Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 46. (11.11.1886)
- Date
- 1886-11-11
- Page
- Seite 371 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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871 — Druck einer Lesefibel sei um so mehr ein sorgfältiger, als derselbe doch dem Kinde als Muster und Mafistab dienen soll, wenn es demnächst andere hebräische Srnckj Driften vor Gesicht bekommt. e) Der Stoff sei streng methodisch geordner und schreite vom „Einfachen zum Zusammengesetzten", vom „Leichten zum Schweren * stufenweise weiter. Eine jede weitere Uebung schließe sich eng an die vorhergehende an. ä) Die in ihrer äußeren Form einander ähnlichen sowohl, als auch die gleich oder ähnlich lautenden Buchstaben seien in geeigneter Weise zusammengestellt, damit sich das Kind des Unterschiedes dieser Zeichen trotz ihrer Aehnlichkeit klar bewußt werde. Es seien in den betreffenden Uebungs« stücken zusammengestellt: “f und und p; 1 und 1 und 2 und 2; 5 und j; D und D; 2 und 2; H und n und fl; 2 und U und 5? und 8 Ferner: fl und 2 und p; J“) und 2? und 2; •) und 2; D unb 2; 3 und p. e) Es sind möglichst bald Wörter zn bringen, damit dem Kinde schon gleich Gelegenheit geboten werde, sich eine Anzahl ooii Wortbildern einzup ragen. Die mehrsilbigen Wörter sind anfangs in ihre Silben abgetbeilt zu bringen, z. B. IN ^3 V 53, 15 '3 X f) Sämmtliche Vocale sind sofort mit den ersten einzuübenden Cousonanten vorzusühren, und zwar nach ihren Formähnlichkeiten, wodurch eine größere Mannigfaltigkeit in den Vorübungen mit einfachen Silben geboten wird.*) Die Reihenfolge der Vocale wäre folgende: (**' " v * " T *<t * v / / , / / / Im/" Das letztere (au) ist besonders durch geeignete Uebungen vorzuführen, da es manche Schwierigkeiten bietet. Wünschenswert!), jedoch nicht erforderlich wäre es, wenn je dein hebräischen Lautzeichen das betreffende deutsche beigefügt wäre. Es erleichtert dies dem Kinde oft die häusliche Thätigkeit. g. Die zur Erzielung eines richtigen Lesens unbedingt erforderlichen Leseregeln sind in geeigneter Weise dem Kinde zum Verständniß zu bringen und zwar durch hinleitende Uebungen, z. B. 'ÜV ‘‘ÖOp *10$ u. dgl. — - (Schluß folgt). Berichte und Correspondemen. Deutschland. berliner Arief. II. Die Feiertage mit ihren guten und bösen Nachwirkungen sind vorüber — „der Geist ist verflogen, das Phlegma ist geblieben". Es ist eine alte Erfahrung: während einer Reihe von Feiertagen, werden die meisten Beschwerden und die weitgehendsten Pläne innerhalb einer Gemeinde laut. Während dieser Tage beschäftigen sich die Mitglieder, die noch nicht ganz indifferent geworden, mit dem Wohl und Wehe der Gemeinde und wenn sie vorüber die lieben Jomim tauwim — die oft für die Beamten auch in den Nachwirkungen Jomim nauroim sind, — dann geht Alles wieder in dem alten Schlendrian, in kleinen wie in großen Gemeinden. Wenn in diesem Jahre die „Berliner" davon eine Ausnahme machen, so kommt dieses nicht daher, daß die Dreijährige Budgetperiode vorüber ^ist, sondern weil die Mißstände so tief eingreifende sind, daß selbst der Gleichgültigste aus seiner Lethargie ausgerüttelt wird. „Auf zu den Wahlen!" so lautet die Parole auf der ganzen Linie. Bei den oberen Zehntausend, bei denen oer Mensch erst von Besitz einiger. Hunderttausende anfängt, und die seit vielen Jahren die Gesammtverwaltung in Erbpacht genommen, mit dem Centralsitze in der „Gesellschaft der Freunde", wie in *) Wir halten die sofortige Einprägung sämmtlicher 9 Vokalreichen für zu sehr verwirrend; wir haben sie in unserer Fibel auf 4 Uebungen vertheilt. **) Wir halten die Zusammenstellung der beiden u-Laute (1 ) für rationeller. (Red.) den verschiedenen Logen, die ebenfalls das Thema auf der Tagesordnung gestellt haben, und in den kleinen Gemeinden, die ein großes Kontingent zu den Wahlen stellen, regt es sich an allen Orten und Enden, zuerst schüchtern, dann immer lauter und energischer. Das Prognostikon kö nuen wir schon mit einiger Sicherheit stellen: Trotz oller Bor- und Hauptversammlungen, trotz aller Tinte und 'Druckerschwärze, die verschwendet wirv, — diese Agitation wird wieder im Sande verlaufen. Sie wird aber, und das ist der Hauptzweck, eine mächtige Anregung zu einer gänzlichen Umwälzung in der Gesammtverwaltung geben, die — wie die meisten ihrer berufensten Vertreter selbst anerkennen, — unausbleiblich ist. Nicht gegen die achtbaren Caudidaten, die aufgestellt und gewählt werden, darf sich die Agitation richten, sondern gegen das ganze System der Centralisation. Die paar neue- Repräsentanten und ihre Stellvertreter werden die Umwälzung nicht mehr aufhalten. Die Axt muß an die morschen Wurzeln angelegt werden und sie wird treffen und damit das Geschick des bisherigen Regimes besiegelt werden. Die Statuten der jüd. Gemeinden fiuD im Jahre 1861 zum letzten Male geändert worden. Damals zählte Berlin etwa 20—25000 jüd. Seelen; heute ist die Seelenzahl etwa um das Dreifache gestiegen, die Zahl der Vorsteher uno Repräsentanten ist aber geblieben. Hic Rbodus — hier ist das Grundübel und hier muß Abhilfe werden. Das Gesetz vom 23. Juli 1847 gestattet allerdings im höchsten Falle nur 21 Repräsentanten, die Gesetzgeber konnten damals nicht voraussehen, daß es in Preußen jemals eine Gemeinde, deren Angehörige und Steuerzahler circa zwei Stunden vom Centralsitze entsernt wohnen, von circa 70.000 Seelen geben würde und das Ministerium des Innern, welches die Mißstände sehr wohl kennt, wartet nur auf die geringste Anregung, um hier einzuschreiten. Die Statuten verlangen, daß die Wähler persönlich ihre Stimmzettel in dem einen Wahllokale abgeben. Durch diesen Paragraphen werden 4/5 aller Wühler einfach ihres Stimmrechts beraubt. Die Herren von der Börse, die zugleich Vertreter der genannten oberen Zehntausend sind, die schon in ihrem Schultvrnister den Marschallstab, — wollte sagen Repräsentantenstab — tragen, fahren mit 12 Uhr zur Börse und geben im Vorbeifahren in der benachbarten Oranienbergerstraße ihren Stinunzettel ab. Die kleinen Kaufleute, Handwerker, Gewerbetreibenden und die übrigen zur rnrsora xlsbs zählenden Steuerzahler müssen entweder auf stundenweite Entfernungen — vom Höllischen und Schlesischen Thor, von Pankow und Rixdorf, von Charlottenburg und Wedding rc. — fahren, und dann stundenlang mit der Abgabe der Stimme warten, oder sie bleiben eben fern. Daß das Letztere der Fall ist, beweist die Wahlstatistik der letzten Wahlperioden. Im Jahre 1880 betheiligten sich nur 23 °/0, im Jahre 1882 27 °/0 der Wähler. Ist das etwa der Willensausdruck der Gesammtgemeinde? Magdeburg. Im Verfolg unserer Note zum ersten Leit.-Art.*) der vor. Nr. schreibt uns der Verf. desselben: „In seiner Kritik des Mendelssohn'schen „Jerusalem" giebt I. D. Michaels (orientalische und exegetische Bibliothek, 20. Theil, S. 94) seinen Widerwillen gegen die zum Christenthum übergetretenen Juden in energischster Weise Ausdruck. Er bezeichnet die Ueberlaufer geradezu als Gewissenlose, ja, als den Abschaum des Judenthums und sieht den Uebertritt aus der Synagoge in die Kirche als einen Reinigungs- und Läuterungsprozeß für die erstern an. Ja, er meint, es solle die Synagoge nicht ihren A . . . . t**) in die christliche Kirche anlegen." — Aus Berlin theilt uns Herr W. B a m b u s mit Bezug auf die Berliner Correspvndenz ln Nr. 44 über die palästinensischen Kolonisationsbestrebungen, in welcher auch des *) Auf der ersten Seite desselben, Z. 7 von unten bittet man „erscheint" statt „steht" zu berichtigen. **) Das Wort ist zu schmutzig, als daß wir es ausschreiben sollten.