Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 33. (12.8.1886)
- Date
- 1886-08-12
- Page
- Seite 273 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 278 — Am Grabe hielt der von der Doppel-Krone der Gelehrsamkeit und des Alters geschmückte, tiefgebeugte Gatte der edlen Verstorbenen einen ergreifenden Nachruf, bei dem kein Auge thränenlecr blieb. Hierauf sprach der Schwiegersohn, Herr Dr. Adolf Blüh, Rabbiner in Troppau, mit kurzen Strichen den Edelsinn der in Gott Ruhenden zeichnend, und dem Schmerze der Zurückgebliebenen würdig Ausdruck leihend. Aus Pest, Wien, Karlsbad, Gleichenberg und anderen Städten kamen Condolenztelegramme und Briefe in großer Zahl an die trauernde Familie. Möge diese, zumal der verdienstvolle Gatte, darin Trost finden für den herben Verlust, den sie erlitten; der Verstorbenen aber möge die -Erde leicht werden. Hkrag. Die Nachricht vom TodeLiszt's gehört insofern in dieses gesch. Bl., als, wie vielleicht nur Wenige wissen, derselbe in seiner frühesten Jugend mit seinem als Eszterhazy'scher Verwaltungsbeamter nur mäßig dotirten) Vater sehr oft die Gastfreundschaft des unweit des Geburtsortes Liszt's, Raiding bei Oedenburg in Ungarn, in der jüdischen Gemeinde Lakcnbach wohnenden, sehr wackeren jüdischen Kaufmannes Rüben H i rsch lers genossen; dort, in diesem überaus gastlichen Hause, wo auch gar mancher Lackenbacher- Jeschiwa-Bochur Aetzung und sonstige Unterstützung fand, ward dem jungen Zukunfts-Himmelstürmer Gelegenheit geboten, anstatt auf dem alten Hackbrette im väterlichem Hanse, auf einem feinen klangreichen Wiener Flügel zu spielen, und denselben auch fortan frei benützen zu dürfen — Obwohl später ein Freund Meyerbcers soll der Clavierheros doch im Gceisenalter kein Freund der Juden gewesen sein, was wohl dem Einflüsse seines judenfeindlichen Eidams Richard Wagner zuzuschrciben sein mag; — haben doch überhaupt so viele, sonst sehr geniale und hochbegnadete christliche Cultur-Heroen ein gar kurzes Gedächtinßfür die aus dem unerschöpflichen Borne jüdischer Hochherzigkeit geschöpften Wohlthaten, wofür der noch lebende Begründcr dcö Antisemitismus Marr als ein drastisches Beispiel gelten kann. Prav deck y. Uerrmschle und neueste Nachrichten. Magdeönrg, 8. August. Der vorgestern Abend erfolgte Tod des hervorragenden deutschen Sprachforschers und Litterarhistorikers, Prof. W. Scherer, verdient auch in der „Israel. Wochenschrift" registrirt zu werden. Gehörte er doch zu den edlen Geistern, die offen Front machten gegen die Antiseinitenbewegung und dessen Name unter der Notabelnerklärung gegen den Antisemitismus figurirte. Sein Andenken möge gesegnet sein! Berlin. Professor Kr0uecker, der für das Studienjahr 1886/87 zum Dekan der philosophischen Fakultät gewählt wurde, ist Jude. Es dürste der erste Jude sein, dem diese hohe Ehre an der Berliner Universität zu Theil wird. Berlin, Ende Juli. In diesen Tagen beging Frau Philippine L i e b er m a n u, eine durch ihre wohlth'ütigen Bestrebungen bekannte Dame, das 25jährige Jubiläum als Ehrenmutter der Baruch Auerbach'scheu Waifen-Erziehungs- Anstalten. Der Vorstand überreichte seiner treuen Mitarbeiterin eine ihre Verdienste würdigende, kunstvoll ausgeführte Adresse, desgleichen brachten die Zöglinge ihren Dank und ihre Glückwünsche dar. Die Jubilarin gestaltete ihren Ehrentag durch reiche Spenden zu einem Freudentag für die Zöglinge und die Anstalten. Köln, 10. August. In nächster Zeit finden in hiesiger Synagogen-Gemeinde zwei Jubiläen statt: Am 28. August die 25 jähr^ Feier der Einweihung der hiesigen Synagoge, und am 25. Septbr. das 25 jährige Jubiläum des Vorsitzenden des Vorstandes Herrn Bankier Jacob de Jon ge als Mitglied des Vorstandes unserer Gemeinde. Hets i. Schl. Auf ein desfallsiges Gesuch des Herrn Rabb. Dr. Chodowsk i ist derselbe als Geistlicher von der Entrichtung der Koinmunalstener befreit worden. Den aus Höerschtesten ausgewiesenen Handelsleuten ist auch der zeitweilige Besuch der Wochenmärkte verboten, auf denen sie mit Butter, Geflügel, Eiern, Getreide rc. Handel trieben. Von diesem Gebote sind meist jüdische Handelsfrauen getroffen. Leipzig. Im hiesigen Antisemitenverein erklärte jüngst Herr Liebermann v. Sonnenberg, daß er demnächst Deutschland für längere Zeit verlasse, um seinem alten Kampfgenossen Förster in Südamerika die Treue zu halten. Ans Württemberg erhält die „Freisinnige Zeit." eine Zuschrift, wonach auch dort Juden keine Aussicht haben, eine Stelle an einer höheren Lehranstalt des Staates zu erhalten und infolgedessen ausgezeichnete Schüler des Gymnasiums israelitischer Konfession vom Studium der Philologie zurückgchalten werden. Daß ein jüdischer Einjährig - Freiwilliger Reserveoffizier werden könne, sei gar nicht denkbar. Arrcha« in Württemberg. (Or.-Corr.) Die Nachricht über die Pensionirung unseres Herrn Rabbiner Weimann möge ergänzt werden durch die Mittheilung, daß der Schluß des betr. Erlasses lautet: „Die Oberkirchenbehörde ermangelt nicht, dem Herr»! Rabbiner ihr ernstliches Bedauern über sein Scheiden aus dem Dienste der isr. Kirche und namentlich über den beklagenswerthen Grund dazu, sowie den aufrichtigen Wnnsch zum Ausoruck zu bringen, daß es ihm vergönnt sein möge, im Rückblick auf sein vieljahriges, gewissenhaftes, pflichtgetreues und eifriges Wirken im aktiven Dienste sich eines möglichst langen und erträglichen Ruhestandes zu erfreuen." — Da Herr Weimann durch körperliche Schwäche am Predigen verhindert ist, so hat er kurzgefaßte, im Druck erschienene Abschiedsworte an die Mitglieder der Gemeinde vcrtheilen lassen, worin er in herzlicher, ja rührender Weise, Segen und Frieden erflehend, von seiner Gemeinde Abschied nimmt. Herr W. wird in einigen Wochen uns verlassen und nach Stuttgart übersiedeln. Arankfurt a. M., 1. August. In Nr. 31 der Wochenschrift vom 29. Juli l. I. befindet sich ein datumsloser(?Red.)Correspondenzartikel aus dem Nassauischen, in welchem Klage geführt wird, daß denc Herrn Bezirksrabbiner Dr. Hochstädter von Ems, nachdem er sein Amt in Folge seines Alters niedergelegt habe, von der Kgl. Regierung eine Pension nicht bewilligt worden sei. Da dabei mein Name genannt wird, so bin ich zu meinem Bedauern zur Richtigstellung der Sachlage genöthigt, Folgendes zu erklären: „Herr Dr Hochstädter hatte vor einigen Jahren an die Kgl. Regierung zu Wiesbaden ein Gesuch um die Bewilligung einer Pension ans der israelitischen Centralkultuskasse gerichtet. Dieses Gesuch ist mir von der Kgl. Regierung zur Aeußerung zugegangen. In meinem Berichte habe ich mich für d ie Auszahlung e iner jäh rlichen Pensio n an die ardnungs mäßig in den Ruhestand tretenden Bezirksrabbiner ausgesprochen, während Herr vr. H. in seinem Gesuche eine Pension ausschließlich wegen seiner großen Verdienste um das nassauische Judenthum beanspruchte. (Dies bestätigt die Mittheilung uns.Corresp. Red.) SüSki nd." UeichenHalk, 2. August. (Or.-Corr.) Gestern fand hier eine konstituirende Generalversammlung des neu gegründeten Vereins zur Unterstützung mittelloser Kurgäste israel. Konfession statt. Zum Vorsitzenden wurde gewühlt Herr Dr. med. Goldschmidt - Reichenhall, zum prov. Schrfffführer Herr stud. phil. Wern er. Die Ausarbeitung der Statuten wurde einem Ausschuß übergeben, bestehend aus folgenden Herreii: Oberrabbiner Dr. Hirsch-Prag, Rabbiner Dr. Back. Rabbiner Dr. Grün, Bernstein, Dr. med. Goldschmidt, Kowarski, Dr. Merzbacher, Rechtsanwalt Rau. Möge der neu gegründete Verein bald zahlreiche Mitglieder gewinnen, damit ec segensreich wirke. In'Mainz hat der neuernannte Bischoff Dr. Heffner dem Rabb. Dr. Salfeld etueu längeren Besuch gemacht. Aus Areskau erhalten wir kurz vor Schluß unseres Bl. die Trauerkunde von dem am 8. d. Mts. erfolgten Tode des Rabbiners G. Tiktin. (Näheres in nächster Nr.)