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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-08-26 · N° 35. (26.8.1886) · p. Seite 289

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 35. (26.8.1886)
Date
1886-08-26
Page
Seite 289 (sequence 7)
Language
German
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289 — Seit der religiös E' ^>e Epjtlanbe der ""eil, nicht o?r9Qne Llebe ich e und der der Juden Gunsten der lien erejsen Juden, die kommen, ützen such ischen nicht Von diesem die antiseand großer i Dcumont >e Betrach Mdenthum jungen zu ■nationalen Sympathien nicht :rb Die gute Zesellschast ngen sein, Jude und etrachten en. Dem auch den seit der , durch erdrückende Ableistung z anderer- B. an die Regimen irine, der tonen und argen und mehr oder Regimen d. Zoldat es wird lehmen ist ich Unter- Religion also nur chrisilichrn echt. H .flicht r heu Ämte,;5eii, auch tglaubigku Land ausgedienten Soldaten sind nach einer üblich gewordenen willkürlichen Deutung eines alten Statuts ganz denselben Ausnahmegesetzen hinsichtlich des Aufenthalts- und Gewerbe- Rechts u. s. w. unterworfen worden, wie die übrigen Juden. Auch eröffnet das jüngst erlassene Reglement oder vielmehr Ausnahmegesetz, wie es unter dem pseudonymen Namen heißt: „Zur Sicherung der prompten Leistung der Wehrpflicht von Seiten der Juden", durch die darin verordneten Bestimmungen eine noch traurigere Aussicht und Schrecken für die bedrängten Juden Rußlands, wie aus Nr. 27 Ihrer gesch. Ztg. zu ersehen ist. Die Sitzungen der von dem Fürsten des Zarthums Polen auf Befehl des Ministeriums des Innern in Warschau eingesetzte besondere „Judencommission" für Polen, welche sich Mit den wichtigsten Fragen und Angelegenheiten der innen, Politik, nahm lieh mit der polnischen „Judenfrage" beschäftigen soll, haben endlich ihren Anfang genommen. Leider hüllt sich dieselbe nach einer getroffenen Verfügung so sehr in den Mantel des Geheimnisses, daß nicht einmal die Zahl und die Namen der Mitglieder, sowie die Berathungspunkte, welche das Programm der Kommission umfaßt, bekannt sind. Einer zuverlässigen Quelle zufolge, wurde auf ein Gesuch des Warschauer „Börseu-Comitö" an den Fürsten für Polen, welcher an den Minister des Innern appellirte, von letzterem dahin entschieden, daß es zu gestatten sei, daß zwei ihrer Mitglieder, die Herren Iwan Bloch und Heinrich Natansohn, an den Verhandlungen der Geschäfts- und Handelsangelegenheit in dieser Commission sowie an der Discussion theilnehmen dürften, daß sie jedoch nicht stimmberechtigt sind. Die genannten Abgeordneten haben mit Begutachtung des „Börsen - Comits" eine Petition zu Gunsten der Juden der Commission zur Berathung unterbreitet. Uermrschle und neueste Nachrichten. Magdeburg. Aus Creseld geht uns folgende wichtige Mittheilung zu: „Der Fleischer - Kongreß hat beschlossen, gegen die bekanntlich auf Abschaffung des Schächtens nach jüdischem Ritus gerichtete Petition der Thierschutz-Vereine beim Reichskanzler zu protestiren." Hetlingen (Bayern), 16. August. Auf Grund einer Regierungsentschließung wurde der hiesige israelitische Schächter Markus Gutmann von hier ausgewiesen, wenn derselbe nicht den Gouvernementspaß beibringe. Dies wäre für den Mann mit bedeutenden Kosten (Reise nach russisch Polen und Aufstellung eines Vertreters im Schlächterdienste) verbunden gewesen. Der hiesige Kultusvorstand und mit ihm die ganze israelitische Gemeinde traten nun für Gutmann ein und der hiesige Magistrat beschloß in seiner heute Nachmittag abgehaltenen außerordentlichen Sitzung mit allen gegen eine Stimme, dem rc. Gutmann, der sich seit sieben Jahren in der besten Weise hier beleumundete, als Oettinger Bürger aufznnehmen und ihm gegen Entrichtung der üblichen Gebühren das Heimathsrecht in hiesiger Stadt zu verleihen. Kanskerge in Westfalen. Am 1. Juli feierte die hies. Firma Michelsohn & Comp.' das fünfzigjährige Jubiläum ihres Bestehens. Genannte Firma besitzt in den Bergen der Porta Westphalica größere Steinbergwerke und beschäftigt in denselben zu Zeiten bis zu 200 Arbeiter. Am Nachmittage des Jubiläumstages versammelten sich die Chefs der Firma mit ihren Familien, um im Kreise ihrer Arbeiter das Fest in familiärer Weise zu begehen. Während der heiteren und fröhlichen Festesstimmung theilte der erste Chef, Herr W. Michelsohn, seinen Arbeitern mit, daß er anläßlich des heutigen Tages denselben eine größere Summe als Alterversorgungsfonds überwiesen habe. Mit freudigen Jubeluud Bravorufen beantworteten dieselben diese Mittheilung. Erst in später Abendstunde trennten sich die Arbeiter unter fortwährenden, lebhaften Hochrufen auf ihre Arbeitgeber. Möge das Beispiel dieser Firma zum Segen für Arbeiter und Arbeitgeber recht viel Nachahmung finden. Dresden. Der Sohn des hiesigen Cantvrs Bendiner hat für eine historische Arbeit von der Universität München, woselbst er Philologie studirt, einen Staatspreis erhalten. Hera, 18. August. Der hies. Stadtrath hat wirklich dem Fleischmeister Raithel das Schlachten des Viehes nach jüdischem Ritus als Thierquälerei bei 150 Mk. Strafe untersagt. Hkeichenberg (Steiermark), 18. August. Derheutige Geburtstag des Kaisers von Oesterreich befriedigte einen längst gehegten Wunsch der hiesigen Curgäste, den hier zur Cur weilenden Prediger Or. Jellinek sprechen zu hören. Erwartungsvoll versammelte sich ein großes, sonst die jüdische Kost verschmähendes Publikum in der jüdischen Restauration. Nach Beendigung der Tafel schilderte der große Meister des Wortes die Verdienste des österr. Monarchen, an dessen Quelle die Juden von einem alten Kehlkopfleiden, von ihren Athembeschwerden — Heilung fanden. Die politischen Zustände der hier vertretenen Juden von Rußland und Rumänien überblicktend. mahnte er das Judenthum, welches so wenig wie das Meer von dem Vogel, nach einem Gleichniß des Talmud, von den Barbaren eingeschlürft werden iönnc, zum geduldigen Ausharren im Kampfe. Anhaltender Beifall folgte auf diese, geistreiche Anspielungen enthaltende Rede, für welche Herr Rabbiner De. Frankl im Namen der Anwesenden Dank aussprach und auf „den König derRedner" einen Toast ausbrachte. Zürich. Die „N. Zür. Zeitg." v. 18. Aug. bringt folgende Berichtigung: „Die kürzliche Meldung über das Leichtermachen von Goldstücken durch einen russischen I uden K. verdient nicht die Bedeutung, welche man derselben vielfach beigelegt hat. K. ist kein Russe sondern Ungar, kein Jude sondern Protestant." Aaris. Die Zahl der jüdischen Akademiker in Frankreich ist jetzt gerade auf zehn gestiegen, sie bilden — meint „Arch Jsr." — somit ein academisches „Minjan." Es gehören dazu die Herren Breal. Derenbourg, Oppert, Weil!, Halphen, Lippmann, Maurice Levy, Loewy, A. Frank und Baron Alphonse de Rothschild. Bei der von der französischen Academie zur Heidelberger Jubiläumsfeier entsandten Deputation befanden sich zwei der Genannten: Jules Oppert und Gabriel Lipp mann. 'Naris. Herr Baron v. Hirsch, der mit Recht der jüd. Wohlthätigkeitskönig genannt wird, hat für das deutsche Spital in Konstantinopel den Betragvon 25000 Frcs. gespendet. Amsterdam. Baron George de Rosenthal, der Sohn des früheren Hannoverschen Stiftsrabbiners L. Rosenthal, und Associä der weitberühmten Bankfirma Leo Lippman, Rosenthal & Comp., hat aus Veranlassung eines Jahrgedächtnisses ein Asyl für arme jüdische Kinder und eine Volksküche gestiftet. In der Stiftungsurkunde wird die Bedingung gestellt, daß beide Anstalten nach streng jüdischem Ritus geführt werden müssen. (Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß Leo Lippmann's Vater, Jonas Lippmann, in Luxemburg Cantor gewesen und der Vater des berühmten Rubinstein die gleiche Funktion daselbst versehen hat) Aetersvurg. Kaiser Alexander III. hat zur Errichtung eines Denkmals für den berüchtigten Chmelniecki, der als Anführer im Kosackeuaufstande des Jahres 1648 viele Tausende von Juden in grausamster Weise niedermetzeln ließ, 20,000 Rubel gespendet. Fepkik. Der Antisemitismus „stirbt im Lethe nicht"! Dieser Tage kehrt ein Christ bei einem jüd. Gastwirth ein, geht in den Hof und . . erhängt sich. Der Wirth bemerkt es bald, schneidet den Strick ab, und kaum ist der Selbst» Mörder wieder zu sich gekommen, schreit er: „Der Jude hat mir 20 Rubel gestohlen, darum wollte ich meinem Leben ein Ende machen!" Der unschuldige Wirth ruft sofort Polizei herbei, und es ergiebt sich, daß der Selbstmörder, nach eigenem Geständniß, nicht eine Kopeke in der Tasche hatte, als er das Haus des Juden betrat. Amerika. Im Monat Juni betrug die Zahl der aus Rußland hier eingewanderten Juden ca. 5000. Oberrabb. Herr Dr. Land au ist nach kurzem Krankenlager heute sanft verschieden. — TTIT2t'3Tl!

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