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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-11-04 · N° 45. (4.11.1886) · p. Seite 362

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 45. (4.11.1886)
Date
1886-11-04
Page
Seite 362 (sequence 2)
Language
German
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V — 362 — der Urgroßvater die Urgroßmutter nahm." — „Aber. Herr vr., Sie empfehlen mir, vor Gericht, als Grund meines Austritts „religiöse Bedenken" vorzugeben, dieZich doch nicht habe." — „Nun, so belehrt der fromme Hirte, das ist ja nur eine leere Formalität". — „Wie, Herr, können Sie mir eine solche ehrlose Handlung zumuthen." Nun, denn nicht, lieber Mann, denkt der Ehrenwerthe und geht in gewohnter Weise, nicht beschämt, aber doch unverrichteter Sache von dannen. Ja, das leidige Geld — hio haerefc aqua — welche Concessionen müssen um dessentwillen gemacht werden, die einer orthodoxen Gemeinde doch so wenig anstehen. Da will ein sehr reiches Gemeindemitglied, das aus Ecsparnißgründen sich confessionslos erklärt hat. seinen Sohn, der in der Schule am christlichen Religionsunterrichte Theil genommen hat, Bar-Mizwa werden lassen. Guter Rath ist thencr; denn die Hauptgemeinde lehnt es selbstverständlich ab, diesen Act in ihrer Synagoge vollziehen zu lassen. Doch wozu wäre eine Separatgemeinde da? Ist diese doch auch in ihrer Auffassung über das, was sich geziemt, separat; sie kennt in ihrer Duldsamkeit keine Schwierigkeit — wenn nur das Geld im Kasten klingt. Wer vermöchte nicht aus seinem Bcobachtungskreise ähnliche Histörchen mitzutheilen! Auch uns fehlt er nicht an einer Fülle weiteren interessanten Stoffes. Doch, wozu noch mehr? Das Mitgetheilte genügt, um darzuthun, daß es sich bei dem zu gründenden Bereine in erster Reihe um die Sicherung und Subventionirung der bereits bestehenden Separatgemeinden handelt. Aber eine andere Frage drängt sich auf. Ist die Bildung von Separatgemeinden denn in der That durchaus zu verwerfen? Mag auch der Riß, der durch die Gemeinden Deutschlands geht, immerhin tief zu beklagen sein, einen nicht zu unterschätzenden Vorzug besitzen diese Separatgemeinden: sie läutern die Gemeinden, indem sie jene Elemente anziehen und ausnehmen, die den Hauptgemeinden nicht zur Zierde zu gereichen pflegen und erinnern somit an ein drastischer Bild, das der Orientalist Johann David Michaelis in seiner „orientalischen und exegetischen Bibliothek" (20. Theil S. 94) einmal angewendet hat.*) Dennoch rufen wir unseren Glaubensgenossen, insbesondere den Einflußreichen unter ihnen, wiederholt das Wort zu: oavsarck oou8u1s8l Der Unterricht im Hebrinsch-Lesen. Ein Beitrag zur „Methodik der jüd. Religionsschule". Von Js. Herzberg, Lehrer der hebr. Sprache an der Gemeindereligionsschulc zu Jnowrazlaw. (Fortsetzung.) Im weiteren Verlaufe des Unterrichts gesellt sich zu dieser angeführten Schwierigkeit noch eine andere, und daS ist der Umstand, daß das Kind Wörter und Sätze zusammen zu lesen hat, deren Sinn und Bedeutung ihm gänzlich fern liegt. So lange die althergebrachte Lehrweise in Uebung bleibt, werden wir mit dieser Schwierigkeit zu rechnen haben, die bei Erlernung jeder anderen Sprache sich nicht bemerkbar macht. Denn bei Erlernung der meisten anderen Sprachen, als: Latein, Englisch, Französisch, greift ein ganz anderes Verfahren Platz, tritt die Arbeit eines Lesen-lernens gar^ nicht erst an uns heran. Da geht man von Vokabeln und Regeln auS, sodaß daS Kind sofort ein Verständniß für dar Erlernte gewinnt. Ein anderer Uebelstand. der die Arbeit des Lehrers sehr erschwert, ist die Ungleichmäßigkeit in dem Wissen und Können und in den Fähigkeiten der Kinder, die aus den verschiedensten Schulen und Klassen kommend, in der Religionsschule wieder zu je einem harmonischen Ganzen vereinigt werden sollen. Wenn wir uns vor alle diese angeführten Schwierigkeiten bei Erstrebung unseres Zieles gestellt sehen, und all der Mühseligkeiten und des oft fruchtlosen Bemühens gedenken, die dieser Unterrichtsgegenstand mit sich führt, dann wird sich unwillkürlich die Frage uns auforängen: „Warum erlernt das Kind daS Deutsch-Lesen so schnell und leicht?" Eine Antwort aus diese Frage flnden wir. wenn wir uns die ganz anoers gestalteten, weit günstigeren Unstände vergegenwärtigen, unter welchen das Kind das Deutsch-Lesen erlernt, die ganz dazu angethan sind, dem Lehrer wie dem Schüler die Arbeit um Vieles zu erleichtern. Dem Kurde bietet sich hier mehr Gelegenheit zum Lesen, und dieses selbst bietet ihm gar oft eine interessante, unterhaltende Beschäftigung. Durch Märchen- resp. Bilderbücher erhält es immer mehr Anregung, mit dem Lesen sich zu beschäftigen. Im Elternhause hört es Zeitungen, Bücher lesen, und es wird sich bemühen, das Gehörte selbst wiederlesen zu können. Geht es über die Straße, liest es die Firmenschilder, tritt neugierig au dieses oder jenes Schaufenster, um die Ankündigungen zu lesen. So findet es stets und allüberall Gelegenheit, zu lesen, und viel und oft zu lesen. Und durch das viele und mannigfache Lesen Prägt es sich nach und nach die Wortbilder in immer größerer Zahl ein, und die Bekanntschaft mit denselben wird immer reicher und sicherer, sodaß es schließlich nicht mehr genöthigt ist, zu buchstabiren, sondern das Wort sofort auf den ersten Blick wiedererkcnnt. Es ist dies auch gauz natürlich. Die Schrift ist das Bild der Sprache. Um diese Schrift schnell und leicht lesen zu können, muß das Auge aus' den ersten Blick jedes einzelne Wortbild ersaßt haben, das heißt die Aufeinanderfolge der einzelnen Schriftzeicheu in einem Wort, und zwar so lange, bis es dasselbe behält und sich daran gewöhnt hat. Dies wird uns klar, wenn wir uns folgende Thatsachen vergegenwärtigen. Dasjenige Kind, welches bereits einige Uebung im Hebräisch-Lesen besitzt, wird sofort die etwa sich vorfindenben Fehler in einem, ihm schon hinlänglich bekannten Lesestücke bemerken an der fremdartigen Gestalt, an der entstellten Physiognomie, in welcher das Wort ihm entgegentritt. Würde beispielsweise der ihm zu Genüge bekannte Satz: r'nvn abn?1? p 2iet2 t6 nin etwa tu folgender, fehlerhafter Gestalt vor fein Auge treten: mro nb*b p 21 n p nb «nft *) Warum führt der geehrte Herr Einsender das Bild hier nicht weiter aus? Es dürfte den Meisten unbekannt und das citirte Werk wird wohl nur auf Universitätsbibliotheken, — höchst selten im Privatbesitz — zu finden sein. (Red.) es würde sofort stutzig und auf das Fehlerhafte aufmerksam werden, wenn es auch nicht die Fähigkeit besitzen wird, dies grammatisch zu begründen. Dies beweist zur Genüge, daß sich der Seele desjenigen, der richtig liest, die richtigen Wortbilder eingepragt haben. Legen wir einem Kinde, das sonst eine vollständige Lesefertigkeit sich erworben hat, etwa ein chaldäisches L-tück aus dem Buche Daniel vor, so wird es nur schwer vorwärts kommen, eben weil es sich auf einem ihm unbekannten Gebiete befindet, weil es Wörter zu lesen hat, deren Bäder sich seinem Gedächtnisse noch nicht eingeprägt haben. Selbst ein Erwachsener wird bei solcher Probe diese Thals ache bestätigen. Somit ist zur Erzielung einer Lesefertigkeit vor Allem die Gewöhnung des Auges an das richtige Wortbild erforderlich, sodaß das einmal gelesene Wort sofort wieder erkannt Kffl Sannnk tigen wh und m t und sttgtsühüe, man ihr es sprich Lesefertig sobald d als ein j ZusanM Thal der der fertig feit nur auch dur> Kinder, l wenn sie sie wirklii ander, so auch wen! derselben rw, Qi ,r' rr weil sie d jenes Woi Wich lichen den bräischen Raaße zi himusgesl und nach Mel, Ile Lesegewan! dm jüdiscl auf das a so kurz be unzureicher Aule im \m Siiitz i Tas Wgthum Jte Lchi Tages Las!cha» im r [S iit Wüh Ich dasell berührt we M>ch da. «as vor Ä ■Weit des lchrers ^erziehe, Me ihm h»r Ci’ Wt Yln l% «tju

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