Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 31. (29.7.1886)
- Date
- 1886-07-29
- Page
- Seite 256 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Aufgabe an ihn herantrat, in weiter Ferne einen israelitischen Knaben in den Bund unseres Vaters Abraham cinzuführen. Er hat nur DtW DEH, ohne sich je daran bereichern zu wollen, bis unmittelbar vor seinem Tode der Erfüllung der heiligen und schweren Ausgabe, welche er sich selbst gestellt, vbgelegen. Arme Eltern hat er wohl noch aus eigenen Mitteln hochherzig unterstützt. In Anbetracht seiner edlen religiösen Großthaten verlieh ihm Herr Rabbiner Dr. Rosenthal in Beuthen, als Herr Böhm seinen 70. Geburtstag festlich beging, den Morenu-Titel. Mit der greisen Wittwe, die gegen 50 Jahre in glücklichster Ehe mit ihrem wackeren, frommen Gatten gelebt und mit den tief gebeugten Kindern, welche ihren edlen, durch einen Herzschlag ihnen plötzlich entrissenen Vater beweinen, trauern viele Freunde und Verehrer des Verklärten in einem großen Theile unserer Provinz. rrararu Niederlande. Luxemburg, 15. Juli, (Or.-Corr.) Am 10. Juni d. I. hat der Kvn.g von Holland in seiner Eigenschaft als Großherzog von Luxemburg ein wichtiges Gesetz vollzogen, das die Beitragspsllcht der Mitglieder der isr. Gemeinden Luxemburg's regelt. Die Verhältnisse der jüdischen Gemeinden des Landes beruhten auf den Gesetzen vom Jahre 1816 und 1821, die indessen durch die Verfassung, die im Jahre 1848 erlassen und, durch die Trennung von Belgien bedeutend modificirt wurden, da wir früher zur Kreissyuagoge Mastricht in Holland gehörten. Durch die Vcrfassungsbestimmung, «daß Niemand gezwungen werden könne, an den Akten und den CeremonicuG^s.er Religion theilzunehmen," entstanden wiederholentlich iüntigfeiten, bei deren Beilegung die Gemeinde finanziell iurmcr geschädigt wurde. Durch den Ankauf eines neuen Friedhofes, der der Gemeinde enorme Opfer auferlegte, sah das jüdische Consistorium sich veranlaßt, der Regierung ein Reglement vorzuschlagen, welches die Taxen und Bedingungen vorschreibt, unter denen die Mitglieder und Nichtmitglieder der Gemeinde beerdigt werden; letztere müssen den fünffachen Betrag ihrer respectiven Klasse bezahlen, so daß durch diese Bestimmung einerseits die Verfassung nicht verletzt, und andererseits der Austritt aus der Gemeinde erschwert wird, ohne die Continuität der Gemeindeinstitutionen zu gefährden. Nachdem das Reglement die Zustimmung des Gemeinderathes, der Hauptstadt, des Generalprocurators und der Regierung erhalten, hat der König am 10. v. M. im Bade Wildungen dessen Sanction vollzogen. Amerika. W.*) Aas Mord-Amerika, 1. Juli. (Or.-Corr.) Seit vielen Jahren ist die „Wochenschrift" ein mir sehr willkommener Gast aus der alten Heimath — aber vergebens suche ich in derselben seit langer Zeit nach Berichten aus unserem Erdtheile, und doch geht hier so Vieles und so Mancherlei vor, das von großem und weitgehendem Interesse für eine „den religiösen und foctalea Interessen des Judenthums" gewidmeten Zeitschrift sein muß. Gestatten Sie mir als gelegentlichem Berichterstatter, Ihren Lesern einige Nachrichten aus dem amerikanischen Israel zukommen zu lassen. Von der „Pittsburger Conferenz" und der bei derselben von unseren hervorragendsten Reform-Rabbinern erlassenen „Unabhängigkeits-Erklärung" haben Sie sicherlich gehört. Am 26. Juni sollte die Conferenz in Cincinnati wieder eröffnet werden, um über „die Prosclytenfrage" und diverse andere Zeitfragen vom radikalen Standpunkte aus zu berathen und zu entscheiden — aber aus gewichtigen Gründen wurde die Conferenz vertagt. Die Gemeinden meinten, sie hätten in diesen das Judenthum so tief berührenden Fragen auch noch ein Wörtchen mitzusprechen uub riesen den betreffenden Herren Rabbinern ein entschiedenes „Quo« ego!“ entgegen. Dazu kam noch die „Affarre Sonneschein." *) Ihre in Aussicht gestellten ferneren Mittheilungen über das Orphan-Asylum des J. 0. B. B. werden den deutschen Brüdern des Ordens lehr willkommen sein, wir bitten sehr darum. (Red) Was darunter zu verstehen ist, können Sie eiiie^- Längeren ans den New - Iorker jüdischen Zeitungen entnehmen. Zur Aufklärung Ihrer Leser will ich die Sachekurz erzählen: vr. Sonneschein, seit 17 Jahren Rabbiner einer hervorragenden Gemeinde in St. Louis, hat es durch seinen selbst für einen amerikanischen Rabbiner zu leichten Lebenswandel und durch seine diversen radikalen Luftsprünge — vor ein paar Jahren beantragte er, Chauuka aus Weihnachten zu verlegen — endlich dahin gebracht, einen großen Theil seiner Gemeinde als seine Gegner dem Augenblicke entgegensehnen zu sehen, wo sie seiner los werden könnten. Anstatt in andere Bahnen zu lenken, reizte Sonneschein seine Gemeinde durch radikale Predigten und durch weiteres nicht standesgemäßes Betragen, Bei der letzten Jahres-Versammlung der Gemeinde im Monat April wurde ein Vorstand erwählt, der aus lauter Gegnern Sonnescheins zusammengesetzt war. In der ersten Aufregung darüber reichte er seine Resignation ein, hoffend und erwartend, daß die Gemeindemitglieder in Schrecken gerathen und klein beigeben werden — allein er hatte die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Die Resignation wurde angenommen, um am 1. October in Wirksamkeit zu treten. Eine Stellung, die jährlich 5—6000 Dollars cinbringl, zu verlieren, das ist keine Kleinigkeit für einen Mann, der kaum eine Aussicht, hat, bei einer andern Gemeinde anzukommen! In der Bestürzung über die unerwartete Niederlage soll Sonneschein den unbesonnenen Schritt begangen haben, um nach Bo st o n^ zu reisen und sich daselbst den „Unitariern", der freisinnigen christlichen Kirche Amerikas, als Prediger und Mitarbeiter anzubieten. So viel ist gewiß, daß er in Boston war, sich daselbst bei keinem der dortigen Collegen sehen ließ und in einer Unitarier - Kirche am Sonntag predigte — allein dergleichen hat er schon früher in St. Lvuis gethan. Der Vorstand seiner Gemeinde erhebt die schwere Anklage gegen ihn, „Apostasie" beabsichtigt zu haben und beantragt seine sofortige Absetzung vom Ravbiliate. In wenigen Tagen wird die über 300 Mitglieder zählende Gemeinde tit Spezial- Versammlung über die Sache entscheiden. In der Woche vom 22. zum 26. Juni wurden in Cincinnatier Rabbiner-Seminar die Jahresprüfungen abgehalten y die Herren Rabbiner vr. Spitz, vr. Schwab und vr. Sale waren die Examinatoren, das Resultat war ein sehr befriedigendes und zeugte von großem Fleiße der Lehrer sowohl als der Schüler. Außer Herrn vr. Wise fungtren die Herren vr. Mielziner, vr. Zirndorf, Rev. Mannheimer und Rev. Davidson als Professoren. Drei Rabbinats-Candidaten erhielten ihre Diplome und sind auch bereits in anseljnlichen Gemeinden als Rabbiner erwählt worden^ es sind dies die Herren Moses Jacobson, ein ehemaligem. Zögling des Waisenhauses in Cleveland, Tobias Schön» färber und Samuel Freuder. Das Rabbiner-Seminar — Hcbrew Union College, wie es hier heißt — hat gegenwärtig 32 Hörer. Em zweites Rabbiner-Seminar, das in conservativem Sinne geleitet werden soll, wird demnächst in New-Jork unter der Aegide von Ko Hut und Morais eröffnet werden. Vor 14 Tagen starb in New-Orleans Rev. James Gutheim, der würdige Rabbiner der Sinal-Gemeinde daselbst. Der Verstorbene erreichte ein Alter von 69 Jahren und war angesehen und geehrt im ganzen Staate Louisiana, dessen Metropole Mw-Orleans ist. Bei seiner Begräbnißfeier vertagte sich zu seinen Ehre» die Staatslegislatur und der oberste Gerichtshof, die gerade m Sitzung waren — wahrlich eine hohe Anerkennung des Judenthums und seiner Lehrer, ein wahrhaftes Liäcknsoll lrs,8o1rsllr. Vermischte und neueste Nachrichten. -»ertt«. Gegen Anton v. Werner, den Direktorder Königl. Kunstakademie, versucht die antisemitische Presse nun zu Hetzen, weil er die Lehrer und Schüler der Kunstakademie