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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-12-23 · N° 52. (23.12.1886) · p. Seite 419

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 52. (23.12.1886)
Date
1886-12-23
Page
Seite 419 (sequence 3)
Language
German
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|r r feit derATHierschützler an dem Fels der' deutschen' Ehrlichkeit zerschellen wird. Ich habe schonIin einer frühern Nr. d. Bl. Mittheilung gemacht, daß die Königliche Regierung nur über die Petition des Genfer Thier-Schutz-Vereins, welche nur Betäubung nach dem Schächten verlangt, Gutachten einfordert, also die Petition der deutschen Thierschutz-Vereine Lar nicht zur Diseussion zu stellen geneigt zu sein scheint. — In einem folgenden Artikel soll gezeigt werden, daß die Thier-Schutz-Idee des Judenthums, welches auch Betäubung unmiittelbar nach dem Schächten nicht gestattet, hoch erhaben über dem Pseudo-Thierschutz steht, der nur ein Deckmantel des Fanatismus ist. — Vorher aber will ich an der Hand der Halacha den Nachweis führen, daß auch die Petition des Genfer Thier-Schutz-Vereins, also Betäubung unmittelbar nach der Schechita, nach unseren religionsgesetzlichen Normen nicht gestattet ist. Das Chanuka-Fest aber erfülle uns mit der unerschütterlichen Hoffnung, daß alle Attentate gegen die G la ubens- und Gewissen s frei h eit des Judenthnms den Erfolg haben werden, wie das Attentat der Schergen des Antiochus Epiphanes gegen die Glaubens- und Gewissensfreiheit der Makkabäer. Bon unfern Brüdern in Indien. Generalversammlung des Beni-Jsrael in Bombay. Die diesjährige Generalversammlung des Wohlthätigkeitsvereins der Beni-Jsraöl in Bombay fand in Kudduck bei Israel Mohla statt; der Richter Scott führte den Vorsitz. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt und die Besucher hatten die Freude, Gesänge und die Nationalhymne in englischer Sprache zu hören, welche von den jungen Mädchen der Schule ausgeführt wurden. Der Richter Scott richtete folgende Ansprache an die Versammlung: Es gereicht mir zur großen Genugthuung, heute unter Ihnen erschienen zu sein; ich denke, daß es eine edle That sei, wenn Menschen verschiedenen Glaubens sich vereinigen, um gemeinsam Gutes zu thun, dies ist ganz besonders in Indien nicht hoch genug anzuschlagen, wo die Verhältnisse uns auf die religiöse Duldsamkeit anweisen. Würden wir hier die Verschiedenheit der Religion zur Richtschnur unserer Wohlthätigkeil nehmen, so wäre es unmöglich Ersprießliches zu leisten. Sie beobachten Ihre Religion, ich die meinige, aber das ist kein Grund, daß wir uns nicht einigen zu guten Thaten und uns gegenseitig helfen. Der Gegenstand unserer heutigen Vereinigung ist, den Armen und den Kranken zur Hülfe zu kommen; das Mitleid für die Leiden ist unfern Herzen gemeinsam, gleichviel welcher Religion der Leidende ist; denn die Menschen sind darauf angewiesen, daß einer für den andern lebt und nicht für sich allein. Einer unserer Lieblingsdichter hat diesen erhabenen Gedanken in nur viel schönerer und exacterer Sprache ausgedrückt. als ich dies zu thun vermag: „In Religion und Zukuiiftsträumen kann die Welt verschieden sein, Aber in der Liebe soll die ganze Menschheit Eins nur sein". Ich glaube, daß die ganze Menschheit in dieser Beziehung vielleicht eher mit den Israeliten gemeinsam sich verbinden kann, als mit den andern Confessionen, weil der jüdischen Religion jeder Sectengeist fremd ist und sic die vollständige Billigung eutgegenstehender Meinungen zuläßt. Ihr Wahlspruch kann am schönsten durch jenen Vers ausgedrückt werden: „Derjenige, dessen Leben gerecht ist, der kann nicht iin Jrrthum sein." Und diese Duldsamkeit scheint mir Angesichts 'der Geschichte der Kinder Israels oder vielmehr der Geschichte der jüdischen Race während vieler Jahrhunderte noch mehr be- 'wundernswürdig. Während langer Zeit konnten sie in der That mit Shylock sagen: „Leiden ist das Erbtheil unseres Stammes." Wunderbare Erscheinung, daß sie ungeachtet des furchtbaren Druckes immer duldsamer wurden; ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich behaupte, daß Israel das d u l d s a m st e Volk der ganzen Welt ist. Ich habe kürzlich eine Arbeit in der Rsvis^" über das großartige Werk „Der Talmud" gelesen und ich finde darin, daß die Israeliten nicht einmal Proselyten für ihreit Glauben machen dürfen, weil die Unterwerfung unter das Jadenthum., bei Beobachtung der sieben noachidischen Gebote nicht nöthig ist. Ferner fand ich bei meiner Lectüre in dem Dentsch'schen Aufsatze eine Diskussion der Gelehrten über die Frage, welches Gebot der Bibel das wichtigste ist. Der eine behauptet: „Du sollst lieben deinen Nächsten, wie dich selbst", ein anderer Lehrer meinte die Schriftstelle: „Dies ist das Buch der Geschlechtsfolge aller Menschen", weil dadurch die Gleichheit aller Menschen vor Gott ausgesprochen ist. Aber so wichtig auch die Geschichte der jüdischen Race im Allgemeinen ist, unser Interesse nimmt dic Geschichte der Gemeinde der Beni-Jsrael ganz besonders in Anspruch. Die Geschichte dieser kleinen Schaar Israeliten, welche vor 1600 Jahren den väterlichen Glauben allem Anderen oorzogeu, welche ihren häuslichen Heerd, ihre Freunde, ihre g cnze Vergangenheit verließen, um nur ihren Glauben zu retten, ist ein culturgeschichtliches Ereigniß ersten Ranges. Ihr Schiffbruch unweit Bombay, von welchem kaum sieben Männer und sieben Frauen sich retteten, ihre langen Kämpfe um ihre Existenz während der dunkeln Jahrhunderte unter der Herrschaft der Hindostaner und Muhamedaner, die Thatsache, sich nicht mit den Einwohnern vermischt und ihren Glauben rein und unverletzt erhalten zu haben, in Mitten von Millionen von Götzendienern, ihr Bestehen mit ihrem reinen monotheistischen Glauben bis auf den heutigen Tag und ihre Vermehrung auf einige Tausend Seelen, ist einer jener geschichtlichen Romane, welcher noch lange nicht genug in der Welt verbreitet ist. Ich weiß, daß ich hier stehe in Mitten eines mit großen Eigeiischaften ausgestatteten Volkes, dessen V e rgangen - heit die Garantie für seine große Zukunft nt.* Die Geschichte dieses Volkes hat viel Aehnlichkeit mit der jener berühmten kleinen Trupp', „Pilgerväter" genannt, die vor 288 Jahren aus England in dem „May Flower“ nach dem Westen abgesegelt. Auch sie haben aus religiösen Gründen ihre Heiinath verlassen und sind auf diese Weise die Gründer eines Großstaates in Ncu-England (Massachuetts) geworden. „Ich will es mein Land nennen," sagte einst ihr Führer, „das Land, wo ich meinen Gott verherrlichen kann." Diese Worte konnten mit größerm Rechte die Vorfahren des isr. Stammes von sich sagen, als sie vor der Verfolgung des mohamedanischen Fanatismus flohen. Es giebt noch eine andere bekannte Geschichte, als diejenige von Bambay und welche sehr Ihrer Geschichte gleicht, und das ist die Geschichte der Parsis. Diese Gemeinde ist um das Jahr 1100 unserer Zeitrechnung in Indien angekommen und landete in Bathiavar. Es war ein kleines Häuflein Verbannter, welches der religiösen Verfolgung entwichen war, aber sie bildeten die nächste und angesehenste Gemeinde. Doch die Parsis müssen sich ehrfurchtsvoll vor der Größe der Vergangenheit der Kinder Israel beugen und Sie müssen alle danach streben, ihre Schüler in der Zukunft zu werden. Aber Sie haben ein noch viel näheres und erhabeneres Beispiel, wenn Sie der Carriöre der modernen Israeliten des Westens folgen. Dort finden Sic dieselben an der Spitze der Civilisation, dort nehmen sie die ehrenvollsten Stellungen als Staatsmänner, Finanzmänner, Advokaten, Künstler und Gelehrte ein und Sie finden dieselben in allen Branchen in den vordersten Reihen. Ich wünsche dasselbe Lob von den Kindern der Beni-Jsrael zu hören, welches der Schulinspector in den Schulen Londons den jüdischen Kindern

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