Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 39. (23.9.1886)
- Date
- 1886-09-23
- Page
- Seite 320 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Ihätcn danim am besten, vorher aus freien Stücken uns zu solchen Versammlungen zu entschließen, da der sonst erforderlich werdende Zwang immerhin unangenehm berühre. Das wirkte ... Ob vr. L. uns große Anregungen bieten kann, mag dahingestellt bleiben. Aber sicherlich, und das betonte er in seiner ungeschminkt bescheidenen Weise, wird er zum Besten unserer -Schulen und Lehrer Anregungen empfangen. Wenn mich, eins mit dem amtlichen Charakter dieser Conferenzcn aussöhnen kann, ist es der Umstand, daß Herr vr. 3c. das „Amtliche" nicht wird durchschimmern lassen, und daß er nicht wie andere seiner Collegen die Prätension erhebt, ein „pädagogischer Wegweiser" zu sein. Hier im Hannoverschen wäre eine Einladung seitens der Herren Rabbiner gar nicht nothwendig, da schon ein solch kleiner Verein besteht, dem die Lehrer in der Nähe Hannovers angehören. Ob er sich der Gunst der Herren Vorgesetzten erfreut, ist sehr fraglich, nachdem mir einer der Herren Mitbegründer erzählte, daß einer jener Herren auf die Mittheilung dieser neuen j Gründung, was wohl zu erwarten war. sich weder nach ihren Zielen und Bestrebungen, noch nach Mitgliedern rc. erkundigte, geschweige denn seine Unterstützung zusagte, — sondern sich in tiefstes Schweigen hüllte. — Und doch sagt ein bekannter Schlesischer Regierungs- und Schulrath: „Ein besonderes wirksames Mittel, um die Lehrer im Verständnisse für ihren Beruf und in der Ertheilung eines tüchtigen, erfolgreichen Unterrichts zu fördern, ist die Abhaltung von Conferenzen. Deshalb ist das methodische Verfahren in einzelnen Unterrichtsgegenständen, namentlich in Denjenigen, wo noch vielfach falsche Wege eingeschlagen werden und rechte Erkenntniß fehlt, genau und eingehend zu besprechen, z. B. der erste Lese- und Schreibunterricht, einfache Auslegung der biblischen Geschichten in Verbindung mit Sprüchen, Liedern und Katechismus. Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei, daß auch im Hannoverschen vorzüglich dem Religionsunterricht bessere Pflege zu theil wird und dies kann meiner unmaßgeblichen Meinung nur dann geschehen, wenn der mit großem Interesse begrüßte Verein seine Thätigkeit wieder aufnimmt, und zwar mit Betyeiligung und Begünstigung seitens der Herren in Hannover. Hierdurch wäre ein Mittelpunkt geschaffen und zugleich auch Aussicht auf eine Musterschule. Aber nicht in Hannover allein müßten diese Lehrproben abgehalten werden, sondern auch in anderen Ortschaften, denn der Unterricht in einer einklassigen Volksschule ist ein ganz anderer, als in einer mehrklaffigen größeren Religionsschule. Kreuzöttrg (Oberschlesicn), 15. September. Unsere Gemeinde hatte heute einen denkwürdigen Tag; an demselben wurde der an der Promenade gelegene und im altromanischen Style erbaute Tempel eingeweiht. Zur Theilnahme an der Einweihungsfeicr waren von fern und nah Ehrengäste geladen und erschienen; wir bemerkten unter den distinguirten Gästen den früheren Landrath Herrn Grafen von Bethusy- Hu c, Vertreter des Magistrats und Stadtverordneten-Collegiums, die Direktoren des Gymnasiums und des Seminars, die Spitzen der meisten öffentlichen Behörden u. s. w. Die geladene evangelische und katholische Geistlichkeit war nicht erschienen. — Die Gemeinde und deren Ehrengäste versammelten sich um 2 Uhr Nachmittags im alten Bethause, wo ein Festgottesdienst mit Choralgesang abgehalten wurde und Herr Rabbiner vr. Münz-Gleiwitz die erhebende Abschiedsschiedspredigt. In feierlichster Weise erfolgte der Zug aus der alten nach der neuen Synagoge, in schönster Harmonie betheiligten sich Vertreter aller Konfessionen an dem Festzuge. Bei der Uebergabe des Schlüssels an den Herrn Bürgermeister hielt der Vorsitzende des Vorstandes,Hr. G. P r o s k a u er, eine kurze Ansprache, die mit dem Wunsche schloß: „Gebe Gott, daß unter dem Schutze der hohen Obrigkeit das Gotteshaus ein Tempel des Friedens und des Heiles werde und dazu beitrage, daß in unserer Stadt Einigkeit und Zufriedenheit herrsche, Harmonie und Toleranz die Bewohner zieret Herr Bürgermeister M üller öffnete hierauf mit dem Wunsche^ daß das neue Gotteshaus immerdar eine Pflanzstätte wahrer Religiösität und Humanität sein möge. Gott zur Ehre, der Stadt zur Zierde! — die Thür der Synagoge. Die Weihe-- predigt hielt Herr Rabbiner vr. Rose nt ha l aus Beuchen. Die tief durchdachte und empfundene Rede befriedigte alle Zuhörer in hohem Maaße. Der der Predigt folgende Gesang Ps. 84 „Wie lieblich, wie lieblich ist deine Wohnung, o Herr" von Klein, vervollständigte den erhebenden Eindrucks , Herrn Kantor Hammerschlag gebührt für seine aufopfernden Bemühungen um den wohlgelungenen gesanglichen Theil' ganz besonderer Dank. Nach einem Gebete für Kaiser und« Vaterland vom Rabbiner Herrn vr. Münz endete dieoffizielle Feier mit einem Schlußgesang mit Orchesterbegleitung.. Um 6 Uhr Abends begann im Hotel zum „Fürsten Blücher" das Festessen, an welchem sich fast 150 Personen betheiligten und das reich gewürzt mit Toasten und Tischreden war. Der sich daran anschließende Ball währte bis znm frühen Morgen. Lechenich bei Köln. (Or.-Corr.) Die Stadt Lechenich zählte bereits im Mcktelalter eine ansehnliche jüdische Gemeinde in ihrer Mitte; sie wurde während der Kreuzzüge, gleich vielen anderen jüdischen Gemeinden Rheinlands, schwer heimgesucht und am alten Schloß daselbst sehen wir noch hente alte jüdische Grabsteine als Baumaterial verwendet. Die jüdische Gemeinde hat sich von jeher durch Frömmigkeit und Opferliebe ausgezeichnet, davon legte dae Gemeindefest, die Einweihung der neuen Synagoge, ein schönes Zeugniß ab. Ein stattliches Gebäude, umgeben von einem Garten,, erhebt sich dasselbe zur Zierde der Stadt und zur Ehre der Gemeinde. Das Schönste aber ist wohl der Umstand, daß auch Christen, viele Einwohner der Stadt, materielle Beiträge znm Bau geleistet haben. Kein Wunder, daß, das eigentliche jüdische Gemeindefest ein städtisches geworden war. Bürger aller politischen Richtungen hatten die Fahnen auszuhängen und auch auf dem städtischen Rathhaus flatterte die deutsche Fahne. Unter Leitung des Rabbiners von Köln, vr. Frank, ging die Einweihung des Gotteshauses nach dem üblichen Ritus vor sich. Beim herrlichsten Wetter entfaltete sich am Freitag, den 10. September, Nachmittags 3 Uhr, ein glänzender Zug, an dem alt und ung, Israelit und Christ, sich betheiligten. Die Fest- und - Weiherede, sowie die Predigt am folgenden Sabbath erhöhten die Feier und legten den Zuhörern die Bedeutung und Aufgabe der Gotteshäuser in unserer Zeit nahe. Weltliche Feste wurden an den beiden folgenden Tagen begangen, die trotz- ' der großen Schaar von Freunden, die von auswärts herbeigeströmt waren, durch keinen Mißton gestört wurden. Am Sonntag besuchte Rabbiner vr. Frank die israelitische Reli-- gionsschule und nahnr daselbst eine Prüfung vor. Die Schüler und Schülerinnen waren tüchtig bewandert im Hebräischen, der biblischen Geschichte u. s. w. und hat Lehrer Salmann schöne Resultate erzielt. Zum Schluffe seien noch Worte der Anerkennung gezollt dem Vorsteher der Gemeinde, Herrn Jakob Simon, der mit Aufopferung und seltener Pflichterfüllung den Bau des Gotteshauses gefördert und durch Frömmigkeit und Friedensliebe die schönsten Eigenschaften eines Gemeindevorstehers entwickelt. Rußland. Kakifch. Vom Fiscus wird gegen die hiesige jüdische Gemeinde ein Prozeß geführt, wonach diese 86,000 Rubel; zu zählen hätte. Diese Klage stützt sich auf eine alte Anordnung, der zufolge die hies. Judenschaft für den ihr daselbst gewährten Aufenthalt in dem vorigen Jahrhunderte verpflichtet war, dem hies. Kloster eine Steuer von 1000 Rubel jährlich zu entrichten. Diese Steuer soll seit anno 1800 nicht von der Gemeinde eingesordert worden sein. Jetzt, bei der Uebernahme der Verwaltung jenes Klosters von der Staatsbehörde, wurde dieses alte Gesetz ausfindig, gemacht und für l ie Zukunft als geltend ins Leben gerufen