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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-10-14 · N° 42. (14.10.1886) · p. Seite 343

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 42. (14.10.1886)
Date
1886-10-14
Page
Seite 343 (sequence 3)
Language
German
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— 343 Vorschlag des Ausschusses" — da hat man als wieder den omnipotenten „Ausschuß"! Was bleibt da von der Machtvollkommenheit des Vorstandes übrig? „Herausgabe und Verbreitung der Schriften!" — Aber auch dafür enthält der § 18 die summarische Bestimmung: der geschäftsführende Ausschuß . . . bereitet die zu stellenden Anträge vor" — also ein Antrag, der von diesem Ausschuß _ nicht vorbereitet ist, kann nicht zur Abstimmung im Vorstände kommen, es ist also diesem „geschäftsführenden Ausschüsse". der seinen Wohnsitz am Vororte hat also aus Mitgliedern der Hirsch'schen Separat-Gemeinde bestehen muß, gar nicht beizukommen! — Zwar besagt § 14: „Anträge, die von 3 Vorstandsmitaliedern, resp. unterstützt sind, ist derselbe (der gesch. Ausschuß) verpflichtet in Cirkel zu setzen" — also ist derselbe doch in etwas gebunden. Aber schon 8 15 ist das Hinterthürchen: „Alle Anträge und Beschlüsse müssen im Einklänge mit § 1 a stehen, welcher als Fundamental-Bestimmung unabänderlich ist." — Diesen faomsen ß 1 kennen wir schon: der geschäftsführende Ausschuß kann also jeden unbequemen Antragsdes Vorstandes, der durch die Vorderthüre des § 14 Einlaß fand, durch die Hinterthüre des ß 15, als nicht im Einklänge mit ß 1, hinausjagen. — Ebenso ergeht es den Anträgen, welche bei oberflächlicher Durchsicht nach § 8 von Seiten der Mitglieder als möglich erscheinen. § 8 besagt wohl: „Der Vereinstag hat insbesondere folgende Befugnisse . . . d. Beschlußfassung über Anträge von Mitgliedern, insofern solche 14 Tage von dem Vereinstage dem geschüftsführenden Ausschuß, mit mindestens 15 Unterschriften versehen, schriftlich eingereicht wurden." Was hilft das alles? Der geschäftsführende Ausschuß kann durch den §15 jeden Antrag, der etwa die Tendenz hätte, ultra-orthodoxe Streitsucht zu zähmen, von der Discussion ausschließen. Es kommt eben alles auf den geschüftsführenden Ausschuß an, alle andern Organe des Vereines sind vollständig impotent diesem gegenüber; die General-Versammlung, die überall alles kann, vermag hier gar nichts, selbst die Auflösung der Vereinigung auch nur auf Antrag des Ausschusses, worauf das Vermögen der israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. zur Verwendung im Sinne der Vereinigung zufällt. So stellt sich die Vereinigung dar als eine Organisation der orthodoxen Colonisirungs-Bestrebungen; diie Mutter-Colonie ist „die Israel. Rel.-Gesellschaft" zu Frankfurt a. M., und nach diesem Muster soll in allen deutschen Gemeinden Orthodoxie gezüchtet werden. Das Produkt wird ein Gezücht sein, das alle Friedensbande der Gemeinden ad majorem dei gloriam zernagen, den Frieden, ja den Bestand der Gemeinden, der nur auf Frieden beruht, in die schlimmste Gefahr stürzen wird. — Mögen sich die Gemeinden vorsehen, ehe es zu spät wird! Mögen alle, denen der Frieden der Gemeinden heilig ist, den Verblendeten die Augen öffnen, welche mit Unterstützung der „freien Vereinigung" ein, wie man ihnen vorredet, gutes, gottgefälliges Werk zu thun glauben! — _ (Schluß folgt.) Krrichle und Corresponbrnzerr. Deutschland. Illerkin, 10. October. Ein Synagogenbrand, der leicht von bedenklichsten Folge»» hätte begleitet sein können, wüthete gester»» (Jom kippur) früh auf dem Grundstück Alexanderstraße 52. Hier besii»det sich in der zlveiten Etage des dreistöckigen Hinterhauses die Lippmann Tauß - Synagoge, die eine»» saalartigen Rauin von fünf Fenstern Front einninunt. Darüber befindet sich eine Federhairdlung, während im ersten Dtock ein umfangreiches Felllager uutergebracht ist, auch das 2. Stockwerk diente, wie ein Aufzug noch zeigt, früher zu Lagerztvecken. Die „Post" fchildert den Vorgang folgendermaßen: In der Synagoge hatten vorgestern^ Abend bis u»n 9 Uhr Religionsübungen stattgefunden, nach Schluß derselben war ein Wächter, ein alter Jude, in dem Raume zurückgeblieben. Als sich um ein halb fünf Uhr früh der im selben Hause wohnende Schankwirth in sein Geschäftslokal begab, war noch nicht das Geringste zu bemerken gewesen. Kauin eine Viertelstunde später wrr der ganze Synagogenraum bereits mit dichtem Rauch erfüllt und vom Feuerschein hell erleuchtet. Der in der Synagoge zurückgelassene Wächter hatte, folgend den Satzungen seiner Religion, das hier durch Uinfallen einer Kerze entstandene Feuer nicht, wie es leicht möglich gewesen wäre, iin Keime zu unterdrücken gesucht, sondern war nur, als er die wachsende Gefahr bemerkte, zu dem bereits genannte»» Schankwirth gegangen, um ihn vom Ausbruch des Feuers zu verständigen. Erst dieser: schickte dann, da er selbst sein Lokal nicht verlassen konnte, einen zufällig pafsirenden Arbeiter nach der Feuerwehr in der Keibelstraße, die denn auch bald darauf auf der Brandstelle erschien. Nur der Entschlossenheit des Schankwirths ist es zu danken, daß nicht das ganze Haus dem Feuer zum Opfer gefallen ist. Die Feuerwehr ging sofort sehr energisch vor, riß den brennenden Altar und die vom Feuer erfaßten Sitzreihen nieder und warf die mit einer Handspritze abgelöschren Theile auf den Hof hinab. Auf diese Weise gelang es, dem Feuer verhältnißmäßig schnell Halt zu gebieten und bald jede Gefahr zu beseitigen. Vernichtet ist der Altar mit dem Synagogengeräth u»»d einige Sitze. Gestern früh um 7 Uhr begannen in dem intensiv nach Rauch riechenden Rau»ne bereits wieder Religionsübungen. Kamöurg, 11. Oktober. In Folge der sehr eindrucksvollen Jomkippurpredigt des Herrn Or. Leimdörfer, der viele Uebelstände an der Tempelgemeinde scharf geißelte — mangelnden Religionsunterricht, mangelnden Gottesdienst, mangelndes Interesse an jüdischer Wissenschaft — veröffentlicht ein Zuhörer im „Hamb. Fremdenblatt" ein „Eingesandt", das ich Jhlien zur Charakterisirung der religiösen Zustände in der hies. Gemeinde mittheile. Es heißt darin: „Einsender dieses, der aufgeklärtesten Richtung des Judenthums angehörig, Vater von zrvei, das Gymnasium besuchenden Knaben, hat das Fehlen eines systematisch geordneten Religionsunterrichts, »vie er den Schülern aller anderen Confessionen zu Theil wird, schon längst schwer empfunden und als einen entschiedenen Nachtheil für die »noralische Entwickelung der Kinder beklagt; was beispielsweise in Breslau möglich, wo die israelitische Gemeinde seit vielen Jahren zwei Religions-Unterrichts-Anstalten beider Richtungen mit größtem Erfolge unterhielt, »vird das bedeutend größere Hamburg doch auch wohl schaffen können. Nicht minder wird so manches Mitglied des Tenrpels, »venn es einem theuren Dahingeschiedenen pietätsvoll die Ehre des Kaddisch erweisen wollte, es schwer betrauert haben, die Pforten des Tempels an Wochentagen geschlossen zu finden und auf die gütige.Duldung einer anderen, seinen Principien fer»»stehenden Genreiirde angewiesen zu sein, wenn es der Pflicht seines Herzens Nachkommen »vollte. Wer schließlich Zeuge des regen Interesses, ja geradezu der Begeisterung gewesen, mit der vor zrvei Jahren die Hörer den Vorträgen aus dem Gebiete der Wissenschaft des Judenthums folgten, wird es unbegreiflich finben, daß aus Mangel, an Betherligung diese Vorträge bisher nicht »vieder aufgenommen worden sind; sollte »virklich so »venig Interesse für derartig ideale Bestrebungen in den» Judeuthu»»» vorhanden sein, »velchein noch jüngst aus dem geiviß unparteiischen Munde eines Virchow das Zeugniß gegeben wurde, Hort und Pflegestätte des Idealen und Gemeinnützigen zu sein! Möge der Mahnruf des beredten Predigers nicht ungehört verhallen." Irveivrückert in Tischri. Herr Bezirksrabbiuer Dr. Mayer erläßt alljährlich vor Jo»»»kipper eure Art Hirtenbrief an die Gemeinden seines Sprengels zum Zwecke des Verlesens in den Synagogen an» Kolnidre-Abend. Der dies-

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