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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-08-12 · N° 33. (12.8.1886) · p. Seite 271

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 33. (12.8.1886)
Date
1886-08-12
Page
Seite 271 (sequence 5)
Language
German
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— 271 — Gehalt anzustellen und von dem Widerspruche von Seiten des Oberrabbiners, der einen Eingriff in seine Rechte darin erblickte. Die Sache wurde in einer Commissionssitzung dahin verglichen, daß der anzustellende Prediger keine weiteren Functionen eines Geistlichen verrichten dürfe, nur den Religionsunterricht solle er ertheilen. Auch dürfe nur einer von drei Candidaten. welche der Oberrabbiner in Vorschlag bringen würde, gewäh't werden; indessen sei dieser verpflichtet. dieselben innerhalb sechs Monaten namhaft zu machen.*) Wie es heißt, hätte der Oberrabbiner folgende Herren in Vorschlag gebracht: Rabbiner Dr. Cohn in Wiesbaden, „ „ Carlebach in Lübeck und, „ „ Marx in Darmstadt; und sollen dieselben zur Abhaltung einer Probepredigt eingeladen werden. Die allgemeine Ansicht ist indessen die, daß es zu einer Wahl gar nicht kommen werde. — An den Gemeindevorstand gelangte vor einigen Wochen das Ersuchen, sich der Petition in der Schächtfrage anzuschließen. Da die Verwaltung der Cultus-Sache der Verbände ist, so richtete der Vorstand die Aufforderung sich darüber zu äußern, sowohl an den Synagogenals auch an den Tempelverband. Ersterer hat das Schreiben dahin beantwortet, daß es zwar nothwendig sei, Stellung zur Sache zu nehmen, jedoch nicht eher, als bis ein neuer Reichstag versammelt und diesem eine neue Petition gegen das rituelle Schlachten eingereicht sein würde. A. L. Pttsben, 8. Ang. (Or.-Corr.) Am gestrigen Sabbat feierte der hier in weitesten Kreisen hochangesehene Bankier Herr Joseph Bon di sein 25 jähriges Jubiläum als Vorsteher der Gemeinde. Der Jubilar, getreu den Ueberlieferungen seiner seit mehr denn einem Jahrhundert zur Aristokratie der Stammgemeinde zählenden Familie, zeichnet sich durch regsten Wohlthätigkeitssinn und bethätigte Anthcilnahme an allen gemeinnützigen Bestrebungen aus. Dem angemessen war die Feier. In der überaus gutbcsuchten Synagoge erklangen Hallelujah-Gesänge. Die zur Thora Aufgerufenen, meist Gemeindevertreter, vor Allem aber der Jubilar selbst, spendeten ansehnliche Summen. Die herrliche, von warmer Begeisterung durchglühte Predigt des greisen Oberrabb. Dr. Landau, verflocht in trefflicher Weise die Bedeutung des Sabbats mit der Jubelfeier, dem bescheidenen Sinn des würdigen Jubilars Rechnung tragend. Dem Gottesdienst schloß sich in der Wintersynagoge eine Beglückwünschungsfeier an, deren Mittelpunkt die Familie Bondi war. An der Spitze der im Festgewand erschienenen Repräsentanten sprach, die edlen Eigenschaften des Gefeierten rühmend, Herr Vorsteher Rechtsanwalt Emil Lehmann, er überreichte auch Namens der anwesenden Schwester des Jubilars, Frau Helene Bondi, einen ansehnlichen Fonds zu einer „Joseph Bondi-Stistung", ferner eine vom Redner nach den Urkunden verfaßte Brochüre, die eine Chronologie sämmtlicher Ober-Rabblner, Vorsteher und Deputirten der hies. Gemeinde enthielt Redner erwähnte auch, daß der seit 96 Jahren bestehende isr. Frauenverein von einer Frau aus dem Hause Bondi begründet worden sei. — Hierauf wurde ein höchst kostbares, aus dem Atelier eines Vorstandsmitgliedes hervorgegangenes, die Cabinetsportraits sämmtlicher Gemeinderathsmitglieder enthaltendes Album überreicht, mit einer poetischen Widmung von Emil Lehmann. — Diesem schlossen sich nunmehr die Gemeindebeamten, die Herren Cantoren Wolfsohn, Bendincr, Löffler, Chordirigent Linde, Lehrer Auerbach und Gemeindediener Sundheim an, in deren Namen Herr Inspektor und Sekretair M. Bergmann in trefflicher, gebundener Rede, mit bewegter Stimme Glückwünsche und Dankesworte aussprach, eine künstlerisch ausgeführte Adresse übergebend. *) Wem: sich eine Gemeindeverwaltung solche Conditivnen bieten läßt, dann darf sie nicht über hierarchische Ueberhebung klagen. — Die genannten Candidaten sind, bis auf den mittleren, Rabbiner bei orthodoxen Religionsgcsellschaften von Separatisten. (Red.) Gerührt und" freudig erregt dankte mit schlichten Worten der so Gefeierte. — Im alten Stammhause der Familie beglückwünschten ihn dann noch Namens der Stadtdie Herren Bürgermeister Böhisch, Stadtrath Teucher und Ober-Schulrath Berthel. Stendal, den 3. August. Heute Vormittag wurde auf dem von der hiesigen israelitischen Gemeinde in der Neustraße erworbenen Bauplatze in Gegenwart fast sämmtlicher Gemeindemitglieder der Grundstein zu der neuen Synagoge gelegt. Herr Bankier Meyer, Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde, hielt zunächst an die Versammlung folgende Ansprache: Meine Herren! Mit des Allmächtigen Hilfe beginnen wir heute das Werk des Aufbaues unseres neuen Gotteshauses; daß es recht gelingen möge, dazu rufen wir den Schutz des einzigen, ewigen Gottes an. Wir versprechen, daß der darin abzuhaltende Gottesdienst stets den lleberlieferungen unserer Väter getreu zu Ehren des Höchsten abgehalten werden soll, daß wir nie von den Satzungen der uns vorgcschriebenen Religion, so weit sie sich der Jetztzeit anpassen, lassen wollen. Wir stellen dieses Gebäude unter den Schutz des allgegenwärtigen Gottes, der es mit seiner Allmacht schützen und schirmen möge. .Wir stellen es auch unter den Schutz der hohen Behörde hiesiger Stadt, wie auch deren Einwohner, und schließen mit. dem frommen Wunsche: „Zu Ehren des Herrn ist eS geschehen, o laß es gelingen, wie wir es erflehen." Geschehen am 3. August 1886 unter der glor- und thatenrcichen Regierung unseres allergnädigsteu Kaisers Wilhelm I. im 26. Jahre seiner weisen Regierung, und fordere ich Sie hiermit auf. mit mir einzustimmen in den Ruf: „Se. Majestät unser allergnädigster Kaiser Wilhelm er lebe hoch!" In das Hoch stimmte die Versammlung begeistert ein. Nachdem sodann die Blechkapsel mit den Urkunden, einem Grundriß des Gebäudes und eineyr Verzeichnis der hiesiegen jüdischen Familien, wozu noch je ein Exemplar des „Altmärkischen Intelligenz- und Lese-Blatt" und des „Adreßbuches der Stadt Stendal" vom Jahre 1886, Photographien von öffentlichen Gebäuden und verschiedene Münzen gelegt wurden, verlöthet war, wurde dieselbe in dem für den Grundstein bestimmten Raume untergebracht und dann der Stein eingefügt. Mit den üblichen drei Hammerschlägen von seiten des Herrn Maurermeister Steffens, des Gemeinde- Vorstehers und zweier Gemeinde-Mitglieder auf den Grundstein schloß die ernste Feier. ß-k-erg, 29. Juli. Am 25. d. Mts. Vormittags 10ll2 Uhr wurde das zwölfte Stiftungsfest des hiesigen jüdischen Kurhospital im Betsaal der Anstalt durch einen Festgottesdienst begangen. Nach den einleitenden liturgischen Gebeten wurde der 16. Psalm unter Begleitung des Harmoniums vom Kantor Zadikow vorgetragen, worauf Rabbiner vr. G oldschmidt die Kanzel bestieg und anknüpfend an den Schrifttext Numeri 32 32: „Wir wollen gerüstet ziehen vor dem Herrn!" die Festpredigt hielt. Der Redner entwickelte, daß die Errichtung allgemeiner und öffentlicher Wohlthätigkeitsanstalten ein höherer und beständigerer Ausdruck der Menschenliebe sei, als die Einzel-Wohlthat, wie ja auch der einzelne Mensch sterblich sei, nicht aber die Mensch-. heit; die Einzel-Wohlthat ziere wohl den einzelnen Menschen, die Betheiligung an öffentlichen, gemeinnützigen Wohlthätigkeits-Anstalten aber die Gesammtheit. Der Redner bezeichnet« alsdann weiter die Menschenliebe und Barmherzigkeit als denjenigen Punkt, der allein Friede und Versöhnung bringen könne in den heißen Kämpfen der menschlichen Gesellschaft; in der Menschenliebe sei ein Sammelpunkt gegeben, wo alle sich die Hand reichen, alle entgegenstehende Ansichten, alle abweichenden Gesinnungen, alle auseinanderlaufcndeu Kräfte auf einen einzigen Punkt zusammendrängen, nach einem Punkte hinstreben, in einem Punkt gemeinnützig Zusammenwirken können. Zum Schluffe gedachte der Redner der Verdienste des im Läufe dieses Jahres verstorbenen Hern Oppenheim in Berlin. Die Sage, so führte der Redner aus, die bereits ihre ersten Fäden in die Begrün-

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