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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-08-26 · N° 35. (26.8.1886) · p. Seite 287

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 35. (26.8.1886)
Date
1886-08-26
Page
Seite 287 (sequence 5)
Language
German
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— 287 — gelegentlich der Missionsfeste und sonstiger kirchlichen Veranlassung tagelang dem Unterricht entzogen werden, gestattet man den isr. Kindern nicht einmal während zweier Stunden am Hauptgottesdienste theilzunehmen. Ich Hoffe, Ihnen recht bald noch Näheres über diese Angelegenheit, die jedenfalls ein allgemeines Interesse hat, berichten zu können. — Hasset.*) Die 18. Jahresversammlung der israelitischen Lehrer Hessens tagte hierum 5. Juli im Saale des Arbeiterfortbildungsvereins unter starker Betheiligung. Der Vorsitzende, Herr Or. Stein-Cassel, bewillkommnete die Gäste: die HHrn. Landrabbiner Or. Prager, Gemeindeältesten CarlPlaut. Delegirten des D.-J. G.-B., Hrn. Rinald, als Vertreter des Vorsteheramtes, Prediger Fa cken heim-Mühlhausen und vr. Rothfels und eröffnete die Versammlung mit einer längeren, inhaltsreichen Rede. Im Namen des Ausschusses des D.-J. G.-B. begrüßte sodann Herr Plaut die Anwesenden. Er erkennt es gern an, daß die Lehrecvereine viel dazu beitragen, die Freundschaft unter den Lehrern zu erhalten und die Begeisterung für den schweren Beruf zu erhöhen. Redner fordert schließlich die Lehrer aus, für die Sache des D.-J. G.-B. einzutreten und dafür zu werben. Nachdem der Vorsitzende den Vertreter des D.-J. G.-B. im Namen der Versammlung seinen Dank ausgesprochen, verlas er den Jahresbericht. Dieser gedenkt der Feier der goldenen Hochzeit des emer. Lehrers Gutkind- Zierenberg. des 50 jährigen Dienstjubiläums des nunmehr auch emer. Lehrers Rothschild-Treysa, der Begrüßung des Hrn. Landrabbiner Or. Prager beim Amtsantritt seitens des Ausschusses der Konferenz der isr. Lehrer Hessens und des 25 jährigen Dienstjubiläums des Hrn. Lehrers Levi-Hofgeismar. Äm Schluffe erwähnt der Bericht noch den in Wiesbaden verstorbenen Landrabbiner Hrn. Or. Adler und den ebenfalls Heimgegangenen Lehrer Hrn. Goldschmidt-Hof in ehrender Weise. Aus dem vom Kassierer Hrn. Gutkind- Cassel vorgelcsenen Rechenschaftsbericht geht hervor, daß die Konferenz 94 Mitglieder hat und zwar in den 4 Vorsteheramtsbezirken: Cassel 50, Marburg 15, Fulda 16, Hanau 13, daß die seit zwei Jahren bei uns eingeführte Steuerfreiheit aufzuheben und der jährliche Beitrag von 75 Pfg. wieder zu erheben sei, obgleich der wohllöbliche Ausschuß des D.-J. G.-B. auch in diesem Jahre der Konferenz eine Subvention gewährt habe. Hierauf brachte Hr. Neumark-Fclsberg sein Referat über das Thema: „Wie weit ist die Geographie Palästina's mit dem Unterricht in der bibl. Geschichte zu verbinden" zum Vortrag. Die Arbeit war sehr umfangreich und zeugte von großem Fleiß und Streben, was auch von dem Vorsitzenden mit Dank aneikannt wurde. Das Korreferat von Hrn. Blach-Gudensberg brachte vollends Klarheit über den Gegenstand, sodaß er uns, wie der Vorsitzende namens der Konferenz hervorhob, nunmehr in seiner vollen Fruchtbarkeit nutzbar werden könnte. Der Referent hatte die von ihm aufgestcllten 6 Thesen in Laufe der Debatte zurückgezogen, während von denen des Korreferats folgenden 2 angenommen wurden. 1. Die Geographie Palästina's wird mit dem bibl. Geschichtsunterricht nur insoweit verbunden, als die durch wichtigere Facta bedeutungsvollen Orte dazu Veranlassung bieten und als überhaupt das in der Bibel enthaltene Geographische geeignet und nothwendig erscheint zur Erlangung einer klaren Vorstellung und eines übersichtlichen getreuen Bildes von dem Palästina der biblischen Zeit. Demgemäß darf in diesem Unterrichte auch nur eine Karte Palästinas nach seiner Stammeseintheilung verivcndet werden. 2. Der Unterricht in der Geographie Palästina's in seiner Verbindung mit dem bibl. Geschichtsunterricht kommt erst in zweiter Linie in Betracht, nachdem die bibl. Geschichten für den Religionsunterricht genügend behandelt sind. Nach Schluß der Debatte über die Konferenzarbeiten folgte die Berathung der Anträge. Der Vorsitzende verlas ein Schreiben des Vorsteheranues zu Cassel, in welchem die *) Dem uns freundlichst dieser Tage übersandten Originalbericht der Schriftführer HH. Davidsohn-Helmarshausen und Levi-Hofgeismar auszugsweise enMommen. (Red.) Konferenz aufgefordert wird, darüber schlüssig zu werden, ob die Einsetzung eines neuen Konferenztages oder die Verlängerung der jetzigen um einen Tag zwecks Berathung ganz bestimmter Gegenstände, die das religiöse Gebiet der israelitischen Schule und Gemeinde berühren, gewünscht wird. Nachdem Herr vr. Prager klar gestellt, daß die bisherige Konferenz der israelitischen Lehrer dadurch nicht geschädigt werden solle und daß das Borsteheramt die Kosten dieses neuen Konferenztages tragen würde, stimmte man mit großer Majorität für die Verlängerung. Die weiteren Anträge von Herrn Brandes-Oberaula und Levi-Hofgeismar wurden wegen Mangel an Zeit von der Tagesordnung abgesetzt. Für die nächstjährige Konferenz, die nach Beschluß der Versammlung wieder in Cassel stattsindet, übernahm Herr Oppenheim- Treysa das Referat, Herr Plaut- Zimmersrode das Korreferat über das Thema: „Die Fortbildung des isr. Lehrers im Hebräischen und Rabbinischen." Nachdem die ausgelosten Mitglieder des Ausschusses, Herr David so h n-Helmarshausen und Levi-Hofgeismar, durch Acclamntion wieder gewählt worden waren, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Um 4 Uhr versammelten sich die Theilnehmer der Konferenz im Hotel Mansbach beim festlichen Mahle. Dasselbe wurde durch ernste und muntere Toaste gewürzt. Der Vorsitzende brachte unserem erhabenen Kaiser und König mit warmen Worten ein kräftiges Hoch. Herr vr. Prager gedachte in sinniger und launiger Rede der isr. Lehrer. Davidsohn-Helmarshausen toastete auf den Vorsitzenden, indem er seine Ausdauer rühmte, Blach-Gudcnsberg auf Herrn vr. Prager, meinend, das; wir Lehrer alle Ursache hätten, dem neuen Vorgesetzten mit Vertrauen und Liebe entgegen zu kommen. Herr Lev i-Hofgeismar brachte ein Hoch auf die Gäste, Gutkind-Cassel auf die Versammlung, Cornelius-Rotenburg auf die Referenten, Sommer-Marburg auf die Emeriten. G utkin d-Zierenberg dankt namens derselben und schließt jung und alt in sein Hoch ein. K amin sky-Cassel sang alsdann einen Psalm, während Block-Melsungen die Begleitung dazu spielte. Nachdem Herr vr. Prager das Tischgebet vorgetragen hatte, verabschiedete man sich mit dem Wunsche: Auf glückliches Wiedersehen im nächsten Jahre! Stuttgart, dev 17. August. (Or.-Corr.) Der Umstand, daß am 6. August zu Ulm der allgemeine evang. württembergische Volks! chullehrer-Tag stattfand und in die darauffolgende Woche Tisch'ah b’aw fiel, machte eine Verschiebung der diesjährigen Versammlung des isr. Lehrer- Unterstützungs-Vereins und der freiwilligen Conferenz der isr. Lehrer Württembergs notwendig. Dieselbe wurde gestern dahier im Saale des Hotel Deggingec abgehalten, nachdem Abends zuvor der Ausschuß ebendaselbst getagt hatte. — Zu der Versammlung war ungefähr die Hälfte aller ordentlicher Mitglieder des Lehrer-Unterstützungs-Vereins erschienen, deren Zahl rund fünfzig beträgt. Nach einigen einleitenden Begrüßungsworten gedachte der Vereinsvorstand, Herr Oberlehrer Liebmann, in einem kurzen Rückblicke der noch lebenden vier Gründer des Vereins, von denen einer — Herr Seminardirektor Ludwig Stern — außerhalb Württembergs seinen Wirkungskreis gefunden. Das Vereinsvermögen, das zur Zeit der Gründung 9 Gulden 30 Kreuzer betrug, ist während der 24 Jahre des Bestehens des Vereins auf die ansehnliche Suinme von 30 000 Mark angewachsen. An Unterstützungen wurden in der verflossenen Rechnungsperiode ca. 2 600 Mk. verausgabt und für das laufende Jahr bereits 1 400 Mk. vom Ausschuß genehmigt. Voll dankbarer Anerkennung nannte der Vorstand die Gönner des Vereins und hob rühmend hervor, daß der Verein auch diesmal wieder iu einem namhaften Beitrag die Huld Ihrer Königl. Majestäten erfahren durfte, von der überdies ein Allergnädigstes Kabinetsschreiben Kunde gab. Mit Ausnahme zweier Lehrer gehören sämmtliche isr. Lehrer Württembergs, soweit ihnen dies durch den Wortlaut der Vereinsstatuten ermöglicht ist, dem Unterstützungs-Verein als ordentliche Mitglieder an. Nachdem der Kassierer des Vereins, Herr Ober-Lehrer Stern-Eßlingen, eingehenden Bericht über den Bestand der Vereinskasse gegeben, erfolgte die Neuwahl des Vorstandes.

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