Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1928. Bestand LBI
- Issue
- März 1928
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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eutsch- Àufsatz von Dr. Mark Wischnitzer, Zur Geschichte dor jüdischen Kolonisation in Rußland, in Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden, 2. Halbjahr 1927, Heft Kr. 9—12.) Die Regierung stellt den Boden unentgeltlich zur Verfügung, bewilligt Kredite, gewährt Ermäßigung der Bahntransportgebühren und die üblichen Vergünstigungen, wie Steuerfreiheit u. a. m. Es wurden in den Jahren 1925, 1926 und 1927 den jüdischen Siedlern über 3oo 000 Hektar Land zugewiesen, und zwar in der Krim, in der Umgegend von Cherson, Kriwoj Rog, .Mariupol und Odessa, in Weißrußland, im nördlichen Kaukasus und in Zentralasien. Allein in der Krim und in der Ukraine, den zwei jüdischen Hauptsiedlungsgebielen (s. Karte) bestehen heute weit über 200 jüdische Dörfer mit rund 12000 Familien. Im ganzen sind in den letzten drei Jahren rund i5 000 Familien im Wege der planmäßigen Kolonisation angesiedelt wordein. Die Kolonisten treiben Getreide-, Wein- und Obstbau, Viehzucht. Milchwirtschaft, Geflügelzucht, Imkerei. Die Kosten der Kolonisation werden in der flauplsachei vom Joint und der Ica bestritten. Der Joint hat vom Ende 192/1 bis Oktober 1927 rund 3700000 Dollar aufgewendet, während die lea 3 o85 OOO Dollar bereitgestellt hat. Die nachfolgenden Diagramme veranschaulichen die Entwicklung des jüdischen Landbesitzes und der jüdischen Landbevölkerung in Rußland seit der Vorkriegszeit. Anwachsen derjüd. Bauernbevölkerung in der Sowjetunion 141780 120288 165000 94158 75911 52758 1913 1923 192*t 1925 1926 1927 Die BodenFläche derjüd.Kolonien in der Sowjetunion in ha. 1927 1926 1925 192't J917 1923 119353 153229 170556 275804 394058 493733 In den Siedlungsgebieten der Ukraine, Weißrußland und der Krim stehen für die jüdische Kolonisation keine größeren Bodenflächen mehr zur Verfügung. Im Jahre 1928 können auf bereits zugewiesenen Ländereien /|35o Familien angesiedelt werden, und zwar in der Ukraine 2000, in der Krim i5oo, in Weißrußland 5oo und im nördlichen Kaukasus und Daghestan 35o. Verhandlungen über weitere Landzuweisungen in der Krim und in der Ukraine sowie in anderen Gebieten der U. S. S. R. sind im Gange. Wie groß die Bodenflächen sein werden, ist noch unbestimmt. Ein neues offizielles Ansiedlungsprojekt. Wir entnehmen einem Aufsalz von Professor Bruk, dem Chefagronomen des Komset, in der „Tribuna", Jan.-Febr. 1928. Moskau (dem Organ der Oset), folgende Ausführungen über das neue Siedlungsprojek!, welches jetzt in Rußland viel diskutiert wird. Es handeil sich um das Gebiet Biro-Bidschan im Fernen Osten, das für die jüdische Kolonisation in Frage kommt, Ks ist von einer Expertenkommission unlängst erforscht worden. Professor Bruk war Leiter der Konimission. Das Gebiet Biro-Bidschan liegt zwischen der einzigen Eisenbahnlinie im Norden und dem Mittellauf des Amurflusses im Süden. Es umfaßt eine Bodenfläche von 2I/2 Millionen Hektar. Von den Zentren der jüdischen Bevölkerung im europäischen Rußland ist das Gebiet 9000 km. d. i. 10—15 Tagesreisen, entfernt. Es grenzt an die Mandschurei, ist einige Eisenbahnstunden von Chabarowsk, der Hauptstadt des Fernöstlichen Distrikts, entfernt und liegt in einem Absland von g/jo km von der Hafenstadt Wladiwostok. Die Bevölkerung des Gebiets — etwas über 27000 Seelen — befindet sich hauptsächlich am Amur und längs der Eisenbahnlinie, die nach der Revolution fertiggestellt worden ist. Aus diesem Grunde blieb das Gebiet bis vor kurzem von der Emigralionswelle, die sich vorher nach dem Distrikt Blagoweschtschensk und Ussurien ergoß, unberührt. Die spärliche Bevölkerung besieht aus Russen und Koreanern. Das Gebiet Biro-Bidschan bildet im Südosten eine große Ebene und ist im Norden und Westen gebirgig. Der Boden in der Ebene ist von guter Beschaffenheit und enthält große Wiesenflächen. Den Flüssen entlang erstrecken sich Wälder. Der gebirgige Teil des Gebiets ist ebenfalls bewaldet. Hier sind folgende Vorkommen zu verzeichnen: Eisen, Kupfer, Gold, Graphit, Asbest, Antimon, Steinkohle, Marmor. In der Nähe der Eisenbahn befindet sich eine Heilquelle. Das Gebiet ist von einem dichten Flußnetz durchzogen. Die Flüsse münden in den Amur. Nach den bedeutendsten Flüssen, dem Birofluß und dem Bidschanfluß, ist das Gebiet benannt. Nach der Zahl der Jahresniederschläge ist der Biro-Bidschaner Distrikt mit Weißrußland zu vergleichen. Die Niederschläge fallen vorwiegend auf die Monate Juni, Juli und August. Der Winter ist trocken. Im Frühjahr sind die Niederschläge eher knapp. Die Durchschnittstemperaturen im Monat sind nach Celsius: Januar — 21/1, Februar — 17,6, März — 9,7, April —2,4, Mai 11,1, Juni 11,8, Juli 21,06, August 19,0, September 12,5, Oktober 3,5, November —9,7, Dezember — 19,6. Die niedrigste Temperatur beträgt /[O0 Kälte (in zwölf Jahren einmal vorgekommen), die höchste 33° Wärme (im selben Zeitraum zweimal vorgekommen). Die Schneedecke ist nicht sehr hoch, wodurch Wintersaaten ermöglicht sind. Das Klima ist verhältnismäßig nicht rauh, weil das Gebiet im Norden, Osten und Westen von Bergen geschützt ist. Außer Weizen und anderen Getreidearten können hier gedeihen Reis, türkischer Tabak, chinesische Bohnen, der Maulbeerbaum, die Zuckerrübe, Flachs, Hopfen u. a. 111. Es wächst dort wilder Wein und eine besondere Art des Korkbaunies. Trotz der primitiven Landwirtschaft ist der Ertrag des Getreides um 20 bis 3o 0/0 höher als im Europäischen Rußland. In hygienischer Hinsicht ist das Gebiet als günstig anzusehen. Besondere endemische Krankheilen sind nicht bekannt. Trotz der Feuchtigkeit sind weder Malaria noch Lungenkrankheit zu verzeichnen. Das Wasser ist überall gut. Das Gebiet ist mit den Häfen des Stillen Ozeans durch den Amur und die Eisenbahn bequem verbunden. Es eignet sich besonders für Viehzucht, da es gutes NN eideland hat. Die Insektenplage, Mücken und Stechfliegen, bildet einen schweren Nachteil des Gebiets und ist besonders in den unbesiedellen Gegenden und in den Waldgegenden unerträglich. Im Bereich des Amur, wo schon lange eine ansässige Bevölkerung existiert, ist die Insektenplage bedeutend zurückgegangen, wie sie überhaupt mit der Beackerung des Bodens verschwindet. In der Amurgegend können 10 000 Wirtschaften Untergebracht werden, liier soll die Kolonisation beginnen. In den übrigen Teilen des Gebiets können weitere 20000 Wirtschaften à 25—26 Hektar begründet werden. Besonders aussichtsreich ist neben dem Ackerbau die Forstwirtschaft. Soweit der Bericht von Herrn Prof. Bruk. Das Komset hat auf Grund des Berichts der Expertenkommission beschlossen, das Präsidium des Siedlungskomitees der Regierung der U. S. S. R., welches die höchste Autorität ■V