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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-07-29 · N° 31. (29.7.1886) · p. Seite 257

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 31. (29.7.1886)
Date
1886-07-29
Page
Seite 257 (sequence 7)
Language
German
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257 — zusammenberufen und denselben erklärt hat, daß er gegen antisemitische Agitationen innerhalb der Akademie mit aller Energie Vorgehen werde. Die „Kreuzzeitung" führt nun aus, daß doch Fürst Bismarck seine ganze Hoffnung auf die „nationale Gesinnung" der Jugend setze, und „die nationale Gesinnung von der Abneigung gegen das Judenthum unzertrennlich sei". (Wie lautete doch der gerichtlich beglaubigte Ausspruch des deutschen Kronprinzen zu dem Stadtrath Magnus? „Das Hineintragen der antisemitischen Tendenzen in die Schulen und die Hörsäle, die Pflanzstätten des Edlen und Guten, verletze am meisten das Gefühl".) Merkin. Ueber praktischen Antisemitismus hielt im deutschen Antisemiten - Bund ein Dr. Gedanu aus Jassy einen Vortrag. Redner rühmte, daß in Rumänien die Juden von einer großen Zahl von Berufsarten ausgeschlossen seien. Infolgedessen aber hätten dieselben neben dem Handel sich dem Handwerk in solchem Umfang zugewendet, daß in Jassy, außer 5 Deutschen, nur jüdische Handwerker vorhanden seien. Trotz aller Beschränkungen nähmen die Juden in Rumänien derart zu, daß anzunehmen sei, daß die Juden in 50 Jahren daselbst die Mehrheit des Volkes bilden würden. — Trotz dieser Perspektive begeisterte sich der Antisemiten-Bund zu einem Hoch auf den „praktischen Antisemitismus der Rumänen". Merlin. Der hebr. Litteratur-Verein „Mekize-Nidarmim^ wird im zweiten Jahrgang folgende Werke liefern: 1. INS pnT (Buchstabe V). 2. Der Schlußband der O'21^N fYQIttTU 3. Maimonides Mischmah-Commentar zum nWU2 “HD mit dem arabischen Original und hiernach berichtigter, hebräischer Uebersetzung, von Dr. I. Derenburg in Paris besorgt. 4. Sammelband mit verschiedenen kleineren, bisher unedirten Piecen. 5. Der des Mose ibn Esra, herausgegeben von Baron Dr. David v. Günzburg in Petersburg. Die Schriften des ersten Jahrgangs sind vollständig vergriffeu. Auch im zweiten Jahrgange wird dem Programme gemäß, die Höhe der Auslage nur um ein Geringes die Zahl der Abonnenten übersteigen. Daher werden alle Diejenigen, welche in den Besitz der Schriften gelangen wollen, ersucht, den Jahresbeitrag mit 10 Mark schleunigst an Herrn Dr. A. Berliner, (Jnvalidenstraße 151) einzusenden. Seesen a. <*». (Or.-Corr.) In der Nacht vom 25. zum 26. Juni starb plötzlich aus einer Vergnügungsreise zu einem seiner Jugendfreunde in Hannover der langjährige Inspektor der Jacobsohn'schen Waisenanstalt, Herr I. Stern, in seinem 71. Lebensjahre. In dem Entschlafenen verliert die Anstalt einen bewährten treuen Leiter, alle, die als Waisenknaben bislang das Jacobson'sche Waisenhaus besuchten, zum zweiten Male einen liebevollen Vater, die Lehrer der Anstalt einen treuen väterlichen Freund und Kollegen, einen liebevollen Vorgesetzten. — Die gute Saat, die er gestreut, sie keimet, trägt Blükhen und Früchte, und wird auch Segen verbreiten über kommende Geschlechter; denn das Gute wirkt unvergänglich und unzerstörbar fort und sichert dem Gerechten auch hienieden ein ewiges Leben. Ehre seinem Andenken, Friede seiner Asche! Aus Hverfchkesien. Ueber unsere jüdische Schnaps- Händler ist semerzeit in konservativen Blättern viel geredet worden. Dazu bemerkt ^er „Oberschles. Anzeiger": „Warum gerade die jüdischen Schnapshändlcr hier tit den Vordergrund gestellt worden sind, mir wissen cs nicht. Wir können uns weder für jüdische, noch für christliche Schnapshändler begeistern; denn es giebt auch solche von der letztcrn Art, und nebenbei wollen wir hur noch bemerken, daß, so viel bekannt ist, der größte sogar l er evangelischen Konfession angchört. Solche Argumente sollte man bei einer so wichtigen Angelegenheit am allerwenigsten in den Vordergrund stellen." Aus Aayern. Der Ausschluß der Juden von dem Philologischen Lehramt durch das Liberale" Ministerium Lutz, wird uns durch eine Zuschrist aus der Pfalz als thatsächlich vorhanden bestätigt. Das amtliche Register der Lehrer an bayerischen Studienanslalten weist keinen einzigen Lehrer israelitischen Bekenntnisses auf. Junge Israeliten in Bayern sehen daher einfach von vornherein davon ab, Philologie zu studiren, da sie eine Aussicht auf Anstellung im Staatsdienst doch nicht haben. Wien- Ein sbuä. zur. aus Galizien stand unter Anklage, in der polizeilichen Anmeldung seinen Namen Chajim in Heinrich und sein Judenthum in Protestantismus verwandelt zu haben. Es erfolgte Freisprechung: er wies nach, daß er in allen Dokumenten „Heinrich" genannt sei und die protestantische Taufe ein Akt des „Rausches" gewesen sei. Madn bei Wien. Der Antisemitismus ist hier gründlich reingefallen. Zu Beginn der Saison konnte man an vielen Fenstern lesen: „Eine Wohnung zu vermiethen! Preis 600 fl., für Juden 1000 fl." u. dgl. Was war die Folge davon? Während voriges Jahr um diese Zeit der hiesige Badeort ca. 9000 Gäste zählte, hat er es dies Jahr noch nicht auf 6000 gebracht. Kein Wunder: die Wiener Israeliten, die ein großes Kontingent der Badegäste stellen, suchen lieber Plätze auf, wo die Preise intecconfessioncll sind. — Jetzt freilich sind auch hier die Preise interconfessionell geworden, der Geist des Antisemitismus, der in den leerett Wohnungen herrscht, bezahlt keine Miethe — aber die Reue kommt zu spät. Der Antisemitismus ist uns wirklich — th euer gewo-Äest. Slanisknys. Hier ist eine vierklassige israelitische Schule eröffnet worden, f Der verewigte Abraham Heilsten! hat das Haus dazu ge-sÜftet;Jnspector im Aufträge der „Wiener Allianz" ist Herr I. Fischer und Director der Lehrer für die religiösen Fächer Herr M. Weißberg. Farnow. Unser neuer Bischof Lobos ist ein Gegner des Antisemilismus. Bei seiner letzten Diözesen-Reise hat auch die isr. Gemeinde in Rabomischcl sich an den Empfangs- Feierlichkeiten dieser Stadt betheiligt, bei welcher Gelegenheit der Bischof auf eine Ansprache des Vorstehers erwiderte: „Ich weiß die Bekenner des Gottes Abrahams zu schätzen, dies Bekenntniß ist ja die Grundlage des Chriftenthums!" — Er ermahnte die Stadt auch sehr eindringlich, coafessionelleu Frieden zu bewahren. — Wäre der bisherige bischöfliche Vicar so gesonnen gewesen, der Makel des famosen „Ritter- Prozesses" wäre unsrer Justiz erspart geblieben. Anstatt den Brand zu löschen, hatte der Vicar Oel in die Flamme gegossen. — Saris. Jakob Darmstädter, Prof, der orientalischen Sprachen, macht eine wissenschaftliche Reise nach Afghanistan und von da nach Persien. Ec gedenkt auch, den dorügen Juden seine Forschung zu widmen. London. Das Gros der hiesigen Judenschaft hat zu den Parteigängern des nun erlegenen Gladstvne gehört. Mitgefühl mit den Irländern war das Motiv ihrer Pacteistellung. Witau Zu dem Festessen, welches von den Spitzen der Behörden jüngst zu Ehren des Großfürsten Wladimir veranstaltct worden, hat auch unser Glaubensgenosse Herr Leon Lew Einladung erhalten. Dieser, ein strengfrommer Mann, hat selbstverständlich sich dabei keiner Verletzung des Ritual-Gesetzes schuldig gemacht. Mosciska. Sonntag, den 27. Juni, schlug der Blitz durch das Fenster der hiesigen „Neue Klause" ein, in welcher ein „Melammed" mit 3 Schülern war. „Der „Melammed" wurde getödtct, von den Schülern waren 2 betäubt worden, der dritte war schnell davon gelaufen. Die 2 betäubten Schüler sind wieder wohl. Sonst hat der Blitz keinen Schaden gethan. Der verunglückte Melammed war 61 Jahre alt. Kartarvunar. Der Präfect über den auf dem Berliner Congreß zu Serbien geschlagenen Landstrich hat eine Instruction erlassen, der zufolge kein durchreisender Jsraelite in den Dörfern sich länger als 3 Stunden aufhalten darf. Aernsakem. Herr Dr. Harkavy aus Petersburg hat seine Reise hierher im Aufträge der Kaiserlichen BibUothek von St. Petersburg unternommen, um alte Manuscripte zu erwerben. Nach einigen Wochen Aufenthalt gedenkt er nach Sichem, Damaskus und Egypten zu reisen. Möge Gottes Schutz ihn begleiten!

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