Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 39. (23.9.1886)
- Date
- 1886-09-23
- Page
- Seite 321 (sequence 7)
- Language
- German
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— 321 worauf die Nachzahlung seit jener Zeit von der Judenschast verlangt wird. Diese Klage wurde dem Tribunalgericht für Civilsachen znr Entscheidung übergangen, ob dasselbe noch gesetzlich sei. — Solche Abgabcgesetze existirten unseres Wissens in alter Zeck in mehreren Städten Polens, in denen sich ein Kloster befand, sie wurden aber längst nicht mehr von Len Juden verlangt. Das hiesige Beispiel wird zweifellos, wie die Erfahrung bei uns zu Lande lehrt, bald von den übrigen Städten nachgeahmt werden. M. F. Vermischte mtfr Neueste Nachrichten. Aerkirr. Cs dürfte sehr vielen Lesern Ihres gesch. Bl. die Mittheilung sicherlich sehr willkommen sein, daß Herr Rabbiner Or. Ungerleider am ersten Tage des Roschhaschono-Festes sein 25 jähriges Amtsjubiläum begeht. WarmHeiw, 15. Sept. Herr Rabbiner vr. Appel aus Homburg ist heute zum zweiten Rabbiner des hies. Gemeinde und Director der zu gründenden Präparandenanstalt - gewählt worden. Keikigenstadl. Ueber den verstorbenen Ludwig Löwe schreibt die hiesige klerikale „Eichsfeldia". Bon seiner humanen Denkungsweise gegenüber den gemeinnützigen Instituten seiner Vaterstadt legt der Umstand rühmliches Zeugnjß ab, daß er zur Gründung unseres katholischen Gesellen- und Vereinshanses den Betrag von 100 Mk. beisteuerte. Ehre seinem Andenken.' Ludwig Löwe hat sich durch seine to(erünte Gesinnung in der Volksvertretung gegenüber den Katholiken die Achtung aller katholischen Wähler gesichert. „Ein ehrlicher Jude wie Löwe als Politiker ist uns lieber, als zehn salbungsvolle Herren von der konservativen Partei." 8. Mrkenfetd. (Or.-Corr.) Zu den wenigen deutschen Ländern, in denen die jüdischen Verhältnisse vollständig geordnet sind, darf auch das nur 4 Gemeinden zählende Fürstenthum Birkenfeld gerechnet werden. Die Vorstände der Gcmeillden bilden zusammen die Landessynagoge mit dem Landcsrabbiner als Vorsitzenden. Jede Gemeinde hat eine Elementarschule, deren vollständige Unterhaltung, sobald die erforderliche Schülerzahl vorhanden ist, der politischen Gemeinde obliegt. Schulinspektor ist der Landesrabbiner als Geistlicher, doch findet von Zeit zu Zeit eine Revision durch einen Landesschulcommissar statt. ,An den beiden höheren Lehranstalten im Fürstenthume — Gymnasium und Realschule — ist auch der israel. Religionsunterricht schon seit Jahren obligatorisch. Der Gottesdienst ist größtentheils nach Geiger reformirt. Der Landesrabbiner ist pensionsberechtigter Staatsdiener und bezieht auch den größten Theil seines Gehaltes aus der Staatskasse. Die letzten 4 Inhaber der Landrabbinerstelle seit 50 Jahren waren die HH. E. Grün baum, Wechsel, Einhorn und Goldmann, die sämmtlich der reformistischen Richtung huldigten. Seit dem Ableben 1*8 Letzlern ist die Stelle verwaist, und wäre baldige Besetzung durch eine geeignete, tüchtige im Geiste der Vorgänger wirkende Kraft recht wünschenswerth. Mainz. Daß die sog. Kunstbutter, welche aus thierischen Fettsubstazen bereitet wird, von Israeliten nicht genossen werden darf, ist bekannt. Es ist nunmehr gelungen, aus reinen Pflanzenstoffen, und zwar aus der Kokosnuß, eine Butler oder ein Fett herzustellen, welches an Nährwert!) und Wohlgeschmack der besten Kuhbutter nicht nachsteht, an Wohlfeilheit aber alle Speisefette übertrisst. Diese neue Erfindung dürfte für die Israeliten von großer Wichtigkeit sein, denn es ist den religiösen Haushaltungen ein wohlschmeckendes und billiges Nahrungsmittel geboten, das sowohl zu Fleischwie zu Milchspeisen verwendet werden darf. Bedeutende Chemiker und hervorragende Aerzte loben den hygienischen Werth der Kokosnuß - Butter und befürworten ihre Verwendung auf's Wärmste. Die Herren Bondi Söhne in Mainz haben den Alleinverkauf dieser Koscherbutter (Koscherfett) übernommen und sind zu jeder weiteren Auskunft gern bereit. Wie«. Der k. k. Hofwechsler Ignatz Deutsch ist anr 17. d. Mts. in Baden b. Wien gestorben. Mittheilungen ans dem U. O. B. B. Berlin. Am 28. d. M. findet in der hiesigen Logenhallc eine Gedächtnißfeier für Herrn Adolf Leichtenlritt statt, zu dessen Andenken der Grundfonds von 1000 M. zur Gründung eines B. B.-Waisenhauses gestiftet worden ist. Ostrowo, 13. Septbr. Zur Belebung und Kräftigung der Bruderliebe unter unseren auswärngeu Brüdern, welche das Hauptkontingent der Eger-Loge bilden und denen es zu umständlich und zeitraubend ist, an unseren Logen-Abenden sich öfters zu bcthciligen, wurde ein gemeinsamer Ausflug nach Schroda beschloflen. — Sämmtlichc Brüder wurden hierzu eingeladcn, ebenso die Amicitia-Loge in Posen hiervon verständigt. Am 9. d. M. unternahmen wir mit dem ersten Frühzuge den projektirten Ausflug und wurden von unseren Schrodaer Brüdern, die sämmtlich zu unserem Empfang am Bahnhöfe erschienen waren, auf das Freudigste begrüßt und nach der Stadt geleitet, wo wir in den Hvtelräumen des Br. Posner gastlich bcwirthet wurden. Längere Zeit verweilten wir hierauf in dem gastfreundlichen Hause des Br. Bernhard Mendelsohn, wo bei herrlichem Clavier-Bortrag und traulicher Unterhaltung die Zeit bis zum Diner, welches auf Veranlassung unserer. Schrodaer Brüder auf das geschmackvollste arrangirt war, rasch verfloß Die freudig erregte Stimmung wurde noch animirter, als der erste Toast auf Sr. Majestät unseren geliebten Kaiser und der rfveitc Toast auf den II. O. B. B. und den Großpr. Fenchel in entyusiastischen Hochrufen den Saal durchbrausten. In warmen schwungvollen Worten wurden sodann vom Präs. Frän kel, den HH. B. Mendelsohn und Baum und mehreren anderen Brüdern die hohen Ziele und Zwecke unseres Ordens gedacht und allseitig das Band, welches uns umschließt, als ein dauernd beglückendes gefeiert. Freudigste Zustimmung erhielt der Vorschlag, von der Festtafel aus den würdigen Delegirten der schlesischen Logen, Herrn vr. R ahmer in Bcuthen, telegraphisch zu begrüßen, was auch sofort geschah. Nach aufgehobener Tafel bestiegen sämmtliche Brüder, denen sich die Frauen und Töchter unserer Schrodaer Brüder anschlossen, die bereitstehendeu Wagen und fuhren nach der unweit Santomischcl herrlich gelegenen Eduardsinsel, wo wir von dem lieblichen Laudschaftsbilde, das sich unfern Blicken bot, auf das Angenehmste überrascht wurden. Wir verlebten hier recht vergnügte Stunden; wir fühlten so recht die Wahrheit des Psalmwortes: „Siehe, wie schön und lieblich ist's, wenn Brüder friedlich vereint bei einander weilen!" Erst in später Abendstunde kehrten wir nach Schroda zurück, wo wir bei Spiel und Tanz den so köstlich verlebten Tag würdig schloffen. Voll und ganz befriedigt traten wir am nächsten Morgen den Rückweg an. Es mar ein Fest der Verbrüderung im wahren Sinne des Wortes, das wir gefeiert und das allen Teilnehmern noch lange im Andenken bleiben wird. Zeitungslefern bietet das „Berliner Tageblatt" hinsichtlich der Reichhaltigkeit, Mannichfaltigkeit und Gediegenheit seines Inhalts unzweifelhaft die interessanteste und anregenste Zeitungs-Lektüre. In Folge dessen vermochte es sich einen festen Stamm von ca. 70,000 Abonnenten zu erwerben und sich gleichzeitig zu der gelesensten und verbreitetsten Zeitung Deutschlands emporzuschwingcn. Durch täglich zweimaliges Erscheinen ist das WB. T.“ in der Lage, alle Nachrichten stets 12 Stunden früher als jede nur einmal täglich erscheinende Zeitung zu bringem Das „B. T.“ beobachtet eine gänzlich unabhängige, freisinnige politische Haltung und unterhält Spezial-K orrespond eteu au allen wichtigen Plätzen, daher rascheste und zuverlässigste Nachrichten; bei bedeutenden Ereignissen umfassende SpecialTelegramme Das „B. T.“ bringt ausführliche Kammerberichte des Abgeordneten- und Herrenhauscs, sowie des Reichstages. Durch ein eigenes Parlamentär. Bureau ist das „B. T.“ in der Lage, den auswärtigen Abonnenten die ausführlichen Parlamentsberichte bereits mit den Nachtzügen zugehen zu lassen, so daß dieselben am nächsten Vormittag in den resp. Empfangsorten eintreffen. Umfassende Handclszeitung und Courszeitel der Berliner Böse. Ziehungslisten der Preußischen Lotterie, sowie Ausloosung der wichtigsten Loospapierc. Reichhaltige und wohlgesichtete Tagesnenigkciten aus der Reichshanptstaudt und den Provinzen. Theater, Mnsik und Kunst. Litteratur und Wissenschaft werden im Feuilleton des „B. T.“ in ausgedehntem Maße gepflegt; außerdem erscheinen in demselben Romane und Novellen der ersten Autoren. Das Roman-Feuilleton des nächsten Quartals bringt einen neuen hochinteressanten und spannenden Roman van Ludwig Habicht unter dem Titel: „In Fesseln". Außerdem empfangen die Abonnenten des „Berliner Tageblast" vier wcrthvolle Scparat-Beiblätter: das illustrirte Witzblatt «ULK,« das belletristische Sonntagsblatt „Deutsche Lesehalle", das fcuilletonische Beiblatt „Der Zeitgeist" und die „Mittheilnngen über Landwirthfchft, Gartenbau und Hauswirt hschaft" zu dem enorm billigen Abonncmentsprcise von nur & Mark 25 Pf. für das Vierteljahr. Mau beliebe das Abonnement bei demnächstgclegenen Postamt schleunigst anznmelden, damitdie Zusendung des Blattes vom 1. Oktober ab pünktlich erfolge.