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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-08-26 · N° 35. (26.8.1886) · p. Seite 288

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 35. (26.8.1886)
Date
1886-08-26
Page
Seite 288 (sequence 6)
Language
German
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Die seitherigen Vorstandsmitglieder werden mit Rücksicht auf das im nächsten Jahre stattfindende fünfundzwanzigjährige Vereinsjubiläum und den Wunsch mehrerer Vorstandsmitglieder,. wegen vorgerückten Alters von der Führung der Geschäfte zurückzutreten — ausnahmsweise nur für ein Jahr einstimmig wiedergewählt. Die sich anschließende „freiwillige Conferenz", welche bekanntlich mit dem Lehrer-Unterstützungs-Verein in innigstem Zusammenhang steht, denselben Vorstand und dieselben ordentlichen Mitglieder hat, wurde eröffnet durch einen Bortrag des Herrn Oberkantor Eichberg „über die Geschichte, den Einfluß und die Wirksamkeit des f3IV' Mit der Frische und Lebendigkeit eines Jünglings sprach der Achtzigjährige über dieses Thema und im Zusammenhänge mit demselben gab er aus dem reichen Schatze seines Wissens manche interessante Aufklärung und geistvolle Belehrung. Reicher Beifall lohnte den Redner. Aus den nunmehr folgenden freien Besprechungen, die sich durchweg ans die speziellen Verhältnisse des württembergischen israel. Lehrerstandes bezogen, ist hervorzuheben die Debatte, welche durch den Bescheid der Kgl. israel. Oberkirchenbehörde auf eine Eingabe des Vereinsvorstandes hervorgerufen wurde. Letztere bezweckte eine Jnterpellierung der Behörde wegen der in jüngster Zeit wiederholt vorgekommener provisorischen Besetzung württembergischcr Lehrer- und Vorsängerstellen durch Ausländer. In Folge dessen können innländischc würdige Candidaten ihre definitive Versorgung nicht erlangen und der Sitz und Vorsitz des Vorsängers in den Kirchenvorsteherämtern ist, wie er gesetzlich vorgeschrieben ist, in Frage gestellt und auch rücksichtlich einer etwaigen Pensivnirung die Stellung des betr. Beamten gefährdet. Die Behörde suchte in ihrem Bescheid die zur Sprache gebrachten drei Fälle (Stuttgart, Heilbronn, Göppingen) aus der Lage der betr. Gemeindeverhältnisse zu erklären, versprach aber nöthigenfalls den berechtigten Wünschen des Lehrerstandes Rechnung zu tragen. Als einen Uebelstand, der namentlich bei den Aufnahmeprüfungen ins Seminar und dann wieder beim Eintritt des Seminaristen ins praktische Lehramt empfindlich sich fühlbar mache, brachte Herr Ober-Lehrer Stern-Eßlingen die Thatsache zur Sprache, daß die in den württb. israel. Volksschulen eingeführten Lehrbücher nicht dem Lehrgang der evang. württb. Volksschulen angemessen feien und eine allzu weitgehende Verschiedenheit des Unterrichts in der jüdischen und der christlichen Volksschule bedingen. So entspreche z. B. die Hecht'sche Fibel durchaus nicht den wllrttemb. Verhältnissen und Anforderungen Die Versammlung einigte sich zur Wahl einer Kommission, die sie mit der Umarbeitung der Lehrbücher der christl. württemb. Volksschule (Fibel und Lesebuch) für die isr. württemb, Volksschule beauftragt. Alsdann soll die Angelegenheit der Behörde vorgelegt werden. — Eine weitere Kommission wird ernannt zur Ausarbeitung einer Denkschrift als Festgabe zum 25 jährigen Jubiläum des Vereins. — Mit der Denkschrift des abgemeinen württemb. ev. Volksschullchrcr-Bereins, welchem die meisten isr. Lehrer des Landes als Mitglieder angehören, erklärten sich die Anwesenden einverstanden. Sie bespricht in eingehender Weise für das Wohl der Schute und der Lehrer nothwendige und wünschcnswerthe Aeuderungen und stammt, so viel uns bekannt ist, aus der Feder des Herrn Oberlehrers La ist ner- Stuttgart. Ein gemeinsames Mahl vereinte die Theilnehmer der Conferenz iu geselligster nnd gemüthlichster Weise. Von den zahlreichen Trinksprüchen galt der erste — vom Vorstand ausgebrachte — Ihren Königlichen Majestäten, dem König und der Königin. Spanien. Aus Madrid wird in bell „Arch. Isr." ein Brief aus der Feder des Herrn Isidore Lopez-Lapuya veröffentlicht, der die jüdische Frage in Spanien bespricht. Der kath. Autor konstatirt das Wiedcrerwachen großer Sympathieen der aufgeklärten Geister Spaniens für das jüdische Volk. Seit der Verfassung von 1869, welche das Princip der religiösen Freiheit als Grundrecht publicirte, sei die Frage, die Epigonen der so grausam aus ihrem spanischen Vaterlande verjagten Juden, wieder der Heimath zurückzugewinnen, nicht von der Tagesordnung geschwunden. Die meisten Organe der Presse behandeln dieses Thema mit großer Liebe und Unparteilichkeit und glauben, daß die Industrie und der Reichthum des Landes sich durch die Einwanderung der Juden wieder heben werde. Der Grund dieses erneuten Umschwunges zu Gunsten der Juden bilde die Maroccanische Frage, an der Spanien großes Interesse habe und die Wahrung spanischer Interessen soll zunächst durch die Beschützung der maroccanischen Juden, die alle spanischen Ursprungs sind, zum Ausdrucke kommen. Und wenn man die Juden im Auslande zu schützen sucht, so darf man consequenter Weise auch die einheimischen nicht unter Druck und Ausnahmegesetze leiden lassen. Von diesem Gesichtspunkte aus hat die spanische Presse auch die antisemitischen Hetzereien in Rußland. Deutschland und Oesterreich vcrurtheilt und spricht sich mit großer Heftigkeit gegen das judenfeindliche Buch des Herrn Drumont aus. „Es besteht hier, so schließt der Autor seine Betrachtungen, durchaus keine Abneigung gegen das Judenthum. Man wünscht die alten freundschaftlichen Beziehungen zu erneuern von dem Standpunkte unserer internationalen Politik aus, um dem jüdischen Volke unsere Sympathien durch die That zu beweisen. „Wenn ich von judenfreundlichen Tendenzen der hiesigen Bevölkerung spreche, so habe ich immer nur die aufgeklärten Geister meines Landes im Auge, das Volk kennt nicht viel mehr als den Namen „Israelit." Von dem Tage an, wo es die Juden wieder persönlich kennen lernen wird, wird die gute Meinung, die heute meist nur in den Höhen der Gesellschaft herrscht, auch in die Tiefen der Bevölkerung gedrungen sein, denn heute schon hat man im Volke aufgehört, Jude und Teufel oder Jude und Bettler als synonym zu betrachten." Rußland. Kurek, 9. August. (Or.-Corr.) Mit vielem Lärm und Gepolter wird uns gegenwärtig wieder der Vorwurf gemacht, daß unter der jüdischen Jugend die Neigung vorherrsche, sich der allgemeinen Wehrpflicht möglichst zu entziehen. Dem haben wir nur den Hinweis entgegenzustellen, wie auch den jüdischen Wehrpflichtigen seit den 12 Jahren, die seit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht verflossen sind, durch immer neue exclusive Maßregeln eine höchst niederdrückende Ausnahmestellung gegeben wird, wodurch ihnen die Ableistung der Militärpflicht einerseits und die spätere Existenz andererseits recht schwer gemacht wird. Wir erinnern z. B. au die Erlasse, welche die Inden aus den bevorzugtesten Regimentern , wie der Gendarmerie, der Garde, der Marine, der Zoll- und Controlwache, den sog. Reserve-Bataillonen und Lokalkommandos ausschlossen, also aus denjenigen Chargen und Posten, in denen der Dienst leichter, resp. mit mehr oder weniger Privilegien verbunden ist. Ferner, in den Regimentern, wo ihnen der Dienst zulässig ist, darf der jüd. Soldat nicht über den Uuteroffiziersraug hinaus steigen; es wird ihm jetzt sogar, wie aus Mittheilungen zu vernehmen ist. in manchen Regimentern unmöglich gemacht, noch Unteroffizier zu werden, weil dieser ein Examen in der Religion, d. h. in der „griechisch-orthodoxen", bestehen müsse, also nur, wenn er sich der Taufe hingiebt. Nach Beendigung der 5jährigen Dienstzeit in der Front gleich seinen christlichen Kameraden, hat der jüdische Soldat nicht das Anrecht, sich an dem Orte niederzulassen, wo er seine Dienstpflicht geleistei, oder in irgend einem staatlichen oder städtischen Amte,' z. B. selbst als Eifenbahnwärter, angestellt zu werden, auch auf tre sonstigen Vergünstigungen, welche andersgläubigen ausgedienten Soldaten zu Theil werden, ivelchen z. B. Land» stücke voll der Regierung gegen geringe Rente abgegeben werden, hat er keinen Anspruch. Mit einem Worte, die jüd.

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