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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-10-01 · N° 40. (1.10.1886) · p. Seite 329

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 40. (1.10.1886)
Date
1886-10-01
Page
Seite 329 (sequence 5)
Language
German
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— 329 — Verlust seines Lehrers beklagt, eine selbstverfaßte, patriotische, sehr ansprechende Dichtung zum Vortrag gebracht. — In unserer Schwestergemeinde Chemnitz ist bekannt« lich das Wachsthum ein ziemlich rapides. Als Beispiel diene, da „Zahlen sprechen", daß nicht nur die kleine ca. 250 Personen fassende Synagoge überfüllt ist. sondern daß auch in dem dieses Jahr zum erstenmal für die hohen Festtage eröffneten zweiten Betsaal über 150 Plätze belegt sind. Hern Rabbiner Dr. Mühlfrlder wird abwechselnd an beiden Orten predigen. Den Bemühungen des Cantor Herrn Weisstock ist es gelungen, versuch-weise für die hohen Festtage einen Kinderchor zu instituiren. Zur Chemnitzer Gemeinde gehören auch die in Gablenz. Hohenstein, Oederan, Aue, Reichenbrand, Drehbach rc. seit neuerer Zeit wohnhaften Israeliten, worunter nicht nur Kaufleute, Fabrikanten rc., sondern auch mehrere sehr angesehene Aerzte mit ausgebreiteter Praxis. Hrteksburg. Am 7. Sepiember tagte hier die Generalversammlung des Verbandes der Shnagogengcmeinden Ostpreußens unter dem Vorsitz des Herrn Stadtrath Elösser ans Insterburg. Vor bei» Eintritt in die Tagesordnung wurde die Versammlung durch Herrn Bürgermeister v. Conradi Namens der städtischen Verwaltung in herzlichen Worten begrüßt; derselbe wies auf das Interesse hin, welches die Stadt an den Bestrebungen des Vereins nehme und wünschte den Verhandlungen gedeihlichen Erfolg. Der vom Vorsitzenden erstattete Venvaltungsbericht. sowie der Bericht über die Schuliuspizirungen und den Stano des Religionsunterrichtes in den Verbandsgemeinden (Rabbiner Dr. Bamberger) legten beide von dem rüstigen Arbeiten der Verbaudsleitung Zeugniß ab. Infolge der Ausweisungen sind eine ganze Anzahl Gemeinden zur Zeit ohne Kultnsbeamte. Da das Streben des Verbandes ans Schaffung eines seminaristisch gebildeten Religionslehrerstandes von vornherein gerichtet war, so wurde der Antrag des Vorsitzenden, aus den vorhandenen Verbandsmitteln einen Fonds zur Beihilfe an ärmere Gemeinde» zur Anstellung eines geeigneten Lehrers auszusondern, mit Freuden begrüßt. Aus der reichen Tagesordnung heben wir nur das Referat des Herrn Rechtsanwalt Gutfcld-Ortcl-burg über die Regelung der Gemeindeabgaben hervor. Der Verband zählt zur Zeit dreiundvierzig Gemeinden und circa zweihnndertundfünfzig persönliche Mitglieder. Nach Wahl des Ausschusses und der Mitglieder des Schiedsgerichtes behufs Schlichtung von Streitigkeiten innerhalb der Verbandsgemeinden schloß der Vorsitzende um 2 Uhr die zahlreich besuchte Versammlung. An demselben Tage, Nachmittags 3 Uhr, fand die Einweihung unserer neuerbauten Synagoge statt. An dem stattlichen Zuge betheiligten sich auch der Landrath, Bürgermeister und mehrere Kreisdeputirte. Am Portal angelangt, gab Herr Rechtsanwalt Gurfeld in längerer Ansprache eine Geschichte des Baues und überreichte dem Herrn Landrath die Schlüssel. Dieser wies in zündenden Worten ans die Aufgabe eines Gebethauses hin und öffnete die Synagoge. Die eindrucksvolle Weihcrede hielt Herr Rabbiner Dr. Bambergcr, die Liturgie leitete der Kultusbeamte der Gemeinde, Herr Romm. Am 5 Uhr vereinigte ein Fcstniahl die Festtheilnchmer. wobei es an einer Reihe schöner Toaste nicht fehlte. Eine Sammlung, die den städtischen Armen überwiesen wurde, ergab 130 M. Das Fest verlief in schöner Harmonie und legte Zeugniß ab von dem Geiste der Eintracht, unter den Bewohnern der Stadt wie des Kreises. In der Synagoge, die zu den schönsten der Provinz gehört, erhebt sich als ein Zeichen der Opferfreudigkeit der kleinen Gemeinde und Energie und Hingebung ihres ersten Vorstehers Herrn Rechtsanwalt Gutfeld. Aus ßulm sendet man uns folgende Mittheilung: Zu Ehrendes von hier nach Erfurt gehenden Rabbiners Herrn Dr. Salzberger fand Sonntag Abend eine Festlichkeit statt, woran sich 45 Personen betbeiligten. Eine Deputation überreichte Herrn Dr. Salzberger einen prachtvollen silbernen Tafelaufsatz unter folgender Ansprache: Sehr werther Herr Dr.! Wir sind von unserer Gemeinde entsandt, um Ihnen zu sagen, daß Ihr Schaden uns schmerzlich erfüllt. Sie verlassen uns auf Ihren eigenen Wunsch, um Ihre Wirksamkeit in Erfurt, der Hauptstadt Thüringens. zu beginnen. Sie ziehen von unserem von der Natur nicht begünstigten Osten nach der schönsten Gegend des Westens. Wir wünschen Ihnen von Herzen, daß die Saat, die Sie in Ihrer neuen Gemeinde streuen, solche guten Früchte tragen möge, wie man sie in den üppigen Gefilden Thüringens findet. Der Allgüt,ge Gott beschütze Sie und Ihre liebe Familie in Ihrer neuen Hcimath. Wir, weither Herr Dr., werden Ihrer stets in Liebe gedenken und als Anerkennung Ihrer Wirksamkeit bei uns erlaubt sich die Gemeinde, Ihnen dieses Andenken mit der Bitte zu widmen, daß auch Sie uns ein freundliches Andenken bewahren. Herr Dr. Salzberger, der sehr überrascht und erfreut über diese Aufmerksamkeit war, dank'.e in herzlichen Worten. Die Gesellschaft vereinte sich dann im Lorenz'schen Saale zu einem Mahle, welches durch veischiedene Tischreden gewürzt wurde. — Auch Frau Dr. Salzberger wurde von einer aus 5 Damen bestehenden Deputation überrascht. Es wurde ihr eine in einem prachtvoll gestickten Sammet - Einbände kunstvoll ausgeführte Adresse überreicht, in der die Verdienste der Frau Dr. um den hiesigen israelittischen Frauen - Verein, dessen Vorsteherin sie fast 10 Jahre ivar, hervorgehoben waren und dieselbe als Ehrenmitglied des Vereins ernannt wurde. Oesterreich-Ungarn. Best) im September. (Or. - Corr.) Die allgemeine Meinung hatte von vornherein den Oberrabbiner von S. A. Ujhely, Herrn Lazar Löw zum Nachfolger des seligen R. Cha.im Schreiber auf dem Rabbinatssitze der hiesigen orthodoxen jüdischen Gemeinde designirt. Auf den Genannten sind noch immer die Augen der Majorität der autonomen orthodoxen Gemeinde gerichtet; doch stehen seiner Wahl bedeutende Hindernisse im Wege. Die Pester aut. orthod. jüd. Gemeinde verdankt ihre Entstehung der Initiative des Präses der orthodoxen Landeskanzlei (Durchführungskommlssion), des Herrn I. Reich. Als dieser gegen Ende der siebziger Jahre wahrgenommen hatte, daß sein Ansehen bei den ihm unterstehenden orthodoxen Gemeinden im Abnehmen sei, daß den Anordnungen und Verfügungen der orth. Laadeskanzlei von Seiten der ihr unterstehenden Gemeinden nicht pünktlich und energisch genug nachgekommcn werde und daß die als streng fromm berühmte jüdische Gemeinde zu S. A. Ujhely sich an die Spitze einer Agitation gegen die orthodoxe Landeskanzlegestellt und sämmtliche 8tatni8-qno-Gemeinden zu einem Gemeindetage nach Ujhely bezw. Budapest einberufen hatte, da glaubte er, allen diesen Gefahren für das Ansehen der orth. Landeskanzlei dadurch zu begegnen, daß er die Bildung einer 2 bis 300 Mitglieder umfassenden orth. Gemeinde in Pest mit einer talmudischen Autorität als Rabbiner an der Spitze bewerkstelligte. So entstand die Pester aut. orth. jüd. Gemeinde, welche sodann den als talmudische Autorität, aber auch als orth. Streithahn berühmten Chajiin Schreiber berief. Doch, die Erwartungen des Herrn Reich sollten sich nicht erfüllen Der projiktirie Gcmeindelag der Ltabrw-qno-Gemcinden, der eine besondere Centralstelle für diese Gemeinden ins Leben rufen sollte, kam zwar nicht zu Stande, weil ja eben das gerade das Prinzip dieser Art von Gemeinden ist, daß sie jegliche Centralleitnng perhorrescirelt und gegenüber den zwei Landeskanzleien, der der Kongreß- und der der aut. Orihodoxenpartei. ihre Selbstständigkeit Status quo ante au frechr erhalten. Aber das Ansehen der orth. Lanoeskanzlei schwand immer mehr und mehr und das, was die Autorität dieser vermehren sollte, hätte ihr beinahe den Todesstoß gegeben. Herr Reich, ver in seinen früheren Jahren als Pserdelieferant so manches feurige Sireüroß mit geschickter Hand ge-

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