Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 47. (18.11.1886)
- Date
- 1886-11-18
- Page
- Seite 381 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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381 — hergerichtet ist. Die Leitung ist dem im Hause wohnenden Rabb. Dr. Streitet, dem seitherigen Lehrer der Seminaristen, übertragen worden. Aus der Vorgeschichte der noch jungen, erst wenige Tage zählenden Anstalt sei hier nur so viel mitgetheilt: Das Bedürfuiß nach einem solchen Internat für unsere Seminaristen nach Muster der mit den Großherz. Lehrerseminarien verbundenen Internate ist hier und draußen in den Landgemeinden, aus denen ja zumeist der Zuzug zu den Lehrerseminarien erfolgt, wohl lange schon empfunden worden, bis vor 2 Jahren ein in England lebender Badener welcher sich s. Z. an einem hiesigen Seminare für das Lehrerfach ausgebildet und das Demüthigende des „Herumessens" an sich selbst bitter empfunden hatte, dem Großherzogl. Oberrathe der Israeliten die Summe von 2000 M. als erste Grundlage für einen Fonds zur Gewährung freier Beköstigung an unbemittelte israel. Seminaristen zur Verfügung stellte. Im vorigen Jahre ließ er weitere 2000 M. folgen und ein anderer in England wohnender Badener, welcher hiervon Kunde erhalten, sandte sofort ebenfalls 2000 Mark. Nachdem so in kurzer Zeit ein Grundstock von 6000 M. angesammelt war, wandte sich der Großh. Oberrath unter Hinweis auf diese edlen Vorbilder an die isr. Gemeinden des Landes, indem er dieselben zur Sammlung freiwilliger Beitrüge für den gleichen Zweck aufforderte. Das Ergebntß war ein recht günstiges, indem auf diese Weise die Sunune von 15000 Mark aufgebracht wurde, wovon die Israeliten der Residenz allein über 5000 M., die in Mannheim gegen 3000 M. spendeten. Im Besitz dieser Mittel, bemühte sich der Großh. Oberrath, da es bisher auch an geeigneter Ueberwachung der in der Stadt zerstreut wohnenden israel. Seminaristen gefehlt hatte, ein vollständiges Internat einzurichten, was auch gelang. Einstweilen dient eine geräuinige Miethswohnung diesem Zwecke, und ist die Anstalt auch bereits am 1. d. M eröffnet worden. Ueber die Einweihungsfeier referirte die Karlsruher Ztg. wie folgt: Mit dem heutigen Tage ist nunmehr das Internat unter dem Namen „Israel. Laudesitist" ins Leben getreten, nachdem gestern Abend eine einfache, aber würdige und erhebende Einwnhungsfeier stattgesunden. An derselben beiheiligten sich Mitglieder des Oberraths und des hiesigen Synagogenraths der Großh. Seminardirector Lentz, Bezirksrabbmer 1)r. Sandheimcr von Heidelberg. Stadt- und Conferenzrabb. Dr. Schwarz von hier und eine größere Zahl sonstiger geladener Personen. Nach Vortrag eines Psalms durch den Chor der Zöglinge hielt Oberrath Millstätter in markigen und von jugendlichem Feuer durchglühten Worten die Eröffnungsrede, an deren Schluß er die neue Austalt ihrem Vorstand überantwortete und die Mitglieder des für dieselbe bestellten Verwaltungsraths in ihr Amt einführte. Der zum Leiter bestellte Dr. T. verbreitete sich hierauf in lichtvoller Ausführung über die Grundsätze, nach denen er die ihm unterstellte Anstalt zu leiten gedenke und über die Aufgaben dieser letzteren als eines sich enge an die staatliche Lehrerbildungsanstalt anschließenden Unternehmens. Die Feier beschloß ein Nundgang durch die Räume des Internats, deren Einthcilung und innere Einrichtuug allgemein befriedigte. Das Hauptverdienst um die rasche Fertigstellung gehört dem obengenannten Oberrath W., wie dem Regierungsrath Dr. Mayer und arbeiten diese wie die Mitglieder des Verwaltungsrathes die HH. Bernheim. Dreyfuß und Haas mit Hingebung an bem ferneren Gedeihen der Anstalt. Düsseldorf, 10. November. Das städtische Orchester feierte am letzten Donnerstag ein seltenes Fest; es waren an dem Tage fünfzig Jahre verflossen, daß Herr Alexander in die früher Kreutzer'sche Kapelle, aus der sich dann das Stadtorchester entwickelte, als Mitglied eintrat. Schon am frühen Morgen war der Herr Jubilar in seiner Wohnung durch ein Hornquartett geweckt worden. Als derselbe dann um 11 Vormittags den Kaisersaal der Tonhalle betrat, wurde er durch einen Tusch der zur Probe versammelten Kollegen empfangen und freudigst begrüßt. Hierauf brachte Herr Beigeordneter Feistel den Glückwunsch der Stadt dar. Nachdem dann die projectirte Probe aufgehoben worden war, gingen weitere Kundgebungen im Vorsaale der Tonhalle vor sich. Im Beisein sämmtlicher Orchestermitglieder hielt Herr Justizrath Hertz eine sinnige Festrede und übergab Herrn Alexander als Festgabe der Orchestermitglieder und hiesiger Musikddirektoren eine goldene Uhr. Herr Justizrath Frings fügte Namens des Musikvereins der prächtigen Uhr noch eine werthvolle goldene Kette und einen respektablen Werthschein bei. Auch die Mitglieder der hiesigen Bühne ließen dem Jubilar ein silbernes Service überreichen und der städtische Männergesangverein spendete eine hübsche Schale mit eingravirter Widmung. Außerdem waren noch verschiedene Geschenke von Privaten eingegangen. Auch an musikalischen sowie sonstigen Genüssen u. Toasten fehlte es nicht. Besondere Erwähnung verdient, daß dem Jubilar von Sr. Maj. unserm Kaiser das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen wurde, und das Frau Prof. Camphausen hier demselben ein großes Gemälde „Der Große Kurfürst bei Feyrbelliu" von Prof. Camphausen verehrt hat. Oesterreich-Ungarn. Aus Aöhmeu. (Or.-Corr.) Der jüngst inWien zu seinenBätern eingegangene Ritter Wiener von Welten hat seine Vaterstadt Prag reichlich bedacht, indem unseren jüdischen Armen aus dem allerdings großen Nachlasse sehr ansehnliche Summen zugewendet wurden, und sollen, wie man hört, auch zahlreiche hiesige Wohlthätigkeitsvereine participiren. — So wird denn wohl das Angedenken dieses edlen Mannes, der sich aus geringen Anfängen mächtig emporgeschwungen, ein gesegnetes werden. Wie schön wär's doch auch, wenn im mildherzigen Judenthum die mit Reichthum Gesegneten schon bei Lebzeiten, während sie noch „wandeln im rosigen Lichte", durch milde hochherzige Stiftungen sich bemerkbar machen und verewigen würden! Es müßte ihnen doch zum hohen Seelengenusse gereichen, Augenzeugen der Realisirung ihrer humanen Pläne und wohlthätigen Bestrebungen sein zu können, und mancher durch Uebereilung oder unrichtge Auffassung des Testators später nach dessen Hinscheiden zu Tage tretende Mißgriff beim Jnslebentreten des Stiftung würde vermieden werden können. Zur Jllustrirung dieser meiner Behauptung erwähne ich Folgendes: Ein sehr reicher, kinderloser, sehr renommirter homöopathischer Arzt starb vor zwei Jahren und soll, wie man hört, seiner altehrwürdigen Muttergemeinde ein großes Vermögen testirt haben, das einst zum Baue eines homöopathischen jüdischen Kinderspitals verwendet werden soll; nun ist wohl gegenwärtig das Capital noch nicht liquid, aber schon jetzt spricht man davon, daß der Realisirung dieses Planes seiner Zeit ein Hinderuiß in den Weg treten könnte in dem Umstand, daß bei dem jetzigen Aufschwung der ärztlichen Wissenschaft und dem allmähligen Rückgänge der Homöopathie, kaum ein jüdischer Homöopath zu finden sein dürfte, der dem Spitale seine Dienste zu widmen hätte; — wer wäre dann berechtigt, dem Wortlaute des Testamentes entgegen, eine Aenderung in der Bestimmung der ärztlichen Behandlungsweise am zu gründenden Spitale vorzunehmen? — was nur bei Lebzeiten des hochherzigen Stifters möglich wäre. Man kann von wohlthätigen Stiftungen nicht sprechen, ohne den wohlberechtigten Wunsch zu hegen, es mögen die hochherzigen Stifter in ähnlichen Fällen gerade derjenigen Wohlthätigkeitsvereine eingedenk sein, die materiell noch auf schwachen Füßen stehen, wie dies z. B. bei dem sehr wohlthätig wirkenden, meist auch von Böhmen in Anspruch genommenen „Prediger Mannheimer-Vereine" in Wien, und bei unserem „böhm. jüdischen Lehrer-Vereine" der Fall ist — Vereine, für die noch immer allzuwenig geschieht. Unser gelehrter ehrwürdiger Landsmann, Herr vr. Caro, der in der jüngsten Nummer dieser gesch. Blätter so uner-