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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-12-02 · N° 49. (2.12.1886) · p. Seite 398

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 49. (2.12.1886)
Date
1886-12-02
Page
Seite 398 (sequence 6)
Language
German
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398 — U rsiH \ ii juridischen Kenntnisse bereits einen Namen im Lande; nichtsdestoweniger hat die Ernennung des ebenfalls hervorragenden Juristen vr. Baumgarten bei der Strömung unserer Zeit ganz überrascht. Noch größeres Aufsehen erregt es aber, daß der Richter an der Königlichen Tafel, vr. Sigmund Dscsei, zum Richter am Obersten Gerichtshöfe ernannt wurde, und zwar ist das Aufsehen deshalb ein berechtigtes, weil dies der erste Fall ist, daß ein Richter jüdischer Confession znm Mitglied? des Obersten Gerichtshofes, der höchsten Rechtsinstanz, berufen wurde. Zugleich aber gilt diese, einen sehr verdienstvollen Richter auszeichnende Ernennung als Beweis dafür, daß seit Pauler's Tode und dem Antritt des Justizministers Fabinyi ein neuer Geist in die Justizverwaltung eingezogen ist. Die Antisemiten aber nennen diesen Geist einen verjudeten, der die ganze Justiz vergiften werde, und schimpfen weidlich los auf Regierung und Juden. vr. David. Frankreich. Paris Der vvli der französischen Regierung den Kammern vorgelegte Budgetentivurs pro 1887 enthält, den jüdischen Kultus betreffend, folgende Angaben: Kapitel 28. 1. der Oberrabbiner von Frankreich 12,000 Fr. 2. der Oberrabbiner von Paris 5,000 „ 3. 8 Oberrabbinerd. Consisiorleu von Bordeaux. Nancy,Marseille, Bayonne, Lyon, Lille, Besoul und Besan^on 4 Gemeinderabblner 2 4 4000 a 2500 32,000 10,000 4 2100 4 200 a 2000 6,000 4 1950 1.950 4 1900= 9,500 4 1850 5,500 4 1750 10,500 4 2000 6,000 4 1000 12,000 4 900 900 4 700= 1,400 4 600= 3,000 Gesammtsumme der Ge.jälter 120,000 Fr. Wegfall durch etwaige Bacanz 2,00! > „ Wvhnungsentschädigungfürden Oberrabbiner von Frankreich Unterstützung an jüd. Cultusbeamte Verwaltungskosten der Consistorien 118,000 Fr. 2,000 Fr. 8.000 ., 5,900 ,, Alg er i eu. 1 Oberrabbiner in Algier 2 Oberrabbiner in Eonstannn-Oran a 5000 3 Geineinderabbiner a 3000 Total des Kapitels 28 ... . Kapi 1e l 29. Kosten des jüdischen Senrinars Subsidicn für jüd. Gemcindebauten Total d. in Summa 188,000 Frcs. 133,9i 0 Fr. 6,000 Fr.. 10,000 „ I 9,000 „ J 25,000 Fr. 158,900 Fr. 22.000 8.000 Fr. K. 29 30,000 Fr. (Die beiden letzten Titel sind seit einiger Zeit von der radicalen Kammer gestrichen worden aber der Senat stellte den Credit wieder her.) In Anbetracht des im preußischen Landtage zu berathenden Hammersteln'schen Antrages wegen besserer Dotirung der evangelischen Kirche sind obige Angaben, die auf eine jüdische Gesammibevölkerung von 60,000 Seelen berechnet sinb, sehr interessant. Wäre nicht bei Gelegenheit der Beralhung dieses Antrages eine Petition der preußischen Gemeinden an den Landtag am Platze, um gleiches Maaß auch für den jüdischen Cultus zu verlangen, da wir Juden ja auch mit zu den Lasten der anderen Culte beitragen. In Holland, Belgien und Luxemburg werden die jüdischen Cultusbeamten gleichfalls vom Staate besoldet und die jüdischen Gemeinden erhalten Sta rts - subvention für Anlegung von Geineindebauten. Schweiz. S1. Halten, im Novbr. (Or.-Corr.) Die hiesige Gemeinde hat wieder einmal einen trefflichen Beweis ihrer oft bewährteli Opferwilligkeit geliefert. Neben den verschiedenen, nur mit kleineren Geldmitteln ausgestatteten Wohlthätigkeits vereinen (Hl-Qn) fehlte es hier bis jetzt an einem ergiebigen Unterstützungsfonds, um etwaigen verarmten oder hilfsbedürf, tigen Gcmeindegliedern, sei es zum Fortbetrieb des Geschäfts, sei cs zur Erziehung und Fortbildung der Kinder thatkr ästig unter die Arme zu greifen. Die Gründung eines solchen Fonds wurde vom Rabbiner Herrn Dr. Engelbert in jüngster Zeit mehrfach angeregt und namentlich in einer der Jom Kippur-Predigten der versammelten Gemeinde warm an's Herz gelegt. Wenn auch Dank dem hier allgemein vorherrschenden Wohlstand ein dringendes Bedürfniß nicht vorliege, so wisse man doch nicht, wie bald ein solches zu Tage treten könne, besonders in einer Gemeinde, die wie die hiesige (ihre Mitgliederzahl hat sich durch Zuzug von außen seit 6—8 Jahren nahezu verdoppelt) in stetem Wachsthnm begriffen sei. Gerade in den guten Jahren sollte man des wechselnden Rades der Geschicke (abl92 "Hin b3?J) nicht vergessen, sollte man Vorsorge tragen, dag die gegenwärtige Wohlhabenheit den künftigen, vielleicht minder günstigen Verhältnissen zu Gute kommen und auf die Stiftung eines solchen über kommende Zeiten Segen verbreitenden Liebeswerkes bedacht sein. Daß die eindringlichen Worte unseres Herrn Rabbiners ihren Zweck nicht verfehlten, stellte sich bald und in erfreulicher Weise heraus. Schon nach wenigen Wochen war auf Subscriptionswege die ansehnliche Summe von Frcs. 8000 aufgebracht, während von der Gemeindeverwaltung der Beschluß gefaßt wurde, zur Anhäufung des Kapitals aus der Gemeindekasse einen jährlichen Beitrag von Frcs. 500 zu leisten. — Gewiß ein schöner Anfang und ein sprechendes Zeugniß für den Wohlthätigkeiissinn und die freudige Opferwilligkeit der hiesigen Gemeinde! Uermischle und neueste Nachrichten. Merlin. 150 000 Mk. waren der Stadtgemeinde Berlin von dem Kaufmann Anschel, genannt Adolf Reichenheim, zur Unterstützung von Wittwen und Waisen der bei den städtischen Schulen angestellt gewesenen Elementarlehrer ohne Unterschied der Religion vermacht worden. Das Kapital soll nach der Bestimmung des Erblassers zum eisernen Fonds genommen und es sollen nur die Zinsen davon verwendet werden. Nachdem der Stadtgemeinde die i Genehmigung zur Annahme der Zuwendung durch kaiserlichen Erlaß ertheilt ist. beabsichtigt der Magistrat, dieselbe nunmehr in Wirksamkeit treten zu lassen. Kassel. Das hier erscheinende Antisemiten-Blatt „Das Geldmonopol" ist nun auch von der Nemesis ereilt, und zwar Tft "WK W, womit es selbst gefrevelt. Es machte sich bekanntlich ein besonderes Vergnügen daraus, die Juden wegen Zinswuchers in der leidenschaftlichsten Weise anzugreifen.. Nunmehr hat sich aus Anlaß einer Verhandlung der Strafkammer ergeben, daß der vor Jahresfrist verstorbene Redak-! teur des „Gcldmonopols" nebenbei ein P f a n d l e i h g e s ch ä f t j betrieben hat, um einen Zinsgenuß von 10, nach einem! hiesigen Blatte, bis zu 20 pCt. zu erzielen. Oeffentlich iir ■ .seinem Blatte dagegen vertrat der Mann die Ansicht, daß den Bauern Geld für 3 pCt. geschafft werden müßte, um sie aus den Klauen des „jüdischen Kapitals" zu befreien. Ans Nallau, im November. (Or.-Corr.) Am 17. d. M. ward in Idstein der dortige israelitische Religionslehrer Morgenthal, der einem schweren Leiden erlegen, unter zahl--

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