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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-07-22 · N° 30. (22.7.1886) · p. Seite 247

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 30. (22.7.1886)
Date
1886-07-22
Page
Seite 247 (sequence 5)
Language
German
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— 247 'Religion übrig bliebe. Man spricht doch auch von einer deutschen Pädagogik und sind die Juden von ihrem Ursprünge an sozusagen doch auch eine Nation gewesen! Freilich sind die Schätze der jüdischen Pädagogik noch nicht gehoben, und es istThitsache, daß durch den Aufschwung, den die deutsche Pädagogik in neuerer Zeit gewonnen, die altjüdische Pädagogik in Schatten gestellt ist. Dadurch dürfen wir uns aber nicht beirren lassen. Das mehr Leuchtende ist nicht gerade in allen Punkten immer das Bessere! Ueber bestimmtere Punkte der jüdischen Glaubenslehre und Pflichtenlehre zu sprechen, behalte ich mir für ein anderes mal vor. Dresden. Einer Dresdner Chronik entnehme ich einige Curiosa, von denen Ersteres für unsere heutigen Orthodoxen recht Beherzigenswerthes enthält. Es heißt da: „Der Kurfürst verlangte auch Vorschläge zu besseren Schulanstalten für, die jüdische Jugend, der Rath erstattete daher unter dem 28 Febr. 1798 Bericht über die politische (!) Verfassung hiesiger Judenschaft und deren etwa nöthige Verbesserung. Aber die Judcnältcsten widcrsetzten sich einer so heilsamen Anordnung und so unterblieb tue gute Sache." Beim Empfang des aus der Gefangenschaft zurückkehrenden, am 8. Juni 1815 in Dresden seinen feierlichen Einzug haltenden Königs Friedrich August fignrirten zum ersten Male die Dresdner Israeliten offiziell beim Festzug. Der Chronist führt auf unter: Nr. 10 „Die Abgeordneten der israelitischen Gemeinde: 40 Personen mit ihrem Rabbiner David Landau*) in schwarzer Amtskleidung mit raucher Mütze." Ferner einige interessante Notizen früherer Daten: „Im Mai 1720, veranlaßt die fortwährende Theueruug in Dresden den Hofjuden Jonas Meyer, Korn aufzukaufcn und der Bürgerschaft zu helfen. Im Oktober des Vorjahres kostete der Scheffel Korn 4 Thaler 12 gute Groschen, Meyer gab denselben für 3 Thlr. 12 Gr. Doch nicht an Bäcker. Er ließ 40,000 Scheffel aus Danzig u. a. O. kommen und verkaufte an Jedermann für 3 Thlr. 8 Gr. Der Zudraug war so groß, daß militärische Wachen vor seiner Thür aufziehen^ mußte'" Als Seitenstück hierzu noch eine Notiz aus dem Jahre 1784 das einen sehr strengen,Winter brachte: „Hvffaetor Eibeschütz (sonst Adlersthal genannt) ließ 10 Schrägen Holz unter die Christen und 5 unter die Judeuschaft vertheilen. Andere Menschenfreunde (!) folgten seinem Beispiele." Schließlich ein Gegenstück: „Seit dem Jul, vor. Jahres (1700) waren viele gestohlene Sachen durch Juden beseitigt worden, ohne daß deren Wiedererlangung bewerkstelligt werden konnte. Man verschrieb daher einen Rabbiner aus Böhmen, der iin Beisein des Oberamtmannes und des Rathsactuars den versammelten Juden den Eid abnehmen mußte, daß sie das Abhandengckommeue wiederbeschaffen wollen. Die Widerspenstigen wurden in den Bann gethan und dazu in das Horn geblasen und die Kerzen verlöschet. Das Alles geschah am 17. Januar (1761) in des Hofjudeu Lev! Behausung. Adolf Landau. Landau. Das am 26. Juni begangene 50 jährige Dienstjubiläum des Bezirksrabbiners Or. Grüne bäum gestaltete sich zu einer großartigen Feier, an der außer der israelitischen Cultusgemeinde nicht nur die berufenen Vertreter der Behörden, sondern auch die gesummte Bürgerschaft der Stadt Antheil nahm. Die Feier wurde des Vormittags auf dem Sladthaufe durch eine Versammlung eingeleitet, in welcher Herr Bezirlsamtmann v. Hart lieb dem Herrn Jubilar das ihm von König Ludwig II verliehene Verdienstkreuz des Ordens vom heil. Michael feierlich überreichte. Daran schloß sich ein Festgottcsdienst in der Synagoge, bei welchem Herr Rabbiner Or. Mayer von Zweibrücker, die Predigt und Herr Rabbiner Or. Landsberg von Kaiserslautern . *) Großvater des jetzigen Ober-Rabbiners und meines Wissens der eyte, amtlich aufgeführre, Sachsens. .?*)'Jetzt Landhausstraße 7 „Zur alten Post", im vor. Jahrhundert das Judenhaus genannt. die Schlußausprache hielt. Mittags fand im Hause des Jubilars Festtafel statt und Nach mittags 3 Uhr erfolgte die feierliche Ueberreichung der Geschenke und Glückwunschschreiben. Der RabbinatSbezirk Landau verehrte dem Herrn Jubilar einen silbernen Pokal, die Lehrer des Bezirks die Oppenheimschen Familienbilder, der Syuagogeuchor ein Gedenkblatt und ein Diplom, in welchem der Jubilar zum Ehrenmitglied des Synagogenchors ernannt wird. Frühere Schüler brahten ein Photographie-Album mit ihren Photographien, seine Schüler der Realschule und Studienanstalt: Honegger's „Culturgeschichte der neuesten Zeit", seine Schülerinnen der Töchterschule einen Ranchtisch. Der Mendelssohn-Verein in Frankfurt ließ durch Rabbiner Or. Brüll ein Diplom als Ehrenmitglied überreichen; Rabbiner Or. Mayer von Zweibrücken brachte im Namen des „Deutschen Rabbiner-Verbandes" ein Glückwunschschreiben und Herr Or. Brüll von Frankfurt ein solches im Namen des deutsch-israelitischen Gemeindebundes. Die Stadt Landau hatte ihr Geschenk, zwei silberne Leuchier, schon Vormittags überreichen lassen. Hatten schon der Festakt, sowie die im Laufe des Tages aus allen Theilcn der Welt eingelaufeneu Telegramme (70) und Glückwunschbriefe (300) gezeigt, in wie iveiten Kreisen und in wie hohem Maße der greise Jubilar allgemeine Verehrung genießt, so sollte dies^do.h noch mehr bei dem Abends im festlich geschmückten L>chwanensaale stattgeyabten Festbankett offenbar werden. Dazu hatten sich aus allen Krelseil unserer Bürgerschaft Theilllehmer eiugefunden. Der Vorstand der israelitischen Cultusgeineinde, Herr I. Dannheißer, begrüßte die Anwesenden und geoachte dann in vorzüglicher Rede der Bedeutung des Tages und insbesondere der seelsorgerlichcn Thätigkeit des Herrn Jubilars, auf dessen Wohl er ein dreifaches Hoch ausbrachte, in welches die zahlreiche Versammlung aus vollem Herzen einstimmte. Herr Or. Grünebaum erwiderte darauf, inoem er als den Schutz des Landes, sowohl gegen die vo.i außeli drohenden Feinde, als gegen die im Innerndie Ordnung bedrohenden Elemente, die Armee pnes und auf deren Vertreter Herrn Oberst Waagen ein Hoch ausbrachte. Herr Oberst Waagen sprach dafür feinen wärmsten Dank aus und schloß mit einem Hoch auf Or. Grünebaum. Herr Rektor Dreykorn rühmte die Lehrthätigkeck des Jubilars und hofft, daß dieselbe noch lange seinen Schülern erhallen bleibe; fein Hoch galt ebenfalls dem Jubilar. Herr I. Dannheißer brachte ein Glas dem Fest- Prediger Or. Mayer; worauf Herr Rabbiner Or. Mayer der städtischen Behörde gedachte und deren anwesende Vertreter hochlebeu ließ. Herr Oberstlieutenant v. Meyer brachte ein Hoch auf die Damen aus, Herr Oberst Waagen im besonderen auf das Wohl der Frau Gemahlin des Jubilars. Herr Adjunkt Weber feierte den Herrn Jubilar als Bürger der Stadt; Herr Or. Brüll von Frankfurt rühmte die Einigkeit und den Geist der Duldsamkeit unter der Landauer Bürgerschaft; Herr Jof Mayer gedachte der Verdienste des Synagogenchors. Dann brachte noch Herr Blum von Jugenheim ein Hoch auf den Vorstand der Cultusgemeinde und Herr Rabbiner Brüll von Frankfurt ein solches auf die jenseits des Oeeans weilenden Familienangehörigen des Herrn Jubilars aus. Nach Mitternacht erst endete das schöne harmonische Fest. Königsberg H.-Zfr. Der überaus bedeutende Rückgang des Getreidehandels ist nach dem Jahresbericht der Königsberger Kaufmannschaft, namentlich in den jetzt abgelaufenen 4 erjteit Monaten des Jahres 1886, wenigstens theilweise den Ausweisungell zuzuschreiben. Gerade auf der Thätigkeit der hier wohnenden russisch-jüdischen jKaufleute beruhte ein großer Theil des Königsberger Geschäfts mit Rußland. Die Heranziehung des russischen Getreides war vornehmlich. Sache dieser russisch-jüdischen Kommissionäre. Auch die hier sich nur zeitweilig aufhaltenden russisch-jüdischen Händler entfalteten eine dem Getreidehandel ersprießliche Thätigkeit. Aehnlich liegen die Verhältnisse im Holzhandel und im Handel mit Flachs und Hanf. Aber auch ein erheblicher Theil unseres Exports nach Rußland, namentlich von Thee,

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