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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1933-02-01 · Februar 1933 · p. Seite 2

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1933. Bestand LBI
Issue
Februar 1933
Date
1933-02-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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16 984 Aus- und Rückwanderer Männer 7 701 Frauen 6 295 Kinder 2 988 16 984 Nicht juden 3 771 Die Durchwanderung betrug im Jahre 1930: 22 8S6 Personen, davon Nichtjuden 7 363, 1931: 18897, Nichtjuden 4 338. Es nahmen ihren Weg: über Neu-Bentschen 4359 Personen; im .lahr 1930: 4 326. 1931: 4 200 Personen, über Hamburg wanderten rund 2200 Juden aus. die teils im Überseeheim, teils in der Stadt logierten; im Jahr 1930: 4 450. 1931: 2 900. über Bremen gingen 2 400 jüdische Aus- und Rückwanderer, die teils im Lloydheim untergebracht waren, teils außerhalb desselben wohnten: im Jahr 1930: 3 350. 1931: 1 500. Im Berliner Büro landen 1 160 Personen Beratung und Hilfe; im Jahr 1930: 1 500, 1931: 1 000 Personen. Sowjetunion Bevölkerungszahl 163 000 000. Moskau 2 026 600 Einwohner. Währung: 1 Tscherwonez 10 Goldrubel 21,68 Goldparität 21.601 RM. (Angaben über Bevölkerungsstatistik sind meist dem Perthes entnommen.) Aachstehend gehen wir einen Auszug aus den Bestimmungen des Zirkulars Nr. 532 vom 4. Aovember 1930 betreffs der Stellung des Antrags auf Einreiseerlaubnis: 1. Der Antrag wegen Einreiseerlaubnis nach der UdSSR, muß von den in Frage kommenden Personen selbst bei einer bevollmächtigten Vertretung oder bei einem Konsulat der UdSSR, im Auslände gestellt werden. Wenn die Person, die nach der UdSSR, reisen will, in einem Staat wohnt, wo es weder eine bevollmächtigte Vertretung noch ein Konsulat der UdSSR, gibt, muß der Einreiseantrag unmittelbar bei dem Außen-Volkskommissariat in Moskau gestellt werden. '2. Anträge zwecks E i n r eis e e r 1 a u Luis nach der UdSSR., die seitens Personen, wohnhaft in der UdSSR, wegen Einreiseerlaubn i s ihrer Verwandten, Bekannten oder sonstiger Personen aus dem Auslande gestellt werden, dürfen von Verwaltungsabteilungen und von andern Behörden nicht angenommen werden. 3. Personen, die nach ihrem Ein lief t'en in der UdSSR, unterstützt werden, und zwar Eltern, ältere Verwandte, Unmündige, Sow jelstaatsangehörige, die als Ehefrauen von Ausländern mit denselben nach dem Auslande gekommen sind und zur Zeit durch verschiedene Umstände (Tod des Ehemannes, Scheidung usw.) gezwungen sind, nach der Heimat zurückzukehren usw., müssen bei der bevollmächtigten Vertretung oder beim Konsulat der UdSSR, im Auslande gleichzeitig mit dem Einreiseanträg u. a. folgende Papiere einreichen : a) Bescheinigungen von Personen, wohnhaft in der UdSSR., daß sie die Betreffenden unterstützen werden; b) Bescheinigung der zuständigen Behörden, daß die Person, die unterstützen will, über die notwendigen Mittel verfügt. — Was die Ausreise anbetrifft, so müssen diejenigen Personen, die aus der UdSSR, auswandern wollen, f. ein Prepaid von einer der Schiffsgesellschaf ton, die einen Verl rag mit der UdSSR, haben; 2. die Einreiseerlaubnis der Immigrationsbehörden des Bestimmungslandes; .3. einen Sowjetauslandspaß besitzen. Zu den betreffenden Schiffsgesellschaften gehören zurzeit die Hamburg-Amerika-Linie, Norddeutscher Lloyd und White Star Line. — Laut Erlaß des Volkskommissariats vom 10. JNovember 1932 wurden folgende neue Paßgebühren für Sowjetbürger festgesetzt, die sich für « inen dauernden Aufenthalt ins Ausland begeben wollen: 1. Kategorie: Paßgebühren für Staatsbeamte: Rbl. 200.—, zuzüglich 10 o/o Rbl. 220.—. 2. Kategorie: Als „Arbeiter" betrachtete Bürger: Rbl. 500.—, zuzüglich 10 o/o Rbl. 550.—. 3. Kategorie: „Aichtarbeiter" : Rbl.- 1.000.—, zuzüglich 10 o/o Rbl. 1.100.—. Für im Ausland lebende Personen, die in Rußland gebi'uiisind, werden Auszüge aus Zivilstandsakten oder Bescheinigungen bezügl. derselben im allgemeinen durch die Konsulale der Sowjetunion beschafft. In den Fällen, wo es keine Sowjetkonsulate in dem Lande gibt, von dem aus die Anfrage ergeht, ist das Büro der Jewish Colonization Association, Moskau, Chamowniki, Karmanicki Pereulok Nr. 3, bereit, seine Mithilfe zur Erlangung der gewünschten Dokumente bezüglich der Zivilstandsregister zu leihen, was in Anbetracht der Wichtigkeit derselben von großem Werte ist. — Am Schluß des Jahres 1932 ist für die gesamte Sowjetunion der P a ß z w a n g für alle russischen Staatsangehörigen über 16 Jahre eingeführt worden, eine Maßregel von außerordentlicher politischer, wirtschaftlicher und sozialer Tragweite. In der Sowjetunion ist vielfach mit großer Nahrungsmittel- und Wohnungsnot zu kämpfen. \us den nachstehenden Auslassungen geht hervor, daß das Tempo im Aufbau schneller geht, als die Organisation desselben. Die Angaben und Ausführungen sind zum Teil der Publikation ..Die Sowjetunion im Aufbau, eine Monographie der UdSSR", sowie der Veröffentlichung ..Starkes Tempo der Sowjet-Genossen se lia Il en" en (no m men. Die Sow jet-l nion nimmt 1/6 der Erdoberfläche ein. Die Länge ihrer Grenze beträgt über 36 000 km. Es gibt kein zweites Land mit einer derartigen Mannigfaltigkeit des Klimas. 165 Nationen bewohnen das Territorium der UdSSR. Der natürliche Bevölkerungszuwachs auf je 1000 betrug 1928 23,8 o/o gegen 16,9 o/o im Jahre 1913. In anderen Ländern ist die Bevölkerung stark zurückgegangen. Das Analphabetentum der Sowjetunion soll schon im Jahre 1932 im wesentlichen beseitigt sein. Es sollen 82 Millionen, d. h. die Hälfte der gesamten Bevölkerung, in den unteren, mittleren und höheren Schulen lernen. Auf dem 9. allrussischen Gewerkschaftskongreß (Frühjahr 32 > wurde festgestellt, daß die Konsumgenossenschaften und der ganze \ erpflegungsapparat hinter de m Tempo des wirtschaftlichen A u f b a u s und hinter den wachsenden Bedürfnissen der Arbeiterschaft zurii c k - geblieben seien. Es wird demgegenüber hervorgehoben, daß der materielle Standard der Werktätigen durch die Lohnsteigerungen von einem jährlichen Durchschnittslohn von,702 Rubel im Jahre 1928 um 71,2 o/0 im Jahre 1932 auf 1 202'Rubel gewachsen ist. Dazu kommt, daß der Soziallohn durch die staatlich gesicherte Sozialversicherung und Krankenhilfe heute bereits mehr als 1/3 des individuellen Lohnes ausmacht. Die Steigerung in den einzelnen Industriezweigen war verschieden. Die Lohnsteigerungen wurden durch die zunehmende Teuerung aufgewogen. Die schlechte Ernte in der Ukraine hat eine außerordentliche Lebensmitteiknappheit zur Folge. ' In den letzten fünf Jahren sind über 3,5 Milliarden Rubel für den \\ ohnhausbau investiert und gegen 30 Millionen qm neue Wohnfläche errichtet worden. In diese neuen Wohnhäuser sind bis 1931 über 1 Million Arbeiter familien eingezogen, im Jahre 1931 allein waren es 600 000. Das von der Regierung für 1932 bestätigte Wohnhaus-Programm sieht die Investierung von 1,7 Milliarden Rubel vor. Der größte Teil dieser Mittel entfällt auf die wichtigen Industriegebiete des Landes wie Donbassin, Ural, Kusbas, um die Wohnungsnot der in der Schwerindustrie beschäftigten Arbeiter in erster Linie zu beseitigen. . . . Die Entwicklung der Industrie und der damit verbundene Zustrom der Arbeitermassen in die Stadt ging bedeutend schneller vor sich als die Bautätigkeit. Wir bringen eine Übersicht über die Lebens-.und Lohnverhältnisse in Kiew. Die nachstehend aufgeführten Preis- und Lohnsätze ■—■ sämtlich in Tschervvonezrubeln angegeben — wurden am 15. September 1932 in Kiew aufgestellt. Zwangskurs: 1 Rbl. 2,16 RM. Die niedrigen Zahlen gelten für bescheidenste, die höheren für mittlere Ansprüche. Wohnung und Verpflegung: Unterkunft ohne Verpflegung im Gasthaus für eine Person täglich 15—18, mit Verpflegung nichl üblich. Möblierte Zimmer sind nicht erhältlich. Die Wohnungen unterliegen mit verschwindend wenigen Ausnahmen der Zwangsbewirtschaftung. In Sowjetdiensie eintretende Ausländer erhalten fast ausnahmslos von der sie verpflichtenden Stelle eine Wohnung zugewiesen. Es herrscht große Wohnungsnot; der Neubau von Wohnhäusern beschränkt sich in der Hauptsache auf Fabrikbetriebe. Heizung kostet — 16 kg Brennholz — etwa 3, Beleuchtung je Kilowattstunde 0,26. Es kostet täglich Morgenkost 2—3, Mittagessen 5—10, Abendessen 5—10. Für Verpflegung allein sind monatlich zu rechnen 250—500.

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