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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-09-09 · N° 37. (9.9.1886) · p. Seite 302

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 37. (9.9.1886)
Date
1886-09-09
Page
Seite 302 (sequence 4)
Language
German
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— 802 — Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Aerkin, 2. September. Ein aus Taubstummen und deren Angehörigen bestehendes Fest - Eomitö zur feierlichen Begehung des 100jährigen Jubiläums der K. Taubstummen- Anstalt Hierselbst, welches am 2. Dezember 1888 stattfinden wird, hat sich constituirt und hielt heute seine erste Sitzung. Das Fest - Comits verfolgt den Zweck, Sammlungen von Beiträgen behufs Gründung einer Or. Eschke-Stiftung (Or. Eschke war ein Schüler Heinicke's und der Begründer der Berliner K. Taubstummen - Anstalt), deren Zinsen zur Unterhaltung und Ausbildung armer, taubstummer Kinder, ohne Unterschied des Geschlechts und der Konfession in der preußischen Monarchie verwendet werden sollen, zu veraustalten; da leider die Statistik nachgewieseu hat. daß trotz der 94 im deutschen Reiche vorhandenen Taubstummcn- Anstältcn immer noch etwa 2000 schulpflichtige taubstumme Kinder ohne Unterricht aufwachsen. Die durch geplante Stiftung zu erziehenden taubstummen Kinder sollen nicht nur geschult, sondern auch zu brauchbaren und nützlichen Staatsbürgern, welche sich selbst zu ernähren vermögen, herangebildet werden, daß sie weder den Gemeinden oder Armenverwaltungen zur Last fallen können. In das Fest-Comi'.s wurden die Herren: Gustav Bücht lug, Arthur von Dannenberg, Alfred Steinthal, Jacob Berliner, August Schenck, und die Dameu: Clara Hötzold, gcb. Levy, Clara Büchting, geb. Plagcmann, Anna von Dannenberg, geb. Falk, Jda Milowsky gewählt. Das Fest-Comits wählte die HH. Schenck zum Vorsitzenden, Büchting zum Schriftführer u. Jacob Berliner zum Schriftführer. Der Herr Oberpräsident hat die Genehmigung zu einer Hauscollecte für die gen. Stiftung ertheilt. -6- Köln, 29. August. (Or.-Corr.) Gestern, ain Sabbat PIXT'S, feierte die hiesige Synagogen-Gemeinde das 25 jährige Bestehen der Synagoge, welche ihr z. Z. von Freiherr« Baron Abraham von Oppenheim s. A. zum Geschenke übergeben worden. Zwei Fahnen, welche an der Synagoge von außen sichtbar waren, verkündeten dem Hinein« gehenden, daß heute ein freudiges Erciguiß für die Gemeinde gefeiert wird. Das Innere der prachtvollen Synagoge war sinnig mit Guirlanden und Blumengewächsen geschmückt. Neben diesem angenehmen Eindrücke, der jeden Kommenden empfing, fiel der Blick der überraschten Besucher auf den kostbaren Schmuck, der die heilige Lade, die Kanzel und den Rabbiner« sitz zierte. Der Frauenverein hatte für die heiligen Tage ein Paroches, sowie ein Mäntelchen und eine silberne Hand zur Thora, und auch eine Kanzcldeckc gespendet. In reicher kunstvoller Gold- und Silberstickerei wird die Veranlassung zur Spende des Paroches in der Aufschrift angegeben, so daß ein bleibendes schönes Andenken an den Tag und die edlen Spender die Gemeinde in Zukunft erheben wird. Der Gottesdienst war durch erhebenden Gesang des mit einer vorzüglichen Stimme begabten Cantors und des trefflichen Chores sehr weihevoll. Den Mittelpunkt der Feier bildete die Fcstpredigt des Herrn Rabbiners. Sichtlich ergriffen, begann der Prediger mit dem Danke gegen Gott und dem Segensspruch Schehechejanu, gedachte des Spenders und aller derjenigen, die hinaufgestiegen, um sich am ewigen Lichte zu laben und paffend diesen Dank mit der Betrachtung des Pf. 8 schließend „Herr was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkest" .... „und Du hast ihn um ein Wegs Gott nachgefetzt" bahnte er sich den Weg zum Text, den ein schöner Midrasch zu dieser Stelle bildete; daß bei der Schöpfung des Menschen, bei der Offenbarung und bei der Errichtung des Hciltgthums die Engel Einsprache erhoben: „Herr was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkest", wir aber der Heilige gelobt sei er, sic aber stets überführte. All die treffliche Auseinandersetzung dieses Textes, reihte der Redner dann einen Ueberblick über die Geschichte der Kölner Gemeinde in den verflossenen 25 Jahren, was die Gemeinde auf dem Gebiete von Thora, Aboda und Gemillus Chaßodim geleistet und nannte von den Männern, welche sich großes Verdienst um dieselbe er« worben, drei Namen: Herrn Rabbiner Or. Israel Schwarz auf dem Gebiete der Thora, Herrn S. M. Frank, langjährigen Vorsteher der Gemeinde, auf dem Gebiete des Cultus, und den Freiherrn Baron Abraham von Oppenheim auf dem Gebiete des N"2, der diese herrliche Synagoge gegründet. Mit einer Mahnung an die Gemeinde auf dem religiösen Standpunkt stehen zu bleiben, den die Gemeinde, einnimmt, in pietätvollem Sinne das Gute aus der alten Zeit festzuhalten, ohne sich dem Geiste der neuen Zeit zu verschließen, schloß Redner seine Predigt, die hoffentlich durch den Druck einem weitern Kreise zugänglich gemacht werden wird. Der 27. Ps., vom Chore gesungen, beschloß diese schöne Feier, die noch lange bei den zahlreichen Anwesenden — unter denen sich auch der Obberrabiner der Nachbargemcinde Trier befand — in Erinnerung bleibeu wird. Ans Anhrkt, 1. September. (Or.-Corr.) Unser Ländchen ist zu klein, als daß cs allzu oft genannt werden sollte, im Ratye der Völker besagt seine Stimme nichts. Trauer empfinden wir darüber nicht, wir leben hier dennoch glücklich und zufrieden. Wir beneiden Preußen nicht um seinen geschichtlichen Ruhm, aber auch nicht um seinen — Antisemitismus und am allerwenigsten um einen seiner — Hofprediger. Wir spüren hier G. s. D. nichts vom Rischus. Land und Leute sind tolerant. Mit Stolz können wir es sagen, daß unser Fürstenhaus cs als seine erste Aufgabe betrachtet, alle Landcskinder ohne Unterschied des Glaubens mit gleicher Liebe zu umfassen, und Jedem das gleiche Recht und das gleiche Wohlwollen ztltheil werden zu lassen. Wahrlich, das hat unser regierender Herzog nicht nur im Januar bei der hundertjährigen Mendelssohn-Feier gezeigt, sondern auch unzweideutig ausgesprochen, r'lber nicht nur durch Worte, sondern auch durch die Thal wird solches bewiesen. Fast alle Gemeinden bekommen seitens der Regierung einen Zuschuß zu ihrem Etat. In liberalster Weise bewilligt solches der Landtag, und was das gerade für die kleinen Gemeinden von nur wenigen Milgliedern besagen will, wird Jeder selbst ermessen können. Aber auch in anderer Beziehung wird Toleranz geübt, an der sich der Großstaat Preußen ein Muster nehmen kann: Noch ist bei uns Niemand ausgewiescn, im Gegcntheil, wir kennen Gemeinden, in welchen in Preußen ausgewiesene Familien Aufnahme gefunden haben und glücklich sind, daselbst wohnen zu können. Möge über unsere Lande weiterhin ein glücklicher Stern leuchten, möge aber namentlich unser Landesvater noch recht lange zum Wahle aller seiner Unterthanen die Negierung führen, das ist der Wunsch Aller. — Kiferrach, 25. August. (Or.Corr.) Die Conferenz „Jsr. Cultusbeamten Mittel-Deutschlands" hat ihre sonst in den Pfingstferien stattfindcnde Versammlung gestern und vorgestern hier abgehalten. Derselben wohnten — der sehr ungelegenen Zeit wegen — nur folgende 17 Mitglieder bei: die HH. Rabb. Or. Salzer-Stadtlengsfeld, Prediger Facken heim- Mühlhausen, die Lehrer: A b e l - Dessau. A b r a h a m o w i tz - Halle. Ba umgar t-Lengsfeld, En gelb erg- Äschenhausen, Goldschmidt-Vacha, Heidungsfeld-Eisenach, Holländer- Berkach, Levi-Helligenstadt, Ludwig-Themar, Oppenheim - Coburg, R ö t h l e r - Gotha, R o s e n st e i n - Herloshausen, Rothschild-Erfurt, S t r a u ß - Weißenfels, Wolff- Cöihen. Selbst der vorjährige Vorsitzende Herr Seminar- Dircctor Or. Krön er-, und dessen Stellvertreter Herr Cantor Jacobsohu-Leipzig, waren am Kommen verhindert*), hatten auch schriftlich ihre Stellen uiedergelcgt. Es *) Wer trägt denn die Schuld, daß die Conserenz nicht in den Pfingstferien — wie bisher — stattfand? (Hierüber würde der Schriftwechsel zwischen dem zeit. Vorsitzenden und dem Ausschuß des D.-J. G.-B. Aufschluß geben.) Und warum hat man diesen neuen Termin ohne jede Rückfrage bei den Mitgliedern anberaumt? (T>a dieser Fall in den Statuten nicht vorgesehen, auch mehrere §§ derselben den Verrussen nicht mehr entsprechen, haben wir den Antrag eingesandt. eine Commission zur Revision der Statuten zu erwählen. Red.)

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