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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-12-23 · N° 52. (23.12.1886) · p. Seite 421

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 52. (23.12.1886)
Date
1886-12-23
Page
Seite 421 (sequence 5)
Language
German
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421 t(iatü}c§ Herz. Seine kinderlos gebliebene Wittwe ist die Universalei bin seines beträchtlichen Vermögens. Den Armen der Stadt Gleiwitz ohne Unterschied der Co n fessi o n überwies er die Summe von 10 000 Mark, den gleichen Vetrag der Shnogogc»-Gemeinde Gleiwi tz. Je 10 000 Mark entfallen nach seinem Wunsche der politischen und der jüdischen Gemeinde Zabrze. Seme leiblichen Geschwister resp. deren Kinder sind gleichfalls mit grösseren Legaten in Höhe von 30 000 bis zu 5000 Mark bedacht. Für andere wohlihätige Stiftungen sind gegen 211 000 Mark ausgeworfen. — Vor einigen Wochen feierte das Spiegel'sche Ehepaar in Kattvwitz das 'seltene Fest seines 60jährigen Ehejubiläums (Diamant-Hochzeit). Wie wir hören, erfreuen sich die hochbetagten Eheleute den Verhältnissen angemessen einer sehr beachtenswerthen körperlichen Rüstigkeit und geistigen Frische. — Schließlich geben wir der freudigen Genugthuung darüber Ausdruck, daß wir ans Creutzbürg O.-Schlesien selbst eine Aeußeruug provocirt haben, wonach die böse Fama dem früheren RUigivnslehrer dieser Gemeinde Unrecht gethau haben dürfte. Daß die Sache sich so verhält, ist uns ebenso sehr im Interesse der Gemeinde Creutzburg, wie in dem des hier in betracht kommenden Lehrers erwünscht. Wikostaw, (Posen) 17. Dezember. (Or.-Corr.) Einen hiesigen jüdischen Kaufmann, D. Reinhold — der polnischrussischer Nationalität ist — traf im vorigen Jahre wie noch drei andere jüd. Familien der Ausweisungsbefehl. Während die zwei jüd. Familien vergeblich appcllirten und schließlich nach Amerika auswandern mußten — gelang es dem Hrn. Reinhold durch wiederhelte Prolongation bis zum Herbst dieses Jahres in hiesiger Stadt zu bleiben. Da R. ein wohlhabender Mann ist, scheute er natürlich keine Mittel, um die Ausweisung rückgängig zu machen, aber vergebens. Nun hat aber unsere Provinz in dem Grasen Zedlitz v. Trütschler einen neuen Oberpräsidenten erhalten. Dieser bereiste unsere Provinz und besuchte auch unser Städtlein. Die jüd. Schuljugend begrüßte mit Fahnen und Liedern — geleitet von dem Lehrer Cohn — den neuen Präsidenten. Bei dieser Gelegenheit überreichte der achtjährige Knabe des Hrn. Reinhold dem Herrn Präsidenten ein Bonqnctt, in welchem sich ein Gnadengesuch des Vaters befand. Der Herr Präsident war hocherfreut, fragte den Knaben nach seinem Namen und sagte: „Theile deinem Vater mit, daß ich das Schreiben lesen werde." Nach ca. 3 Wochen überbrachte der Herr Kreislandrath dem Reinhold persönlich die hochfreudige Nachricht, daß die Ausweisung gegen ihn zurückgenommen sei und seinem Aufenthalte in Deutschland nichts ei tgegenstehe. Dieser Zug edler Humanität und Toleranz unseres Herrn Präsidenten hat hier alle Gemüther in freudige Begeisterung versetzt. — Zu bemerken ist nur noch, daß Hr. Reinhold bereits 13 Jahre hier wohnt und bei allen Bürgern sich der größten Liebe und des besten Vertrauens erfreut! Nächsten Souiiabend (rßlin ]-Qü) veranstaltet unser hiesiger Lehrer Hr. Cohn einen Kindergottesdienst, bei welchem Lewandowsky's Chaunucka-Hhmne von einem dreistimmigen Chore gesungen werden soll. Auch die übrigen Freitagabeudgesänge sind eiustudiert, und da der Chor gut geschult ist, so steht uns hier zum ersten Male ein Gottesdienst mit ' Chorbegleitung bevor; für uns jedenfalls ein Ereigniß, ein religiöser Fortschritt. — Stargard in Pommern, 20. December. (Or.-Corr.) Hier wurde am 16 d. M. der Rentier Gerson Abel, der Vater des in wissenschaftichen Kreisen bekannten Orientalisten Karl Abel, im 96. Lebensjahre zur Erde bestattet. Derselbe war einer der alten Kämpfer aus den Freiheitskriegen, der zur Zeit freiwillig und begeistert dem Ruse des Königs folgte, in der Hommerschen National-Cavallerie diente und unter General Bülow über die Loire zog. Er wurde wegen seiner Tapferkeit durch das eiserne Kreuz ausgezeichnet. Seine körperliche Rüstigkeit und geistige Frische hatte er sich bis zu seinem Tode bewahrt. Durch seine wahre Humanität, die er allezeit bethätigte, hatte er sich die Liebe und Anhänglichkeit nickt nur seiner Glaubensgenossen, sondern auch vieler seiner christlichen Mitbürger e worben. Dies zeigte sich ganz besonders bei seiner Beerdigung. Bürger aus allen Berufsklassen, an der Spitze der Oberbürgermeister, der Handwerker- Verein, dessen Aufblühen er förderte und dessen Ehrenmitglied er war. sowie die Mitglieder der Lhnagogen-Gemeinde gaben ihm das Geleite zum Grabe, au welchem der Rckbiner Dt*. Wolfssoha dem entschlafenen Greise erhebende Worte widmete. Der Landwehr-Verein ließ einen Kranz auf das Grab nwders-- legen, und der Landwehr-Verein hatte seinem würdigen Eheenmitgliede «inen eben solchen gespendet. Pellau, 13 December. Am gestrigen Sonntag beging die Gefells hrft d r „barmherzigen Brüder" die F.'ier ihres 200 jährig n Stmnngsfestes. Der Vorsitzende, Herr Hofzahnarzt Hirsch feld leitete dieselbe mit einer Ansprache würdig ein. Die mit einem poetischen Hoch auf den Landesfürsten schloß. Sodann nahm der Herr Rabbiner vr. Weiße das Wort und verbreitete sich über die Zwecke des Vereins. Herr Hoflieferant Probst sprach dem Vorstande namens der Versammlung den Dank für eine umsichtige Leitung aus. Wie bei jedem Stiitungsfest der Gesellschaft üblich, machte hierauf der altehrwürdige Festpokal die Runde, na hdem Herr Hirschfeld zuvor folgenden Trink'pruch ausgebracht hatte: „Zweihundert Jahre sind nun schon verflossen, Seit unser Bruderbund tvard eingeweiht, Seit uns're Ahnen sich zusammcnschlossen Zum Werk der Liebe und Barmherzigkeit. Wir Alle strebten wohl von ganzem Herzen Der Väter Vorbild nach, so gut und mild, Zu lindern nach Vermögen fremde Schmerzen, Und manche Thräne ward dadurch gestillt. Nur das Bewußtsein lohne unser Streben: Was wir gethan, bedarf des Dankes nicht; Zu theilen das, was Gott uns hat gegeben Mit dem Bedrängten, -rst nur Menschenpflicht Am 15. Kislcw, Ihr lieben Brüder, Die wir in Eintracht hier versammelt sind, Ergreifen wir den Kelch des Heiles wieder Und dess zu freu'n, daß All' wir gleich gesinnt. So laßt uns darauf, lieben Brüder trinken, Aus diesem Festpokal den edlen Wein, Daß nimmer uns'res Bundes Stern mag siliken: Er möge blühen, wachsen und gedeih'»!" Der gemülhliche Theil des Festes verlief, unter traulichen Gesprächen und Absingnng von Bnndeslledern, in befriedigenster Weise. Eine für die Armen abgehaltene Sammlung ergab einen Betrog von 220.20. — Oesterreich-Ungarn. Wien, 20. Decbr. (Or.-Corr.) Die Wihl des durch den Prozeß mit Rohling — dem er auch sein Re chsratsmandat für die Städtegruppe Buczacz, Kolomeo, Snlalyu, verdankt, — bekannt gewordenen Dr. Bloch, i>t no h nicht verificirt. Diese Wahl ist bekanntlich beanstandet, und die heutzutage regierende Rechtspartei, die zu l)r. Blech kein besonderes Vectranen hegt, hat auch gar keine Elle, diese Angelegenheit sobald zu erledigen. Sie w ll eben Herrn Bloch in Abhängigkeit erhalten. Daß Herr ve. Bloch sich hierdurch sehr unbehaglich fühlt, ist sehr begreiflich und unterläßt er nichts, seine polit. Freunde im Rechtsklub, mit denen er „aufite t" und „sitzen bleibt", zur Th u zu drängen. Ais er eines. Tages den Geistlichen Herrn Kopnczynski, dem die Berichtecstaltnng über Bl.'s Wahl zusteht, darum ersuchte, seine Sache doch endlich vor das Plenum des Hauses zu bringen, meinte oi.ser: der Herr Abgeordnete habe doch keine Ursache auf die E tscheidung zu drängen, weck erwiesener Maßen und wie aus den Erhebungen hervvrgeht, über 200 Tobte bei jene n Wahlakte mitgestimmt Härten, mithin aus diesem Grunde seine Wahl annullirt werden müßte. Worauf Herr Bloch erwidecte: Die Tobten die mirge,tt>n nt haben, waren sicher teiiie Juden, da ja nur die Christ a an eine „Auferstehung" glaubten, die Juden aber — m yt. (?) Die Christen würden doch aber unmöglich einem Rabb.ner ihre Stimme gegeben haben, — schine Wahl bliebe daher intakt. In Reichsrathskceisen wird viel darüber gela ht, ob aber Herr Or. Block) auch vor seinen hhperfroiumen Wählern

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