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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-09-16 · N° 38. (16.9.1886) · p. Seite 313

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 38. (16.9.1886)
Date
1886-09-16
Page
Seite 313 (sequence 7)
Language
German
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— 313 — „Bei ihm war es eine logische Nothwendigkeit, daß er w o hl- Ih äti'g war wie kein Anderer, und damit keine Hand sehen sollte was die andere gab, gab er gleich mit beiden, und mit einer immer mehr als mit der andern." Aus vr. Hermes' Rede sei der Satz wiedergegeben: „Mit berechtigtem Stolze blickte unser Wahlkreis, blickte die ganze freisinnige Bürgerschaft Berlins auf Dich, ihren großen Bürger, der zugleich ein begeisterter Kämpfer für die Ideale der Menschheit war." Wir schließen unsern auszüglichen Bericht mit einem Urtheile der katholischen Centrums-Presse^über Löwe: „So weit auch die politischen, sozialen und wirthschaftlichen Ansichten anseinandergehen mögen, so wird doch im katholischen Volke das dankbare Verstand niß für das eben so frühzeitige als beharrliche -Eintreten Lowe's zu gunsten der freiheitlichen Forderungen des Centrums nie erlöschen: ilnd aus dem Grnnde mögen auch die Katholiken den Verlust eines unabhängigen, überzeiigungstreuen Mannes, wie Ludwig 'Löwe es war, beklagen". Die Maybaum'scheRede gedenken wir in der nächsten Nr. möglichst vollständig zu bringen, ebenso Biographisches aus Löwe's kurzem aber inhaltsreichem Leben. Kalle a. S., 10. September. Zu der Eröffnung der hiesigen Gartenbau-Ausstellung wurde auch unser Rabbiner, Herr vr. Fröhlich, vom Regierungspräsidenten Herrn von Diest im Aufträge des Ausstellungs-Komits's, dessen Ehrenpräsident Herr v. D. ist, eingeladen. Herr Or. Fröhlich ist Mitglied der meisten hiesigen Vereine, die städtische oder allgemeine Interessen bezwecken. Als vor einigen Monaten im hiesigen Thicrschutzvereine das füd. Schächten auf die Tagesordnung gestellt wurde, wies ■tt gleich beim Beginne das Verwerfliche der Petition gegen die rituelle Schlachtmethode nach und in Folge dessen hat sich der hiesige Thierschutzverein gegen diese Petition ausgesprochen. Insrvrazkaw. Unserer homiletischen Litteratur steht eine wahre Bereicherung bevor. Unser Hr. Rabbiner vr. I. Kohn, dessen homiletische Begabung aus den in Rahmer's „Predigt- Magazin" erschienenen Proben bekannt sein dürfte, beabsichtigt, -einen größeren Theil seiner trefflichen Predigten in zwanglosen Heften zu veröffentlichen, von denen das erste (Predigtenfür die hohen Feiertage) nächste Woche schon erscheinen soll. (Vgl. Inserat.) Apönik (O.-Schl.). Das tragische Schicksaldes hies. allseitig geachteten Gemeindemitgliedes Herrn Louis Altmann, der auf dem Wege zum Bahnhof ganz plötzlich vom Tode ereilt wurde, hat hier in den weitesten Kreisen die lebhafteste Theilnahmc erweckt. Trotz seines jugendlichen Alters von 30 Jahren hatte der Entschlafene durch schöne Charaltcrzüge sich allgemeines Ansehen und zahlreiche Freunde nah und fern erworben und, wie Herr Rabbiner vr. Rosenthal aus Beuthcu in seiner Trauerrede treffend hervorhob, neben seinem eifrigen materiellen Schaffen sich den Sinn für die idealen Güter des Lebens bewahrt, den er durch seine Mitgliedschaft bei der Mamreh-Loge in Beuthen in hervorragender Weise bethätigt hat. Außer den hiesigen gaben auch zahlreiche auswärtige Vereine ihm das letzte Ehrengeleit. Von der Mamreh-Loge waren über 20 Mitglieder (aus Beuthen. Antonienhütte, Orzesche, Scharley) erschienen und auch die Nachbarlogen aus Gleiwitz, Kattowitz und Ratibor waren reichlich vertreten, an deren Spitze Herr Stei nitz aus Beuthen nach der Einsenkung des Verstorbenen das rituelle Logengcbet sprach. Wenn etwas den herben Schmerz der jungen, kaum 25 jährigen Wittwe, die nur einer 3 jährigen Ehe sich erfreute, und dcr tiefbetrübten Mutter und Schwiegereltern zu lindern im Stande ist, so ist es diese in außerordentlicher Weise bekundete Theilnahme. Sest. Im Cultusministerium soll demnächst eine besondere „jüdische Abtheilung" mit einem Miuisterialrath an der Spitze errichtet werden. Ileutra. In der Verhandlung über die Bigamie-Anttagesache, von der wir in vor. Nr. berichteten, hat der hiesige Strafgerichtshof auf die Erklärung des Angeklagten (Bankier Jussuf Salama aus Alexandrien), er habe im Tempel zu Damaskus (i. I. 1883) in Gegenwart von 10 Israeliten mt> des Rabbiners, der Wittwe seines Bruders das Versprechen gegeben, sie nie zu verlassen. Das sei keine Ehesondern „Jibbum“, wie es im 5. B. Mose vorgeschrieben sei — die Verhandlung wurde vertagt, um zunächst festzustellen, ob der Angeklagte wirklich ungarischer Staatsbürger sei. und um ferner ' das Gutachten des Alexandriener Oberrabbiners über den Begriff „ Jibbum“ einzuholen. (Die biblische im Orient noch gültige Vorschrift über „Jibbum“ d. t. Schwagerehe, befindet sich im 5. B. M. C. 25, 5—11. Schweiz. Der „Bund" vernimmt, der Bundesrath werde auf die Petition des schweizerischen Thierschutzvereins betr. Verbot des Schächtens voraussichtlich nicht eintreten. Arrkarest, 8. September. Heute — so schreibt das „Bukarcster Tagebl." — hat im - Athenäumsaale der antisemitische Kongreß zu tagen begonnen. Bei demselben sind vertreten: Frankreich durch den Herrn Jacques Riez, Ungarn durch den Grafen Sdenko Klebelsberg, durch den Deputirten Franz Komlossy und durch den Großgrundbesitzer Adam Petroczy, als die Vertreter Rumäniens fungiren unsere bekannten antisemitischen Apostel Senator E. Gergel, Hauptmann Morvin, Redakteur des Veteranul, Polychroniade, Redactenr dcr Desteptare, der Deputirte Butculescu und noch einige andere weniger bekannte antisemitische Kirchenlichter. I-ppe. Ein Mohamedaner, der auf ärztliches Anrathen Menschenblut und Fleisch genießen will, setzte hier Stadt und Umgegend in Schrecken. Auch ein isr. Kind war von dessen Häschern schon ergriffen, aber es wurde glücklich denselben wieder entrissen. Mittheilungen ans dem II. O. B. B. Beuthen O.-T.» 10. September. Unsere „Mamreh-Loge", die während ihres 2V,jährigen Bestehens von jedem Leid verschont geblieben, hat in jüngster Zeit durch das am 29. v. M. erfolgte Ableben des Br. Louis Altmann in Rybnik, der im blühenden Alter von 30 Jahren plötzlich dahingerafft wurde, einen schweren Verlust erlitten. Nachdem die Mamreh-L. bei dcr Beisetzung ihres Bruders*) den Pflichten brüderlicher Pietät nachgekommen war, hielt dieselbe am Dienstag, den 7. d. M., zum Andenken an denselben eine besondere feierliche Trauerloge ab. Die Logenhalle war mit schwarzem Flor drapirt und in der Mitte derselben stand das Bild des Entschlafenen, ebenfalls in Zeichen der Trauer gehüllt. Die Brüder waren in großer Anzahl erschienen und auch die benachbarten Schwesterlogen, Concordia-, Humanitas- und Friedensloge, hatten zahlreiche würdige Vertreter entsandt, um die Theilnahme derselben zu bezeugen. Nachdem Pr. Herr Dr. Rosenthal die Trauerloge eröffnet hatte, intonirte ein aus Brüdern bestehendes Doppelquartctt unter Begleitung des Harmoniums einen von, Herrn Dr. A. Rahmer verfaßten Choral, dessen tiefernster Inhalt, vorzüglich vorgetragen, die Trauerfeier wirkungsv»ll einlcitcte. Als die letzten Töne verklungen waren, wurde das Gebet gesprochen, und hierauf hielt unser Präsident eine Anrede, in welcher er ein Lebensbild des Verstorbenen entwarf, die Aufopferung für seine Familie schilderte und hervorhob, daß A. bei regster Erfüllung seiner Berufspflichten stets die größte Ehrenhaftigkeit in allen seinen Handlungen bekundete. Die große Theilnahme aller Confessionen und aller Stände bei seiner Beerdigung sei genügender Beweis, daß sich unser Bruder dcr höchsten Achtung seiner Mitbürger erfreute. Herr Dr. Rahmer ergriff nun das Wort und zeigte an einigen Zügen aus dem Leben des Verstorbenen die hingebende Pflichterfüllung und die Lauterkeit seines Charakters, welcher im Stande gewesen, auch schwere Stunden zu überwinden. Der Redner ermahnte die Brüder, sich dieses edle Beispiel stets vor Augen zu halten. Hierauf verlas der Sekretär die auf den Trauerfall bezüglichen Schriftstücke. Die Großlogc und sämmtliche Logen Deutschlands haben der Mamreh-Loge in erhebenden Worten ihr Beileid zu erkennen gegeben. Auch von der Wittwe des Verewigten war nebst einer namhaften Spende zur Bereicherung der Logenbibliothek ein Dankschreiben für die trostreiche Theilnahme der Br. eingetroffen, welches seines Eindrucks auf die Versammlung nicht verfehlte. Zum Schluffe wurden noch die letzten Verse des schönen Chorals gesungen und somit die Trauerseier bendet. Möge dcr in unsem Gebete enthaltene Wunsch, daß „der Allmächtige das Haus jedes Bruders auf dem ganzen Erdkreise vor Unglück behüten wolle," in Erfüllung gehen! (Es wäre vielen Schwesterlogen gewiß genehm, wenn der Text — vielleicht auch die Melodie — des betr. Chorals ihnen durch Veröffentlichung in uns. Blatte zur Kenntniß gebracht würde. (Wir bitten nns. Br. A. R. um Einsendung des Manuskripts.) *) Siehe Corrcsp.aus „Rybnik". D. Red.

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