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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-09-16 · N° 38. (16.9.1886) · p. Seite 311

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 38. (16.9.1886)
Date
1886-09-16
Page
Seite 311 (sequence 5)
Language
German
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Der Vortrag rief nach seiner Beendigung viele Danksagungen Seitens der Lehrer hervor. Es knüpfte sich alSvald eine lebhafte Debatte an demselben, von der nur zu bedauern ist. daß sie früher, als wünschenswerth war, abgebrochen wurde, so daß kein referatfähiges Ergebniß aus derselben heivorging. Abends 8 Uhr kamen die Vcreinsmitglieder verabredetermaßen in einer Gartenwirthschaft zusammen. Hier fanden sich auch zu Ehren des Vereins viele Herren und Damen aus der Gemeinde ein. Es entwickelte sich bald ein, durch ernste und heitere Toaste gewürzter, recht genu'ithlicher Verkehr, welcher die Gesellschaft bis zu später Nachtstunde zu- -sammenhielt. Am andern Morgen um 9 Uhr waren die sämmtlichen Mitglieder wieder zur Sitzung erschienen. Man hatte für diesen Morgen die Ankunft des bisherigen ersten Vorsitzenden. .Herrn Or. Kroner, Seminardirektor in Hannover, erwartet; statt dessen war aber eine Postkarte angelangt, welche dessen Nichterscheinen meldete; was von der Versammlung sehr bedauert wurde. Da auch der Vortrag des zweiten Vorsitzenden wegen Nichterscheinens ausfiel, so war das eigentliche Arbeitsmaterial erschöpft. Es wurde noch über die Unterstützungskasse verhandelt (was? R.) und (auf den eingesandlen Antrag des Mitgliedes Ra hmer-Magdeburg) zur Abfassung resp. Verbesserung der Statuten eine Commission ernannt. Ferner wurde beschlossen, daß in Zukunft die Jahresversammlungen des Vereins statt in zweien, in einem Tage ihre Erledigung finden sollen. Nachdem noch die üblichen Danksagungen Seitens des Vorsitzenden an die Gemeinde für die freundliche Aufnahme, welche die Mitglieder bei derselben gefunden, Seitens des Herrn Saloinon Stiebet im Namen der Gemeinde dafür, daß der Verein bereits zum drittcnmale hier tage, ihre Erledigung gefunden hatten und als Versammlungsort für das nächste Jahr Gotha bestimmt worden war, brachte der Vorsitzende ein Lebehoch auf Sr. königliche Hoheit, den Großherzog von Sachsen-Weimar und auf Sr. Majestät den deutschen Kaiser aus, in welches die Versammlung mit Begeisterung einstimmte. Darauf wurde die Sitzung geschlossen. H. Iriedkand, 8. Sept. (Or.-Corr.) Am bl^K m? wurde hier eine ebenso seltene als ernste Feier begangen, welche sichtlich auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck gemacht hat, es war die Einweihung des neuangelegten Friedhofes der hiesigen Synagogcngemeinde. Sie gestaltete sich um so feierlicher, als nicht nur die Mitglieder der Gemeinde dabei vertreten waren, sondern auch Viele aus nicht jüdischen Kreisen, wie Herr Landrath Or. Sch eff er aus Schlochau, der eigens zu dieser Feier hierher gekommen war, sowie Herr Bürgermeister Dannebaum und sämmtliche Magistrats-Mitglieder, die Herren Stadtverordneten, der evangelische Prediger, (der katholische war verhindert), Herr Amtsrichter Dyes, die Herren Gymnasial-, Seminar- und Vvlksschullehrer und viele der angesehendsten Bürger unserer Stadt sich daran betheiligt hatten. Nachmittags 12*/4 Uhr begann die Feier mit dem Jom-kippur-katan-Gebet in der Synagoge, an welches sich eine Rede des Herrn Rabbiner Or. Werner aus Danzig anschloß. An der Hand talmudischer Aussprüche entwickelte Redner vier Kardinalpunkte „Können, Wollen, Glauben, Wissen", welche uns zum „Tage des Gerichts" hinleiten müssen. Hieran reihte sich der eigentliche Weiheakt auf dem Friedhofe, welcher mit Ps. 91, vorgetra en von Herrn Kantor Rubin, eingeleitet wurde. Nachdem ein zweistimmiger Chor die Verse 15, 16. 17 aus Ps. 103 gesungen und Herr Rubin Ps. 23 rezitirt hatte, hielt Herr Or. Werner die eigentliche Wecherede, welcher er den Vers 15 Ps. 103 zu Grunde legte und die 3 hebr. Benennungen des Friedhofes 01712 rva rvo ,nnopn rvn eingehend erklärte. Hierauf rezitirte Herr Ribin die ersten 8 Verse des Ps. 16 und nachdem der Herr Rabbiner ein ergreifendes Gebet in hebräischer und deutscher Sprache vorgetragen, beschloß ein Chorgesang mit den letzten 3 Versen des Pf. 16 die ernste und erhebende Feier, die noch lange in der Erinnerung aller Theilnehmer leben wird. Aockerchause«, (Bayern) 13. August. Heute fand hier die Einweihung der neu erbauten Synagoge in feierlicher Weise und unter Theilnahme der ganzen Bürgerschaft statt. Schon gestern Abend zeigte sich reges Leben in den Straßen unseres Ortes, indem einzelne Häuser ihren Festschmuck anlegten und auch schon viele Fremde an langten. Im Laufe des heutigen Vormittags zeigte sich allenthalben an den Häusern bunter Flaggenschmuck, gleichviel welcher Konfession die Besitzer angehörten. Zur festgesetzten Stunde fand in dem bisherigen Betsaale der Schlußgottesdicnst statt. Mittlerweile hatte sich die israelitische Gemeinde mit Ausnahme jener, welche an dem Schlußgottesdienst theilnahmen, auf dem Platze vor dem alten Bethaus versainmelt und formierte sich nach Beendigung desselben zum Festzuge. Die Ordnung in demselben war folgende: Der Zug wurde eröffnet durch die hiesige Musikkapelle, an welchen sich Knaben mit blauen Schärpen geschmückt und blauweiße Fähnchen in den Händen anreihten. Hierauf folgten die Sänger der Cultusgemeinde und Mitglieder der beiden hiesigen Gesangvereine unter Leitung ihres für diese Feierlichkeit speziellen Dirigenten Herrn Lehrer Maier von hier; zum Schluß weißgekleidete Mädchen mit blauen Schärpen in deren Mitte der Herr Rabbiner Or. Landsberg aus Kaiserslautern, begleitet von den Aeltesten der hiesigen Cultusgemeinde und dein Herrn Lehrer Loeb, sowie jene 4 Aeltesten, welche die Thora trugen. Nach diesen folgten die hiesigen k. Beamten, Gemeindebehörden, das protestantische Presbyterium mit deren Herrn Pfarrer, sodann die Mitglieder der israelitischen Cultusgemeinde und noch viele andere hiesige und auswärtige Festtheilnehmcr. Der Zug bewegte sich unter dem feierlichen Geläute der protestantischen Glocken, welche durch freundliches Entgegenkommen, auf gestelltes Ansuchen bereitwilligst zur Verfügung gestellt wurden, durch die Straßen des Ortes nach dem neuen Gotteshause. Dortselbst angekommeu, wurde der Schlüffel der Synagoge durch den Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde, Herrn A. Dreifus, dem Herrn Rabbiner mit einer kurzen Ansprache übergeben. Nach einer von seiten des Herrn Rabbiner gehaltenen kurzen, markigen Ansprache öffnete dieser die Thüre und schritt, gefolgt von den bereits Erwähnten, zu jener Stelle, wo die Thora verwahrt wird. Hierauf wurde die in ihrem Verlaufe so erhebende feierliche Handlung durch das von den ersterwähnten Sängern mit Wärme vorgetragene Lied: „Hoch thut euch auf ihr Thore der Welt, daß der König der Ehre einziehe" eröffnet, worauf der Synagogenchor ein Lied in hebräischer Sprache vortrug. Nach diesem ergriff der Rabbiner Or. Landsberg das Wort der Weiherede unv führte dieselbe in meisterhafter Weise unter Zugrundelegung des Thema's: „Was das israelitische Gotteshaus sein soll" aus. Zum Schluffe wurde noch das herrliche Lied „Wie lieblich sind Deine Wohnungen o Herr" durch die mehrerwähnten Sänger der hiesigen Vereine sehr gelungen vorgetragen, worauf der Herr Rabbiner den Segen der Gemeinde und auch jenen, welche an der Feier theilgenonunen, ertheilte. Oesterreich-Ungarn. Arag. Es ist mir unerfindlich, wie aus meiner vorletzten Correspondenz der schwere Vorwurf der „Trägheit und Pflichtvergessenheit" der geehrten Herren isr. Religionslehrer in Prag, herausgelesen werden konnte — da weder das eine noch das aubere dieser Worte in dem Artikel gebraucht, oder auch nur annähernd angedeutet wurde. Was wird nun wieder das Schicksal meiner heutigen kurzen Correspondenz sein, die weiter nichts als einen Verbesserungsvorschlag machen will. Da sitzen an der kleinen Tafelrunde in unserem Lesezimmer einige solche „Weltverbesserer" meines Schlages, und besprechen die eben öffentlich kund gewordene Regelung des Gottesdienstes in der „Zigeuner-Synagoge"

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