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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-12-23 · N° 52. (23.12.1886) · p. Seite 420

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 52. (23.12.1886)
Date
1886-12-23
Page
Seite 420 (sequence 4)
Language
German
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spendete, indem er von diesen sagte, daß sie besser als die andern zu antworten wissev. Der Redner fährt fort, den Beni-Jsrael zu zeigen, wie sie ihre Institutionen einzurichten haben, damit nicht die Armen allein die nöthigen Mittel sich zu verschaffen haben. Er beklagte die Kalte der reichen Israeliten für diese Institution, welche mehr als dreihundert jüdischen Kindern (Knaben und Mädchen) die nöthige Schulbildung giebt; er hoffe, daß die Mittel des Vereins durch die freiwilligen Beitrüge der jüdischen Glaubensgenossen von Tag zu Tag wachse und er schlägt vor, eine Handwerkschule nach dem Vorbilde derjenigen in Jerusalem zu errichten; er glaube, daß kein Besucher dieser Versammlung diesen Saal verlassen werde, ohne einen Beitrag für den Verein gezeichnet zu haben, und schließt seine Rede mit folgenden für die jüdische Race sehr schmeichelhaften Worten. \2i „Sie allein," so schloß der Redner, „haben die Verbreitung des Gottesgedankens übernommen, die ewigen Wahrheiten sind Ihnen anvertraut worden, Sie sind die Wächter der großen geistigen Interessen der Menschheit; aus Ihrer Mitte entstanden die Propheten und die großen Gottesmänncr und Sie sind durch die Geburt prüdestinirt, die Retter von uns Allen zu werden!" Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Werkln, 21. Decbr. (Or.-Corr.) Die seit 1813 bestehende Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden im Preußischen Staate hat in ihrer Vorstandssitzuug am 19. d. M. wiederum eine Anzahl Handmerkslehrlinge auf 3 und 4 Jahre in ihre Olv.ut genommen, worunter sich Müller, Gürtler, Goldarbeiter, Tapezirer rc. befinden. Außerdem wurde dem in Düsseldorf domizilirenden Verein „zur Verbreitung der Handwerke unter den Juden" ein Beitrag von 100 Mk., unter besonderer Anerkennung seiner wohl organisirten Einrichtung und namhaften Ausdehnung seiner Thäligkeit, bewilligt, die um so mehr gewürdigt wurde, als sich oer Wirkungskris auf eine Anzahl Städte in verschiedenen Provinzen naturgemäß zu erstrecken hatte. Aus dem sehr ausführlichen Jahresbericbt von 1885/86 ist hervorzuheben, daß der Düsseldorfer Verein nunmehr 6 Jahre besteht, an die 300 Mitglieder in 50 verschiedenen Gemeinden, in Rheinland und Westfahlen wohnend, zählt, 25 Lehrlinge in 7 Orten z. Z. uutr seiner Obhut genommen, und seit der Gründung 5300 Mk. verausgabt hat. Die schwierigen Anfänge dieses Vereins sind demnach durch eifriges Bemühen seines Vorstandes von gutem Erfolge begleitet. Wir legen es allen bemittelten Glaubensgenossen sehr dringend ans Herz, entweder in ihren Provinzen ähnliche Vereine zu begründen, over sieh durch Geldbeiträge bestehenden Vereinen anzuschließm und so der würdigen Erziehung der Jugend zum Handwerk eine freundliche Aufmunterung angedeihen zu lassen. (Hur Rabbiner Or. Wedelt in Düsseldorf, der mit liebender Aufopferung und großer Umsicht jenen Verein leitet, w.rd aus Wunsch gern die Statuten uno Berichte zusenden.) Inowrazkaw, 17. Dezember. (Or.-Corr.) An den Vorstand der hiesigen Synagogengemein de erging in der vergangenen Woche folgende Anfrage: Ein reicher Herr will in fiinem Testamente die jüdische Gemeinde Jnowrazlaws mit einem Legate von 150,000 Mk. bedenken, diese Summe aber zur Anlegung eines Kranken- oder Waisenhauses bestimmen. Der Vorstand soll darüber schlüssig werden, welche Anstalt für Inowrazkaw zweckmäßig sei. Die Anfrage war von einem Berltner Rechtsanwalt unterschrieben. Man vermuthet, daß der edeldeiikende Testator von hier gebürtig sei. Der Vorstand hat die Errichtung eines Waisenhauses gewählt. Kurze Zeit darauf hat derselbe Rechtsanwalt abermals an ben Vorstand geschrieben und angefragt, auf welche Summe der Bau des Waisanhauses, bezw. die jährlichen Uuterhaltugskosten zu veranschlagen seien. Am l2. d. Mts. fand deshalb eine Sitzung des Vorstandes und des Repräsenta iten-Colleginms statt. Es wurde iii Erwägung gezogen, ob es sich nicht empfehle, gleichfalls eine Si chmansialt mit dem Wnsenhause zu verbinden. Des Kostenpunktes wegen nahm aber die Versainmluug von letzteremPr.fi kc Abstach und beschloß, die Frage dahiit zu beantwoneii. daß der Bau des Waisenhauses aus 45—50,000 Mark, die Unterhaltungskosten bei 10 Waisenkindern und dazu erforderlichem Personal auf jährlich 7000 Mark zu normireu seien. — In T h o r u erzählt mau folgenden eigenthüinlieheu Vorfall. Jüngst hatte der dortige Mohel an einem Kinde die Beschncidung vollzogen. Wenige Tage darauf starb daS Kind. Nun soll, wie man erzählt, ein Glaubensgenosse bei der Staatsanwaltschaft eine Denuneiation eingereicht haben, in welche behauptet wird, daß das Kind infolge der an ihm vollzogenen Operation gestorben sei. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wurde sofort die Kindesleiche secirt. und es stellte sich heraus, daß das Kind nicht infolge der Operation, sondern eines innern organischen Fehlers gestorben sei. Welche unabsehbare Folgen eine ungüstige Wendung in dieser Angelegenheit gehabt hätte, bedarf keiner Erwähnung, und mahnt dieser Vorfall abermals zur größten Vorsicht! — Am Sabbath-Chanukah Abend wird, s. G. w., der hies. Verein □'’SHfc NM8 sein 25jähriges Stiftungsfest begehen, womit die Bekleidung mehrerer Knaben verbunden werden wird. Aus Höerfchkelien. (Or.-Corr.) Der geschäftsführende Ausschuß der „freien Vereinigung jüdischer Lehrer Oberschlesiens" erläßt au die Gemeindevorstände, Rabbiner und Lehrer Oberschlesiens eine Einladung am 26. December er. in Tarnow itz zur zweiten Versammlung sich einfinden zu wollen. Die erste Versammlung erfolgte vor Jahresfrist in Beuth en, O.-S. Sie war allerdings nur spärlich besucht, ist aber doch nicht ganz ergebnißlos verlaufen. Ihre Existenzberechtigung und die Nothwendigkeit ihrer Constituirung hat diese „freie Vereinigung jüdischer Lehrer" erst noch zu erweisen. Sollte der Verein der jüdischen Lehrer S eh l e s i e n s und P o s e n s nicht auch zur Genüge die Interessen der jüdischen Lehrer Oberschlesiens wahren? Die wichtigsten Gegenstände der Tagesordnung bilden zwei Vorträge, der eine von Dr. Mattersdorf-Gleiwitz über: „Stoff uno Methode des hebräischen Unterrichtes in der jüdischen Religionsschule", der zweite von Buttenwieser-Tarnowitz übem „Die Ziele der jüdischen Mädchenerziehung und die Aufgaben deS Religionsunterrichts für dieselbe." Auch die den Vorträgen zu Grunde liegenden und die aus ihnen folgenden Thesen sind dem Einladungsschreiben beigefügt. Der Referent des ersten Vortrages gelangt z. B. zu dem Ergebnisse, nicht das Uebersetzm der Gebete, sondern das aus der Bibel in den Vordergrund des Unterrichts zu stellen?) Bezieht sich dieses Postulat auf jüdische Kinder schlechthin, also auch auf Mädchen, oder nur ausschließlich auf Knaben? Das Thema zum projectirten zweiten Vortrage streift eine Materie, welche trotz ihrer eminenten Wichtigkeit in den Versammlungen jüdischer Lehrer bisher entweder gar nicht oder doch nur — en passant — sehr mangelhaft und dürftig behandelt worden ist. Möge das Endergebniß beider Vorträge eine Fülle fruchtbarer, praktisch gut zu verwerthender, pädagogischer Anregungen in sich schließen! Das wird das beste pädagogische Symposion sein. — Im Mai dieses Jahres verschied zu Leipzig der Teppichfabrikant Herr Adolf Glaser. In G l e l w i tz geboren, siedelte er später mit seinen Eltern nach dem nahe gelegenen Zabrze über. Von bescheidenen Anfängen entwickelte sich seine Teppichfabrik im Laufe der Zeit in Folge seiner Umsicht und angestrengten Thätigkeit zu einer der bestrenommirten Leipzig'S. Glaser erwarb sich nach und nach ein sehr ansehnliches Vermögen. Seine letztwilligen Verfügungen ehren sein edles und wohl- *) Wir sind gerade entgegengesetzter Meinung und wollen die Begründung des gesch. Referenten erst hören, bevor wir unsere Gegengründe Vorbringen. (Red.)

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