Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 37. (9.9.1886)
- Date
- 1886-09-09
- Page
- Seite 304 (sequence 6)
- Language
- German
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in der „Religion" geprüft werden, wodurch dieser Gegenstand von vornherein in den Augen der Schüler an Wichtigkeit und Bedeutung verliere. Hierauf diene dem Herrn Correspondenten zur Kenutniß, daß laut Erlaß des Unterrichts- Ministeriums vom 27. Mai 1884, Z. 8019 in Religion nur eine mündliche Aufnahmeprüfung stattzufinden hat und die Prüfungscommission jene Schüler, welche aus einer öffentlichen Volksschule gekommen und zum n indesten die Note gut mitgebracht, auch von dieser Prüfung dispensiren kann. Wenn also in dem vom Corresp. angeführten Fall dem jüd. Knaben ohne vorangegangene Prüfung aus Religion die Pforten des Gymnasiums sich erschlossen haben, so verdankt er das in erster Reihe seinem Religionslehrer an der Volksschule, der ihm die gute Note gegeben; in zweiter Reihe verdankt er das der Prüfungscommission, welche den Beschluß, diemitdcrNote g u t VersihenenvonderPrüfungzudiSpensiren, gefaßt und in der der Religivuslehrer nur eine Stimme hat; in dritter und letzter Reihe aber dem damaligen Herrn Uuterrichtsminister, weil cr eine solche Bestimmung hinsichtlich der Aufnahmeprüfung getroffen. N. St. Frankreich Aaris Der Kriegsminister soll in jüngster Zeit die Bestimmung getroffen haben, daß die algerischen Israeliten im Gegensatz zu der bisherigen Uebung, von nun an in Algerien selbst ihrer Dienstpflicht kraft Gesetzes vom 6. November 1875, betreffend die in den Colonieen lebenden Franzosen, genügen. Dieses Rescript wird von den „Dsbats" gemißbilligt: „Die Maaßregel, welche die algerischen Israeliten die Verpflichtung eines einjährigen Aufenthaltes in Frankreich auferlegte, rechtfertigt sich durch Gründe, die an Kraft Nichts verloren haben. Als Neulinge unter den Franzosen haben die Israeliten Algeriens und insbesondere die in den Städten des Inneren viel aufzubieten, um sich zur Höhe ihrer Glaubensgenossen in der Mutterstadt zu erheben. Ihre Einreihung in eines der südfranzösischen Regimenter, der damit verbundene Wechsel des Thätigkeitskreises, der Anblick neuer Länder, der Verkehr mit ausschließlich französisch sprechenden Kameraden, all' dies waren gleich viele Mittel zur Beschleunigung einer Assimilation, die man wohl leicht hat anordnen, welche indeß doch nur die Zeit wird durchführen können. Das Regiment wurde hierdurch für sie das, was es bereits lange gewesen und was es immer noch für eine Menge aus der Weite ihrer Provinzen kommenden Ausgehobener ist, nämlich die Schule, in welcher sie die Kenntniß des einigen Vaterlandes erlangen und das vaterländische Sinnbild, die Fahne, achten und zur Achtung dringen lernen". Auch erachten es die „Debüts", anstatt die durch eine verständige Politik eingeführte Maßregel aus Gründen einer übelangebrachten Sparsamkeit aufzugeben, geradezu für erforderlich, dieselbe zu verallgemeinern und nicht blos auf die Israeliten, sondern auch noch auf die Araber und die anderen 9/10 der algerischen Bevölkerung bildenden Fremden anzuwenden. Denn diese Maßregel war das rechte Mittel, zu der in der völligen Assimilation enthaltenen moralischen Eroberung schneller zu gelangen. Spanien. Madrid, 12. Aug. Wir bringen die Fortsetzung de „Briefe aus Spanien", die Herr Lopez-Lapuya in den „Archives" veröffentlicht: „In meinem letzten Schreiben habe ich bereits erwähnt, daß die Meinung aller meiner gebildeten Zeitgenossen meines Landes dahin geht, daß unsere Vorfahren einen großen Jrrthum und Fehler begangen haben, daß sie die Juden vertrieben i. I. 1492, und wir können Spauicn's Suprematie im Occidcnt nur dann wieder heben, wenn wir diesen schweren Fehler wieder gut machen. Die beiden Quellen unseres nationalen Niederganges sind unzweifelhaft die beiden Vertreibungen der Juden und der Mauren. Da die Vertreibung der Mauren keine sv umfassende gewesen, und wir dieselbe durch unsere fortwährenden Verbindungen mit 'ihnen einigermaßen gemildert haben, so haben wir vorerst nur die jüdische Vertreibung wieder gut und diesem geschichtlichen Fehler wieder vergessen zu machen. Betrachten wir die Juden näher, so sind sie thatsächlich unsere Brüder, durch ihre Litteratur, durch ihre Familiennamen, durch ihre Liebe, welche sie unserem gemeinsamen Vaterlande entgegenbringen. Betrachten wir die in einem Winkel des orientalischen Europa's während so vieler Jahrhunderte vergessenen Brüder, die durch den Despotismus und die Unwissenheit der Völker verfolgt worden, und die sie stets als Feinde ansahen, deren Sprache und geschichtliche Ueberlieferungcn von den ihrigen weit verschieden waren. Was haben wir ihnen denn gethan, daß sie so sehnsüchtig ihr Vaterland, den ewig heiteren Himmel Spanien'^ das theuere Heim bedauern? Das ist der Gedanke, welchen die heutige spanische Generation beherrscht. Indeß muß man zwischen Katholiken und Nichtkatholiken eitlen Unterschied machen. Ich kann Ihnen die Ansicht recht glaubenstreuer Katholiken um so eher angeben, als ich dieser Tage Gelegenheit hatte, mit einer Autorität dieser Partei über diesen Gegenstand mich zu unterhalten und ich war erstaunt, von ihm folgende Aeußerung zu hören: „Sie verfolgen ein ausschließlich christlich und verdienstvolles Werk und zugleich aber auch ein religiöses; denn wir haben ja die geschichtlichen Beweise, daß die Päpste das Judenviertel in Rom unter ihreit besondern Schutz genommen, und das ist wohl deßhalb, weil es auch Rom nicht entgangen, daß das jüdische Volk die Nachkommen Abraham's, die Lieblinge Gottes, sind. Wir spanische Katholiken kennen nur allzugut die große Liebe der spanischen Juden für ihr theures aber herzloses Vaterland, und deßhalb tvüitschen wir auch diese echten Spanier unserem Vaterland wieder zurück zu gewinnen. Sollten wir uns deshalb ihrer Rückkehr feindlich erweisen? Niemals. „Sie können in dieser Beziehung auf unsere Mitwirkung zählen." Das war sein letztes Wort. — Es giebt in Spanien eine Maroccanische Frage, die in der Zurückberufung der Mauren besteht; es muß auch eine jüdische Frage geben, welche den gleichen Zweck den Israeliten gegenüber verfolgt. Um dieses Problem zu lösen, müssen, wir durch alle Mittel die öffentlichen Meinung auf diesen Gegenstand lenken, denn die öffentliche Meinung ist der Stützpunkt unserer Politik. Wir miiffeit in Spanien ein offenes Ohr haben für alle Vorgälige innerhalb der von den. Juden beivohnten Länder, wir müssen die spanischen und orientalischen Juden auffordern, zu uns zurückzukehren und gemeinsam mit uns an diesem Wege der Restauration zu arbeiten. Mag mein Ziel auch für den Augenblick als eine Utopie erscheinen, die Zeit wird die Sache schon ändern, aber nur die Zeit, denn Niemand kann die Zukunft vorher bestimmen; aber in der Gegenwart haben wir den Weg offen und diesen müssen wir beschreiten. Wir haben Nichts zu verlieren, aber Viel zu gewinnen; ich verlange nur, daß man mich in meinem Unternehmen unterstütze, mein nächster Brief wird das Weitere ausführen, was wir in dieser Beziehung zu thun haben; ich habe für heute nur die Präliminarien dieser Frage in allgemeinen Umrissen gezeichnet." Vermischte und neueste Nachrichten. tzrns, 6. September. (Or. Corr.) Der Rabbiner von Elbing. Herr Or. W. Kopfstein, ist gestern einstimmig zum Bezirksrabbiner gewählt worden und soll schon mit Anfang November nach hier übersicdeln. Dresden, 5. September. (Or.-Corr.) Der Gemeinderath hat beschlossen, die Besitzung des hiesigen Obcrrabbinatsitzes bis zum 1. April k. I. hinauszuschiebcn und bas Amt bis dahin provisorisch durch einen Predigtamtskandldaten verwalten zu lassen. — Zur Theilnahme an den Traucrfeicrlichkciten und der Beerdigung des sel. Oberrabbiners hatte in höchst tactvoller Weise die Commandantur sämmtliche dienstfreie jüd. Soldaten beordert.