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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-11-11 · N° 46. (11.11.1886) · p. Seite 372

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 46. (11.11.1886)
Date
1886-11-11
Page
Seite 372 (sequence 4)
Language
German
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372 — Vereins „Esra" Erwähnung gethan ist, berichtigend mit: „Der Verein „Esra" lehnt nach seinem Statut jede religiöse oder jonstige Tendenz ab und will nur wohlthätig sein; in seinem Vorstande sitzen Männer jeder Richtung und in seiner letzten großen Versammlung, der mehr als 200 Personen beiwohnten, betonte der Vorsitzende des Zweigvereins Berlin, daß dem Verein „Esra" jeder willkoinmen sei, ob „freisinnig oder orthodox". Dieser Vorsitzende, Hr. Sandheim, ist selbst ein liberaler Jude". Gleichzeitig sendet uns Herr B. die Nr. 2 des „Serubabel", in der die Tendenz des Vereins besprochen und hervorgehoben wird, daß er „als Krystallisations-- und Sammelpunkt der deutschen „Zionsfreunde" dienen solle, er sei fast der einzige Verein in Deutschland zur Kolonisation Palästina», seine Aufgabe sei, nach Kräften dafür Propaganda zu machen". — Bekanntlich sammeln die HH. ^»alvendi-Dürkheim, Bamberger- Würzburg, Lehmann-Mainz, H ildeshe im er- Berlin u. A. zu demselben Zwecke, und wird jetzt viel Geld an die Kolonien in Palästina abgeführl, so daß das Waisenhaus in Jerusalem zum Theil darunter leidet. Merlin, 8. Oktober. Für den verstorbenen Sanitätsrath Löwenthal fand gestern Vormittag in seiner Wohnung eine Trauerfeier statt. Die Loge „Zu den drei Weltkugeln" und die Hamburger Loge „Absalom", sowie der Brüderverein und der Wohlthätigkeitsverein „Meginas Röim" ehrten den Entschlafenen durch Kranzspenden und Entsendung von Deputationen; auch das Kvlberger jüd. Krankenhaus, das seiner Anregung sein Entstehen verdankt, hatte eine Palme am Sarge niederlegen lassen. Die Gedächtnißrede hielt Herr Rabbiner Dr. Maybaum. Die Leiche wird heute in Gotha verbrannt, die Asche alsdann auf dem Begräbnißplatz bei Weißensee beigesetzt werden. Köln, 2. November. (Zur Warnung.) Zum Neujahrsfeste erhielt ich aus Nizborg-Stary in Oest.-Galizien einen Bettelbrief, unterschrieben S. Menczer, in welchem derselbe um Unterstützung bittet, weil durch zwei Feuersbrünste ihm die Stallungen, Pferde, Kühe, Heuschober u. s. w. verbrannt wären. Das Gesuch war schön und richtig abgefaßt. Ich erkundigte mich bei dem Gemeindevorstand von Kopyczynek, das in der Nähe von N.-Stary liegt und schickte das Gesuch mit. Dieser Tage erhielt ich die Antwort, daß alle Angaben unwahr seien und der Wirklichkeit nicht entsprächen. Ich theile dieses hierdurch mit, weil wohl vorauszusetzen ist, daß Menczer sich auch an Andere mit ähnlichen Briefen gewandt hat. Zugleich möchte ich auf einen Bettelbrieffabrikanten in Jerusalem aufmerksam machen. Israel Lichtwitz in Jerusalem überschüttet Deutschland, ja Europa, mit seinen Bettelkarten. Auch an Christen, deren Namen ihn täuschen, wendet er sich, schickt ihnen Erez-Jisroel-Erde und Aehnliches. So hat er unlängst an einen hiesigen Christen eine Schnur, die Länge der Westmauer zu Jerusalem, geschickt und allerlei abergläubisches Zeug beigefügt. Möchten doch die maßgebenden Personen in Jerusalem solchen Betrügern das Handwerk legen. Rabbiner Or. Frank. Koblenz, 7. November. (Or.-Corr.) Nachdem die hohe Königliche Regierung dahier durch Erlaß vom 21. Juli 1885 auf Grund des § 62 des Gesetzes vom 23. Juli 1847 bezw. des Ministerial-Erlasses vom 6. Februar 1856 Anordnung dahin getroffen, daß etwaige künftige Versäumnisse des israelit. Religionsunterrichts gleich .den sonstigen Schulversäumnissen zur Anzeige und Strafe gebracht werden, hat der Königl. Local-Schulinspector Herr Pastor Seeger auf das Gesuch des Unterzeichneten die weitere erfreuliche Anordnung getroffen, daß fortan der isr. Religionsunterricht an die, die h. städtischen Elementarschulen besuchenden jüdischen Kinder in dem Gebäude der evangel. Stadtschule zu derselben Sst u n d e ertheilt werde, wie auch der christliche, und hat sich der Schulvorstand bereit erklärt, ein Schulzimmer zu diesem Zwecke zur Verfügung zu stellen. Ich beeile mich, von diesem Fortschritt meinen Amtsgenossen, ^sowie^allen Freunden des Judenthums und der jüdischen Schule Kenntniß zu geben. Friedberg. Iürty, im November. (Or.-Corr.) Am vergangenen Versöhnungsfest, den 9. Okt., schied der hiesige Rechtsanwalt vr. Philipp Feust, im Alter von 48 Jahren aus dem Leben. Ihm gebührt gerade in diesem Blatte ein besonderer Nachruf, nicht blos, weil er ein eifriger Leser der „Isr. Wochenschrift" gewesen, sondern weil er, ein tüchtiger und allgemein geschätzter Jurist, zugleich eitle tief religiöse, charaktervolle Natur, dem Judenthum treu anhing, das Ritualgesetz gewissenhaft beobachtete und keine Gelegenheit versäumte, für die Ehre unseres Glaubens mannhaft einzutreten, — gewiß eine seltene Erscheinung in unserer Zeit des mannigfaltigen Streberthums. Welch' große Beliebtheit er in seiner Vaterstadt und unter seinen Standesgenossen durch seine Menschenfreundlichkeit und Ehrenhaftigkeit sich erworben, dafür legte der unübersehbare Kondukt Zeugniß ab, der am 12. Okt. ihn zur letzten Ruhestatt geleitete. Als Anwalt gehörte er zu den Zierden seines Standes, jedem Hilfesuchenden stand er in aufopfernder Weise bei mit Rath und That. Seine außergewöhnliche Begabung, seine hervorragenden Kenntnisse, seine allgemeine Bildung, seine Charakterfestigkeit und edle Uneigennützigkeit waren von allen Seiten so anerkannt, daß der bayrische Anwaltverein ihm, trotzdem er zu den jüngeren Anwälten gehörte, die Redaktion seiner Zeitschrift anvertraut hatte. Die zahlreichen Leitartikel und Aufsätze, welche er für dieselbe lieferte, zeichneten sich durch schöpferische Gedanken, durch scharfen, knappen Styl und edle Sprache aus. Er war bis 1872 der juristische Sekretär und Vertreter der Isr Kultusgemeinde seiner Heimathstadt. Infolge seiner Ernennung zum königl. Advokaten mußte er dieses Amt aufgeben. Seine Religionsgenossenschaft wollte sich jedoch eine so werthvolle Kraft nicht entgehen lassen, so daß er später, dem allgemeinen Drängen nachgebend, den Vorsitz des größeren Verwaltungsausschusses übernahm und bis zu seinem Ende beibehielt. Durch treuen, gewissenhaften Berufseifer, durch sein Interesse für die synagogalen Institutionen, durch seine Kenntniß der Geschichte dieser alten Gemeinde hat er sich um dieselbe unvergeßliche Verdienste erworben. Wir heben hiervon nur folgendes hervor: Er ließ sich mit großer Vorliebe die Förderung unserer Waisenanstalt angelegen sein, stand ihr als Jurist und Menschenfreund eifrig zur Seite und es gewährte dem bescheidenen und selbstlosen Manne eine wahre Herzensfreude, als ihm von dieser Anstalt vor mehreren Jahren die Ehrenmitgliedschaft in feierlich-sinniger Form ertheilt wurde. Die bayrische Gabriel Rießer-Stiftung hat er mitbegründet und seiner Energie hauptsächlich hat dieser segensreiche Verein, dessen Zweck es ist, mittellose bayrische Studirende zu unterstützen, seinen hohen Aufschwung zu danken. Besonders lag ihm am Herzen die Instandsetzung und Erforschung des Fürther Friedhofs, dessen hohen Werth er zuerst wieder erkannte. Dieser Friedhof, in unseren Tagen weniger gekannt, als er es verdient, steht dem alten Friedhof in Prag an geschichtlichem Interesse vielleicht nicht nach, er übertrifft ihn sogar an herbein Reiz und düsterem Schauer, welcher Eindruck durch seine örtliche Lage noch gehoben wird. — Jedem Zelotismus abhold, neigte der Verstorbene in religiöser, wie ivissenschaftlicher Richtung der theologischen Schule von Breslau zu. Das Geschichtswerk von Grätz hat eine mächtige Wirkung auf ihn geübt und wurde von ihm eifrig studwt. Keinen Sabbath versäumte er, die heilige Schrift zu lesen; auch die Sprüche der Väter waren seine Lieblingslektüre. Leider hat ihn der Tod allzu früh dahingerafft, ohne daß er manchen auf die Geschichte seiner Gemeinde, namentlich auf die wissenschaftliche Restaurirung des Friedhofs bezüglichen Plan ausführen konnte. Will die Gemeinde sein Andenken über das Grab hinaus ehren, so kann sie es nicht schöner, als wenn sie diesem Friedhof die in früheren Jahrhunderten versäumte Pflege angedeihen läßt und eine sachkundige Aufnahme der inte-

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