Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 40. (1.10.1886)
- Date
- 1886-10-01
- Page
- Seite 330 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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330 — führt und gezähmt hatte, glaubte auch das erwähnte feurige Streitroß*) der Orthodoxie zu beherrschen und nach seinem W Uai leiten zu können. Darin hatte er sich aber getäuscht. Zwischen Reich und Rabbi CH. Schreiber entstand eine heftige Fehde, die bis zu dem Tode des Letzter» am 28. Juni l. I. (s. Nr. 29 d. Bl.) fortwährte, wodurch das Ansehen der orth. Landeskanzlei nicht nur bei den meisten orthodoxen Gemeinden, sondern auch in den Augen der Regierung an Bedeutung verloren, ja säst auf Null herabgesunken. Besitzt nun R. gegenwärtig nicht mehr den Einfluß, um den Mann seiner Wahl auf den Rabbinersitz der Pester aut. orth. Gemeinde zu setzen, so hat er immerhin noch so viel Einfluß, um dem ihm mißliebigen Candidaten Hindernisse in den Weg zu legen. Ihm wäre Rabbi Szoser. früher in Kis-Kun'Holas, seit Anfang Juni l. I. Rabbiner der aut. orth. Gememde in Paks, Verfasser des agadischen Sammelwerkes Blpb\ Bruder des seligen R. Chajim Szoser am genehmsten. R. Sußmann Szoser, „der halaser Raw", erfreut sich des ausgebreiteten Rufes eines charaktervollen und sehr frommen Mannes und eines ausgezeichneten Kanzel, redners, resp. Maggid's. Der Mann besitzt demnach die Fähigkeiten, um bei geschickter Leitung einen bedeutenden Einfluß auf die aut. orthod. Gemeinde und dann mittelbar auf die übrigen aut. orth. Gemeinden im Lande zu üben. Andernsallß ist Rabbi Sußmann doch keine solche Autorität, wie sein Bruder Rabbi Chojim war, namentlich nicht auf halachischem Gebiete; ersterer würde doch nicht soviel Selbstvertrauen besitzen, um auf die Mithilfe der Laudeskanzlei ganz zu verzichten oder gar den Kamps mit ihr aufzunehmen, wie dies doch der letztere gethan. Zudem ist Rabbi Sußmann pastoralklüger, oder, wie es die Orthodoxen nennen: „mehr Diplomat", als sein verstorbener Bruder, er würde also leichter Wege und Mittel finden, sich aus Parteidisziplin mit dem Leiter der orth. Landeskanzlei zu verständigen; als Kenner der Midraschim würde er sich zur rechten Zeit an die Deutung des Midrasch zu Psalm 32,9 erinnern. Herr Reich sieht also in R. Sußmanu Szoser den Mann, durch dessen Autorität er wieder seinen vollen Einfluß auf die hiesige aut. orth. Gemeinde und sodann durch letztere mittelbar auf sämmtliche Gemeinden des Landes gewinnen könnte, von dessen Autorität aber nicht zu befürchten steht, daß er es wagen sollte, sich ganz aus selbstständige Füße zu stellen. Doch hat Herr Reich wenig Aussicht, diesen seinen Erkorenen durchzubringen, vielmehr wendet sich die Majorität der aut. orth. pester Gemeinde, wie erwähnt, Herrn Lazar Löw, Oberrabbiner zu S. A. Ujhely zu. Dieser, ein Mann in den besten Jahren, 48—49 Jahre alt, ist ein scharfsinniger, tüchtiger Talmudist, der auch einiges profanes Wissen sich ungeeignet haben soll. Seine Ahnen, fein Vater und Vorgänger, Rabbi Jeremias Löw in S. A. Ujhely, sein Großvater Verfasser des mim*», weil. Oberrabbiner in Groß - Tapolcsany und sein Urgroßvater H, Verfasser des HpH sVL? weil. Oberrabbiner in Lipto-Szent-Miklos, gehörten zu den berühmtesten Rabbinen Ungarns, denen er sich würdig anreiht. Er ist ein sehr energischer und entschiedener Charakter; wie sein Vater ist er ein heftiger Gegner der Chassidim, die er mit unerbittlicher Schärfe bekämpft; wie sein Vater, der zue Congreßzeit eine gesonderte, versöhnlichere Fraktion um sich geschaart hatte, hat er sich nie der von dem Laien Jtzig Reich dekretirten Orthodoxie untergeordnet, im Gegentheil hat mit seinem Mitwissen die S. A. Ujhclyer Status - quo - Gemeinde in den Jahren 1877/78 einige scharfe Episteln gegen das Paschawesen der orth. Landeskanzlei versendet und die Gemeinden zur Abhaltung eines Gemeindetages, eventuell zur Schaffung einer CentraUeitung der 8tatus-quo-Gemeinden aufgefordert. Daß Herr I. R. diesem Manne nicht wohl will, ist leicht *) Bibelkundige Leser werden in diesem Vergleiche nicht die geringste Beleidigung erblicken. In den zahlreichen Hespedim, die über ihn gehalten worden, wurde er, R. Chajim Szoser, von seinen treuesten Verehrern als „Kriegswagen und Kriegsroß Israels" bezeichnet. (Cor.) ersichtlich und daß er bemüht ist, ihm alle möglichen Hindernisfe in den Weg zu legen, versteht sich von selbst. (Schluß folgt.) piksen, im September. (Or.-Corr.) Die Zahl der jüdischen Schüler in den hiesigen Mittelschulen hat trotz der ansehnlichen Erhöhnng des Schulgeldes eher zugenommen, als abgenommen. Am Gymnasium sind circa 200 nnd an der Realschule über 80 Israeliten eingeschrieben worden. Von der Aufnahmeprüfung in Religion sind nur diejenigen befreit, welche in ihrem Volksschulzeugniß Die Note „gut" oder „sehr gut" haben. Hierbei wäre freilich der dringende Wunsch auszusprecheu. daß die Lehrer auf dem Lande etwas rigoroser mit der Ertheilung dieser Note umgingen und sich von keinerlei Rücksichten beeinflussen ließen. Zwischen der „guten" Note und dem wirklichen Befunde liegt oft eine sehr traurige Kluft, die den Religionslehrer am Gymnasium in die üble Lage versetzt, das Urtheil des Volksschullehrers mit einem gründlichen Durchfallealassen des unwissenden Schülers zu desavouiren. Unser Glaubensgenosse Dr. S. Gottlob, Dicector der k. k. Staatsgewerbeschule. ist vom hohen Ministerium zum Inspektor der gewerblichen Fachschulen für einen großen Theil von Böhmen ernannt worden. An der Staatsgewecbeschule bekleidet übrigens noch ein Israelit (Dr. Kohn) eine ordentliche Professur. In Betreff einer jüngst in Ihrem gesch. Blatte angeregten Frage sei bemerkt, daß hier, wo, nächst Prag, die meisten jüdischen Trauungen Vorkommen, alle im Tempel vorgenommen werden müssen und Haustrauungen nur mit Bewilligung des Rabbinats und des Tempelvorstandes in dringenden Ausnahmefällen gestattet werden. Aber auch aus dem Lande ist die Trauung im Tempel, wo sich ein solcher befindet, durchgehende Regel. Frankreich. Baris, im September. Wie die „Arch. Jsr." berichten, haben sich sieben Kandidaten für die Stelle des Liller Oberrabbinates gemeldet. Bei den Leichenfeierlichkeiten des Metzer Bischofs Dupont hatte sich auch eine jüdische Dame, Madame Coralie Cahen, betheiligt, die eigens zu diesem Zwecke von Paris nach Metz gereist war. Die Dame hatte sich früher bei allen Wohlthätigkeitswerk-n der Stadt Metz betheillgt, so daß der Bischof ihr einst das eigenthümlicheCompliment gemacht, daß sie inWahrheit „eine christliche Seele" sei. (Sie wird wohl vorchristlich sein!) Nach demselben Blatte wurde eine jüdische Dame, Fräulein Gabrielle Levy, die zur Vertretung einer Beamtin den Postdienst in dem Bureau zu Beauval (Somme) versehen, in dem Postgebäude ermordet. Diebe sind in das Gebäude eingedrungen und haben die Postkasse ausgeplündert. Der Mörder ist verhaftet. — Aus Verlassung des Hinscheidens der Frau Baron James v. Rothschild, der großen Wohlthäterin der Stadt und jüdischen Gemeinde in Paris, wurde Donnerstag, den 9. d. M.. eine Gedüchtnißfeier in der Synagoge (rue de la Yictoire) veranstaltet. — Das „Journal offiziell" meldet, daß die Familie Rothschild aus Veranlassung des Hinscheidens der Frau Baron 50,000 Franken dem öffentlichen Wohlthätigkeitsbureau zugewendet, mit der Bestimmung, daß diese Summe zur Unterstützung armer und hilfsbedürftiger Reconvalescenten verwendet werde, welche die Hospltäler in Paris verlassen. _ Vermischte und gUtuße Nachrichten. ZterN« Der Privatdozent Dr. Gabriel, Assistent an dem ersten chemischen Universitärsinstitut, ist zum außerordentlichen Professor d« philosophischen Fakultät der hiesigen Universität ernannt worden. Benno Löwenberg, ein deutscher Arzt, der seit über 20 Jahren als Spezialist für Ohren- und Halskrankheiten in Paris eine bekannte Kapazität ist. ist zum Mitgliede der Leopoldinifch-Karolinifchen Akademie zu Halle ernannt worden. (Die l Ferdin fch'ors Oden 8 schüft" Mitthe Rabbii Quelle Jrrthu der vc $ Traue manch dies i< schüft seinen Biogl ftorkii ehrend! lung t i der kö schatte Der $ auf de DieA gern seierln halten Militi die W aller Eindr> zu nei vor. S zahlm rege 1 unsere trübtej Die ä d>-» die an dein ( Punkt Witz il C südliche land ar außer, k Nä Somme oatoti cheiligu veerdigt