Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 45. (4.11.1886)
- Date
- 1886-11-04
- Page
- Seite 365 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 865 — starten angehörigen Personen befanden sich 10 Thoraschreiber, 4 Gymnastiker, 3 Studenten. 3 Kellner, 3 Zahntechniker, 2 Dienftmänner, 2 Kutscher, 2 Aufseher, 1 Reisender, 1 'Chirurg, 1 Agent, 1 Hausknecht, 1 Kapellmeister, 1 Unternehmer, 1 Matrose. — Von den 257 Handwerkern waren nach ihre»! Legitimationspapieren zu urtheiten, alle nur denkbare« Zweige des Handwerkes vertreten, voraus zu schließen ist, daß unsere 'Glaubensgenossen sich mehr auch diesem goldenen Boden zuwenden. — Von den Unterstützungsnehmeru waren 113 Personen über 60 Jahre alt, 77 über 50, 370 zwischen 30—50, 235 20—30, 80 unter 20, daß auch Schwindler sich an die Kasse herandrängten wird besonders erwähnt. Daß die Ausweisungen russ. Staatsangehörigen ans Preußen auch an der Kasse bemerkt wurde, läßt sich denken. Besonders im I. Quartal wurde von solchen die Kasse stark .in Anspruch genommen. — Bon den 875 Unterstützungsnehmern waren 65 aus 'Westfalen. 99 aus der Rheinprovinz, 265 aus Norddeutschland, 56 ans Süddeutschland, 389 aus Oesterreich, Rußland. Ungarn und Holland. Wir wollen unsere Mittheilung nicht schließen, ahne nochmals aus die Bedeutung dieses C.-A.-V. hinzuweisen. — Hat sich doch diese Institution in hiesiger Gegend so wirksam erwiesen, daß Vorkommnisse, wie eingangs geschildert, doch nur äußerst selten zu verzeichnen sind. Durch einen kleinen Jahresbeitrag zur Armenkasse schafft sich sogar der weniger Bemittelte eine Schutzwehr gegen das berufsmäßige Schuorrerthum. und er hilft Mitarbeiten au dem großen Werke der Menschenliebe, verkommene, verbummelte, arbeitsscheue Menschen auf bessere Bahnen zu leiten. Ahorn, den 31. Oktober. (Or.-Corr.) Am Sonntag, den 24. v. M., sand hier die Einweihung des neuen Schul- und Gemeindehauses in der mit den Büsten des Kaisers und Kroitpriuzen, sowie mit Blatipflanzen geschmückten Aula des Gebäudes statt. Zu dieser Feier hatten sich außer den Gemeindemitgliedern, den Schülern und Schülerinnen der jüdischen Elementar- und Religionsschule auch die geladenen Gäste: der Königliche Herr Landrath, die städtischen Behörden und die Directorcn der städtischen Schulen eingefundeu. Die Feier wurde mit dem voir den Schülern vorgetragenen -Choral: „Will Gott das Haus nicht hilsreich bauen", eingeleitet. Hierauf begrüßte der Vorsteher Herr Nathan Leiser die Anwesenden, dankte denselben für die durch ihr Erscheinen bewiesene Theilnahme, ging auf die Baugeschichte des Hauses ein und zollte allen denen, welche opferwillig weder Zeit noch Mühe gescheut, um einen schönen und herrlichen Bau. der auch der Stadt zur Zierde gereiche, herzustellen, im Namen des Vorstandes innigen Dank. Herauf übergab er dem Dirigenten der Schule und dem Lehrercollegium die Schule mit dem Wunsche, daß sie wachsen und gedeihen und das, was in ihr gelehrt und gelernt werde, den Schülern und der Gemeinde zum Segen gereichen möge. Herr Rabbiner Or. Oppenheim, Dirigent der Schule, hielt nun die Weiherede. Er hob hervor, daß schon in den ältesten Zeiten unsere Glaubensgenossen den Schulen die größte Fürsorge gewidmet hätten; sie feien der Mittelpunkt der Gemeinden gewesen, hätten die letzteren stets zusammengehalten, die schulen seien die wahren Pflanzstätten der Religion. Er ermahnte die Eltern, das Bemühen der Lehrer zu unterstützen und den Kindern auch zu Hause die Lehren der Religion und eines sittlichen Lebenswandels einzuprägcn und lhnen mit gutem Beispiel voranzugehen; der Redner schloß mit dem Gebet, Gott möge das Haus schützen und die Bemühungen der Lehrer gesegnete sein lassen. Dieser Festrede folgten deklamatorische Vortrüge einiger Knaben und Mädchen. Alsdann bestieg der Ghmnasial-Oberlehrer Herr Dr. Horo- Mitglied der Schulcommission, das Podium und verbreitete sich in einer längeren Rede, anknüpfend an die Worte des Psalmisten: „Wo der Herr nicht das Haus bauet, da haben vergebens gebaut, die daran arbeiten" über die Zwecke und Ziele der Schule.*) und die zur Erreichung derselben an die Lehrer und auch an die Eltern zu stellenden Anforderungen. Letztere sollten ihre Aufgabe durch Hecgabe von Mitteln für die Schule nicht als beendet ansehen. sondern gerade die sittlichen Zwecke ber Schule zu fördern und die Keime, welche die Schule nur legen köilne, im Hause und in der Fainilie weiter zn bilden, damit aus den Kindern Männer werden, die ber Gemeinde zur Zierde gereichm. Am Schlüsse seiner Rede brachte der Vortragende ein von der ganzen Versammlung mit Begeisterung aufgenommenes dreimaliges Hoch aus Se. Majestät den Kstser aus. Die Feier, welche in allen ihren Theilen in ernster und würdiger Weise verlaufen und jedem Theilnehmer lange Zeit im Gedächtniß bleiben wird, schloß mit dein von dein Männer- Synagvgen-Gesangvereine zu schönem Vortrage gebrachten Psalm 8: „Herr, unser Gott, wie groß bist Du." Jeder Besucher erhielt von den Festordnern ein Programm und eine vom Lehrer-Collegium zur Feier des -Lages herausgegebene Festgabe, deren Inhalt folgender ist: 1. Uever den wichtigsten Zweck des Religionsunterrichts von vr. Oppenheim; 2. „Ueber die Elemente der Grammatik nach Kimchi" von Lehrer Michaelis; 3. Schulnächrichten vom Lehrer Kramer; 4. Lehrplan und Lectionsplan der Schule. Der ernsten Feier folgte noch ein zwangloses, gemüthliches Zusammensein im Rathskeller hei einem Glase Wein und wurde hier in ernsten und heiteren Toasten aus das gute Verhalmiß der verschiedenen Canfessionen, aus unsere städtische Vertretung rc. und insbesondere auf das Gedeihen der Schule gar manches schöne Wort gesprochen. Der 24. Oktober 1886 wird sowohl in der Geineindewie Schulchronik unvergeßlich sein. Ehre der Gemeinde und deren Vertretung, die sich neben den materiellen insbesondere auch die idealen Interessen angelegen sein läßt. K Wir erhielten auch noch von anderer befreundeter Seite Berichte über diese schöne Feier, die uns ganz besonders sympathisch berührte. War ja Thorn die erste Gemeinde, in der zu wirken wir berufen waren, und war ja die Hebung und Förderung des jüdischen Schulwesens die Hauptaufgabe, der wir gleich beim Beginn unserer rabbinischen Laufbahn uns mit aller Hingebung, Liebe und Begeisterung unsere Kräfte widmeten.**) Wcr fanden aber auch in Thvrn einen empfänglichen Boden für diese Bestrebungen, Männer, die für unsere Pläne zugänglich waren und mit religiösem Eifer an ihre Verwirklichung gingen; ohne solche „Männer der That" ’ITJX) nützen die bestgemeinten Ideen nicht, denn sie gelangen nicht zur Realität, sie treten nicht in die Erscheinung. Daß dies Letztere der Fall war, daß die Saaten ausgingen, das ist diesen hochachtbaren Männern zu verdanken. Wir gedenken da in erster Reihe des unermüdlich auf diesem Gebiete nicht blos durch Worte, sondern durch lebendiges Beispiel und Vorbild thätigen Vorstehers Herrn Nathan Leiser V'ST, dem es vergönnt war. an der Krönung des Werkes, der Weihe des neuen Schul- und Gemeindehauses, hervorragenden Antheil zu nehmen. In unserem Gedächtnisse leben auch die Männer Julius Lachmann, Jacob Landecker — die beide das Zeitliche bereits gesegnet, (ihr Andenken sei gesegnet!) — Davld Feilche nfeld. Moritz Heilfronn. und einige Glieder der Familie Kal is ch er; die alle zu den rmsxa "»22 DpDlS gehörten, zu den Männern, die aus Liebe zur Religion mit Gewissenhaft u>id Ausdauer — d. h. — das Wohl der Gemeinde in ihrem Haupttheile, in der Heranbildung der *) Der gesch. Redner würde viele Leser zn Dank verpflichten, ivenn er eine L>kizze seiner Rede in dies. Bl. veröffentlichen würde. ) Es war am 1. Juni 1862, da wir in's Rabbineramt, mit - * tu“9. der Schale verbunden war, installirt wurden; am 11. Jum fand die Prüfung der gesummten jüd. Schuljugend statt, und am lo. Jum wurde die Elementarschule mit 21, die dreiklassige Relii Q>r‘* l-fJC^U*e stlü 86 Schülern eröffnet. Bei unserem Abgänge (Ostern lbb7) blo 8aH öcc ct,tcm aili 48 ("l 2 Klassen). die der letzter,-, auf 146 (m 3 Knaben- und 4 Mädchenklassen) gestiegen. Die Elcmen» tarschule hat jetzt 62 Schüler in 3 Klassen rQ-p p