Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 49. (2.12.1886)
- Date
- 1886-12-02
- Page
- Seite 399 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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reicher Betheiligung der israelitischen Gemeinde, seiner Standesgenossen, sowohl christlichen wie israelitischen, welch' letztere zum Theil aus der Ferne -herbcigeeilt waren, zu Grabe getragen. Der Verstorbene besah die ungetheilte Liebe und Achtung seiner Gemeinde, in der er fast ein Vierteljahrhundert segensreich gewirkt hat. Herr Bezirksrabbiner Or. Silb erstein aus Wiesbaden, der zu seiner Beerdigung gleichfalls erschienen war, gab am Grabe den Gefühlen der Trauer um den Heimgegangenen beredten Ausdruck Er widmete dem Entschlafenen warme Worte der Anerkennung, die aus die zahlreiche Versammlung einen tiefen Eindruck machten. AranKfnrt a. M. Die großartige Kunstsammlung des Barons Rothschild soll Deutschland erhalten bleiben. Die Erben sollen die Absicht haben, die in zwei Paitien getheilte Sammlung von Kunst- und Altrrthumsgegenständen, wovon sich der eine Theil auf der Günthersburg, der andere im Hause am Main befindet, zu vereinigen und in der Stadt Frankfurt, nachdem ein dafür eigens nothwendiger Bau hergestellt worden, ein Jedermann zugängliches Museum zu errichten. Made«. Nach der veröffentlichten Statistik der höheren Lehranstalten unseres Landes pro L886 besuchten unsere Gymnasien 4609 Katholiken, 2323 Protestanten, 505 Israeliten, (1 Schüler auf 282 der Gcsammtbevölkeruug, auf 380 Katholiken, 235 Protestanten und 53 Israeliten), die Realgymnasien und die höheren Bürgerschulen 1257 Katholiken, 1712 Evangelische und 368 Israeliten (1 Schüler auf 466 der Gesammtbevölkerung, 797 Katholiken, 318 Evangelische, 74 Israeliten), die lateinlosen siebenklassigen Realschulen, 846 Katholiken, 1059 Evangelische, 198 Israeliten (40,1 °/0 kath., 50,3 °/0 evang., 9,4 israel.). Sämmtliche Mittelschulen des Landes ergeben also 4712 Kath., 5094 Evang. 1071 Israeliten. Khokey, im Rovbr. (Or. - Corr.) Durch mehrjährige Sammlung von kleinen wöchentlichen Beiträgen haben wir es endlich dahin gebracht, daß wir jetzt auch ein schönes, zweckentsprechendes Schul Haus, das allen Anforoerungen der Jetztzeit entspricht, aufzuweisen haben. Der Schulsaal saßt 60—70 Schüler; dazu noch ein kleines Gärtchen. Dieses ein Beweis, daß durch Anwendung der richtigen Mittel, sowie durch Ausdauer und Energie auch in kleinen, schwach bemittelten Gemeinden (unsere Gemeinde zählt ca. 146 Seelen) Tüchtiges geleistet werden kann. 8. Wien, 17. November. Angeregt durch die bekannte Schriftstellerin Frau Jda Barber vereinigte sich gestern Abend etwa ein halbes Hundert edler Frauen im Prüfungs» saale der philosophischen Fakultät. Die Dichterin Frau Barber ging diesmal mit der Walzerkönigin Frau Johann Strauß, und sie fanden bei all den Damen, welche ihrer Einladung gefolgt, offene Feenhände. Es handelte sich um die Konstituirung eines „Allgemeinen Studenten-Unterslützungsvereines", dessen Hauptzweck in der materiellen Unterstützung dürftiger Studircnder, ohne Unterschied der Konfession und Nationalität, an den Wiener Hochschulen gipfelt. Die Vorschläge der beredten Frau Barber wurden einstimmig acceptirt, und' ein aus 12 Damen bestehender Vorstand, der sich die Konstituirung und .die Ergänzung durch 18 Ausschußdamen vorbehält, gewählt. Nebst den Damen Barber und Strauß fiel unter Anderen die Wahl noch auf Frau Pollak Jo. Rüdin, Fr. Or. v. Komvrzinsky, Frau Albertiue v. Guttmann, Frl. Prym, Frau Professor Spitzer u. s. w. Kurz vor der Versammlung liefen diverse Speuden ein, u. A. 60 fl. von Baronin Oppenheimer, geb. Todesco, und 100 fl. von Professor Friedrich Prym in Würzburg. Naris. Frau Turtado-Heine, welche die schöne Synagoge in Versailles auf ihre Kosten erbauen ließ, hat der Gesellschuft der Blindenanstalt ein Haus in der Rue Jaguier nebst dem dazu gehörigen Mobiliar im Wcrthe von 45,000 Fr. geschenkt. Aungölinztan. Unser jüngst erst gewählte Rabbiner Or. Grünwald hat einen Ruf an das zu eröffnende Rabbinerseminar in R o m erhalten, dem er im Interesse der jüdischen Wissenschaft Folge geben will. Lnblin. Alle ausländischen Juden im hiesigen Gouvernement, welche ohne Genehmigung der russ. Behörden sich mit Handel beschäftigen, sollen nach der „Gazeta Lubelska" autgewiesen werden. § Petersburg. (Or.-Corr.) Von einer hochstehenden Persönlichkeit der hiesigen Finanzwelt erfahre ich folgende, durchaus verbürgte Mittheilung: Als die letzte russische Anleihe abgeschlossen werden sollte, war der Finanzminister Bunge beim Kaiser und bat ihn, daß ihm einige Orden zur A ustheilung überlassen werden möchten. „Zu welchem Zwecke?" fragte der Kaiser. — „Damit die Anleihe zu Stande komme, Majestät!" sagte Bunge. — „Sind es Juden?" fragte der Kaiser. — „Ja, Majestät." — „Dann unter keinen Umstünden!" entschied der Kaiser. — Nach einigen Wochen kommt der Finanzminister wieder zum Vortrage. „Nun, ist die Anleihe zu Stande gekommen?" fragte der Kaiser. — „Nein, Ew. Majestät, da mir die Orden fehlten," antwortete Bunge. — „Nun. meinetwegen gieb sie ihnen," sprach der Kaiser und stellte ihm eine Anzahl Orden zur Verfügung. Die Anleihe kam zu Stande. Die Dekorirten hätten wohl etwas Anderes verdient, als Orden, nämlich die Knute, daß sie unter solchen Umständen, da ihre Glaubensgenossen in Rußland auf's Aergste verfolgt werden, russische Anleihen entriren. So meinte mein hochgestellter Gewährsmann. Mittheilimgen aus dem U. O. B. B. Magdeburg. Die hiesige Loge hält cs für eine ihrer Hauptaufgaben, ihreStheils an der Veredelung und geistigen Fortbildung der Glaubensgenossen mitzuarbeiteu, und zwar sucht sie dieses erhabene Ziel dadurch zu erreichen, daß sie sich nicht damit begnügt, nur ihren Mitgliedern iin geschlossenen Kreise getstige Nahrung zuzuführcn, sondern daß sie Veranstaltungen trifft, durch welche Jedermann in der Gemeinde Gelegenheit geboten wird, an Vorträgen aus dem Gebiete der jüd. Litteratur theilzuuehmcu. Die>e Theilnahine zeigte sich auch in regster Weise^bei dem gestern im Saale des „Kaiserhofs" gehaltenen Vortrage des Schriftstellers Alphvnse Levh. Der Saal war überfüllt; selbst nichtjüdische Zuhörer hatten sich eingefunden. Alle äußerten sich sehr befriedigt und sprachen dem Redner ihren Dank aus. Man blieb bis zur Milternachisstunde in anregender Unterhaltung beisammen. Den nächsten Vortrag wird der z. Z. in Deutschland weilende Direktor des jüd. Waisenhauses in Jerusalem, Herr W. Herzberg, der sich auch als deutscher Schriftsteller einen Namen gemacht, halten. Berlin. Die geselligen Abende der Mitglieder der Verth. Auerbach-Loge und deren Familien sind Familienfeste im wahren Sinne des Wortes. Br. Kochmann, der Vorsitzende des Comitö's für Geselligkeit,^ versteht es aber auch vortrefflich, die geeigneten Arrangements zu treffen, um diese Abende, an denen auch unsere Frauen und Kinder theilnehmen, recht harmonisch zu gestalten. Es ist dies eine der Hauptaufgaben des Ordens, den Kastengeist, der sonst im sozialen Leben gar oft gerade bei den Juden auzutreffen ist, zu bannen durch den echten Herzenston aufrichtiger Brüderlichkat und treuherziger Geselligkeit. Dresden. In unserer letzten Sitzung hatten wir als Gäste in unserer Loge den Präs, der Gr.-L. Br. Jul. Fenchel und den Präs, der Berth. Auerb.-L., Br. Heinrich Benjamin. Die Sitzung war für alle Mitglieder eine überaus anregende; unser Br. Mentor, der zu den eifrigsten Mitarbeitern der FraternitaS zählt, gab Veranlassung zu ebenso interessanten als belehrenden Debatten', an denen sich die besuchenden Brüder (Benjamin u. Fenchel) lebhaft betheiligten. Letzterer hielt schließlich noch einen kurzen Vortrag über „Verschwiegenheit als Berufspflicht". Die Brüder blieben bis zur späten Stunde traulich vereint. Unser Stlftungsfest soll im Februar auf Königl. Belvedere in würdiger Weise gefeiert iverdcn. Bielefeld. In unserer Westfalia sind die Arbeiten der Brüder rege und interessant. Zu fast allen Sitzungen erscheinen die Mitglieder vollzählig; wir fühlen uns wohl und beglückt, dem großen Bruderbünde anzugehören: wir wissen es Alle, daß cs keine Bereinigung geben kann, die geeigneter wäre, ein aufrichtiges und inniges Vcrhältnig unter den Mitgliedern herzustellen, als dies in unserem Orden der Fall ist. Wir haben jetzt auch öfters Neuaufnahmen und streben rüstig vorwärts. Hamburg. Auf Veranlagung des Vereins zur Gründung der Loge für Hamburg-Altona hielt Herr Prediger Or. Jonas einen tief durchdachten und sehr ansprechenden Vertrag über: „Humanität und Judenthum', der auf Wunsch vieler Zuhörer auf Kosten, des gen. Vereins im Druck erscheinen wird. (Wir komuren dairn aui denselben zuruck. Red.)