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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-10-01 · N° 40. (1.10.1886) · p. Seite 331

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 40. (1.10.1886)
Date
1886-10-01
Page
Seite 331 (sequence 7)
Language
German
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331 — (Die bairischen Herzöge Karl Theodor und Prinz Ludwig Ferdinand gehören dieser unter dem Vorsitze des Herrn Professors Knoblauch sich eines bedeutenden Rufes erfreuenden Akademie auch seit kurzer Zeit an.) — Merlin. Die in vor. Woche sowohl in Ihrer „Wochenschrift" als auch in der Allg. Zeit, des Judenthums gebrachte Mittheilung über das 25 jährige Amtsjubiläum des Herrn Rabbiner Or. Ungerleider beruht, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, bezüglich der Datumsangabe auf einen Jrrthum. (Herr Or. U. hat uns selbst gleich ilach Erscheinen der vor. Nr. ebenfalls darauf aufmerksam gemacht.) — Herr Rabbiner Dr. May bäum ersucht uns zu erklären, daß seine in vor. Nr. nach stenvgr. Aufz.'ichnungen gebrachte Trauerrede an Lowe's Bahre nicht genau sei, es fehlten manche Sätze, wodurch Manches entstellt sei. (Wir hatten dies selbst besonders bei Bibelcitaten gemerkt und corrigirt.) Merlin. Ferdinand Schmidt, der bekannte Jugendschriftsteller und Volkspädagoge, begeht am 2. Oktober d. I. seinen 70. Geburtstag. Seine für die Jugend geschriebene Biographie Mendelssohn's ist vom D.-J. G.-B. jüngst beim Mendelssohnjubiläum in erneuter Auflage erschienen. Metz. Bei seinem hies. Aufenthalt besuchte der Deutsche Kronprinz nächst der Kathredale auch die Synagoge, wo der Rabbiner und der Gemeindevorstand zur Begrüßung erschienen waren. Stuttgart, 22. Sept. Der Verein für Arinenpflege und Wohlthätigkeit hielt hier seine Jahresversammlung ab. "Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde gestern dem verstorbenen Ausschußmitgliede Or. Strohmann-Berlin ein ehrender Nachruf gehalten, und es erhob sich die Versammlung von ihren Plätzen. Mosen, 19. September. Heute Nachmittag verstarb hier der königliche Kommerzienrath und Mitglied des Volkswirthschaftcraths, Herr Samuel Auerbach, im 43. Lebensjahre. Der Verstorbene war einer der bedeutendsten Industriellen auf dem Gebiet der Zuckerfabrikation in der Provinz Posen. Die Armen haben in ihm einen Wohlthäter verloren, der gern und in reichem Maße ohne Ansehen der Konfession half. Köslin, 23. September. Heute Nachmittag fand die feierliche Einweihung der neuerbauten Synagoge statt. Die Rabbiner Or. V vgelst ein -Stettin und Or. Hahn-Stolp hatten sich zu der Feier eingefunden, ebenso die Spitzen der Militär- und Civilbehördcn unserer Stadt. Ersterer hielt die Weiherede. Die ganze Feierlichkeit, an der Angehörige aller Konfessionen theilnahmen, machten einen erhebenden Eindruck. Das Gotteshaus ist eine Zierde unserer Stadt zu nennen. Iüche», (Regbz. Düsseldorf.) im September. Am 31 vor. Monats begingen die Eheleute Maroe im Kreise einer zahlreichen Familie ihr goldenes Hochzeitsfest. Dasselbe verdient in dies. Bl. ausdrückliche Erwähnung, weil die überaus rege Theilnihme unserer christlichen Mitbürger ein in unserer Zeit doppelt erfreulicher Beweis war für die ungetrübteste Harmonie unter den verschiedenen Confessionen. Die äußeren Veranstaltungen, deren Leitung ein Comils in die Hand genommeu hatte, welches den Bürgermeister und die angesehensten christlichen Bürger unter sich zählte, waren dem Charakter der Festlichkeit angemessen. Ihren Mittelpunkt bildete die Rede des Herrn Oberrabbiners Or. Horowitz in Krefeld. 0. Morn Ntzem. „Esrogim" wachsen nicht nur im südlichen Europa, Asien und Afrika, sondern auch in Deutschland am schönen, grünen Rhein. Einige Exemplare von außergewöhnlicher Größe wurden auf einem Gute in der Nähe von Wesel gezogen. Jedenfalls hat die hohe Sommertemperatur dieses Jahres die völlige Entwickelung derselben veranlaßt. In Misa wurde der Leibarzt des Königs von Italien, Baron Jaques von Castelnuovo, unter zahlreicher Betheiligung der Bevölkerung auf dem jüdischen Friedhofe beerdigt. Der König von Italien sandte aus Monza ein Beleidstelcgramm an die Familie, welches seinen Schmerz über den Verlust seines Arztes ausdrückt. Fnrek. (Polen.) Am 15. d. M. bemerkte man auf dem hies. isr. Friedhöfe, daß das Grab, in welchem vor 6 Wochen ein junger Mann beerdigt worden, frisch aufgegraben war. Man vermuthete, daß sich jemand mit der Leiche zu schaffen gemacht habe; man grub das Grab auf und überzeugte sich, daß jene Bermuthung begründet war. Allem Anschein nach war die Leiche herausgenommen und daranf in sitzender Stellung hingesetzt worden; außerdem war die rechte Hand abgehauen. Die eingeleitete Untersuchung wird vielleicht den Leichenschänder ergeben, unter dem Volke sind Gerüchte im Umlaufe, daß Aberglauben in der ganzen Sache eine Rolle spiele. — Aehnliche Profanationen fanden jüngst auch auf dem jüd. Kirchhofe zu Warschau statt. M. F. Mittheilmrgerr aus dem U. O. B. B. Das offizielle Ordensorgan „Monorah4*. (Siehe Nr. 37 der Wochenschrift.) Unter Hinzufügung einer Publikation der offiziellen Berichte, Mittheilnngen und Entscheidungen der Constitutions-Großloge, des Appellhofes, der Distrikts-Gr.-Logen und der Bewegung der Brüderschaft im Allgemeinen wird die „Menorah" versuchen, in Verfolgung der klargelegten Prinzipien des Ordens. „Israeliten zu vereinigen in dem Werke der Beförderung ihrer eigenen, höchsten Interessen, sowie der der Menschheit überhaupt; den geistigen und moralischen Charakter unseres Stammes zu entwickeln, zu heben und zu vertheidigen, die reinsten Prinzipien der Nächstenliebe, der Ehre und des Patriotismus ihm einzuprägen, Wissenschaft und Kunst zu unterstützen." Wir halten dafür, daß diese Ziele am besten erreicht werden können durch die Pflege eines reineren Geschmackes, durch den höheren Maßstab der sozialen und intellektuellen Kultur an den Grundsatz, daß „wir unser Aeußerstes thun sollten, das Sittlich-Schöne zu fördern, denn das Nützliche befördert sich selbst". Indem die Menorah endlich ein Mittel des Gedankenaustausches — wahrlich ein längst empfundenes Bedürfniß — allen denen bietet, deren Geistes- und Berstandesgaben sie schon ausstatten mit der Fähigkeit, zu lehren, zu erziehen und aufzuklären, wird sie gleicherweise ihre Spalten denen öffnen, deren Verdienste noch nicht anerkannt sind, in denen aber die göttliche Eingebung schon lange nach Ausdruck gerungen haben mag. Mit anderen Worten, die Menorah will ein Magazin sein für die Kulturentwickelung und Belehrung aller derjenigen, deren Herzen von Liebe zuin Judenthum erfüllt sind, stolz auf das Andenken der glänzenden Werke in Litteratur, Kunst, Wissenschaft, Philosophie und Poesie der berühmten Söhne unseres Stammes, deren Namen unsterblich geworden sind. Die „Menorah" wird daher nicht blos Lesenswerthes für die Mitglieder des Ordens enthalten, sondern auch für ihre Frauen und Töchter und für Israeliten überhaupt. Ein Organ der Kultur, wird die Heranwachsende Jugend an der Menorah einen treuen Freund finden, welcher sie in ihren Anstrengungen zur Veredelung ermuthigt und anspornt. Geschichte, Biographie und Dichtkunst sind die treuesten Gehilfen für Pflege des Charakters. Die Menora wird beweisen, daß sie Anspruch macht auf die Unterstützung aller derer, welche den unschätzbaren Segen, der in der großen Schatzkammer des Wissens liegt, zu würdigen wissen. Während sie die speziellen Ansprüche des Ordens vertritt, wird sie nicht nachlässig oder gar indifferent sein gegen die Bemühungen aller Israeliten, welche auf die Veredelung unseres Stammes Hinzielen, sei es nun durch das Mittel der Wohlthätigkeit oder der Erziehung. Ja, die Menorah wird ernstlich jeden guten und edlen Zweck unterstützen, mag derselbe von der Brüderschaft oder andern Gesellschaften ausgehen, die technische Erziehung unserer Jugend z. B. wird ein besonderer Gegenstand ihrer Sorgfalt sein. Gleichzeitig werden wir auch alles Mögliche thun, die landwirthschaftlichen und mechanischen Bestrebungen zu ermutigen und zu unterstützen, welche jetzt hoffentlich in manchen derjenigen Länder hervortreten werden, wo Verfolgung und drakonische Gesetze bisher jeden Versuch verboten und verhindert haben. Endlich wird die Menorah die Sache aller derjenigen vertreten, welche unter Intoleranz oder Verfolgung zu leiden haben, mögen sie aus sozialen oder politischen Gründen anftreten, sei es fern oder nah. Die Mission des Judenthums ist die Mission der Menschheit, die Mission des unabhängigen Ordens B B. ist es. dieses Werk zu fördern; sein jüngster Bericht bestätigt den Seinen, daß er dieses großen VersucheS würdig ist; seine künftigen Arbeiten werden beweisen, daß sein ausgebreiteter Einfluß sich weithin erstreckt, hinausgegangen ist über die Meere, wieder entfachend die alten Flammen, welche nur geschlafen haben, und erneuend weit und breit das Licht eines emanzipirten und von innerer Sklaverei befreiten Lebens, die besten Hoffnungen und die edelsten Bestrebungen der Seele. (Wir werden das unsere deutschen Logen Jnteressirende an dieser Stelle von Zeit zu Zeit in Uebersetzung mittheilen. (Red.)

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