Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 43-44 (28.10.1886)
- Date
- 1886-10-28
- Page
- Seite 359 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 359 — \<r- Merlin Von dem verewigten Ludwig Löwe zirkulirt folgender edle Zug: Nahe vor dem Tode rief er seinen Bruder und sprach: „Unter meinen Papieren findet sich eine Mappe mit Schuldscheinen, deren Aussteller bedürftig sind. Diese Mappe soll unerösfnet verbrannt werden, damit Niemand die Namen der Armen erfahre!"—So recht eines Löwe würdig! Merkin. Der Magistrat hat in „dankbarer Anerkennung welche der verstorbene Or. W. Straß mann in langjähriger communaler Thätigkeit. insbesondere durch die mehr als zehnjährige Verwaltung des Amtes als Stadtverordneten-Vorsteher sich um das Wohl des Gemeindcwesens der Stadt 'Berlin erworben", beschlossen, die von der Familie des Verstorbenen geschenkte Marmorbüste Straßmann's im Zimmer 55 des Rathhauses aufzustellen. Merkin. Um vielfach ausgesprochenen Wünschen entgegen zu kommen, hat der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde für den Südwesten der Stadt eine neue Reügionsschule errichtet und den Prediger Dr. Apolant als Leiter ihr vorgesetzt. Meiköurg. Herr Max Schamberg, k. k. öfter. Consul in Pittsburg in Amerika (geboren in Heckholzhausen, Rab.- Bez. Weilburg) wurde vom oster. Kaiser durch das Geschenk eines goldenen Ringes mit werthvollem Edelstein ausgezeichnet. Herr Max Schamberg ist auch ein großer Wohlthäter seiner Glaubensgenossen. O. Dresden, Ende Oktober. (Or. - Corr.) Sonntag (den 24. d. M.) fand in Anwesenheit des Gemeinderaths, des Lehrer-Collegs, tvie des größten Theiles der Zöglinge in den Räumen der Religivusschnle die Einführung des Herrn Rabbinatsverweser Or. Winter als interinustischer Leiter der Schule statt. — Interessant dürste manchem der gesch. Leser das Faktum sein, daß der anerkannt treffliche I. Kapellmeister des hies. Residenztheaters, Herr Sänger, ein Sohn des verstorbenen Oberkautors von Mainz ist. Auch mehrere hervorragende Kräfte dieses Theaters sind in dieser Saison Israeliten. — Im December wird von einem hiesigen Gemeindemitglied eln den Zeitverhältnissen angepaßtes großes koscheres Restaurant im Centrum der Stadt eröffnet. Auch in Chemnitz wird, wie ich höre, ein solches in der Theaterstraße nebst einem Koscher-Fleffchwaaren-Geschäft eröffnet. Aus Mreskau erhalten wir folgende dankeswerthe Berichtigung: Das Gedicht: „Mein Glanbe" in Nr. 4t des „Jüd. Familienbl." ist nicht von Proseffor Schulz aus Breslau, sondern höchst wahrscheinlich von Or. Rup p aus Königsberg. Ich besitze das Gedicht im Manuskript aus dem Jahre 1866, welches den Namen des Letzteren als Verfasser trägt, und die Abschrift einer älteren Copie ist. — Dr. Julius Rupp ist 1809 in Königsberg geboren, studirte Theologie und wurde 1842 Divisionsprediger, wurde aber schon drei Jahre nachher wegen verschiedener, Anstoß erregender Reden, aus seinem Amt entlassen, worauf er im Jahre 1846 zur Bildung einer freien Gemeinde mitwirkte. Als ihn die deutschreformirte Burgkirchengemeinde in Königsberg zum Hofprediger wählte, versagte das Cultusministerium die Bestätigung. und ebenso wurde er von der Generalversammlung des Gustav-Adolf-Bereins zu Berlin als Depuürter des Königslberger Vereins nicht zugelassen, weil er der Kirche nicht mehr angehörte. Im Uebrigen lebt hier ein Professor der Theologie Schulz, der weder Consistorialrath noch freisinnig äst, hingegen lebt der gemäßigt-liberale Consistorialrath Schulz in Göttingen, und hat in diesem Jahre seine „Lehre vom heiligen Abendmahl" herausgegeben. Sollte jedoch einer der letzteren Herren in den letzteren Monaten gestorben, und das Manuskript vom obigen Gedichte in seinem Nachlasse gefunden worden sein, so würde ich noch immer dafür sein, daß das Vorgefundene Manuskript eine Abschrift, und Or. Rupp der Verfasser des Gedichtes sei. M. 8. Kanitz W.-Mr. Der Tod hat hier jüngst einen mit hohen Gaben versehenen und zu stolzen Hoffnungen berechtigten Jüngling aus dem Leben abberufen, den Obersecundaner Leo Leß aus Kgl. Neukirch bei Könitz. Derselbe verschied nach fünfmonatlichem Krankenlager, Sonntag den 2. Tag Chol-hamoed. Ein großartiges und recht feierliches Begräbniß wurde diesem, allzufrüh aus dem Leben gerissenen Jüngling zu Theil. Dasselbe fand Dienstag, den 19. nachmittags, statt. Das ganze Gymnasium gab ihm das letzte Geleit. Die Schüler und das Lehrerkollegium gingen vor dem Sarge, hinter demselben folgten außer den Herrn Rabbiner und Cantor die Schüler der Obersecunda, die dem Verstorbenen, als ihrem ehemaligen Mitschüler, einen kostbaren Kranz mit einer weißen Schleife und entsprechender Inschrift gewidmet hatten, dann eine stattliche Anzahl von Bürgern aus Stadt und Umgegend. Auf dem Friedhofe sang zunächst der Cantor, bevor der reich mit Blumen und Kränzen geschmückte Sarg in die kühle Erde hinabgesenkt wurde, einen Psalm. Darauf hielt Herr Rabbiner Or. Roth mit Rücksicht auf das zahlreiche, christliche Publikum trotz des Chol-hamoed eine sehr eindrucksvolle ergreifende Predigt. Der Tod des Jünglings hat selbst in entfernteren Kreisen große Theilnayme hervorgerufen. Er ruhe sanft! — M. L. in F. Stuttgart. Während der Festtage erregte in der L>yuagoge der neue Cantor, Herr Tannen bäum, berechtigtes Aufsehen; derselbe besitzt eine echte Tenorstimme, weich, biegsam, metallreich, und mit leicht ansprechender schöner Höhe. Mehr »och als die Stimme impouirt dem Hörer die seine musikalische Ausbildung des Künstlers. Herr T. hat schon vor dem Herrn Intendanten v. Wert her Probe gesungen. Die Stimme hat demselben so sehr gefallen, vaß er ihn sofort für unsere Oper zu gewinnen suchte. — Familieu-Rücksichten sollen jedoch die Ursache sein, daß der noch junge Sänger sich nicht wohl zur Bühnenlaufbahn entschließen mag. Lemberg. Bei dem Comits für die Abgebrannten in Stryi und Liskow sind hier bis Ende Juli d. I. 13,079 fl. eingegangen. Davon erhielten jüd. Arme in Stryi 4386 fl.. Arme ohne Unterschied der Coufession 7859 fl.; für die abgebrannte Synagoge wurden 622 fl. gesteuert, nach Liskow 210 fl. Das Comits hat sich sehr regsam bewiesen. Mest. Der Redakteur einer hiesigen jüdischen Zeitung, berüchtigt durch philosemitische Unzuverlässigkeit, früher die rechte Hand des verstorbenen orthodoxen Heißsporns Ignatz Reich, hat jetzt eine Polemik gegen die Anhänger der Richtung des Verstorbenen eröffnet, worin nicht sehr erbauliche Dinge von dem Treiben dieser Clique enthüllt werden. — — Als der Minister Trefort dekretirte: Jeder ung. Rabbiner muß wenigstens 4 Gymnasial-Klassen absolvirt haben, war Jammer und Klage und Opposition im Lager der Finsterlinge. Da aber der Minister nicht nachgab, geben die Herren klein bei und . . . fügen sich. Mom. Zu dem antisemitischen Congreß in Bukarest bemerkt der „Osservat. Romano", das Hauptorgan der Curie, daß die Beschlüsse dieses Congreffes das gebührende Mast überschritten hätten, da Don ihm andere Staaten aufgefordect worden seien, Gesetze zur Austreibung der Juden zu erlassen. Die römischen Päpste und die katholischen Geistlichen aller Länder hätten zu verschiedenen Zeiten den Israeliten Wohlthaten erwiesen, und dies hätten auch die »französischen Bekenner des Talmud in ihrer Versammlung vom 30. Mai 1806 aus den Vorschlag des Rabbiners Avigdor anerkannt. Madrid. Königin Christine hat unserem Glaubensgenossen Graf Abraham Camondo (aus Constantinopel) zn Paris den Karls-Orden verliehen — der erste spanische Orden, den ein Israelit erhalten. Zugleich ist der Karls- Orden einer der höchsten in Spanien. Amsterdam. Der Kriegminister hat verfügt, daß die jüd. Rekruten nicht, wie die übrigen, am 1. October, sondern am 24. d. M. ihren Dienst antreten sollen, damit sie--