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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-10-07 · N° 41. (7.10.1886) · p. Seite 337

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 41. (7.10.1886)
Date
1886-10-07
Page
Seite 337 (sequence 5)
Language
German
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— 337 — anberaumt worden wäre, wenn anders mit Sicherheit bekannt war, daß gerade der Ersteher jüdischer Confessio» ist. Anderseits ist aber hervorzuheben, daß das persönliche Erscheinen des Beschwerdeführers in dem Termine nicht unbedingt erforderlich ist. da derselbe sich vertreten lassen kann. Die Kosten der Beschwerde bleiben außer Ansatz. B. 24. 9. 86. Königl.. Landgericht." Nun wird H. N. trotz der bedeutenden Anwalts-Gebühren den Termin nicht selbst wahrnehme», sondern sich! vertreten lassen, denn dafür ist er Bürger eines Staates, in j dem den Juden nach den zur Zeit geltenden Bestimmungen! das Recht nicht zusteht, die Anberaumung von Terminen! ans andere, als auf die Sabbaths- und Festtage zu fordern. j Die Verlegung des Termins auf einen früheren Tag, als den 30. Sept. hätte kein Privatrecht alterirt. Köln, 27. September.' (Or >Corr.) Am Samstag, den 25. d. M., fand das bereits in diesem Blatte angezeigte 25jährige Jubiläum des Vorstehers des hiesigen Synagvgengemeindevorstandes, Herrn Jacob de Jonge, statt. Bor-! mittags um 11'/, Uhr versammelten sich in dem festlich ge-! schmückten Sitzuugssaale d r Gemeinde der Rabbiner und die Beamten, der Borstarid und die Repräsentanten der Gemeinde. Rabbiner vr. Frank hielt im Namen der Synagogen-Gemeinde und der Beamten eine Ansprache an den Jubilar iind hob besonders hervor, wie derselbe in großer Selbstverleugnung eigener Ueberzeugung und Anschauung über Religion und ihre Anforderungen stets den religiösen Ansichten der Gemeinde gerecht zu werden, bestrebt war. Herr Stadtverordneter Lieb mann. Vorsteher-Stellvertreter, gratulirte im Namen des Vorstandes, Herr Gustav Fleck im Namen der Repräsentanz. Eine kunstvolle, mit vergoldetem ' Silber bearbeitete, aus der äußeren Seite ein Abbild der Synagoge darstellende Adresse ward dem Jubilar als Zeichen der Anerkennung und Würdigung seiner Verdienste um die Gemeinde überreicht. Der Jubilar, umgeben von seinen vier Söhnen, dankte sichtbar ergriffen in beredten Warten. Im Hause des Gefeierten erschienen nun Deputationen hiesiger Wohlthätigkensvereine, des Frauenvereins, der Waisenstiftung u. A. und überbrachten sinnige Zeichen zum Festtage. Der Rabbiner überreichte als Zeichen der persönlichen Werthschätzung und des steten friedlichen Einvernehmens zwischen Verwaltung und Rabbinat einen in deutscher und hebräischer, poetischer, Sprache abgefaßten Segensgruß mir entsprechender Einfassung. Der Deutsch-Israel. Gemeindebund hatte gleichfalls eine Adresse übersandt. Auch zahlreiche Telegramme und Gratulationen von auswärts begrüßten den Jubilar. Abends fand im Jsabellensaale des hiesigen berühmten Gürzenich unter zahlreicher Beteiligung ein Banket stall. Den ersten Toast brachte der Rabbiner aus Sr. Majestät, hen Kaiser aus, dem das „Heil Dir rc. folgte, zahlreiche^ Toaste auf den Jubilar und seine Familie, aus die Verwaltung. die Repräsentanz, den Rabbiner, sowie ernste und heitere Tischlieder würzten das Mahl, das die Festfeicrnden bis spät über Mitternacht hinaus zusammenhielt. Herr de Jonge hat in dieser Feier den Ausdruck der Achtung und der Anerkennung gefunden, die sein selbstloses, rastloses Streben für das Wohl der Gemeinde in vollem Maße verdiente. Gebe Gott dem Jubilar noch eine lauge Reihe von Jahren die ungetrübte Gesundheit und Frische des Geistes, deren er sich bis heute erfreut! Inororazkarv, 26. Sept. (Or.-Corr.) Eine denkwürdige und ernste Feier hat am heutigen Tage die hiesige Gemeinde begangen. Der neuerbaute Friedhof wurde unter großer Betheiligung beider Confessionen von unserem Herrn Rabbiner vr. Kohn eingeweiht, der in geistvoller Weise und mit beredten Worten die Bedeutung dieser Gemeindeinstitution darlegte. Durch diese Institution, deren Anlage der hiesigen Gemeinde zur Ehre gereicht, hat dieselbe sich ein dauerndes Denkmal errichtet. Die ganze Einrichtung ist wahrlich eine großartige, und ist unseres Wissens kaum in irgend einer andern Gemeinde Deutschlands (außer Berlin) eine derartige Anlage in dieser Größe und Schönheit anzutreffen. Neben dem kathol. und dem protestantischen Kirchhofe gelegen, die ebenfalls vor nicht langer Zeit in Benutzung genommen sind, ist unser Friedhof an der Vorderfront von einer schönen, großen Mauer eingefriedigt, in deren Mitte sich das Eingangsthor befindet, das in großen Buchstaben die Aufschrift zeigt: „Eingang zur Ruhe." pfr ‘ÜHCTI Hl» Rechts befindet sich die große, schöne Leichenhalle mit daran sich schließendem Waschhause und Keller für die Vollziehung der „Tahara". Links vom Eingänge befindet sich das Gärtnerhaus nebst Bureau. Die anderen Seiten des Friedhofes werden von jungen Tannen eingerahmt. Ueberall treffen wir parkähnliche Anlagen an, die das Auge erfreuen. Nach menschlicher Berechnung genügt die Anlage für 4 Jahrhunderte. Möchte doch eine solche Opferwilligkeit zur Verherrlichung unserer religiösen Institutionen unserer Gemeinde stets erhalten bleiben! Die Feier selbst hat in würdiger, angemessener Weise stattgefuuden. Vor und nach der Weihe - rede trug der Herr Obercantor Saretzki einen Psalm vor. Der bisher benutzte Friedhof, der ein hohes Alter aufzuweisen hat, soll, wie wir hören, nunmehr geschlossen und topographisch ausgenommen werden. Einem Forscher würde sich hier ein interessantes Stück Arbeit bieten. Stuttgart, 28. Sept. (Or.-Corr.) In der Nacht vom Samstag auf Sonntag verschied hier an einem Schlaganfall, der erst vor einigen Tagen hierher übergesiedelte Rabbiner Elkan Weimann aus Buchau Geboren zu Treuchtlingen (Bayern) 1818, besuchte W. die dortige evang. Volksschule und lernte später bei R. Guggenheim in Kriegshaber, von wo aus er gleichzeitig das Gymnasium im nahen Augsburg besuchte. 1839—43 besuchte die Universität in München und setzte die hebr. Studien bei dem sel. Rabb. Aub fort. Nachdem er 1844j6 als Hauslehrer in Fulda und Büdingen gewirkt hatte, war er 1847j61 Rabbiner in Wellhansen (Bayern), dem Heimathsorte seiner Frau, 1861 Rabb. in Heilbronn und von 1862 bis 1886 in Buchau. Seit drei Jahren war er kränklich und konnte seinen Funktionen nicht mehr Nachkommen. Er war ein sehr tüchtiger- Kanzelredner. Am Leichenbegängnisse nahmen auch drei Vorstandsmitglieder von Buchau theil; von den Rabbinen des Landes war wahrscheinlich wegen des nahen Festes keiner erschienen. Am Grabe sprach Kirchenrath vr. v. Wassermann und gab ein treffliches Lebensbild des Dahingegangenen. Namens der Gemeinde Buchau hielt Herr Lehrer Straßburger von dort einen innigen Nachruf. Oesterreich-Ungarn. Iest, im September. (Or.-Corr.) (Fortsetzung.) Als das erste Mal die allgemeine Meinung ausgesprochen worden war, Rabbi Lazar Löw sei der geeignetste Candidat für den aut.-orth. Rabbinersitz in Pest, wurde von der orth. Landeskanzlei auf den Umstand aufmerksam gemacht, daß Ujhely eine 8tatu8-quo-Gemeinde sei, deren Rabbiner und Funktionäre eben so sind als die Rabbiner und Funktionäre der Congreß-Gemeinden. Um diesen Einwand zu nichle zu machen und ihren Rabbiner den Weg zum Rabbinatsstuhle der hiesigen aut.-orth. Gemeinde zu ebnen, hat sich die S. A. Ujhelyer isr. Gemeinde als aut. orthodoxe Gemeinde conftituirt. Doch der Liebe Mühen waren vergeblich; die Gegner des Herrn Löw machen geltend, daß die S. A. Ujhelyer Gemeinde bis zu diesem Augenblicke eine Status quo-®e* meinde gewesen und Herr Löw nie den Versuch gemacht habe, die Gemeinde zur Conftituirung als aut. orthodoxe zu bewegen, er sei daher ein prinzipieller Anhänger der Status quo-Gemeinden, welche in gleicher Acht und gleichem Banne mit den Congreßvulgo Fortschrittsgemeinden stehen, und die jetzige Conftituirung sei eine einfache Maskerade, um die Orthodoxen zu dupiren. Diese Einwürfe fallen um so schwerer ins Gewicht, als man selbst vom unparteiischen Standpunkte aus die Gegenbemerkungen der Anhänger Löw's, daß Ujhely bisher gar nicht constituirt, also auch gar keine

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