Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 33. (12.8.1886)
- Date
- 1886-08-12
- Page
- Seite 272 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/5369809-9585330-9585609--6313-9585615- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Piła 1× ep/1048100
OCR text
— 272 — dungsgcschichte der Anstalt zu spinnen beginnt, bezeichnet den Verstorbene gemeinhin als den Stifter, als den Gründer der Anstalt. Das sei er allerdings nicht gewesen, weil er weder die erste Veranlassung zur Stiftung gegeben, noch den ersten Beitrag zur Gründung gespendet habe. Aber doch seien, ohne daß er Stifter der Anstalt war. die Verdienste des Verstorbenen um die Begründung der Anstalt so groß gewesen, daß dessen Name für immer mit ihrer Begründungsgeschichte verknüpft bleibe. — Aber nicht blos in dieser Anstalt, sondern in ganz Colberg habe der Verklärte sich wohl verdient gemacht, indem er die erste Anregung zur Stiftung des christlichen Kurhospitals „Siloah" gegeben und zuerst eine namhafte Summe zu dessen Errichtung gezahlt habe; auch habe er später noch wiederholt höhere Beiträge für dies letztere hergegeben. Sein Name, der die Ehren-Gedächtnißtafel des jüdischen Kurhospital nunmehr mit goldenen Buchstaben schmücke, werde für immer an dieser Stätte mit Dankbarkeit pnd Pietät genannt werden re. — Hierauf folgte die Todtenseier für die verstorbenen Wohlthäter der Anstalt in herabgebrachter pietätvoller Weise. ßokverg Das zum Besten des jüdischen Kurhospitals angekündigtc Conccrt ging am Dienstag den 27. v. Mts. programmmäßig vor sich und nahm einen glänzenden Verlauf. Der stattliche Saal des Strandschlosses bot ein ebenso interessantes, als farbenreiches Bild. Hunderte von Zuhörern strömten um die angekündigte Stunde von allen Seiten herbei und füllten in dichtgedrängten Schaaren nicht nur den großen Saal, sondern auch den angrenzenden Musiksaal. Fast wurde das Auge geblendet von der Pracht der Damentoiletten, welche mit den schlichteren Salonanzügen der zahlreich erschienenen Herrenwelt wohlthuend abwechselten. Daß nicht blos das Verlangen nach einem selten gebotenen Kunstgenüsse das überaus zahlreiche Auditorium vereinigte, bewies so manche reiche Gabe, welche weit über den Kassenpreis hinaus in die Teller der an der Kasse sitzenden lieblichen jungen Damen fielen. Ja selbst als beide Säle bereits gefüllt waren und viele der Eintritt Begehrenden an der Kasse zurückgewiesen werden mußten, wurden noch immer höhere Gaben geboten, um wenigstens für kurze Zert im Saale verweilen zu dürfen. Trotz der fast unerträglichen tropischen Hitze, die un Saale herrschte, harrte der überwiegend größte Theil der Versammlung bis zum Schlüsse der hochinteressanten Vorträge aus, welcher erst nahe gegen Mitternacht erfolgte. Den Mitwirkenden sowie den Veranlassern des Festes gebührt der Dank sämmtlicher Festtheilnehmer. Der Reingewinn, welcher aus dem Unternehmen dem hiesigen jüdischen Kurhospital zufließt, soll ein recht bedeutender sein. Saraolschirr, Prov. Posen. (Or.-Corr.) Der heutige Tag. 3. August, war ein Tag der Trauer und der Klage für unsere Gemeinde; ihr Rabbinatsverweser und Kantor, Herr Jizchak Jacobsohn, der nach langen Leiden am 1. d. Mts. verschied, wurde zur letzten Ruhe geleitet. In richtiger Erkenntniß der vorzüglichen Eigenschaften des Verblichenen, wurden dessen sterbliche Ueberreste zunächst in die Synagoge, an die Stätte seiner zwanzigjährigen Wirksamkeit, getragen, woselbst Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Brann aus Schneidemühl einekurze, aber ergreifende Ansprache hielt. Er pries ihn in seiner Doppeleigenschaft als 03n und JHT, als Gelehrten und Vorbeter. Kein Auge blieb trocken, als er demselben den Scheidegruß aus dem Gotteshause, woselbst er die Andacht mit frommem Sinn geleitet und das Wort der Thora gelehrt hat, zugerufen. Von dort bewegte sich ein unabsehbarer Trauerzug nach dem Friedhofe, allwo der ermähnte greise Rabbiner die eigentliche Leichenrede hielt. Anknüpfend an das sinnige Wort der Weisen: „Wenn Weise sterben, so sind Alle, die ihn zur Gruft geleiten, seine Verwandten re." entwarf er ein rreffliches Bild des Entschlafenen, der mit seltenen Fähigkeiten und Kenntnissen für seinen schweren Beruf ausgerüstet war und der die ihm obliegenden Pflichten des Amtes jederzeit, selbst unter unsäglichen Schmerzen, bis in die letzten Mottate seines Lebens mit Eifer und hingebender Treue erfüllt hatte. Die Art der Trauer ob des schmerzlichen Verlustes, beweise am besten den Werth des Mannes. Die Gemeinde, die sich ihm so nahe fühlte, werde über's Grab» hinaus ihn als ihren ehemaligen Berather, Leiter und Führerin Freud' und Leid in Ehren halten, seiner trauernden Wittwe und ihren unmündigen Kindern beistehen, auf daß sie vor Noth geschützt bleiben. Alsdann trat der älteste Sohn des Verstorbenen, Herr- Cantor Jikicobso h n aus Leipzig, an die Bahre und rief dem theuren Vater Worte der Liebe und des Dankes zu. Voll innerer Ergriffenheit und mit thränengefüllten Augen sprach er etwa Folgendes: Die Synagoge und das fromme jüdische Haus begingen gegenwärtig in Wehmnth die Erinnerung an die Belagerung und die Zerstörung des jerusalem. Tempels. Auch hier sei heute ein Heiligthum zerstört worden; der Tod habe einen Hohepriester aus der heiligen Halle des Familienlebens entrissen. Wenn des Priesters vornehmster Beruf sei, Licht und Wahrheit zu verbreiten, so sei der Verblichene der würdigsten Priester Einer gewesen. Das Licht der göttlichen Lehre habe er in Wahrhaftigkeit sein Leben lang verbreitet, zunächst in seinem eigenen Hause, dann aber auch als Lehrer Einzelner und ganzer Gemeinden. Der tiefbewegte Sohn hob noch viele treffliche Charakterzüge des Verstorbenen hervor und rief ihm mit vor- Rührung erstickter Stimme den letzten Abschiedsgruß in tiefergreifender Weise zu. Sodann ergriff der Rabbinatsverweser der Nachbargemeinde Labischin, Herr Auerbach, das Wort, um seinem Lehrer und Meister den Dank aus tiefbewegtem Herzen nachzurufen. Er schilderte den Gelehrten, den meisterhaften hebräischen Stylisten, den vorzüglichen Lehrer und den trefflichen Menschenfreund, der alle Zeit und Jedem mit seiner Hilfe nahe war. In dem Trauerzuge befanden sich ein ehemaliger Amtsgenosse des Verstorbenen, Herr Rabbiner Dr. Brann. aus Pr.-Stargard, sowie ein Sohn des funktionirenden Rabbiners, ebenfalls Rabbiner einer Nachbargemeinde, so daß vier Rabbiner dem Sarge des Verewigten folgten, dessen Andenken als segensreiches in unserer Gemeinde bewahrt werden wird! Oefterreich-Ungarn. Andapest (Or.-Corr.) Schwer hat die Hand des unerbittlichen Geschickes den Vorsitzenden des Lehrkörpers unserer Landes-Rabbinerschule getroffen. Am 23. Juli verschied nach kurzem Leiden dessen Gattin, Frau Nany Bloch, in dem mährischen Städtchen Leipnik, wohin sie sich mit. ihrem Gatten, Rabbiner Professor Moses Bloch, über die Ferien begeben hatte. Ein edles Herz mit frommem Sinn, voll Güte, Sanftmuth, Bescheidenheit und Friedensliebe hat der Tod hier, zum Stillstand gebracht; die Verstorbene war ein Biederweib., ein *?TT rntfK im vollsten Sinne des Wortes, das werden alle die bezeugen, die sie gekannt haben. Unzählig war die Schaar ihrer Freunde und Verehrer in den 3 Gemeinden, in welchen ihr Gatte durch mehr als 3 Dezennien hindurch als Seelsorger und Volkslchrer gewirkt, wie auch in unserer Stadt, in welcher er seit 9 Jahren so segensnno erfolgreich die Landes-Rabbinerschule leitet. Die große Theilnahme, die das Unglück des allverehrten Mannes erweckte, bezeugte das Leichenbegängniß der Verschiedenen, das unter überaus großer Betheiligung in Leipnik stattgefunden hat. Die ganze Bevölkerung der Stadt ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses, wie auch eine große Anzahl ihrer * Freunde aus der Umgebung, nahmen an demselben Theil. Die männliche und die werbliche Schuljugend schritt unter Führung der Lehrer dem Sarge voran. Die Kinder der Verblichenen, die alle ehrenhafte Stellungen einnehmen, waren erschienen, um ihrer geliebten und theneren Mutter den letzten Liebesdienst zu erweisen. /