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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-08-19 · N° 34. (19.8.1886) · p. Seite 278

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 34. (19.8.1886)
Date
1886-08-19
Page
Seite 278 (sequence 4)
Language
German
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— 278 — ■W I u 1 r Leichenwagen gehoben war, ordnete sich der Zug in der früheren Weise und durch ein dichtes Spalier der die Straßen füllenden Menschenmenge nahm derselbe, gefolgt von einer großen Zahl von Equipagen, seinen Weg nach dem israeli» tischen Kirchhofe. Der Verstorbene hatte durch eine letztwillige Verfügung ausdrücklich den Wunsch ausgesprochen, daß keine Leichenrede bei seinem Begräbnisse abgehalten werde. In der Friedhofshalle wurden die üblichen Gebete gesprochen und darauf der Sarg von Deputirten der Corporationen und anderen Gemeindemilgliedern zum Grabe getragen." Der Verstorbene gehörte der orthodoxen Richtung an und hatten zur Zeit Geigers alle orthodoxen und konservativen Elemente sich um ihn als Panier geschaart. In jene Zeit fällt auch seine Hauptbedeutung. Unter Joöls weiserund gemäßigter Amtsführung hatten die Gegensätze sich allmählich ausgeglichen, so daß von Pa rte irabbinern nicht mehr die Rede sein konnte und verkehrten die beiden von der Gemeinde angestellten Rabbiner in friedlicher Weise. Wegen dieser seiner friedfertigen Gesinnung mußte er sich von den heißspornigen orthodoxen Blättern manche Nadelstiche gefallen lassen. Sie können es ihm selbst jetzt nach seinem Tode noch nicht verzeihen, daß er z. B. der Abschaffung des Jekum Purkon zugestimmt habe, „dadurch — so schreibt die „Jüd. Presse" in einem ihm gewidmeten Nekrologe — entfremdete er sich auch die wenigen Frommen seiner Gemeinde." Wir möchten das Umgekehrte behaupten, gerade hierdurch erwarb er sich in der Gemeinde und in der Provinz eine große Anzahl von Freunden und Verehrern. Dem Schreiben eines orthodoxen Mitgliedes seiner Gemeinde entnehmen wir folgenden dies bestätigenden Passus: „Die Nachricht von seinem im 75. Lebensjahre erfolgten Tode hat alle Gemüther tief ergriffen, weil der Verewigte es verstanden hat, durch sein bedeutendes rabbinisches Wissen und durch seine unerschütterliche Ueberzeugungstreue, die fern von Fanatismus war, sich in allen Kreisen die größte Achtung zu verschaffen. Hierzu gesellte sich noch seine persönliche Liebenswürdigkeit, die ihm die Herzen Aller, die mit ihm in Berührung kamen, gewonnen. Diese Hochachtung wurde ihm nicht nur von seinen Glaubensgenossen entgegengebracht, sein frommer, dem Wohlthun geweihter Lebenswandel fand auch an höchster Stelle volle Würdigung. König Friedrich Wilhelm IV. zeichnete ihn durch Verleihung des Titels „Königlicher Landrabbiner" aus und unseres deutschen Kaisers Majestät decorirte ihn mit dem preußischen Rothen-Adler-Orden. Der Heimgegangene beschränkte sich nicht darauf, seinen heiligen Beruf ausschließlich in der Gotteslehre und der Erfüllung der rabbinischen Aufgaben zu erblicken, sondern er erfaßte auch praktisch im ganzen Umfange die Pflichten der ihm anvertrauten Seelsorge. Nicht eine einzige Wohlthätigkeitsanstalt und humantäre Gesellschaft existirt in der hiesigen Gemeinde, der er nicht als Ehrenmitglied oder als thätiges Vorstandsmitglied angehörte. Wie aufopfernd widmete er jede Woche euren Tag dem Besuche der Strafanstalten, um auch hier den Verirrten und Bestraften durch seinen religiösen Zuspruch Trost und Aufrichtung zu spenden." „Durch sein Ableben hat ein Rabbinergeschlecht zu bestehen aufgehört, das seit Anfang dieses Jahrhunderts in der Provinz Schlesien und speziell in Breslau durch talmudische Wissenschafft, durch Lehre und Beispiel Hervorragendes geleistet hat." Von den vielen Nachrufen, welche die hiesigen Tageblätter gebracht, sei der des Vorstandes und der Repräsentanten hier wiedergegeben: „Breslau, 8. August. Heute 4 Uhr Morgens ist der Königl. Landrabbiner, Herr Gedalje Tiktin, Ritter des Rothen Adler-Ordens 4. Klasse, nach langen, schweren Leiden verschieden. Im Sinne und Geiste seiner beiden Vorgänger im hiesigen Rabbinate, seines frommen Vaters, dem die Gemeinde ein pietätvolles Andenken bewahü, seines Großvaters, dessen wissenschaftliche Arbeiten weit über die Grenzen unserer Provinz Anerkennung gefunden, hat er 43 Jahre lang als Rabbiner in der hiesigen Gemeinde gewirkt. Seine hervorragende Begabung, seine große Gelehrsamkeit, seine unerschütterliche Ueberzeugungstreue haben in allen Kreisen unserer Glaubensgenossen vollste Würdigung erfahren. Das neue Organisationsstatut der hiesigen Synagogen-Gemeinde ist von ihm treu erfüllt und hierdurch der Friede in der Gemeinde wesentlich gefördert worden. Wir betrauern tief den Verlust eines Mannes, mit dem uns ungetrübte freundliche Beziehungen verbunden haben." Ztreskau, den 6. August. (Or.-Corr.) Aus dem in der jüngst stattgehabten General-Versammlung des „Stelleu- Nachweis-Vereins jüdischer Kaufleute" (TDW nöW) Central- Comits Breslau * *), von dem Vorstände erstatteten Jahresbericht, entnehmen wir folgende interessante Daten: Der Verein hat sich im Mai 1885 constituirt und zählt bereits 260 Mitglieder. Bei der mit Erledigung der laufenden Geschäfte betrauten Commission sind gegen 50 Bewerbungen und gegen 30 Vacanz-Meldungen eingegangen. Das erzielte Resultat ist in Anbetracht der Neuheit und der schwierigen Verhältnisse, immerhin ein recht genügendes zu nennen. Es wurden durch die qu. Commission 20 Plazirungen ermittelt. Die Prüfungs-Commission hat Bücher und Rechnungen einer genauen Revision unterworfen und dieselben für richtig befunden, und so wurde dem Rendanten und dem Vorstände Decharge ertheilt. Im Interesse der guten Sache wäre eine immer regere und allgemeinere Betheiligung an den Zielen und Bestrebungen dieses Vereins sehr wünschenswerth, und werden dann die guten Erfolge nicht ausbleiben. Die wesentlichste Förderung dieser Zwecke erblicken wir in dem Beitritt recht zahlreicher Mitglieder in ganz Deutschland und darüber hinaus, besonders, wenn dieselben sich zu Lokal-V erbänden vereinigen und uns von etwaigen. Vacanzen Kenntniß geben wollen. Kannover. Vor etwa 8 Wochen — am 14. Juni — fand hier im Sitzungssaale der Synagoge die Jahresversammlung des „Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover" statt.*) Dem im Druck erschienenen Protokoll entnehmen wir das allgemein Wffsenswerthe: Der Vorsitzende, Herr F a u e rb ach - Hildesheim, eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Ansprache. Ec gab zunächst seiner Freude Ausdruck über den zahlreichen Besuch der Versammlung, darin einen Beweis dafür erblickend, daß die Anwesenden an den Bestrebungen zur Hebung des jüdischen Schulwesens, wie diese in der Presse zur Zeit sich kund geben, thätigen Antheil nehmen. Es sei ihm um so erfreulicher, dies sagen zu können, da auch er der Ansicht sei, daß sowohl für die Stellung des Lehrers, als auch für die Hebung des Schul- und Synagogenwesens noch ein weites Feld nützlicher Thätigkeit sich darbiete. Bezüglich der erstecen hob er hervor, daß für die jüdischen Lehrer in der Provinz *) Der obengenannte Verein weist seinen Mitgliedern Stellungen in solchen Geschäften kostenfrei nach, die an Sabbathen und Festtagen geschlossen haben. Der Jahresbeitrag beträgt 3 Mk., das Eintrittsgeld 1 Mk. Offerten nimmt entgegen der Schriftführer, Herr Martin Frankel, Breslau, Schwertstraßc oa prt. *) Es waren anwesend die Herren: Landrabbiner Or. Gronemann, Stiftsrabbiner Gottlieb, Seminardirektor vr. Krön er, Seminarlehrer Sommer. Mitglieder: Von Lehrern die Herren: Bachenheimer-Uelzen, Bachenheimer-Dransfeld, Cahn-Sarstedt, Cohn-Bovenden, Ör. David-Hannover, Eck mann-Nienburg, Erle-Achim,Fauerbach -Hildesheim, Fuchs-Braunschweig, Friede- Liebenau, Gold schmidt-Linden, Jtaliener-Bnrgdorf, Katz- Hannover, Katzen st ein-Barsinghaufen. Kaufmann-Einbeck, Levisohn-Werden, Löwen st ein-Celle, Meyer-Gronau, Nachmann- Hannover, Nuß b a um - Göttingen, Rose-Gehrden, Rosenbaum- Hamcln, Selig- Gleidingen, Schöps- Wunstors, Spanier- Neustadt a. R., Spanier-Stolzenau, Spier-Pattensen, I t e r n - Hildesheim, Vogler- Dannenberg, W e i n b e r g - Bodenfclde. t

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