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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-11-25 · N° 48. (25.11.1886) · p. Seite 389

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 48. (25.11.1886)
Date
1886-11-25
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
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Sb 9 — nicht erfochten haben. Stöcker lobte sich schließlich, bah er $egen die Juden „stets sehr freundlich gewesen und sie nur gebeten habe, ein wenig bescheidener, ein wenig toleranter zu sein und ein wenig mehr soziale Gleichheit zu üben". Nach dem Vortrage wurde Stöcker von einem freisinnigen Zuhörer gefragt, wie er über die Ansicht des Kronprinzen denke, der die'antisemitische Bewegung „eine Schmach für die deutsche Nation" genannt habe. Daraus meinte Stöcker, man solle zuerst den Beweis liefern, daß der Kronprinz jene Worte gesagt habe. Ein Richterkollegium habe allerdings angenommen, sie seien wahr, weil sie ein verstorbener Jude erzählt habe. Stöcker meinte dabei, es sei nicht passend, eine hohe Person in die Debatte zu ziehen, worauf ihm mit Recht bemerkt wurde, daß er doch sonst stets sich auf die Autorität hoher Personen für seine Ansichten berufe. Um die Ausführungen des Herrn Hofpredigers in der „Hochburg des National!,beralismus" nicht unwidersprochen zu lassen, hat ein aus über 100 Personen bestehendes, aus allen Bcrufskreiscn zusammengesetztes Comits auf nächsten Sonntag eine allgemeine Bürgerversammlung durch nachstehende Anzeige einberufen: „An unsere Mitbürger! Nachdem es dem Deutschen Verein beliebt hat, den Hauptagitator des Antisemitismus Herrn Hofprediger Stöcker nach hier zu einem Vortrage über die Judenfrage einzuladen, erscheint es an der Zeit, daß die friedliebende Wittener Bürgerschaft Stellung zu der antisemitischen Bewegung in unserer Stadt nimmt.' Wir laden zu diesem Zwecke unsere Mitbürger aus Sonntag, den 21. d. Mts., zu einer allgemeinen Bürgerversammlung ein, welche nachstehende Tagesordnung aufweisen wird: 1. Bericht über den Stöcker'schen Vortrag „über die Judenfrage" (nach stenogr. Aufnahme). 2. Fassung einer Resolution betr. die antisemitische Bewegung in Witten. Der Eintritt ist jedermann kostenfrei gestattet." Diese Versammlung war sehr zahlreich besucht. Herr Or. Be um er von hier, hat in ausführlicher, glänzender Rede die Angriffe Stöckers auf die Juden mit logischer Schärfe widerlegt. Lang anhaltender Beifall der großen Versammlung und der Dank des Vorsitzenden folgten der Rede, die wir nebst der gefaßten Resolution in nächster Nr. — zum Theil wenigstens — wiedergeben wollen. Affen, 19. November. (Or.-Corr.) Wenn biedere, dem Judenthum von Herzen ergebene Leute ein goldenes Ehejubiläum feiern, so verdient dies sicherlich in jüdischen Zeitungen verzeichnet zu werden. Ein solches begingen am letzten Mittwoch Herr Moses Gottschalk und seine Ehefrau Jeanette, umgeben von ihren Kindern, Enkeln und zahlreichen in hiesiger Gemeinde und Stadt angesehenen Verwandten. Auf Beschluß der Gemeindevertretung wurde die Synagoge geschmückt und dem Jubelpaare die besten Glückwünsche dargebracht. Die Emsegnung des Paares vollzog College Blumenfeld in einer zu Herzen gehenden Rede. Hierauf händigte er dem Jubelpaare die von Ihren Majestäten gestiftete Medaille (siehe letzte Nr. d. Wochenschr. S. 382) aus, die von folgendem Glückwunschschreiben des Herrscherpaares begleitet war: „Berlin, den 30. Oktober 1886. Seine Majestät der Kaiser und König haben mit Interesse vernommen, daß Sie mit Ihrer Ehegattin nach einer 50jährigen glücklichen Ehe am 17. Nov. c. die goldene Hochzeit feiern werden. Zur Erinnerung an dieses frohe Familien-Ereigniß, zu dem Seine Majestät dem Jubelpaare die besten Glückwünsche aussprechen lassen, verleihen Allerhöchdieselben Ihnen die beifolgende Ehejubiläums-Medaille mit dem Wunsche, daß es Ihnen und Ihrer Gattin vergönnt sein möge, unter Gottes gnädigem Beistände in treuer Gemeinschaft mit einander Sich noch recht lange eines heiteren und zufriedeneii Lebenswandels zu erfreuen. Der Geheime Kabinets-Rath, Wirklicher Geheime Rath: von Wilmowsky". Die Ueberreichung der Medaille und das Verlesen vorstehenden Glückwunschschreibens machte auf die zahlreichen Anwesenden einen feierlich erhebenden Eindruck. Zur Feier des Tages hatten die Nachbaren geflaggt, ja, was doch in der Jetztzeit viel sagen will, ein christlicher Hausfreund verehrte der Jubilarin sogar eine Tefillah in prachtoollster Ausstattung. Die Gesänge wurden vom hiesigen gemischten, aus Herren und Damen bestehenden Synagogen-Chor ausgeführt unter Leitung des Herrn Graf. Aus dem Kannöverfchen. Von befreundeter Seite geht mir folgendes Handschreiben des sel, Or. Meyer, Landrabbiners zu Hannover, zu, mit der Ermächtigung, dasselbe zu veröffentlichen, und füge ich -die Abschrift bei, da es über die Verhältnisse des Lehrer-Seminars in Hannover interessante Ausschlüsse liefert. Das Schreiben lautet: „Hannover, den 27. December 1877. Auf Ihr ges. Schreiben vom 17./18. erwidere ich hierdurch, daß es mir «T3D gelungen ist, bei dem Cultusminister zu erwirken, daß die zweite Prüfung der jüdischen Lehrer in unserer Provinz an unserem Seminar abgehalten werde. Ob dieselbe schon zu npS oder erst später stattfindet, darüber ist noch nichts bestimmt und wird Ihnen demnächst Weiteres darüber mitgctheilt werden. Jedenfalls wollen Sie sich ernstlich vorbereiten, die in den allgemeinen Bestimmungen vorgeschriebenen Arbeiten anzufertigen, wobei Sie beachten wollen, daß Sie auch eine Arbeit über einen Religionsgegenstand, ebenso wie die christlichen Lehrer, einzureichen haben. Der Landrabbiner. An gez. Or. Samuel Meyer." den Lehrer.... . Nr 16267 Aus diesem Schreiben geht hervor, daß zur Zeit des Cultusministers Or. Falk wirklich eine volle Gleichstellung des jüdischen Seminars mit den christlichen geplant worden. Daß diese Gleichstellung aber niemals Thatsache geworden, daß vielmehr unter dem Regime des Herrn v. Puttkamer Alles wieder redressirt wurde, ist ebenfalls Thatsache. Denn als Einsender dieses 2 Jahre später sich an Or. Meyer ebenfalls wegen Ablegung des zweiten Examens wandte, erhielt ich zur Antwort, daß nach abgelegten 2. Examens am christl. Seminar ich noch in den Religionsfächern am jüdischen Seminar eine Prüfung zu bestehen habe. Da ich jedoch das 2. Examen nicht in Hannover, sondern an eine m andern christl. Seminare abgelegt, so unterblieb die beabsichtigte Prüfung in den Religionsfächern. (Schluß folgt.) Kamburg. (Fortsetzung.) Die Meziza ist, wie jedem Theologen bekannt, kein offentieller Bestandtheil der zur Aufnahme in den Bund des Judenthums vorgeschriebenen Operation. Die Hauptquelle der Meziza, der Schulchan Aruch (Jore Dea 264,2) giebt uns in der Motivirung der Meziza zu gleicher Zeit den triftigsten Grund für ihre Abschaffung an die Hand; die Aussaugung des Blutes wird daselbst empfohlen, um einer späteren Nachblutung aus entfernteren Theilen vorzubeugen K‘n>’ KSir N2 PI32D ,’T?. „Damit das Kind nicht in Lebensgefahr komme." Nun denn, in den medizinischen Anschauungen früherer Jahrhunderte. der Entstehungszeit des Schulchan-Aruch mochte es für zweckmäßig gelten, wenn man von der Aussaugung der Wunde eine günstige Beschleunigung des Heilungs- Prozesses erwartete; heutigen Tages, wo jene Anschauungen längst von der Wissenschaft als irrig erwiesen worden sind, wo wir die glänzenden Leistungen der Chirurgie gerade dem strengsten Fernhalten jeder äußern Jnfectionsmöglichkeit von der Wunde verdanken, heute ist es eine Forderung der Humanität und sicher auch im Sinne des Schulchan Aruch selbst, die als schädlich erkannte Meziza zu unterlassen. „Damit des Kindes Leben nicht gefährdet würde" denn wie es an derselben Stelle (Cap. 263,1) heißt: N32V Of-.;.'

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