20 für ein Durchreise-Visum und RM. 12.10 für ein Einreise-Visum, auch ist ein Foto mit einzusenden und bei Postversand Rückporto RM. 0.5o. Jeder Einreisende, gleichviel ob bei der Durchreise oder Einreise, hat durch Vorlage eines Schecks oder Kreditbrictes auf eine türkische nationale Bank über 400 türkische Pfund den Nachweis über die nötigen Geldmittel zu erbringen. Aufenthaltsgenehmigung wird jedem Fremden erteilt, welcher ein Aufenthaltsvisuni besitzt, nicht aber ein Transitvisum; Staatenlose sind von dieser Erlaubnis ausgeschlossen. Eine Zuwanderung von Handwerkern ist, wie wir einem Beliebt vom Juli entnehmen, nicht ratsam, da das Gesetz Nr. 2007 Fremden nicht nur die Ausübung verschiedener Handwerke untersagt, die in diesem Gesetz aufgeführt sind, sondern die 10

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.