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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-07-22 · N° 30. (22.7.1886) · p. Seite 246

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 30. (22.7.1886)
Date
1886-07-22
Page
Seite 246 (sequence 4)
Language
German
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— 246 E. : iHs. Kerichle und Correspondenzen. Deutschland. Weilburg, 12. Juli. Soeben geht mir, wie auch meinem geehrten Herrn College« Dr. Silberstein in Wiesbaden, von der Königl. Regierung zu Wlesbaden, „im Aufträge des Herrn Minister des Innern und der geistlichen, Unterrichts¬ und Medizinal-Angclegenheiten," Copie des an den Herrn Reichskanzler gerichteten Gesuches der Genfer Thierschutz- Gesellschaft betreffend die Abänderung der bisber üblichen Methode des isr. Bichschlachtens zur Begutachtung zu. Nach flüchtigen! Durchlcsen des s r a n z ö f > s ch e n Gesuches und Reglements, welche beide von Copisten-Fehlern strotzen, sehe ich, daß die verlangte Betäubung des Viehes nicht, wie bisher angenommen wurde, vor dem „Schächten", sondern unmittelbar nach dem „Schächten" stattfinden soll, wodurch die Sache ihren aufregenden Charakter verliert. Ich beeile mich zur Beruhigung der Oeffentlichkeit dies zur Kenntniß zu bringen, glaube auch, daß ich mich für autorisirt werde halten dürfen, das Reglement im Wortlaut mitzutheilen. — Auch der Umstand, daß die Königl. Regierung das Gutachten der staatlichen Bezirtsrabbiner verlangt, ist sehr geeignet, die religiösen Gewissen, hinsichtlich der Maßnahmen der Königl. Regierung, von ihrer Besvrgniß zu befreien. Das Verlangen solcher Gutachten ist von der Königl. Regierung des früheren Herzogthums Nassau gewöhnlich sehr ernst gemeint, und nicht blos pro forma gestellt. Wahrscheinlich wird der Oberkirchenrath von Baden und Württemberg sich ebenfalls officiell darüber auszusprechen haben. — Dr. I. Goldschmidt. T. Warmvrurm t. Schl., 9. Juli. (Or.-Corr.) Die Zeitungen haben während dieser Saison eine Rubrik, unter welcher bemerkenswerthe Nachrichten aus den Bädern verzeichnet werden, eingerichtet. Da wird über Wind und Wetter und dergl. mehr berichtet. Das ist nun nichts speziell Jüdisches und braucht keine Stelle in einer jüd. Interessen gewidmeten Zeitung zu beanspruchen. Und doch wird oieses gesch. Blatr um Raum für eine solche Badeangelegenheit gebeten. Cs ist durchaus ein Moment jüd. Religiosität, „die Fallenden zu stützen und die Kranken zu heilen", und in diesem Sinne ist hier der richtige Platz, der leidenden Curbedürftigen zu gedenken, denen ein ungünstiges Geschick versagt hätte, Heilung und Stärkung in den Bädern zu suchen, wenn nicht Nächstenliebe und Mildherzigkcit solche Stätten der Wohlthätigkeit errichtet hätte. Sv hat die thätige jüd. Milde an verschiedenen Orten, wo die Kranken Gesundung und die Angegriffenen Erholung und Belebung des Körpers und Geistes suchen, Häuser aufgestellt, in denen jene Pflicht geübt wird. Hier in Warmbrunn, dessen heilwirkende Quellen und srischstärkende Gebirgsluft alljährlich Tausende herlocken, besteht ein jüd. Kurhospital, von dem einige Details hier folgen mögen. Eine Gemeinde existirt hier nicht; darum bedurfte es der ganzen regen Thatkrast einiger Männer, um eine solche Anstalt erstehen zu lassen. Namentlich machte sich der verewigte Herr Schneller, der die Seele des wohlthätigen Werkes gewesen, um die Entstehung desselben sehr verdient. Das gastliche Haus, in dem die Erholungsbedürftigen Aufnahme fitlden, liegt in der denkbar prächtigsten Lage Warmbrunns, auf einer kleinen Erhöhung. Dazu gehört ein zu einem Garten sehr geeignetes Stück Land, wenn nicht aus Gründen sparsamer Wirthschastlichkeit der größere Theil desselben zu spottbilligem Preise verpachtet werden müßte. Es ist zu bedauern, daß das gauze Terrain nicht den Zwecken der Anstalt dienstbar gemacht unb ein herrlicher Garten daraus gepflanzt werden kann. Man genießt eine großartige Aussicht auf einige der schönsten Partien des Riesengebirges, auch des höchsten Gipfels der Schneekoppe. Die Zimmer sind im Gegensatz zu den meisten Curhospitälern groß und luftig. Die ganze Einrichtung ist eine wunderbar praktische. Leider ist es jetzt nur möglich, in jed. Monat 12 Erholungsbedürftige zu beherbergen, weil die Mittel hierin Schranken setzen, obwohl das Gebäude die doppelte Zahl ebenso bequem fassen könnte. Im Interesse einer immer gedeihlicheren Entwickelung der der Menschenfreundlichkeit gewihten Anstalt ist zu wünschen und hoffen, daß die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf dieselbe gelenkt wird, daß das Institut seinem Zwecke der Humanität gerecht werden kann. Möge es durch Stiftungen und Legate bedacht werden, es ist ein sehr würdiges Object dazu. Für diese Saison können noch 5 bedürftige Kranke u«entgeltlich Aufnahme finden und zwar per 1. September zu einer vier wöchentlichen Kur. Behufs Ausnahme ist ein Gesuch an den „Vorstand des jüd. Kurhospitals zu Warmbbunn iu Schlesiell" zu richteli, und neben ärztlichen Attest auch ein Armuthszeugniß beizusügen. Aus der Provinz Kanrrover. (Schluß.) Herr Klingenstein bemängelt, daß noch aus dem Seminare der Katechismus tractirt wird. Nun ist es ja richtig, daß der jüdische Lehrer, der zugleich Religionslehrer ist, in den jüdischen Religionsquellen kein Fremdling sein darf. Der jüdische Lehrer muß die Geschichte des Judeuthums wenigstens zum Theil keimen, er muß Kenntniß haben von Rafchi, auch vom Schulchanaruch und selbst die Mischuah darf ihm nicht ganz fremd sein. Aber schließlich milß er doch auch unterwiesen werden, wie er Religion lehren soll, und da die Elementarschule eil,es Leitfadens in der Religionslehce nicht entbehre»! kann, da ferner der Unterricht ain Seminar ein Muster für den Unterricht in der Elementarschule sein soll, so muß der künftige Lehrer nothgedrungen in der Behandlung gerade des Leitfadens geübt werden. Hierin wird meiner Ansicht nach gewöhnlich am meisten gefehlt. Einerseits stehen die unzähligen Leitfäden nicht aus der Höhe ihrer Aufgabe und wäre es eine würdige Tagesordnung der Rabb.ner- und Scminarlehrer-ConserenzenMierln Wandel zu schaffen, das heißt einen Musterlcitfaden zu stände zu bringen. Doch vielleicht ist das noch verfrüht! — Andere,seits stehen obengenannte hebr. Fächer noch zu wenig im Connex mit der speciellen Religionslehre, so daß, wenn mau die verschiedenen Lehrbücher ihrer überflüssigen Phrasen und Zirkelschlüsse entkleidete,'ein Judenthum übrig bliebe, das, wie Professor Dr. Grätz sagt, in einer Nußschale Platz hätte. Mit einer so mageren Kost ist dem schwächlichen Geschlechte nicht gedient. Kurz: Es muß unbedingt gefordert werden, daß der künftige Lehrer unmittelbar iu das jüd. Schrlstthum eingesührt werde, und daß das Seminar die erforderliche Stundenzahl dazu gewährt erhalte; und es ist ferner nothwendig, darauf hinzuwirken, daß in den Volksschulen in der Religionslehre das eingentlich jüdische Moment, d. h. die tradrrten Glaubensanfchauungen und Lebeusnormen den Schülern nahe gebracht werden, damit der Schatz, den unser Schrlstthum enthält, nicht ein todter, vergrabener bleibe. — Giebt es eine jüdische Pädagogik? Ich antworte mit einem unbedingten: Ja! Die Antwort, eö gebe nur eine Geschichte der Pädagogik bei den Juden, involvirt eine bedauerliche Halbheit. Denn eben die Pädagogik, wie sie sich geschichtlich bei den Juden entwickelt, ist eure jüdische, gerade so wie die Form, die Gotteserkeunmiß und -Verehrung bei den Juden angenommen, jüdische Religion ist. Mir demselben Rechte, mit welcher man die jüdische Pädagogik leugnet, könnte man auch die jüdische Religion leugnen, und ich stehe nicht an, zu bekennen, daß, wenn man die jüd. Religion ihrer Formen und geschichtlichen Gestaltung beraubte, dauu wohl eine allgemeine, aber keme jüdische

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